Free21 – Das Magazin

 
 
 
Geschichte:
Keine Gerechtigkeit ohne Rückkehr der Flüchtlinge

 

Vor 70 Jahren ermordeten Zionisten in Jerusalem den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte. Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien für einen jüdischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf.
 
 
 
Gesellschaft:
Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs!

 

Die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft ist im Kern ineffizient. Der Anthropologe David Graeber greift den Mythos der modernen Arbeit an. Elmar Wigand hat für die NachDenkSeiten Graebers neues Buch „Bullshit-Jobs“ rezensiert.
 
 
Hintergrund:
Das Internet unter US-Aufsicht

 

Der folgende Artikel ist ein Appetithappen aus dem sehr lesenswerten Buch voller spannender Informationen von Werner Rügemer „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Allgemeinverständlicher Abriss zu den neuen Finanzakteuren im Westen und in China“. Veröffentlicht auf dem Blog von Norbert Häring
 
 
Leseprobe:
Wer organisiert die Mietpreisexplosion in Deutschland?

 

Ein Buch über die Rolle von BlackRock & Co.
 
 
Niemand wird als Terrorist geboren

 

Der so genannte „Kampf gegen den Terror“ ist mit schwersten Rechtsverstößen verbunden und offenbart zweierlei Maß, mit denen auch demokratische Staaten messen.
 
 
Kommentar:
Beobachtungen zur Flüchtlingsdebatte

 

Ein Gespenst geht wieder einmal um in Europa und dieses Mal ist es die Flüchtlingsdebatte.
 
 
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Editor`s choice
 
 
Syrien: Die Lügen der „Weißhelme“

Die sogenannten Weißhelme helfen nicht, sondern inszenieren und verbreiten Propaganda für den Krieg gegen Syrien.
 

1. Der Council on
Foreign Relations

Der Ursprung des Council on Foreign Relations liegt im sogenannten „Trauma von 1920“ [1]: Nach dem Ersten Weltkrieg hätten die USA erstmals die globale Führungsrolle übernehmen können – doch der Senat entschied sich gegen den Beitritt zum Völkerbund und die kriegsmüde Bevölkerung wählte mit Warren Harding einen Präsidenten, der eine „Rückkehr zur Normalität“ [2] versprach und sich zuerst um die Angelegen­heiten und Probleme Amerikas und der Amerikaner kümmern wollte.

„Wir sind jetzt ein
Imperium, und wenn wir handeln, so erschaffen wir unsere eigene Realität.“

Karl Rove,
ehemaliger Leiter des Büros für Strategische Initiativen der US-Regierung

Um ein solches Fiasko künftig zu vermeiden und „Amerika für seine weltweiten Pflichten zu erwecken“, [3]  gründeten international orientierte Bankiers, Unternehmer und Politiker im Folgejahr in der Finanz- und Handelsmetropole New York den parteiübergreifenden CFR. Durch die Mitarbeit führender Akademiker und Publizisten, darunter Archibald Coolidge (The United States as a World Power, 1908) und Walter Lippmann (Public Opinion, 1922), sollten Ideen für eine „aktive“ Außen­politik entwickelt und in der Öffentlichkeit beliebt gemacht werden.

 

Der Durchbruch gelang dem Council während des Zweiten Weltkriegs, als CFR-Experten im Rahmen der War and Peace Studies [4] die amerikanische Kriegsstrategie sowie die Grundsätze der Nachkriegsordnung formulierten – inklusive den Satzungen von UNO, Weltbank und Weltwährungsfonds [5]. Dabei folgten sie der Vorgabe von CFR-Gründungs­direktor Isaiah Bowman, wonach die USA künftig die „globale Sicherheit garantieren“ müssten, dabei jedoch „konventionelle Formen des Imperialismus“ zu vermeiden hätten, weswegen der Ausübung amerikanischer Macht ein „internationaler Charakter“ zu verleihen sei (Shoup & Minter, 1977:169ff).

 

Auf diese Weise entstand – nur 170 Jahre nach der Unabhängig­keits­erklärung – ein globales American Empire [6], dessen Schlüssel­positionen seitdem nahezu durchgehend von den inzwischen knapp 5000 Vertretern des CFR besetzt wurden (siehe folgende Abbildung sowie Auflistung nach Administration [7]). Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel bezeichnete [8] den Council deshalb einst als die „einfluss­reichste private Institution Amerikas und der westlichen Welt“ und als ein „Politbüro für den Kapitalismus“.

 

Mit dem Zweiten Weltkrieg erweiterte sich das amerikanische Einflussgebiet erstmals auf (West-)Europa und Ostasien (insbesondere Japan). Um in diesen Regionen lokale Eliten aufzubauen und in die eigenen Planungen miteinzubeziehen, musste der Council sein Netzwerk ergänzen: Für Europa lancierte CFR-Mitglied Charles D. Jackson, Eisenhowers Assistent für psychologische Kriegsführung, 1954 die sogenannte Bilderberg-Gruppe, während für Ostasien von CFR-Präsident David Rockefeller und CFR-Direktor Zbigniew Brzezinski 1972 die Trilaterale Kommission gegründet wurde.

 

Beide Organisationen haben zum Ziel, die zentralen geostrategischen Heraus­forderungen zu erörtern und einen länder- und partei­über­greifenden Konsens zu entwickeln. Der ehemalige französische Premier­­minister (und Bilderberg-Teilnehmer) François Fillon dürfte insofern nicht unrecht gehabt haben, als er 2013 konstatierte [9]: „Es sind die Bilderberger, die uns regieren.“

2. Die CFR-Matrix

Die erfolgreiche Umsetzung einer geopolitischen Strategie – in Friedens- und insbesondere in Kriegszeiten – wäre undenkbar ohne die wirkungsvolle Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Autoritäre Staaten sind hierfür meist auf direkte Regierungs­propaganda angewiesen, die indes oft rasch an Glaub­würdigkeit verliert.

 

Der Council ging dies klüger an: Mit seinen inzwischen knapp 5000 Mitgliedern baute er ein scheinbar vielfältiges und unabhängiges Informations­system auf, in dem jedoch nahezu alle relevanten Quellen und Bezugspunkte von Mitgliedern des CFR und seiner Partner­organisationen kontrolliert werden. Auf diese Weise entstand eine historisch einzigartige „Propaganda-Matrix“, deren Elemente und Funktionsweise im Folgenden dargestellt werden.

Eingebettete Medien

Ob Zeitungen, Magazine, Rundfunk oder Internet: Der Council on Foreign Relations war stets darauf bedacht, Eigentümer, Chef­redakteure und Top-Journalisten der führenden Medien in seine Strukturen zu integrieren.

 

In den USA wurden tatsächlich nahezu alle bekannten Medien von CFR-Vertretern gegründet oder bereits vor Jahrzehnten aufgekauft. Dies war möglich, weil für den Betrieb eines einflussreichen Mediums bis dahin erhebliche finanzielle Mittel sowie Zugang zu politischen Entscheidungsträgern erforderlich waren – und über beides verfügt der Council und seine Mitglieder wie kaum eine andere Gruppierung. Selbst moderne Internet­unternehmen wie Google und Facebook sind auf höchster Ebene in das Netzwerk des Councils eingebunden – und bisweilen auch an dessen internationalen Operationen [10] beteiligt.

 

Die traditionellen Medien in (West-)Deutschland wurden nach dem Krieg in einem alliierten Lizenzverfahren [11] gegründet und mit sorgfältig ausgewählten Verlegern und Chef­redakteuren besetzt – Strukturen, die sich über verwandtschaftliche und andere Beziehungen bis heute erhalten haben. Nebst der Bilderberg-Gruppe und der Trilateralen Kommission erfolgt die Einbindung und Sozialisierung der führenden deutschen Medienleute dabei insbesondere über die sogenannte Atlantik-Brücke [12], die 1952 von CFR- und Weltbank-Präsident sowie Hochkommissar für Deutschland, John J. McCloy, zusammen mit CFR-Mitglied und Bankier Eric Warburg – dem Enkel von CFR-Direktor und Federal Reserve Initiant Paul Warburg – gegründet wurde.

 

Auch die offiziell neutrale Schweiz ist seit dem Zweiten Weltkrieg in die transatlantische Wirtschafts- und Sicherheits­architektur integriert und hat in hohem Maße von ihr profitiert. Deshalb liegt eine von transatlantischen Standards abweichende, allzu kritische Medien­bericht­erstattung – die rasch als „feindliche Propaganda“ [13] gewertet und zu unerwünschten politischen oder ökonomischen Komplikationen führen könnte – nicht im Landesinteresse.

 

In geopolitischen bzw. imperialen Angelegenheiten berichten mithin auch die etablierten Schweizer Medien weitgehend CFR- und NATO-konform [14]. Begünstigt wird diese Konformität durch die zunehmende Medien­konzentration, die dazu führte, dass inzwischen über 90% [15] des Schweizer Marktes von nur fünf Medien­häusern kontrolliert werden. Die strukturelle Einbindung dieser Verlage erfolgt dabei primär über die Bilderberg-Gruppe sowie über zunehmend enge Kooperationen [16] mit deutschen Atlantikbrücke-Medien.

NATO-konform: Die Tagesschau des Schweizer Fernsehens SRF

In den folgenden Grafiken werden die soeben beschriebenen Mediennetzwerke in den USA, Deutschland und der Schweiz anhand der offiziellen Mitglieder- und Teilnehmerlisten erstmals grafisch dargestellt. Wie ersichtlich umfassen sie im Wesentlichen sämtliche sogenannten „Mainstream-Medien“. Diese zugleich abwertende wie anmaßende Bezeichnung kann insofern als eine Umschreibung für CFR-konforme Publikationen begriffen werden.

 

Obige Medien – sowie einige weitere, kleinere Publikationen – bilden den inneren Ring der Informationsmatrix. Sie suggerieren der Bevölkerung eine scheinbare Informationsvielfalt, vermitteln ihr in Wirklichkeit jedoch eine möglichst homogene und CFR-konforme Sichtweise auf das Welt­geschehen. Hierfür steht den Medien ein umfangreiches Instrumentarium [17] mit über zwei Dutzend ver­schie­denen Methoden zur Verfügung, die von einer tendenziösen Sprache über die selektive Themen­wahl und systematische Ausblendung von Kontext bis hin zur gelegentlichen Falschbehauptung reichen.

 

Um die langfristige Kohärenz dieser Medienmatrix sicherzustellen, ist jedoch zusätzlich ein äußerer Ring erforderlich, der die Medien mit geeigneten Informationen, Sichtweisen und Deutungs­mustern versorgt. Dieser äußere Ring besteht primär aus trans­atlantischen Regierungen, Militärs, Geheimdiensten, NGOs, Denkfabriken und Experten sowie Nachrichten- und PR-Agenturen, die ihrerseits allesamt in das weitverzweigte Netzwerk des CFR eingebunden sind, wie die folgenden Abschnitte zeigen.

Nichtregierungsorganisationen (NGOs)

Während Propaganda in autoritären Staaten zumeist direkt von der Regierung ausgeht (und entsprechend einfach zu durchschauen ist), spielen in der CFR-Matrix die sogenannten Nicht­­regierungs­­organisationen (NGOs) eine besondere Rolle, da sie der Bevölkerung eine Regierungsferne und mithin eine größere Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit suggerieren.

 

Tatsächlich sind die Direktoren [18] von Amnesty International (AI), Human Rights Watch (HRW) und vieler weiterer vordergründig humanitärer Organisationen jedoch seit Jahrzehnten in den Council eingebunden [19], während zahlreiche andere von CFR-Milliardären wie George Soros finanziert und gelenkt werden. Letzterer betreibt dabei durchaus keine eigenständige Außenpolitik, sondern unterstützt lediglich die internationalen Operationen des Councils im Rahmen seiner (beträchtlichen) Möglichkeiten und mit einem Fokus auf mehr oder weniger bunte Revolutionen [20].

 

Während diese NGOs unterm Jahr bisweilen durchaus sinnvolle, indes überwiegend folgenlose Arbeit leisten (z.B. Berichte zur inter­nationalen Menschen­rechts­lage verfassen), kommt ihre geopolitische Funktion immer dann zum Einsatz, wenn es gilt, einen Regime Change vorzubereiten oder eine Militärintervention humanitär zu legitimieren.

 

So „verifizierte“ [21] Amnesty International bereits 1991 öffentlich die von einer amerikanischen PR-Firma erfundene „Brutkastenlüge“ [22] und trug damit wesentlich zur Lancierung des Golfkriegs bei. Auch auf dem Balkan, in Afghanistan („NATO: keep the progress going!“) [23], dem Irak und Libyen forderten AI und HRW auf Basis fragwürdiger bis falscher Behauptungen [24] „humanitäre“ Militärinterventionen.

 

Im Syrienkrieg hatte Human Rights Watch nach dem Giftgasangriff vom Sommer 2013 alsbald ein Gutachten [25] zur Hand, welches die Täterschaft der syrischen Regierung belegen und damit eine NATO-Intervention begründen sollte. Das Gutachten stellte sich in einer späteren Analyse von MIT-Forschern freilich als fabriziert [26] heraus – für CFR-Medien wohl auch künftig kein Grund zur Skepsis.

HRW-Direktor und CFR-Mitglied Kenneth Roth auf der Deutschen Welle

Im ostafrikanischen Eritrea, das sich den amerikanischen Hegemonial­ansprüchen seit seiner Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 widersetzt hat, wurden Amnesty International und Human Rights Watch 2011 sogar auf frischer Tat bei einer Regime-Change-Operation ertappt [27]: In geheimer Mission infiltrierten teils als Nonnen getarnte Mitarbeiter das Land, um ein verdecktes Netzwerk aufzubauen, das später auf Kommando landesweite Proteste auslösen sollte. In einem abgefangenen Schreiben der Amnesty-Direktorin für „Spezial­programme in Afrika“ heißt es: „Unser Ziel ist es, dass das Regime von Issayas Afewerky bis Ende des Jahres ins Wanken gerät und gestürzt werden kann.“

 

Neben den permanenten NGOs wie Amnesty und HRW gründen und finanzieren [28] CFR-geführte Institutionen wie USAID und NED für einzelne Konflikte bei Bedarf zusätzlich temporäre Organisationen, die lokale Aufgaben übernehmen und sich nahtlos in die Matrix einfügen lassen. In Syrien entstanden auf diese Weise etwa die Syrische Beobachtungs­stelle für Menschen­rechte, das Aleppo Media Center [29] oder die berüchtigten Weißhelme, die die westlichen Agenturen und Medien mit dramatischen und nicht immer über alle Zweifel erhabenen Bildern und Informationen versorgten [30].

 

Ein Mitarbeiter der Weißhelme zeigt auf den UNO-Hilfskonvoi, der am 20. September 2016 in der Nähe von Aleppo unter ungeklärten Umständen ausbrannte, und beschuldigt Russland und Syrien.

 

Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche aufrichtige und unabhängige NGOs, die sich ernsthaft für den Frieden und die Menschen­rechte engagieren. Nur sind diese zumeist mit wesentlich weniger Mitteln ausgestattet, und kommen in CFR-Medien kaum je zu Wort – insbesondere nicht in geostrategisch entscheidenden Momenten.

Denkfabriken und
Experten

Eine weitere wichtige Funktion in der CFR-Matrix nehmen die sogenannten Denkfabriken (Think Tanks) und Experten wahr. Diese versorgen die Medien und die Öffentlichkeit mit scheinbar fundierten und objektiven Einschätzungen und Analysen. Tatsächlich sind jedoch nahezu alle Experten, die in CFR-konformen Medien zu Wort kommen, ihrerseits in das transatlantische Netzwerk des Councils integriert – wobei dies dem Publikum zumeist nicht mitgeteilt wird.

 

In den USA betrifft dies etwa die Brookings Institution, die RAND Corporation, den NATO-nahen Atlantic Council, das Aspen Institute oder das Center for Strategic and International Studies (CSIS), die allesamt von CFR-Kadern geführt werden. Auch der Gründer des „investigativen Journalisten-Kollektivs“ Bellingcat – das CFR-Medien in der Ukraine-Krise und im Syrienkrieg mit einschlägigen Analysen belieferte – tauchte alsbald als Senior Non-Resident Fellow beim Atlantic Council auf.

 

Hinzu kommen Dutzende von Politik-, Wirtschafts- und Geschichts­professoren sowie die Präsidenten der meisten amerikanischen Elite­universitäten, die als CFR-Mitglieder für einen konformen Forschungs- und Lehrbetrieb sorgen und den Medien als Experten zur Verfügung stehen (siehe erste Abbildung).

 

In Deutschland zählen zu den in CFR-Medien gefragten Denkfabriken insbesondere die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) – die 1955 vom CFR mitgegründet und vom ehemaligen Atlantikbrücke-Chef Arendt Oetker präsidiert wird – sowie die von einem BND-Geheimdienstler auf Anraten von CFR-Direktor Kissinger gegründete Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die SWP wird hauptsächlich von der deutschen Bundes­regierung finanziert und von Volker Perthes geleitet, der gleichzeitig Mitglied in der Atlantikbrücke, der Trilateralen Kommission, der Bilderberg-Gruppe und der DGAP ist und damit zu den führenden Transatlantikern Deutschlands zählt.

SWP-Direktor Volker Perthes in den ARD-Tagesthemen (ARD)

Die SWP ist indes nicht nur eine Denkfabrik, sondern auch ein Planungsbüro: So organisierte sie 2012 in Berlin zusammen mit dem „US Institute of Peace“ – das vom ehemaligen US-Sicherheitsberater und CFR-Mitglied Stephen Hadley geleitet wird – eine Serie von Workshops mit syrischen Oppositionellen und Rebellen, um die Zeit nach dem anvisierten Regierungssturz zu planen (Projekt „Day After“) [33].

 

In der Schweiz gibt es mit Ausnahme des ETH Center for Security Studies kaum noch nennenswerte geopolitische Institute. Das Schweizer Fernsehen und Zeitungen wie die NZZ greifen für ihre Interviews und Gastbeiträge deshalb ebenfalls gerne auf SWP-Experten und andere deutsche Trans­atlantiker zurück – wobei deren einschlägige Verbindungen üblicherweise nicht offengelegt werden.

 

Unabhängige Experten – an Fachwissen ihren transatlantischen Kollegen nicht selten überlegen – haben in den CFR-Medien hingegen einen schweren Stand: Die meisten von ihnen werden schlicht ignoriert, während besonders kritische Köpfe sogar mit Diffamierungs­kampagnen rechnen müssen, wie sie zuletzt der deutsche Islam­wissen­schaftler und Syrienkenner Michael Lueders oder der Schweizer Historiker und Experte für verdeckte Kriegsführung Daniele Ganser erlebten.

Militär

Auch das Militär der USA und der NATO-Staaten ist ein integraler Bestandteil der CFR-Matrix und spielt insbesondere in Krisen- und Kriegszeiten eine entscheidende Rolle.

 

Der CFR unterhält seit Jahrzehnten ein eigenes Ausbildungs­programm für Offiziere, sodass inzwischen Schätzungen zufolge rund 75% [34] aller höheren US-Militärs vom CFR ausgebildet wurden – inklusive nahezu aller Generalstabschefs, NATO-Oberbefehlshaber und Gebietskommandeure seit dem Zweiten Weltkrieg (siehe erste Abbildung und Auflistung pro Administration) [35]. Auf diese Weise hat sich der Council eine ideologisch geschulte, imperiale Streitkraft aufgebaut, wie man dies sonst fast nur von totalitären Regimen her kennt.

 

Ulrich Tilgner, der langjährige Nahost-Korrespondent des ZDF und Schweizer Fernsehens, beschrieb [36] die Interaktion zwischen Medien und Militär im Rückblick auf den Irak-Krieg von 2003 wie folgt:

 

„Mit Hilfe der Medien bestimmen die Militärs die öffentliche Wahrnehmung und nutzen sie für ihre Planungen. Sie schaffen es, Erwartungen zu wecken und Szenarien und Täuschungen zu verbreiten. In dieser neuen Art von Krieg erfüllen die PR-Strategen der US-Administration eine ähnliche Funktion wie sonst die Bomberpiloten. Die Spezial-Abteilungen für Öffentlich-keits--arbeit im Pentagon und in den Geheim-diensten sind zu Kombattanten im Informationskrieg geworden.

 

Dabei nutzen die amerikanischen Militärs die mangelnde Transparenz der Bericht­erstattung in den Medien gezielt für ihre Täuschungs­­manöver. Die von ihnen gestreuten Informationen, die von Zeitungen und Rundfunk aufgenommen und verbreitet werden, können Leser, Zuhörer oder Zuschauer unmöglich bis zur Quelle zurückverfolgen. Somit gelingt es ihnen nicht, die ursprüngliche Absicht der Militärs zu erkennen. … Journalisten werden so als Mittel genutzt, den Kriegsgegner in die Irre zu führen. Information wird zum Bestandteil der Kriegsführung: zum Informationskrieg.“ (Tilgner, Der inszenierte Krieg, 2003/2007)

 

Tilgners Einschätzung wurde von Tom Curley, dem ehemaligen Chef der amerikanischen Nachrichten­agentur Associated Press, bestätigt. Curley machte in einem Vortrag von 2009 publik, dass allein das Pentagon 27’000 PR-Spezialisten [37] beschäftigt, die mit einem jährlichen Budget von fast 5 Milliarden Dollar Propaganda und Desinformation produzieren. Zudem hätten hohe US-Generäle gedroht, dass man die AP und ihn „ruinieren“ werde, falls die Reporter allzu kritisch über das US-Militär berichten sollten. Dennoch – oder deswegen – übernehmen CFR-Medien die Verlautbarungen des US- und NATO-Militärs zumeist gänzlich unkritisch.

 

Die Symbiose zwischen Militär und Medien reicht somit weit über die berüchtigten „eingebetteten Journalisten“ hinaus. Unabhängige Investigativ-Journalisten haben hingegen einen schweren Stand: Sie werden von NATO-Mitgliedern gemäß Wikileaks-Dokumenten als eines der größten Sicherheits­risiken eingestuft [38] – und entsprechend behandelt [39].

Geheimdienste

Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nahezu alle CIA-Direktoren Mitglieder des Councils. Bereits die Vorgänger­organisation der CIA, das Office of Strategic Services (OSS), wurde von den CFR-Mitgliedern Allen Dulles und William J. Donovan gegründet und geleitet. Insofern dürfte die CIA eher als ein verdeckt operierender Arm des Councils zu sehen sein, und weniger als ein klassischer, ausschließlich dem US-Präsidenten unterstellter Geheimdienst.

 

Damit erscheint auch die bekannte Operation Mockingbird in einem etwas anderen Licht. Mitte der 70er Jahre wurde publik, dass die CIA in nahezu allen US-Medien über Konfidenten verfügte [40] und diese mit Information bzw. Desinformation belieferte. Allerdings waren die Chefs dieser Medien ohnehin längst in den Council eingebunden und saßen mit den Direktoren der CIA am selben Tisch – von einer subversiven Unter­wanderung ansonsten unabhängiger Medien kann insofern nicht wirklich gesprochen werden. Beendet haben soll dieses Programm übrigens CIA- und CFR-Direktor George H.W. Bush – zumindest stand dies damals so in den Zeitungen.

 

Dass auch einige deutschsprachige Top-Journalisten eng mit Geheimdiensten zusammenarbeiten, dies zeigt beispielhaft der Fall von Otto Schulmeister. Schulmeister war langjähriger Chefredakteur der Presse, einer der traditionsreichsten Tages­zeitungen Österreichs. Dabei unterhielt er enge Kontakte zur CIA und wurde vom Geheim­dienst laufend mit „Material“ versorgt. In der CIA-Zentrale freute man sich über die gute Zusammenarbeit, wie in seinem kürzlich deklassifizierten Dossier nachzulesen [41] ist: „Material ausgehändigt. Es erschien ein Leitartikel nach unseren Anweisungen.“

Anschlag auf den Bahnhof von Bologna, 1980: Eine Gladio-Operation

Das Besondere an Geheimdiensten wie der CIA ist indes, dass sie nicht nur in der Gewinnung und Verarbeitung von Information tätig sind, sondern auch verdeckte Operationen durchführen. Beispiels­weise organisierten britische und amerikanische Geheimdienste zusammen mit der NATO während des Kalten Kriegs Dutzende Bombenanschläge in Westeuropa, die sodann kommunistischen und arabischen Gruppierungen angelastet wurden (Operation Gladio) [42]. CFR-konforme Medien verbreiteten dabei stets das offizielle Narrativ und stellten keine kritischen Fragen – ein Mechanismus, der sich bis heute beobachten lässt.

 

Auf diese Weise kann das Netzwerk des Councils von der verdeckten Operation bis hin zur medialen Bericht­erstattung eine ganze Ereigniskette dirigieren und so eine künstliche Realität erschaffen, mit der sich die Öffentlich­keit nahezu beliebig lenken lässt. Oder wie es der ehemalige CIA-Direktor und Council-Vertreter William Casey einst formulierte [43]: „Unser Desinformations­programm wird erst abgeschlossen sein, wenn alles, was die Öffentlich­keit glaubt, falsch ist.“

Regierungen

Bis zur überraschenden Wahl von Donald Trump besetzte der Council während Jahrzehnten nahezu alle Schlüssel­positionen in der US-Regierung und stellte pro Administration – ob demokratisch oder republikanisch – mehrere hundert Spitzenbeamte und Berater. Der ehemalige US-Senator Barry Goldwater sagte [47] dazu einst: „Wenn wir die Präsidenten wechseln, dann bedeutet dies, dass die Wähler einen Wechsel in der nationalen Politik wünschen. Bisher gab es zwar stets einen großen Wechsel an Personal, aber keinen Wechsel in der Politik, denn ein CFR-Mitglied löste das andere ab.“

 

Andere Regierungen im Einflussbereich der USA haben meist nur geringen Einfluss und Spielraum, wenn es um geopolitische bzw. imperiale Angelegenheiten geht. Werner Weidenfeld, der langjährige Koordinator der deutschen Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, erklärte [48] dies in einem Interview wie folgt: „Wenn wir in einer ernsten Frage anderer Auffassung sind [als die Amerikaner], dann kommt Geheim­dienst­material auf den Tisch, das Deutschland belastet, und [es heißt:] entweder ihr macht mit, oder ihr seid dran.“

Werner Weidenfeld bei „Beckmann“

Auch die offiziell neutrale Schweiz kann sich den geopolitischen Zwängen nicht entziehen: Würde sich die Eidgenossen­schaft beispielsweise nicht an den US-initiierten Sanktionen gegen Russland, Syrien oder den Iran beteiligen, dann gäbe es eben Sanktionen gegen die Schweiz (wie sie im Rahmen des Hotz-Linder-Abkommens [49] schon einmal angedroht wurden) – mit verheerenden Folgen für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Entsprechend zurück­haltend berichten staats­tragende Medien über derartige Themen.

 

Innerhalb der Matrix nehmen Regierungen verschiedene Aufgaben wahr. Einerseits zählen sie natürlich seit jeher zu den Hauptakteuren in der unmittelbaren Verbreitung von Propaganda. Im Vergleich zu autoritären Staaten profitieren Demokratien dabei vom Umstand, dass ihre durch Propaganda „belasteten“ Regierungen alle paar Jahre durch frische Nachfolger mit neuem Vertrauens­vorschuss [50] abgelöst werden – wobei sich an den geopolitischen Macht­ver­hältnissen und Mechanismen durch den Regierungs­wechsel freilich nichts ändert

 

Noch wesentlich grundlegender ist jedoch der staatliche Einfluss auf das Bildungs­wesen, durch welches das Welt- und Geschichts­bild einer Bevölkerung nachhaltig geformt wird. Insbesondere die Geschichts­schreibung ist ein essentielles Instrument, um „Gut“ und „Böse“ zu definieren und das Selbst­ver­ständnis von Ländern zu prägen. Und obwohl jeder weiß, dass „der Sieger die Geschichte schreibt“, sind sich nur wenige bewusst, dass dem tatsächlich so ist.

 

CFR-Medien tragen das Ihre dazu bei, die imperiale Geschichts­schreibung in der Öffentlich­keit präsent zu halten, während es kritischen Historikern („Revisionisten“) oft noch schlechter ergeht als ihren Kollegen im Journalismus. Denn es gilt das Diktum von George Orwell: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

Hollywood

Nebst den traditionellen Medien ist auch die Filmindustrie in Hollywood ein fester Bestandteil der CFR-Matrix, zumal die Chefs aller bekannten Filmstudios – von Disney über Universal bis 20th Century Fox – in den Council eingebunden sind. Deshalb erstaunt es nicht, dass Hollywood von American Sniper bis Zero Dark Thirty einen Propaganda­streifen nach dem anderen in die Kinos bringt und damit – zusätzlich zum Schulunterricht – das Welt- und Geschichtsbild breiter Bevölkerungs­schichten auf mehr oder weniger subtile Art und Weise beeinflusst.

 

Die Filmstudios agieren dabei nicht unabhängig von den übrigen Akteuren der CFR-Matrix: Gemäß kürzlich veröffentlichten Dokumenten [56] haben Pentagon und CIA die Drehbücher von mindestens 800 Kinofilmen und über 1000 TV-Produktionen bis in einzelne Dialoge und Figuren hinein bearbeitet, um dem Publikum die gewünschten Botschaften und Stereotype zu vermitteln. Besonders lohnenswert ist dieser Aufwand, wenn es Ende des Jahres für die jeweilige Filmproduktion einen Oscar gibt – so wie zuletzt für den „Dokumentarfilm“ [57] über die ominösen Weißhelme in Syrien.

„Der Kinofilm ist eines der mächtigsten Propagandawerkzeuge, die den Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen.“

Zitat aus: Der Film als Waffe in der psychologischen Kriegsführung, Memo des US-Geheimdienstes OSS [58]

Doch nicht nur Filmstudios, auch einige der bekanntesten Hollywood-Stars sind Mitglied im CFR und engagieren sich für dessen internationale Projekte. Wenn Angelina Jolie nach Libyen fliegt, um mit den NATO-Revolutionären Solidarität [59] zu zeigen und sie für ihren Einsatz zu loben [60], oder wenn George Clooney sich (der hungernden Kinder wegen) für die Aufspaltung des (ölreichen und China-freundlichen) Sudans unter US-Aufsicht einsetzt [61], dann berichten CFR-Medien ausführlich [62] darüber – und erwähnen dabei nur eines nicht: dass diese Schauspieler selbst Mitglieder des Councils sind.

Nachrichtenagenturen

Eine besondere Rolle in der Informationsmatrix nehmen die Nachrichten­agenturen ein. Der ehemalige Geschäftsführer der österreichischen Nachrichten­agentur APA beschrieb ihre Funktion mit diesen Worten: „Nachrichten­agenturen stehen selten im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Dennoch sind sie eine der einflussreichsten und gleichzeitig eine der am wenigsten bekannten Mediengattungen. Sie sind Schlüssel­insti­tutionen mit substanzieller Bedeutung für jedes Mediensystem. Sie sind das unsichtbare Nerven­zentrum, das alle Teile dieses Systems verbindet.“ (Segbers 2007, S.10)

 

Tatsächlich stammen bei internationalen Ereignissen nahezu alle Texte und Bilder, die CFR-Medien verwenden, von nur drei globalen Nachrichten­agenturen: der amerikanischen Associated Press (AP), der britisch-kanadischen Thomson-Reuters, und der französischen Agence France-Presse (AFP). Selbst internationale Korrespondenten müssen sich für ihre Arbeit zumeist auf diese Agenturen verlassen, wie der langjährige holländische Kriegs­bericht­erstatter Joris Luyendijk in seinem Buch „Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges“ [63] eindrucksvoll beschrieb.

 

Die Dominanz der drei globalen Agenturen hat einerseits zur Folge, dass sich in CFR-Medien von Wien bis Washington meist in etwa dieselben Informationen finden – und dieselben Informationen fehlen. Andererseits erleichtert die zentrale Informations­distribution jenen Akteuren die Arbeit, die in entscheidenden Momenten Propaganda und Desinformation in das weltweite Mediensystem einspeisen möchten.

 

Reuters-Kriegskorrespondent Fred Bridgland beschrieb dies in einer bemerkenswerten Reportage [64] des britischen Channel 4 wie folgt: „Wir basierten unsere Berichte auf offiziellen Mitteilungen. Erst Jahre später erfuhr ich, dass in der US-Botschaft ein Desinformations-Experte der CIA saß und diese Mitteilungen erfand, die überhaupt keinen Bezug zur Realität hatten.  Aber ehrlich gesagt, egal was die Agenturen publizieren, es wird von den Redaktionen sowieso aufgenommen.“

 

Während Reuters und AP direkt in den Council eingebunden sind, gehört die AFP dem französischen Staat, der seinerseits über die Bilderberg-Gruppe und die NATO in die transatlantischen Strukturen integriert ist. Im Endeffekt fungieren die globalen Agenturen dadurch als eine Art „Propaganda-Multiplikator“ [65], mit dem CFR-Operateure und ihre Partner die gewünschten Botschaften weltweit verbreiten können. Dabei profitieren sie vom Umstand, dass die Agenturen im Normalfall absolut seriös arbeiten und deshalb einen ausgezeichneten Ruf genießen.

 

Nur dank den drei globalen Agenturen gelangten etwa die zweifelhaften Berichte der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte oder die fragwürdigen Ukraine-Analysen von Bellingcat an hunderte internationale Medien und dadurch an ein weltweites Milliardenpublikum.

 

Auch die Bilder des ausgebrannten UN-Hilfskonvois bei Aleppo im September 2016 sowie des „Giftgasangriffs“ auf Khan Sheikhoun im April 2017 – beide Ereignisse sind bis heute nicht aufgeklärt – gingen um die Welt und sorgten für massive diplomatische und sogar militärische Reaktionen. Die Fotos stammten in beiden Fällen von den zwei selben, in US-unterstützte Milizen eingebetteten, Agenturfotografen [66].

 

Die Arbeiten unabhängiger Reporter schaffen es bei geopolitisch brisanten Ereignissen hingegen kaum in die Nachrichten. Der Norweger Jan Oberg war im Dezember 2016 als einer von wenigen Fotografen im rückeroberten Aleppo vor Ort, doch seine Bilder [67] konnte er in keinem Medium unterbringen – sie hätten „nicht ins westliche Narrativ gepasst“ [68]. Und der langjährigen Nahost-Korrespondentin und Syrien-Kennerin Karin Leukefeld wurde mitgeteilt, man könne ihre Reportagen nicht mehr verwenden, da sie sich nicht an die „einschlägigen Agentur­meldungen“ [69] halte.

 

Chefs von Nachrichtenagenturen haben aufgrund ihres Überblicks über die Medien­land­schaft mitunter aber noch ganz andere Aufgaben [70]: So war der Direktor der Schweizerischen Depeschen­agentur SDA während des Kalten Krieges persönlich dafür zuständig, der „Links­lastigkeit“ verdächtigte Schweizer Journalisten zwecks Fichierung und Observation der Bundes­polizei zu melden.

PR-Agenturen

Was Regierungen, Militärs und Geheimdienste nicht selbst durchführen können oder wollen, das übernehmen externe PR-Agenturen. Die bekannte „Brutkastenlüge“  wurde etwa von der US-Agentur Hill & Knowlton inszeniert, indem die Tochter des kuwaitischen Botschafters zur Kranken­schwester gemacht und auf ihre Falschaussage vor dem US-Kongress vorbereitet wurde.

 

Die Schlüsselfigur war damals John E. Porter, der den Kongress­ausschuss leitete und gleichzeitig mit der PR-Agentur kooperierte. Angesichts solcher Kollusion forderte selbst die CFR-konforme New York Times Konsequenzen – und die gab es tatsächlich: Porter wurde kurz darauf in den Council gewählt.

Die Brutkastenlüge: „Krankenschwester“ Nayirah vor dem US-Kongress, 1991

Der Golfkrieg war eben erst beendet und die Brutkasten­lüge aufgedeckt, da war die US-Agentur Rudder Finn bereits in den Balkan­kriegen aktiv [71] und bereitete den publizistischen Boden für die folgende NATO-Intervention [72]. Der damalige Direktor von Rudder Finn erklärte in einem späteren Interview [73], warum seine Firma beispiels­weise die Falsch­meldung von serbischen „Todeslagern“ in Bosnien verbreitete:

„Unsere Arbeit ist nicht, Informationen zu überprüfen. Dafür sind wir nicht ausgerüstet. Unsere Arbeit ist es, die Zirkulation von für uns günstigen Informationen zu beschleunigen und sorgfältig ausgewählte Ziele zu erreichen. Wir haben die Existenz von Todeslagern in Bosnien nicht bestätigt, wir haben nur bekannt gemacht, dass [das US-Magazin] Newsday diese behauptet hat.  Wir sind Professionals. Wir hatten einen Job und wir erledigten ihn. Wir sind nicht bezahlt um moralisch zu sein.“

Als der Auslandschef einer Schweizer Wochen­zeitung diese und andere Kriegslügen Mitte der 1990er Jahre einem deutsch­sprachigen Publikum bekannt machen wollte, intervenierten umgehend bekannte Medienhäuser aus Deutschland und der Schweiz bei seinem Verleger und sorgten dafür, dass er zu Bosnien vorläufig nichts mehr schreiben durfte und gar seine Absetzung diskutiert wurde [74].

 

Auch im Syrienkrieg waren PR-Profis gefragt. Ein Höhepunkt war hierbei zweifellos das „siebenjährige Twitter-Mädchen Bana Alabed“ [75], welches der Bevölkerung in den NATO-Staaten in bestem Englisch versicherte, dass die Rückeroberung Aleppos durch die syrische Armee und Russland keine Befreiung, sondern ein neuer „Holocaust“ sei. CFR-Medien berichteten während Wochen [76] über das Kind.

 

Schließlich wurde bekannt, dass „Bana“ bei der britischen PR-Agentur The Blair Partnership unter Vertrag ist [77], bei der auch Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling mitwirkt, die ihr zuvor medienwirksam eines ihrer Bücher zukommen ließ. Keine Geschenke gab es hingegen für einen deutschen Blogger, der dem Magazin Stern wegen unkritischer Verbreitung der Bana-Geschichte „Fake News“ vorwarf: Er wurde umgehend verklagt [78].

 

Ein weiteres Spezialgebiet von PR-Agenturen ist das sogenannte Astroturfing [79], bei dem eine künstliche öffentliche Bewegung lanciert wird, um ein politisches Ziel zu erreichen. Besonders beliebt sind hierzu Online-Petitionen vermeintlich humanitärer Organisationen wie Avaaz [80] oder Campact [81], die dann statt Unterstützung für den Regenwald plötzlich eine „Flug­verbots­zone“ über Libyen fordern.

3. Journalisten in der Matrix

Ein entscheidender Aspekt der CFR-Matrix besteht darin, dass auch gewöhnliche Journalisten in sie eingeschlossen sind. Viele Journalisten dürften mithin selbst an die ihnen vorgesetzten Narrative glauben, während andere wie PR-Profis arbeiten und ihre Beiträge einfach mit dem gewünschten Spin abliefern. Wieder andere mögen in der Konformität gar eine Karrierechance für sich erblicken.

 

Redaktionelle Eingriffe aufgrund von „Bünd-nis-rück-sich-ten“: Nahost-Korrespondent Tilgner

 

Doch vorselektierte Quellen, Gruppendruck und die Abhängigkeit von Vorgesetzten und Auftrag­gebern sorgen dafür, dass es selbst für aufrichtige und intelligente Journalisten schwierig bis unmöglich ist, die Informations­matrix von innen heraus zu durchbrechen und abweichende Standpunkte einzubringen, sofern imperiale Angelegenheiten tangiert sind.

 

So haben Mitarbeiter der ARD gemäß internen Memos die Vorgabe, bei geopolitischen Konflikten „west­liche Posi­tionen zu ver­tei­di­gen“ [82], vertrauliche Sprachregelungen [83] zu beachten und ausschließlich konforme Quellen [84] zu verwenden. Der ehemalige Chefredakteur des ZDF machte zudem publik, dass Bei­träge zu US-Kriegen politisch beeinflusst [85] werden. Nahost-Korrespondent Ulrich Tilgner be­klagte re­dak­tio­nelle Ein­­griffe aufgrund von „Bünd­nis­rück­sich­ten“ [86], und der vormalige Leiter des ZDF-Studios Bonn be­stä­tig­te „An­wei­sungen von oben“ [87] und eine „frei­willige Gleich­­schal­­tung“ [88] der Jour­na­lis­ten.

 

Abweichler werden entsprechend sanktioniert: In der Schweiz wurde etwa der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben als „Putin-Troll“ und „Teil der russischen Propaganda-Maschinerie“ beschimpft, als er es wagte, die Syrien­bericht­erstattung westlicher Medien kritisch zu hinterfragen. Auch ein NZZ-Autor, der sich anmerken ließ, dass er noch offene Fragen zu den Ereignissen vom 11. September 2001 hat, wurde von seinem Chef umgehend öffentlich zurechtgewiesen [89].

 

Amerikanischen Journalisten ergeht es nicht besser. Gary Webb, der in den 90er Jahren aufdeckte, dass die CIA Kokain aus Kolumbien importierte und mit den Erlösen Milizen in Nicaragua finanzierte, wurde von den US-Medien so lange diffamiert [90], bis sein Ruf ruiniert war und er einige Jahre später Selbstmord beging. Phil Donahue, der 2003 als beinahe einziger US-Topjournalist den geplanten Irak-Krieg kritisierte, wurde von MSNBC trotz hervorragender Quoten kurzerhand entlassen [91].

 

Amber Lyon, die im Auftrag von CNN eine Dokumentation über den US-Verbündeten Bahrein drehte und darin die Menschenrechtslage kritisierte, wurde die Ausstrahlung von ihrem eigenen Sender verweigert [92], worauf sie den Sender von sich aus verließ. Und Sean Hannity, der auf Fox News den ungeklärten Mord [93] an DNC-Mitarbeiter Seth Rich thematisieren wollte, sah sich mit dem Absprung mehrerer Sponsoren und der möglichen Absetzung seiner Sendung konfrontiert [94] – sowie mit erbosten Kommentaren [95] von führenden Council-Mitarbeitern.

 

Nun könnte man annehmen, dass in solch offensichtlichen Missbrauchs­fällen das amerikanische Committee to Protect Journalists (CPJ), das sich für die Rechte der Journalisten einsetzt, intervenieren würde. Dem ist jedoch nicht so – denn die Direktoren sowie fast der gesamte Vorstand des CPJ sind selbst Mitglieder des Council on Foreign Relations.

 

Immerhin könnten solch mutige Journalisten eine Auszeichnung erhalten, beispiels­weise den renommierten Pulitzer-Preis. Auch hier wartet man jedoch vergeblich, denn der Präsident des Pulitzer-Komitees (aktuell ein Washington-Post-Redakteur) sowie diverse Vorstands­mitglieder entstammen ebenso dem Council. Generell ist die Vergabe von Preisen und Auszeichnungen ein wirksames Mittel, um festzulegen, was „guter“ Journalismus und wer „renommierter“ Journalist ist.

 

Der deutsche Investigativ-Journalist und Dokumentar­filmer Dirk Pohlmann beschrieb [96] die Situation mit den folgenden Worten, nachdem eines seiner geopolitisch brisanten Filmprojekte vom ZDF auf höchster Ebene gestoppt wurde:

 

„Das war eben ein Thema, bei dem man an die Grenzen dessen kommt, worüber man berichten darf. Diese Grenzen gibt es, auch in unserem sogenannten „Freien Westen“. Das merkt man, wenn man sie betritt: Dann gehen auf einmal die Scheinwerfer an, die Hunde fangen an zu bellen und man hört, wie die Leute näher kommen. Und dann weiß man, ok, jetzt bin ich in dem Territorium, von dem vorher behauptet wurde, dass es das gar nicht gibt: nämlich das verminte Territorium der Grenzen der Informationsfreiheit.“

 

Bedeutet dies, dass kritischer Journalismus in CFR-konformen Medien nicht erwünscht ist? Im Gegenteil: Seriöser Journalismus bildet überhaupt erst die Grundlage für die Glaubwürdigkeit der traditionellen Medien, auf deren Basis dann gezielt und wirkungsvoll geopolitische (und andere) Propaganda lanciert werden kann. Denn der arglose Leser und Zuschauer hat kaum eine Chance, zwischen zwei ehrlichen Beiträgen die geschickte Manipulation zu erkennen oder auch nur zu erahnen.

 

Von allen Propaganda-Prinzipien ist dieses – langfristig gesehen – vielleicht sogar das wichtigste: Nur Medien, die vertrauenswürdig erscheinen, können dieses Vertrauen auch missbrauchen.

 

Für CFR-Medien ein Tabu: Erhielt Wikileaks die E-Mails der Demokratischen Partei 2016 nicht von „russischen Hackern“, sondern vom kurz darauf ermordeten DNC-Mitarbeiter Seth Rich?

4. Fazit

Jahrzehntelang hatte das Netzwerk des Council on Foreign Relations eine nahezu uneingeschränkte Kontrolle über den geostrategischen Informationsfluss in den NATO-Ländern. Die meisten Menschen hatten keine Möglichkeit zu realisieren, dass sie sich trotz scheinbarer Medienvielfalt tatsächlich in einer dicht gewobenen Informationsmatrix befanden.

 

Weshalb betrieb und betreibt der Council einen derartigen Aufwand zur Täuschung der eigenen Bevölkerung? Der inzwischen verstorbene Nationale Sicherheitsberater und Council-Direktor Zbigniew Brzezinski brachte es in seinem Buch The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives [97] auf den Punkt: „Demokratie ist der imperialen Mobilisierung abträglich, denn das Streben nach imperialer Macht läuft den demokratischen Instinkten zuwider.“ (Brzezinski 1998, S. 20)

 

Tatsächlich mussten die USA seit dem Krieg gegen Spanien von 1898 für nahezu alle ihre Interventionen einen Vorwand kreieren [98], um die stetige Expansion der eigenen Einflusssphäre – nach der letztlich alle Imperien streben – moralisch zu legitimieren und die eigene Bevölkerung dafür zu gewinnen – zumal kaum je ein Land so leichtfertig war, die Vereinigten Staaten ohne Not von sich aus anzugreifen.

 

Hierzu erschufen die USA – wie Karl Rove es ausdrückte – eine eigene, „imperiale“ Realität, die von verdeckten Operationen über die mediale Bericht­erstattung bis hin zur Geschichts­schreibung reicht und von den Mitgliedern des Councils und seiner Partner­organisationen inszeniert und propagiert wird.

 

Damit wird zugleich verständlich, warum CFR-Medien derart nervös auf den Erfolg russischer Medien wie Russia Today reagieren, obschon sie ihnen kaum inhaltliche Fehler nachweisen können: Diese erweitern eben nicht nur die gepriesene Meinungsvielfalt, sondern destabilisieren die umfassende Informations­matrix des Councils – zumindest dort, wo es russischen Interessen dienlich ist.

 

Durch das Internet entwickelte sich zudem die Möglichkeit, Informationen dezentral und kostengünstig zu verbreiten und so die Gatekeeper des Councils zu umgehen. Inzwischen existieren auch im deutsch­sprachigen Raum eine Vielzahl leserfinanzierter Medien und Plattformen, die das konventionelle Narrativ kritisch hinterfragen und neue Sichtweisen ermöglichen (siehe den Medien-Navigator [99]).

 

Aus Sicht des Councils stellen solche Publikationen indes eine zunehmende Bedrohung der eigenen Informations- und Deutungs­hoheit dar. CFR-konforme Medien und Internet­unternehmen reagierten hierauf mit der Schließung [100] von Leserforen, Zensur [101] auf sozialen Netzwerken, der „Bereinigung“ von Suchresultaten sowie zunehmender Überwachung.

 

Auf Illusion folgt somit Repression – es bleibt die Frage, ob dadurch das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewonnen werden kann.

 

Literatur:

CFR-Mitgliederverzeichnisse von 1922 bis 2013 und von 2016:<https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/council-on-foreign-relations-membership-rosters-1922-2013.pdf>

CFR-Mitglieder in der US-Regierung von 1900 bis 2014: <https://swprs.org/die-propaganda-matrix/#k5>

Bilderberg-Konferenzen: Teilnehmerlisten 1954 bis 2014 <https://swprs.files.wordpress.com/2016/07/bilderberg_teilnehmer_1954-2014.pdf> und 2015-2017: <http://www.bilderbergmeetings.org/latest-meetings.html>

Trilaterale Kommission: Mitgliederlisten von 1973 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-1973.pdf>; 1978 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-1978.pdf>; 1985 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-1985.pdf>; 1995 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-1995.pdf>; 2010 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-2010.pdf>; und 2017 <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/trilateral-commission-members-2017.pdf> <

Atlantik-Brücke: Jahresberichte von 2006 bis 2016: <https://www.atlantik-bruecke.org/veroeffentlichungen/jahresberichte/>

Quellen:

[1] Spiegel: Ein Politbüro für den Kapitalismus? <http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html>

[2] Wikipedia: Return to normalcy <https://en.wikipedia.org/wiki/Return_to_normalcy>

[3] New York Times: The Council on Foreign Relations— Is It a Club? Seminar? Presidium? ‘Invisible Government‘? <http://www.nytimes.com/1971/11/21/archives/is-it-a-club-seminar-presidium-invisible-government-the-council-on-.html>

[4] Laurence H. Shoup & William Minter: Imperial Brain Trust: <https://swprs.files.wordpress.com/2017/09/cfr_imperial_brain_trust.pdf#page=129>

[5] Digitalcommons: The Council on Foreign Relations and the Grand Area: Case Studies on the Origins of the IMF and the Vietnam War <http://digitalcommons.fiu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1019&context=classracecorporatepower>

[6] Carnegie: The Benevolent Empire <http://carnegieendowment.org/1998/06/01/benevolent-empire-pub-275>

[7] SWPRS.ORG: Council on Foreign Relations Members in the Barack Obama Administration <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/cfr-administration-members-1900-2014.pdf>

[8] Spiegel: Ein Politbüro für den Kapitalismus? <http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html>

[9] YouTube: François Fillon a confié à Philippe de Villiers que le Bilderberg nous gouverne <https://www.youtube.com/watch?v=yOgiggCVrmc&feature=youtu.be&t=2m40s>

[10] Washington Examiner: Clinton email reveals: Google sought overthrow of Syria‘s Assad <http://www.washingtonexaminer.com/clinton-email-reveals-google-sought-overthrow-of-syrias-assad/article/2586300>

[11] Lizenzzeitung: <https://de.wikipedia.org/wiki/Lizenzzeitung>

[12] Atlantikbrücke: <https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke>

[13] Foreign Affairs Committee: Confronting Russia’s Weaponization of Information <https://foreignaffairs.house.gov/hearing/hearing-confronting-russias-weaponization-of-information/>

[14] Swprs.org: Die NZZ-Studie (Qualität der geopolitischen Berichterstattung in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)) <https://swprs.files.wordpress.com/2017/08/nzz-propaganda-studie-2016v.pdf>

[15] Foeg (Uni Zürich) Jahrbuch Qualität der Medien <http://www.foeg.uzh.ch/de/jahrbuch.html>

[16] Swprs.org: Warum der Tages-Anzeiger nichts verpasst <https://swprs.org/tagesanzeiger/>

[17] Swprs.org: Der Propagandaschlüssel <https://swprs.org/der-propaganda-schluessel/>

[18] Human Rights Investigations: Suzanne Nossel Executive Director of Amnesty International USA <https://humanrightsinvestigations.org/2012/09/30/suzanne-nossel-executive-director-of-amnesty-international-usa/>

[19] The Council on Foreign Relations: The Imperial Council of the United States: <https://swprs.files.wordpress.com/2017/08/cfr-imperial-council-hdm-spr.png>

[20] Farbrevolutionen: <https://de.wikipedia.org/wiki/Farbrevolutionen>

[21] Nayirah testimony: <https://en.wikipedia.org/wiki/Nayirah_testimony>

[22] Brutkastenlüge: <https://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenl%C3%BCge>

[23] CSI comment: Amnesty International repeats US war propaganda: <http://www.interventionism.info/en/CSI-comment:--Does-Amnesty-International-campaign-for-NATO>

[24] Consortiumnews.com „Amnesty‘s Shilling for US Wars“ by Ann Wright and Coleen Rowley: <https://consortiumnews.com/2012/06/18/amnestys-shilling-for-us-wars/>

[25] Human Rights Watch: Syria: Government Likely Culprit in Chemical Attack: <https://www.hrw.org/news/2013/09/10/syria-government-likely-culprit-chemical-attack>

[26] Blauer Bote Magazin „Giftgasangriffe in Ghouta bei Damaskus, Syrien“: <http://blauerbote.com/2017/04/01/giftgasangriffe-in-ghouta-bei-damaskus-syrien/>

[27] TesfaNews „Hillary, Amnesty, HRW and Regime Change in Africa“: <https://www.tesfanews.net/hillary-amnesty-hrw-and-regime-change-in-africa/>

[28] Hintergrund „Weiße Helme ohne weiße Westen“ von Fabian Köhler: <https://www.hintergrund.de/globales/kriege/weisse-helme-ohne-weisse-westen/>

[29] GlobalResearch: <https://www.globalresearch.ca/war-propaganda-and-the-aleppo-media-centre-funded-by-french-foreign-office-eu-and-us/5546925>

[30] 21centurywire.com: Syria’s White Helmets: War by Way of Deception – Part I <http://21stcenturywire.com/2015/10/23/syrias-white-helmets-war-by-way-of-deception-part-1/>

[31] PRnewswire: Aung San Suu Kyi to address NED 2012 Democracy Award in U.S. Capitol <http://www.prnewswire.com/news-releases/aung-san-suu-kyi-to-address-ned-2012-democracy-award-in-us-capitol-167734515.html>

[32] New Eastern Outlook: US to Fight US-Saudi Sponsored Terrorism in Asia <https://journal-neo.org/2017/09/08/us-to-fight-us-saudi-sponsored-terrorism-in-asia/>

[33] Zeit Online: Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf <http://www.zeit.de/2012/31/Syrien-Bundesregierung>

[34] Renewamerica (Wayback Machine) „The Age of Despotism“ <https://web.archive.org/web/20090720064316/http://www.renewamerica.com:80/columns/baldwin/090707>

[35] Council on Foreign Relations: Military Fellowship <https://www.cfr.org/sites/default/files/report_pdf/2017%20Military%20Fellows%20Historical%20List.pdf> und Swprs.org: <https://swprs.files.wordpress.com/2017/07/cfr-administration-members-1900-2014.pdf>

[36] Ulrich Tilgner: Der inzenierte Krieg: <http://www.ulrich-tilgner.de/der-inszenierte-krieg/>

[37] Tagesanzeiger: 27‘000 PR-Berater polieren Image der USA <https://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513>

[38] Youtube/John Pilger - The War You Don‘t See <https://www.youtube.com/watch?v=WCWdwlkx-rE&feature=youtu.be&t=1h18m35s>

[39] Zero hedge: Journalist Interrogated, Fired For Story Linking CIA And Syria Weapons Flights <http://www.zerohedge.com/news/2017-08-28/journalist-interrogated-fired-story-linking-cia-and-syria-weapons-flights>

[40] Operation Mockingbirg: <https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Mockingbird>

[41] Swprs.org: Der Chefredakteur und die CIA <https://swprs.org/der-chefredakteur-und-die-cia/>

[42] Daniele Ganser: Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies <https://www.danieleganser.ch/assets/files/Inhalte/Publikationen/Fachzeitschriften/DanieleGanser_Terrorism_in_Western_Europe.pdf>

[43] Quora: <https://www.quora.com/Did-CIA-Director-William-Casey-really-say-Well-know-our-disinformation-program-is-complete-when-everything-the-American-public-believes-is-false>

[44] Global Research: Who is Behind the Islamic State (ISIL) Beheadings? Probing the SITE Intelligence Group <http://www.globalresearch.ca/who-is-behind-the-islamic-state-is-beheadings-probing-the-site-intelligence-group/5402082>

[45] swr.de: Eklat im GIMF-Verfahren: Steuerte das FBI die zweite Generation? <https://www.swr.de/blog/terrorismus/2011/09/09/eklat-im-gimf-verfahren-steuerte-das-fbi-die-zweite-generation/>

[46] New Eastern Outlook: Logistics 101: Where Does ISIS Get Its Guns? <https://journal-neo.org/2015/06/09/logistics-101-where-does-isis-get-its-guns/>

[47] Third World Traveler: With No Apologies - The Personal and Political Memoirs of United States Senator Barry M. Goldwater, 1979 <http://www.thirdworldtraveler.com/New_World_Order/Goldwater_NoApologies.html>

[48] Werner Weidenfeld bei Beckmann: <https://youtu.be/Oh1-OkC6vm4>

[49] Hotz-Linder-Agreement: <https://de.wikipedia.org/wiki/Hotz-Linder-Agreement>

[50] Vertrauensvorschuss-Grafik: <https://swprs.files.wordpress.com/2017/09/us-president-approval-ratings.png>

[51] Consortium news: UN Team Heard Claims of ‘Staged’ Chemical Attacks <https://consortiumnews.com/2016/09/08/un-team-heard-claims-of-staged-chemical-attacks/>

[52] UN Security Council Bericht <https://documents-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/N16/269/75/PDF/N1626975.pdf>

[53] Rubikon News: Die Vereinten Nationen in den Händen der Kriegstreiber <https://www.rubikon.news/artikel/die-vereinten-nationen-in-den-handen-der-kriegstreiber-1-3>

[54] Consortiumnews: How US Pressure Bends UN Agencies <https://consortiumnews.com/2013/10/16/how-us-pressure-bends-un-agencies/>

[55] Consortiumnews: U.N. Enablers of ‘Aggressive War’ <https://consortiumnews.com/2017/09/08/u-n-enablers-of-aggressive-war/>

[56] Medium.com: Documents expose how Hollywood promotes war on behalf of the Pentagon, CIA and NSA <https://medium.com/insurge-intelligence/exclusive-documents-expose-direct-us-military-intelligence-influence-on-1-800-movies-and-tv-shows-36433107c307>

[57] CNN: Netflix‘s ‚The White Helmets‘ takes home the company‘s first Oscar win <http://edition.cnn.com/2017/02/26/us/white-helmets-oscar/>

[58] Stategiepapier des US-Geheimdienstes OSS: <http://www.spyculture.com/docs/US/OSS-motionpicturesasweapons.pdf>

[59] Reuters: Exclusive: Angelina Jolie visits Libya to show solidarity <https://www.reuters.com/article/us-libya-jolie/exclusive-angelina-jolie-visits-libya-to-show-solidarity-idUSTRE79A3S820111011>

[60] Reuters: Angelina Jolie praises Libya‘s revolutionaries <https://www.reuters.com/article/us-libya-jolie/angelina-jolie-praises-libyas-revolutionaries-idUSTRE79A3S820111012>

[61] CNN: Clooney: ‚Real excitement‘ for peace in Sudan <http://edition.cnn.com/2011/WORLD/africa/01/06/george.clooney.sudan.vote/index.html>

[62] Thedailybeast: George Clooney Leverages Celebrity to Bring Change to Sudan <http://www.thedailybeast.com/george-clooney-leverages-celebrity-to-bring-change-to-sudan>

[63] Joris Luyendijk Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges <https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Von_Bildern_und_Luegen_in_Zeiten_des_Krieges/48944>

[64] YouTube: CIA Influence On Mass Media: How Disinformation Campaigns Work PT 1 <https://www.youtube.com/watch?v=TEHiGnuZbPE>

[65] SWPRS.org: <https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/>

[66] Sputniknews: Reuters, AFP und Getty vermarkten den Fake gegen Syrien <https://de.sputniknews.com/blogs/20170507315669095-reuters-afp-getty-vermarkten-fake-syrien/>

[67] Jan Öberg: <https://janoberg.exposure.co/>

[68] Jan Oberg: Humans in liberated Aleppo: <https://janoberg.exposure.co/humans-in-liberated-aleppo>

[69] Watson: Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist <https://www.watson.ch/International/Kommentar/148360008-Spielball-der-M%C3%A4chte--Weshalb-der-Syrien-Konflikt-in-erster-Linie-ein-Stellvertreterkrieg-ist>

[70] Infosperber: Vom Ende des Bannwalds der Demokratie ? <https://www.infosperber.ch/Medien/Demokratie-Pressevielfalt-Medien>

[71] Hintergrund.de: Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod <https://www.hintergrund.de/globales/kriege/operation-balkan-werbung-fuer-krieg-und-tod/>

[72] siehe Becker/Beham, Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod, 2008, Nomos-Verlag

[73] Sourcewatch: James Harff <http://www.sourcewatch.org/index.php/James_Harff>

[74] SWPRS.org: Das gewünschte Narrativ: <https://swprs.org/das-gewuenschte-narrativ/>

[75] Blauer Bote Magazin: Bana Alabed aus Aleppo <http://blauerbote.com/2017/07/05/bana-alabed-aus-aleppo/>

[76] Über Medien: Die unwiderstehliche Geschichte vom twitternden Mädchen aus Aleppo <http://uebermedien.de/17878/bana-alabed-die-unwiderstehliche-geschichte-vom-twitternden-maedchen-aus-aleppo/>

[77] Blauer Bote Magazin: Bana Alabed ist Klientin der Londoner PR-Agentur The Blair Partnership <http://blauerbote.com/2017/04/23/bana-alabed-ist-klientin-der-londoner-pr-agentur-the-blair-partnership/>

[78] Über Medien: Stern.de-Autor muss sich nicht Fake-News-Produzent nennen lassen <http://uebermedien.de/17802/stern-de-autor-muss-sich-nicht-fake-news-produzent-nennen-lassen/>

[79] Astroturfing: <https://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing>

[80] Wrongkindofgreen: Avaaz, Purpose and the art of selling hate for empire <http://www.wrongkindofgreen.org/2014/09/17/syria-avaaz-purpose-the-art-of-selling-hate-for-empire/>

[81] Nachdenkseiten: Nicht zu fassen: Campact bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen. Hilfsarbeiter beim Feindbildaufbau <http://www.nachdenkseiten.de/?p=35689>

[82] Heise.de: Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik <https://www.heise.de/tp/features/Ukraine-Konflikt-ARD-Programmbeirat-bestaetigt-Publikumskritik-3367400.html>

[83] Heise.de: Die vertraulichen Sprachregelungen der ARD <https://www.heise.de/tp/features/Die-vertraulichen-Sprachregelungen-der-ARD-3758887.html>

[84] Oxmoxh: OXMOX Exklusiv-Interview mit Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer <https://www.oxmoxhh.de/magazin/story-interview/oxmox-exklusiv-interview-mit-volker-braeutigam-friedhelm-klinkhammer/>

[85] Youtube: Ex-ZDF-Chefredakteur über den großen Einfluss der Parteien auf das ZDF <https://www.youtube.com/watch?v=i2423aDq_hE>

[86] Berliner Zeitung: Korrespondent Ulrich Tilgner sucht mehr Distanz zum ZDF „Ich fühle mich eingeschränkt“ <http://www.berliner-zeitung.de/15870684>

[87] Propagandaschau: Wolfgang Herles: „Es gibt in den Öffentlich-Rechtlichen Anweisungen von oben“ <https://propagandaschau.wordpress.com/2016/01/30/wolfgang-herles-es-gibt-in-den-oeffentlich-rechtlichen-anweisungen-von-oben/>

[88] Vichys Einblick: Meinungsfreiheit: Anordnung zur Anpassung? <https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/meinungsfreiheit-anordnung-zur-anpassung/>

[89] swprs.org: Daniele Ganser: Anschlag auf die Forschungsfreiheit <https://swprs.org/daniele-ganser-anschlag-auf-die-forschungsfreiheit/>

[90] Consortiumnews: Gary Webb and Media Manipulation <https://consortiumnews.com/2014/11/02/gary-webb-and-media-manipulation/>

[91] Democracy Now: Phil Donahue on His 2003 Firing from MSNBC, When Liberal Network Couldn‘t Tolerate Antiwar Voices <https://www.democracynow.org/2013/3/21/phil_donahue_on_his_2003_firing>

[92] The Guardian: Why didn‘t CNN‘s international arm air its own documentary on Bahrain‘s Arab Spring repression? <https://www.theguardian.com/world/2012/sep/04/cnn-international-documentary-bahrain-arab-spring-repression>

[93] Global Research: The Case of Seth Rich’s Assassination: Will It Expose the Truth Behind the “Russia Elections Hacking” Narrative <http://www.globalresearch.ca/the-case-of-seth-richs-assassination-will-it-expose-the-truth-behind-the-russia-elections-hacking-narrative/5593866>

[94] The Guardian: Sean Hannity hit by advertiser exodus in wake of bogus Seth Rich story <https://www.theguardian.com/media/2017/may/26/sean-hannity-advertiser-boycott-fox-news-seth-rich>

[95] Foreign Policy: The Seth Rich ‘Scandal’ Shows That Fox News Is Morally Bankrupt <http://foreignpolicy.com/2017/05/22/the-seth-rich-scandal-shows-that-fox-news-is-morally-bankrupt/>

[96] YouTube/Gruppe42 im Dialog: Dirk Pohlmann über „Macht&Kontrolle, Medien und geheime Dienste“ <https://www.youtube.com/watch?v=mJrA1lnMcv8&feature=youtu.be&t=5m24s>

[97] Brzezinski (Archive.org) The Grand Chessboard American Primacy And Its Geostrategic Imperatives ( 1997) <https://archive.org/details/TheGrandChessboardAmericanPrimacyAndItsGeostrategicImperatives1997ZbigniewBrzezinski>

[98] William Blum „Zerstörung der Hoffnung (Killing Hope): Bewaffnete Interventionen der USA und des CIA seit dem 2. Weltkrieg“, Zambon

[99] SWPRS.org: Medien-Navigator 2017: <https://swprs.org/der-medien-navigator-2017/>

[100] Heise.de: Konzentriertes Gejammer: NZZ schließt Kommentarspalte <https://www.heise.de/tp/features/Konzentriertes-Gejammer-NZZ-schliesst-Kommentarspalte-3618957.html>

[101] Heise.de: Facebook, „Fake News“ und die Privatisierung der Zensur <https://www.heise.de/tp/features/Facebook-Fake-News-und-die-Privatisierung-der-Zensur-3599878.html>

[102] wsws.org: Google blocked every one of the WSWS’s 45 top search terms: <https://www.wsws.org/en/articles/2017/08/04/goog-a04.html>

Dieser Text wurde zuerst im September 2017 auf swprs.org unter der URL <https://swprs.org/die-propaganda-matrix/> veröffentlicht. Lizenz: swprs.org /Swiss Propaganda Research

Die Propaganda- Matrix

In Syrien ist es in Khan Scheikhun am 4. April 2017 zu einem Giftgas­angriff gekommen, der mehr als 70 Todesopfer forderte. Doch wer dahintersteckt, ist bisher völlig unklar. Waren es die Gegner von Assad? Akteure aus dem Ausland? Oder das syrische Militär? Weil viele Fragen offen sind, wäre Zurückhaltung und Vorsicht in der Analyse geboten. Doch die Massenmedien in Deutschland und der Schweiz tun das Gegenteil.

Blick und Bild trommeln für den Krieg

Blick und Bild haben den Giftgasangriff ohne Beweise sofort Präsident Baschar al-Assad angelastet, und damit die Bombardierung von Syrien durch US-Präsident Donald Trump vermeintlich gerechtfertigt. 

In der Schweiz titelte die Gratiszeitung Blick am Abend am 7. April: „Trumps Antwort auf die toten Kinder ... Er rächt Assads Giftgas-Angriff auf unschuldige Zivilisten.“ Ganz ähnlich lautete die Bild Schlagzeile in Deutschland am 8. April: „Trump rächt Syriens vergaste Kinder“. Bild druckte auf der Titelseite amerikanische Raketen gemeinsam mit einem syrischen Kind mit Sauerstoffmaske ab. Kommentar: „Nach Assads Giftgas-Angriff vom Dienstag: Ein Kleinkind wird mit Sauerstoff versorgt“.

Tonkin-Lüge

Die Journalisten von Bild und Blick müssten wissen, dass List, Lüge und Täuschung immer zum Krieg gehören. Wenn sie Lügen ungeprüft an die Massen weiterreichen, treiben sie die Gewaltspirale an. Historikern wie mir sind viele Fälle bekannt, wo Kriegslügen grosses Leid erzeugt haben.

Am 4. August 1964 hatte US Präsident Lyndon Johnson am Fernsehen behauptet, dass das amerikanische Kriegsschiff Maddox im Golf von Tonkin mit Torpedos von Vietnam angegriffen worden war. Heute wissen wir, das war eine Lüge. Die Maddox wurde nie von Torpedos getroffen. Johnson hatte damals wörtlich gesagt, „wiederholte feindliche Handlungen gegen amerikanische Schiffe im Golf von Tonkin haben mich heute gezwungen, das Militär der USA anzuweisen, zu reagieren ... es braucht Härte, um den Frieden zu sichern.“ Johnson eskalierte damit den Vietnamkrieg, der erst 1975 endete.

Die Tonkin-Lüge hatte fatale Folgen: Rund drei Millionen Vietnamesen wurden im Vietnamkrieg getötet, viele davon Kinder. Die USA verloren 58.000 amerikanische Soldaten, mehr als in jedem anderen Krieg seit 1945. Zudem setzten die USA das chemische Entlaubungsmittel Agent Orange ein. Dies hat bei ungeborenen Kindern im Mutterleib zu schweren Missbildungen geführt. Gemäß Schätzungen des Roten Kreuzes litten 2002 in Vietnam rund eine Million Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange, darunter etwa 100.000 Kinder mit Fehlbildungen. Wenn daher nun im Kontext von Syrien mit dem Verweis auf Kinder für den Krieg geworben wird, ist dies äußerst zynisch.

Trump und die schönen Kinder

Präsident Trump begründete seinen Angriff auf Syrien mit dem Verweis auf das Giftgas. Assad habe „einen schrecklichen Chemiewaffenangriff auf unschuldige Zivilisten verübt ... Sogar wunderschöne Babys wurden brutal ermordet bei dieser sehr barbarischen Attacke. Kein Kind Gottes sollte jemals so einen Horror erleben ... Wir beten für das Leben der Verwundeten und für die Seelen der Verstorbenen. Und wir hoffen, dass, solange Amerika für Gerechtigkeit steht, sich am Ende Frieden und Harmonie durchsetzen werden.“

 

Ob jedoch die USA für Gerechtigkeit stehen, wird von immer mehr Menschen hinterfragt. Bekannt ist inzwischen, dass die USA die Gegner von Assad bewaffnen und trainieren. Dies ist ganz klar illegal. Vorsicht ist geboten. Gerade dann, wenn mit dem Verweis auf tote Kinder die Emotionen der Massen geschürt werden. Schon im Golfkrieg 1990 wurde mit der Brutkastenlüge die Bevölkerung gezielt schockiert.

Die Brutkastenlüge

Am 10. Oktober 1990 erzählte ein 15-jähriges Mädchen, das als Nayirah vorgestellt worden war, vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses unter Tränen, dass sie während der Invasion von Kuwait durch Irak in einem Spital in Kuwait gearbeitet und beobachtet habe, wie irakische Soldaten Säuglinge aus den Brutkästen genommen hätten, um sie auf den Boden zu werfen, wo sie dann starben. Das war gelogen. Aber Präsident Bush Senior griff diese brutale Geschichte auf, wiederholte sie in zahlreichen Reden und behauptete, 312 Neugeborene seien auf diese Art gestorben.

 

Erst nach dem Krieg stellte sich heraus, dass die Brutkastengeschichte eine infame Lüge war und dass Nayirah nie im Spital in Kuwait gearbeitet hatte, sondern Nijirah al-Sabah hieß und die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA war. Die Bush-Administration und das Königshaus von Kuwait hatten die Öffentlichkeit getäuscht.

Keine Empathie mit den Kindern im Irak

Nach dem Sieg über den Irak im Krieg 1991 verhängten die USA ein Wirtschaftsembargo über das Land, welches vielen Irakern das Leben kostete, darunter auch Kindern. „Wir haben gehört, dass nun eine halbe Million Kinder gestorben sind“, sorgte sich die amerikanische Fernsehjournalistin Lesley Stahl 1996 über die fatalen Folgen des amerikanischen Embargos für die Zivilisten im Irak. Die Journalistin befragte vor laufender Kamera Madeleine Albright, die seit 1993 als amerikanische UNO-Botschafterin der Administration Clinton amtierte, ob das Embargo noch gerechtfertigt sei: „Ich meine, das sind mehr Kinder als die, welche in Hiroshima verstarben, ist es [das Embargo] diesen Preis wert?“ UNO-Botschafterin Albright überlegte einen Moment lang, dann sagte sie kalt: 

 

„Ich glaube, das ist eine sehr schwierige Entscheidung, aber der Preis – wir glauben, es ist diesen Preis wert. 

 

Daraus geht klar hervor: Das US-Imperium hat nie Empathie mit toten Kindern im Nahen Osten gehabt. Wenn nun im Kontext des Syrienkrieges die Bilder von toten Kindern herumgereicht werden, ist das aus historischer Perspektive völlig empathielos.

Giftgasangriff in Khan al Assal am 19. März 2013

Der syrische Bürgerkrieg ist ein dreckiger Krieg. Die USA, Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei versuchen, Assad zu stürzen, und bewaffnen und trainieren Rebellen und Terroristen. Russland, Iran und China versuchen das zu verhindern,wollen Assad an der Macht halten und verstärken die Schlagkraft des syrischen Militärs. Wer in diesem Durcheinander wo und wann Giftgas eingesetzt hat, wird immer schwieriger zu durchschauen.

 

Der erste Einsatz von Giftgas ereignete sich am 19. März 2013 in Khan al-Assal nahe Aleppo. Sofort zirkulierte durch die Medien die Behauptung, die syrische Regierung von Präsident Assad sei für den Einsatz verantwortlich gewesen. Doch das stimmte nicht:

 

„Wir haben Zeugenaussagen von Ärzten, Flüchtlingen in benachbarten Ländern und Spitalmitarbeitern, dass chemische Waffen verwendet wurden – nicht von der Regierung, aber von der Opposition“, erklärte die Schweizerin Carla del Ponte, die frühere Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. 

 

Auch der Schweizer Arzt Franco Cavalli bestätigte:„Der einzige gesicherte Fall von Giftgaseinsatz in Syrien (Aleppo) wurde eindeutig den Dschihadisten zugeschrieben.“ Die Rebellen hatten scheinbar im Rahmen einer False Flag-Operation das Kriegsverbrechen der Regierungsarmee in die Schuhe geschoben, um Assad zu diskreditieren. Doch dies schlug fehl. 

 

„Für den ersten Chemiewaffeneinsatz in Khan al-Assal nahe Aleppo, bei dem 29 Menschen ums Leben kamen, waren die Dschihadisten unter den Aufständischen verantwortlich“, bestätigte auch der gut informierte Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Giftgasangriff in Ghuta am 21. August 2013

Der UNO-Sicherheitsrat nahm sich der Angelegenheit an und entschied, Experten nach Syrien zu schicken, um den Giftgasangriff von Khan al Assal zu untersuchen. Hätte diese Arbeit durchgeführt werden können, wäre die False Flag-Operation vermutlich aufgeflogen. Die UN-Chemiewaffen-Inspektoren kamen am 19. August 2013 in Damaskus an, doch noch bevor sie ihre Arbeit aufnehmen konnten, kam es am 21. August 2013 in Ghuta bei Damaskus zu einem zweiten und noch viel größeren Giftgasanschlag, der zwischen 300 und 1.500 Todesopfer forderte. 

 

Das US-Imperium machte sofort Assad für das Verbrechen verantwortlich. „Wir sind bereit, zuzuschlagen, wann immer wir wollen“, erklärte Präsident Barack Obama am Fernsehen. „Welche Botschaft senden wir, wenn ein Diktator Hunderte von Kindern vergasen kann und keine Strafe erhält?“

 

Ob Assad oder die von den USA, der Türkei und Saudi-Arabien unterstützen Rebellen für den Ghuta-Anschlag verantwortlich waren, war damals völlig unklar. Der amerikanische Investigativjournalist Seymour Hersh stellte klug die Gretchenfrage: „Wessen Sarin?“, und zeigte auf, dass Dschihadisten hinter dem Anschlag standen. 

 

Schon im Mai 2013 „hatte die CIA die Obama-Administration darüber informiert, dass al-Nusra mit Sarin arbeitet, und auch alarmierende Berichte verfasst, dass eine weitere radikale sunnitische Gruppe im Syrienkrieg, die al-Qaida im Irak (AQI), ebenso wusste, wie man Sarin produziert“, enthüllte Hersh. 

 

Das waren brisante Nachrichten. „Denn al-Nusra ist dafür bekannt, dass sie unzählige Selbstmordanschläge gegen Christen und nichtsunnitische Muslime“ in Syrien ausgeführt haben. Al-Nusra wolle in Syrien Assad stürzen und die Scharia einführen. 

 

David Shedd vom amerikanischen Geheimdienst Defence Intelligence Agency (DIA) war im Juni 2013 darüber informiert worden, dass „al-Nusra die Fähigkeit hatte, Sarin zu beschaffen und einzusetzen“, der israelische Geheimdienst konnte sogar eine Probe des verwendeten Sarins liefern, fand Hersh heraus. 

 

Doch Präsident Obama „ignorierte die Daten zu al-Nusra und deren Fähigkeit, Sarin einzusetzen, und behauptete weiterhin, nur die Assad-Regierung verfüge über Chemiewaffen“, erklärt Hersh. 

Die Rolle der Türkei beim Ghuta-Anschlag 2013

Mutige türkische Abgeordnete des Nationalparlaments griffen die Resultate von Hersh auf, gingen der Giftgasaffäre nach und fanden heraus, dass Dokumente und Material aus einer staatsanwaltlichen Untersuchung in Adana gegen einen mit Sarin aufgegriffenen Händler bestätigten, dass nicht Assad sondern seine von den NATO-Ländern unterstützten Gegner das Giftgas eingesetzt hatten. 

 

„Wir haben Telefonaufzeichnungen die zeigen: ISIS erhielt das notwendige Material, um tödliches Saringas zu produzieren aus der Türkei“, enthüllte der türkische Parlamentarier Eren Erdem von der Partei CHP im Oktober 2015. „Der Westen ist heuchlerisch, was die ganze Affäre betrifft“, erkannte Erdem. 

 

Man wolle diesen chemischen Terroranschlag nicht klären, weil eben nicht Assad, sondern die von den USA und der Türkei unterstützen Gegner von Assad für den Anschlag in Ghuta verantwortlich seien.

 

Der türkische Präsident Erdogan wollte das nicht hören und ließ den Abgeordneten Erdem wegen Hochverrats anklagen. „Ich erhalte Todesdrohungen“, berichtete Erdem. „Aber ich bin als Patriot gegen diese Sache (mit dem Giftgas), weil das den Ruf meines Landes ruiniert.“ Er habe ein Dossier „mit all den Details, wie das Sarin in der Türkei produziert und an die Terroristen geliefert wurde.“

Michael Lüders bei Markus Lanz

Nach dem Anschlag in Khan Scheikhun wurde der Giftgaseinsatz von Ghuta in den Medien nochmals aktuell. Doch obschon die Fakten darauf hindeuten, dass damals eben nicht Assad, sondern die von der NATO unterstützten Rebellen verantwortlich waren, schob die Süddeutsche Zeitung die Schuld erneut Assad in die Schuhe. 

 

Unter dem Titel «Das Gift, die Lügen und die Schuld» erklärte die Zeitung am 5. April 2017 ihren verwirrten Lesern: „Einheiten der syrischen Armee hatten im August 2013 bei Angriffen auf Vorstädte von Damaskus mit Sarin mehr als 1400 Menschen getötet.“

 

Eine präzisere Analyse präsentierte der Nahostexperte Michael Lüders im ZDF in der Talkshow von Markus Lanz am 5. April 2017. Lüders führte aus, dass schon 2013 beim Giftgasangriff in Ghuta Gas verwendet worden sei, das der türkische Geheimdienst an die Nusra-Front, den Al-Kaida-Ableger in Syrien, geliefert habe. Lüders sagte: 

 

„Mittlerweile wissen wir, dass es mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit nicht das Regime war, das für diesen Giftgasangriff verantwortlich war.“

Wem nützt es?

Um List und Kriegslügen zu durchleuchten müssen Forscher und wache Medienkonsumenten sich stets fragen: Wem nützt das? Diese Kernfrage formulierte Prof. Günter Meyer am 6. April auf WDR5 im Morgenradio als die Journalistin mit ihm über den Giftgasanschlag in Khan Scheikhun sprach.

 

Meyer gab gleich selbst die Antwort: 

 

„Eindeutig nicht dem Regime“. Denn Assad sei „auf allen Fronten auf dem Vormarsch. Die Rebellen erleiden überall Niederlagen und sind vor der Vernichtung. In dieser Situation ist das der letzte verzweifelte Versuch der Dschihadisten, das Blatt zu wenden.“ 

 

Gut möglich, so Meyer, dass es sich um einen Angriff unter Falscher Flagge durch die Rebellen gehandelt habe, um die USA zum Eingreifen zu bewegen.

Auflage der Zeitungen bricht ein

Wir befinden uns heute in der Medienrevolution. Immer mehr Menschen recherchieren im Internet und machen sich selber ein Bild von der Welt. Boulevardzeitungen wie Blick und Bild schüren mit Schlagzeilen wie „Trump rächt Syriens vergaste Kinder“ die Emotionen der Massen. 

 

Aber die Auflage bricht ein. Bild vom Axel-Springer-Verlag ist zwar noch immer die auflagenstärkste Zeitung in Deutschland, aber sie befindet sich im klaren Abwärtstrend. Verständlicherweise wollen immer weniger Menschen sie lesen. Die verkaufte Auflage betrug im Jahr 2000 noch über vier Millionen Zeitungen. 2010 war die Auflage bereits auf unter drei Millionen gesunken. Und derzeit wollen nur noch 1,6 Millionen Menschen für das Produkt etwas bezahlen. 

 

Auch bei der Schweizer Boulevardzeitung Blick vom Ringier-Verlag zeigt der Trend klar noch unten. Zuerst gab es Blick nur gegen Bezahlung und die Auflage betrug über 300.000 Exemplare. Doch die bezahlte Zeitung ist inzwischen auf 150.000 Zeitungen eingebrochen. Nur weil das Produkt Blick am Abend, auch aus dem Ringier-Verlag, gratis abgegeben wird, hat es noch eine Auflage von 280.000 Stück.

 

Die Hoffnung besteht, dass sich immer mehr Menschen von der Kriegspropaganda abwenden und dafür nicht mehr bezahlen. Wenn die freien Mittel zu unabhängigen Stimmen der Friedensbewegung fließen und Medienprodukte wie der Rubikon, NachDenkSeiten, Infosperber, Hintergrund und KenFM gestärkt werden, kann sich ein fundamentaler Wandel vollziehen.

Quellen:

[1] Bild.de, von Viktoria Bräuner u.a., „UN ermittelt wegen Kriegsverbrechen“ veröffentlicht 04.04.2017, 22:00 h <http://www.bild.de/politik/ausland/syrien/syrien-chemiewaffen-einsatz-51140996.bild.html>

[2] Bild.de, 07.04., 23:30 h, „Trump rächt Syriens vergaste Kinder“ <http://www.bild.de/politik/ausland/syrien-krise/gibt-es-jetzt-einen-flaechenbrand-in-nahost-51203720.bild.html>

[3] Der Westen, am 07.04.2017, Kommentar von Auslandschef Michael Backfisch, zu U.S.-Angriff auf syrischen Flugplatz <https://www.derwesten.de/politik/raketen-gegen-assad-usa-bombardieren-syrischen-flugplatz-id210186317.html >

[4] Zeit Online, Von Peer Meinert und  Pat Reber am 30. Juli 2014, 17:38 Uhr, „Die Kriegslüge von Tonkin“ <http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2014-07/vietnam-krieg-usa-50-jahre>

[5] welt.de, „Trumps Erklärung für den US-Luftschlag in Syrien im Wortlaut“, vom 07.04.2017 <https://www.welt.de/politik/ausland/article163496697/Trumps-Erklaerung-fuer-den-US-Luftschlag-in-Syrien-im-Wortlaut.html>

[6] wikipedia, Brutkastenlüge <https://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenlüge>

[7] youtube, uncutnews.ch, veröffentlicht 08.12.2014, US-Außenministerin Albright live: „500‘000 Tote Kinder waren den Preis wert!!!“ <https://www.youtube.com/watch?v=uJtSpev8zWk>

[8] Johannes Gutenberg Universität Mainz, Professor Günter Meyer am 11.04.2012: „„So eine Form von Desinformation habe ich noch nie erlebt“ <http://www.magazin.uni-mainz.de/544_DEU_HTML.php>

[9] London review of books, Artikel von Seymour Hersh, “Wessen Sarin?” (Whose Sarin?) <https://www.lrb.co.uk/v35/n24/seymour-m-hersh/whose-sarin>

[10] NachdenkSeiten, Erklärung zum Syrienkrieg, Wissenschaftlicher Beirat von attac Deutschland, vom 25.01.29017 <http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/170126-erklaerung-wiss-Beirat-zu-syrien-3Fassung.pdf>

[11] youtube, ZDF-Talkshow, Markus Lanz mit Michael Lüders vom 05.04.2017, von MediathekPolitik am 06.04.2017 veröffentlicht, <https://www.youtube.com/watch?v=2rMkFrVSrgE>

[12] WDR, Morgenradio, Morgenecho, Prof. Meyer zu der Frage „Wem nützt der Giftgasangriff?“, vom 06.04.017, Podcast < http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-morgenecho-interview/audio-giftgasangriff-in-syrien-100.html>

Dieser Text wurde zuerst am 11.04.2017 auf www.rubicon.news unter der URL <https://www.rubikon.news/artikel/wer-hat-in-syrien-giftgas-eingesetzt> veröffentlicht. Lizenz: CC 4.0

Wer hat in Syrien Giftgas eingesetzt?

Geopolitische Analysen und Projektionen von Zbigniew Brzezinski oder Georg Friedman erweisen sich als erstaunlich zutreffend. So hat Brzezinski, der in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik von Jimmy Carter bis hin zu Barak Obama fünf US-Präsidenten beriet, die Serie von US-Invasionen im Kuwait, Irak oder Lybien bereits exakt vorausgesagt. Präzise beschreibt auch der Gründer und bis vor kurzem Chef des privaten US-Geheimdienstes Stratfor, Friedman, in seinem bereits 2010 erschienen Buch „Die nächsten Hundert Jahre“ die geopolitische Zukunft. Seine Voraussage im Blick auf das Baltikum ist gerade beklemmende Aktualität geworden.

Private Think Tanks steuern US-Außen- und Sicherheitspolitik

Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt nicht nur, dass die Aussen- und Sicherheitspolitik der USA zweifelsohne von privaten Think Tanks und Elitezirkeln wie dem Council on Foreign Relations (CFR) entwickelt und gesteuert wird, sondern dass es aller politischen Rhetorik zum Trotz, bei US-Interventionen eben gerade nicht um Demokratie, Freiheit oder Menschenrechte geht, sondern auf Kosten des Weltfriedens um den Erhalt einer monopolaren Weltordnung faschistischer Prägung.

Friedman benennt bereits vor sieben Jahren Regionen wie etwa den Nahen Osten, die heute durch USA-Interventionen paralyisert sind, beschreibt wie durch die totale Überwachung der Seewege der internationale Handel gesteuert wird, erläutert die subversiven Funktion von US-finanzierten weltweiten Nichtregierungsorganisationen sowie die zivilisationsverachtende globale Gesamtstrategie hinter den US-Allmachtphantasien: nämlich die gezielte Herstellung von Chaos in Feindstaaten.

US-Truppenverlagerungen ins Baltikum sieben Jahre zuvor vorausgesagt

Für die deutsche Bevölkerung entscheidend ist aber, dass mit den aktuellen US-Truppenverlagerungen in die baltischen Staaten ein Szenario, das Friedman ebenfalls vor sieben Jahren mit Blick auf Osteuropa prognostizierte, in der Gegenwart angekommen ist. Es ist einzig dem unerwarteten Ausgang der US-Wahlen und der Neudefinition der Kooperation zwischen Russland und der Türkei nach dem Putsch-Versuch im letzten Sommer zu verdanken, dass weitere seiner Szenarien so nicht mehr eintreten und die geopolitischen Karten neu gemischt werden. Sollte Friedman indes mit der Prognose einer militärischen Konfrontation mit Russland um 2020 Recht behalten, dann steht die Welt vor einem globalen Konflikt.

Die USA ist ein moralfreier, totalitärer Staat

Die anschließenden Zitate stammen aus seinem Buch und sind mit  Seitenzahlen gekennzeichnet, so dass jeder sich über deren Authentizität und Kontext versichern kann. Friedman beschreibt die USA als einen moralfreien Staat ohne politische Glaubwürdigkeit bzw. Zuverlässigkeit auf dem Weg in den Totalitarismus. Als einen Staat, der von sich selbst behauptet, keine Freunde zu kennen, sondern nur Interessen zu besitzen.

Die USA sind eine kriegerische Nation. Statistisch befanden sie sich 10 Prozent der Zeit ihres Bestehens im Krieg. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es 22 Prozent und seit dem Beginn des 21 Jahrhunderts sind die USA permanent im Krieg. S. 39-40

Die fünf geopolitischen Imperative der USA S. 40-45

1.       Die komplette Domination Nordamerikas durch die Armee der Vereinigten Staaten,

2.       Die Auslöschung jeglicher Bedrohung für die USA durch eine Macht in der westlichen Hemisphäre,

3.       Die totale Kontrolle des maritimen Zugangs zu den USA durch Seestreitkräfte, die jeden Versuch einer Invasion vereiteln,

4.        Die totale Kontrolle der Ozeane, um Unversehrtheit und Kontrolle über das internationale Handelssystem zu garantieren,

5.        Die Hinderung aller Nationen, die globale Seemacht der USA herauszufordern.

Die USA haben kein übergeordnetes Interesse an Frieden in Eurasien. Ebenso wie in Korea oder Vietnam war der Grund dieser Konflikte einfach der, Mächte zu destabilisieren, nicht Ordnung einzuführen. S. 45

Die USA wollten den Aufstieg einer europäischen Supermacht verhindern. Interventionen waren nicht darauf ausgerichtet, etwas zu erreichen - egal was die politische Rhetorik verlautbarte - sondern etwas zu verhindern. Ziel war es eben nicht, zu stabilisieren, sondern zu destabilisieren. S. 46

Das 21. Jahrhundert wird für den Rest der Welt gefährlich. Die USA tendieren dazu, dass es ihnen egal ist, wie sie ihre globale Macht ausspielen. Sie besitzen Politiken, die anderen Staaten rücksichtslos erscheinen. Die Ergebnisse können für andere verheerend sein, die USA aber gedeihen. S. 47

Durch die erste Intervention in Kuwait blockierten die USA die Ambitionen des Iraks. In Jugoslawien ging es darum, Serbien daran zu hindern, regionale Macht auf dem Balkan zu werden. Die Intervention in der islamischen Welt verhinderte ein islamisches Imperium. S. 45

Eine islamische Welt im Chaos und unfähig sich zu einen, bedeutet, dass die USA ihr strategisches Ziel erreicht hat. S. 49

Das Problem ist, dass allein die Existenz eines geeinten Russlands eine signifikante Herausforderung für Europa darstellt. S. 101

Für ein Land, das in den letzten beiden Jahrhunderten dreimal überfallen wurde, ist es nicht akzeptabel, anzunehmen, dass die NATO keine Bedrohung darstelle. Russland kann mit einem neutralen Baltikum leben. Dagegen ist es ein Risiko, mit einer baltischen Region zu leben, die Teil der NATO und den USA zugewandt ist. S. 114

Russland weiß, dass die NATO durch die Aufnahme der baltischen Staaten nach Osteuropa systematisch ausgebaut wurde. Als die USA begannen, die Ukraine für die NATO zu rekrutieren, änderte Russland seine Absichten. Wenn die Ukraine und das Baltikum in die Hände eines Feindes fielen, etwa dadurch, dass sie der NATO beitreten, wäre Russland existenziell bedroht. S. 112

Die Russen betrachteten die Vorgänge in der Ukraine, als den Versuch der USA, das Land in die NATO zu integrieren und so den Startschuss für den Zerfall Russlands zu geben. Um ehrlich zu sein, in der russischen Wahrnehmung liegt ein Gutteil Wahrheit. S. 70

2015 wird sich eine globale Konfrontation auf dem Weg befinden und bis 2020 intensivieren. Keine Seite riskiert einen Krieg, sondern sie manövrieren. 2020 wird die Konfrontation weltweites Thema sein. S. 117

Russlands Strategie ist es, Pufferzonen in Osteuropa einzurichten und Nachbarn zu manipulieren, um so eine neue regionale Machtbalance in Europa herzustellen. Russlands Aktionen werden aggressiv ausschauen, während sie eigentlich defensiver Natur sind. S. 105

Russland hat drei Werkzeuge, um das Baltikum zu beeinflussen. Erstens verdeckte Operationen. In der Weise wie die USA überall auf der Welt Nichtregierungsorganisationen finanzierten, wird Russland russische Minderheiten im Baltikum finanzieren, ebenso wie alle pro-russischen Elemente, die gekauft werden können. Wenn die Balten mit der Unterdrückung dieser Bewegungen beginnen, gibt dies den Russen den Vorwand, ihr zweites Werkzeug einzusetzen - ökonomische Sanktionen. Schließlich wird Russland substanzielle militärische Präsenz nahe der Grenzen der Länder zeigen. S. 115

Russland wird die Slovakei und Bulgarien destabilisieren. Diese Konfrontation wird entlang der gesamten Westgrenze Russlands passieren. Russland will Osteuropa isolieren und die NATO aufbrechen. Schlüsselfiguren sind Deutschland und Frankreich, die beide keine Konfrontation wollen. S. 116

Da die baltischen Staaten in Gefahr sind, wird eine kollektive Anstrengung mit Truppenpräsenz nötig sein. Einige Mitglieder der NATO werden dazu nicht bereit sein, daher wird diese Aktion außerhalb der NATO stattfinden. Die NATO wird aufhören in einer effizienten Weise zu funktionieren. S. 138

Egal, was der Rest Europas unternehmen wird, Polen, die Tschechische Republik, Ungarn und Rumänien werden jeden Deal mit den USA machen, um Unterstützung zu bekommen. S. 119

Polen wird noch abhängiger von den USA. Für die USA ist dies eine kostengünstige Gelegenheit, die Russen nieder zu halten und die Europäische Union zu schwächen. S. 117

Eine Allianz osteuropäischer Staaten unter Einschluss der baltischen Staaten sowie Ungarns oder Rumäniens und angeführt von Polen wird die Möglichkeit erkennen, alten Grenzen wiederherzustellen, um vor Russland sicher zu sein. Gleichzeitig werden sie sich gegen traditionelle westliche Feinde wie Deutschland schützen. S. 138

Für Osteuropa ergibt sich aus dem Zusammenbruch Russlands die Notwendigkeit, eine aggressive Außenpolitik zu betreiben. Osteuropa wird die dynamischste Region Europas. Da Russland ausgefallen ist, wird Polen nach Osten drängen, um Pufferzonen in der Ukraine zu bilden. S. 149

Der Zusammenbruch Russlands um 2020 wird Eurasien in ein Chaos stürzen. Kontrollierten Oligarchen bei vorherigen Kollapsen Russlands Wirtschaft, so werden nun regionale Führer die Verantwortung übernehmen. S. 136

Aus Sicht der USA ist dies ein hervorragendes Ergebnis. Der fünfte globale Imperativ der USA war, dass keine Macht in der Lage sei, Eurasien zu kontrollieren. Mit Russland im Chaos ist diese Möglichkeit weiter als jemals zuvor entfernt. S. 137

Bis 2020 ist die Türkei eine aufstrebende ökonomische und militärische Macht in einem Meer aus Chaos. Während der russisch-amerikanischen Konfrontation in den späten 2010-Jahren werden der Nahe Osten und der Süden der Türkei durch Russland weiter destabilisiert. Auch die Balkanstaaten im Nordwesten der Türkei werden instabil. S. 145

Die Türkei hat kritische Bedeutung in der Konfrontation mit Russland. Die Russen benötigen Zugang zum Bosporus, um den USA auf dem Balkan zu begegnen. Die Türken wissen, dass auf diese Weise ihre Autonomie bedroht wird. Sie werden daher zu ihrer Allianz mit den USA stehen. S. 146

2030 wird die Türkei die USA als Gefahr für ihre Interessen bewerten. S. 147

2040 werden Deutschland und Frankreich keine Rolle mehr spielen. Problem für beide sind die USA. S. 151

Die USA wollen Staaten, die im Chaos versinken

Jens Wernicke: Herr Adlkofer, Sie sind einer der renommiertesten Kritiker der inzwischen gigantischen Mobilfunkindustrie, die, schenkt man den Darstellungen des Films „Das Strahlungskartell“ glauben, alles dafür tut, um „geschäftsschädigende Kritik“ an ihrem Wirken zu unterdrücken und mundtot zu machen. Worüber sprechen wir hier? Was ist das Problem an Mobilfunk sowie am „Strahlungskartell“?

 

Franz Adlkofer: Auch wenn ich in diesem vorkomme, habe ich ihn, da er gerade erst auf DVD erschienen ist, selbst leider noch nicht sehen können. Der Überschrift „Das Strahlungskartell“ und den Einführungssätzen entnehme ich, dass über die Netzbetreiber nicht viel Gutes berichtet wird. Dafür habe ich großes Verständnis. Wie sie ihre Interessen durchsetzen, ist mit dem Begriff „institutionelle Korruption“, die sich im Grenzbereich zwischen legal und illegal bewegt, höchst unzureichend beschrieben. Im Umgang mit mir scheute man jedenfalls auch vor kriminellen Methoden nicht zurück, um mir meine Glaubwürdigkeit zu nehmen, was so ziemlich das Schlimmste ist, was einem Wissenschaftler geschehen kann.

 

Zur Sache: Der Schutz der Menschen vor der Hochfrequenzstrahlung, wie er seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts zunächst vom US-Militär und nach Beendigung des Kalten Krieges von der Strahlenindustrie jeweils im Einverständnis mit der Politik propagiert wird, beruht auf einer großen Lüge. Die damals entstandenen und heute noch geltenden Grenzwerte sind nämlich nicht mehr und nicht weniger als ein Phantasieprodukt, mit dem das Militär seine technischen und die Strahlungsindustrie ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen verstand.

 

Menschen, die dieser Strahlung ausgesetzt sind, schützen diese Grenzwerte lediglich vor Verbrennungen, wovor sich jeder Betroffene allerdings auch von sich aus schützen würde, weil Verbrennungen schmerzhaft sind. Beim Schutz vor strahlungsbedingten Erkrankungen, die bereits weit unterhalb der Grenzwerte auftreten können und sich in aller Regel langsam entwickeln, sind diese Grenzwerte ohne jede Wirkung.

 

Seit Jahrzehnten wird der profitable Status quo aufrecht erhalten, indem wie im Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm Pseudoforschung gefördert und echte Forschung behindert wird. Forschungsmittel werden bevorzugt an willfährige Wissenschaftler mit der richtigen Meinung unter Kontrolle der Mobilfunkindustrie vergeben, unabhängige Forscher erhalten nur Fördermittel, wenn die von ihnen zu erwartenden Ergebnisse mehr oder weniger bedeutungslos sind. Schlimmer noch: Diese Wissenschaftler werden dann benutzt um zu zeigen, dass bei der Vergabe der Forschungsmittel alles mit rechten Dingen zuging. Und die Politik – sei es, dass sie nichts davon bemerkt oder mit allem einverstanden ist – hüllt sich in Schweigen.

 

Wer dies alles öffentlich zu sagen bereit ist, braucht sich – wie ich als Betroffener versichern kann – über den Umgang, den er hiernach von der Mobilfunkindustrie, ihren Söldnern aus der Wissenschaft und darüber hinaus auch von der Politik erfährt, nicht zu wundern.

 

Jens Wernicke: Das scheint im Moment ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, das ebenso andere Bereiche von Forschung und Wissenschaft betrifft und beispielsweise beim Thema Pestizide bereits verheerende Folgen gezeitigt hat. Was genau ist bezüglich der Mobilfunkstrahlung denn der aktuelle Forschungs- und Wissensstand?

 

Franz Adlkofer: Gegenwärtig steht für mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Mobilfunkstrahlung bei Langzeit- und Häufignutzern des Mobiltelefons Hirntumore verursachen kann.

 

Weniger überzeugend erscheint mir aktuell die Beweislage für die vielen anderen Erkrankungen, auf die im Film „Das Strahlenkartell“ hingewiesen wird. Doch die Chancen, dass eines Tages auch dafür die erforderlichen Belege erbracht werden, stehen durchaus gut.

 

Dass es unter den Menschen, die sich als elektrosensibel bezeichnen und die bereits auf niedrigste Strahlenbelastungen mit Krankheitssymptomen reagieren, viele gibt, die tatsächlich elektrosensitiv sind, erscheint mir ebenfalls als weitgehend gesichert.

 

Jens Wernicke: Und das ist alles seriös be- und mit Studien hinterlegt? 

 

Franz Adlkofer: Ja. Dass wir wohl in absehbarer Zeit wohl mit einem nicht mehr übersehbaren Anstieg von Hirntumoren rechnen müssen, habe ich in meinem Artikel „Neues von der NTP-Studie“ begründet.

 

Was den unbefriedigenden Stand des Wissens über Erkrankungen auch anderer Organe oder Systeme des menschlichen angeht, worauf zahlreichen Publikationen hinweisen, ist dies vor allem der einseitigen Forschungsförderung und damit der Forschungsbehinderung durch Industrie und Politik geschuldet.

 

Jens Wernicke: In den Medien wird ja in aller Regel das genaue Gegenteil dargestellt: alles sei sicher, die Kritiker wären nicht recht bei Verstand etc.

 

Franz Adlkofer: Der Einfluss der Mobilfunkbetreiber auf die Medien, selbst auf die besonders elitären, die voller Stolz auf den eigenen hohen moralisch-ethischen Standard verweisen, ist überwältigend.

 

Sie drucken alles ab, was ihnen von Wissenschaftlern vorgetragen wird, die offen oder verdeckt mit der Mobilfunkindustrie zusammenarbeiten. Diese Wissenschaftler stellen sich bei ihnen in der Regel als Mitglieder wichtiger nationaler und internationaler Beratungs- und Entscheidungsgremien vor, in denen sie aufgrund ihrer richtigen Meinung von der Politik auf Wunsch der Mobilfunkindustrie untergebracht wurden.

 

Im Gegensatz zu den zwecks Erhöhung ihres Marktwertes mit Amt und Würden ausgestatteten Söldnern des Strahlungskartells werden Erkenntnisse unabhängiger Wissenschaftler, die sich nur dem eigenen Gewissen verpflichtet fühlen, völlig ignoriert. Sie selbst werden als Außenseiter angesehen oder schlichtweg als Verrückte diffamiert.

 

Jens Wernicke: Warum wissen wir als Verbraucher so wenig über die Auswirkungen der steigenden Strahlenbelastung? 

 

Franz Adlkofer: Jeder Mensch, der wirklich wissen möchte, was da geschieht, hätte hinreichend Gelegenheit, sich über die möglichen gesundheitlichen Risiken der Hochfrequenzstrahlung zu informieren.

 

Nur wenige machen jedoch davon Gebrauch, zum einen weil sie sich nicht mit Wissen belasten möchten, das ihren Umgang mit dieser sehr hilfreichen und deshalb zu Recht geschätzten Technologie beeinträchtigen könnte. Zum andern tun sie es auch deshalb nicht, weil ihnen von der Mobilfunkindustrie und ihren Interessensvertretern aus der Wissenschaft, aber auch von der Politik seit Jahren vorgegaukelt wird, dass die Technologie bei Einhaltung der Grenzwerte absolut harmlos sei.

 

Die Medien tragen zu dieser Fehlinformation der Bevölkerung zu einem erheblichen Teil bei. Offensichtlich erwarten sie für ihre Zurückhaltung bei der Darstellung der Risiken der Hochfrequenzstrahlung von der Mobilfunkindustrie Gegenleistungen. Das Werbebudget der Mobilfunkindustrie, das das der Zigarettenindustrie von einst bei Weitem übertrifft, ist scheinbar für sie so verführerisch, dass sie sich bei ihrer Berichterstattung weniger der Wahrheit als den Interessen der Mobilfunkindustrie verpflichtet fühlen.

 

Jens Wernicke: Im Film wird nun ja auch klargestellt, dass zusätzlich zu allem anderen im Hintergrund oft auch riesige PR-Agenturen agieren, die Geld dafür erhalten, kritische Forschung zu verunmöglichen und Menschen wie Ihnen mit allen Tricks und Kniffen die Glaubwürdigkeit zu entziehen…

 

Franz Adlkofer: In den USA ist das ganz sicher der Fall. Das Strahlungskartell hat von der Zigarettenindustrie all die Tricks übernommen, mit denen diese die Risiken des Rauchens über Jahrzehnte hinweg so verschleierte, dass sie den Menschen weitgehend verborgen blieben.

 

Teil dieser Strategie ist die Gründung angeblich unabhängiger Forschungs- und Informationszentren, die Industrieinteressen in wichtigen gesellschaftlich relevanten Bereichen möglichst unauffällig, aber wirksam vertreten. In Deutschland schuf sich die Mobilfunkindustrie für diesen Zweck zunächst die Forschungsgemeinschaft Funk, kurz FGF, die sich von 1992 bis 2009 innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft sehr erfolgreich für die Verharmlosung der Mobilfunkstrahlung einsetzte. Von 2001 bis 2015 kam das Informationszentrum Mobilfunk, kurz IZMF, hinzu, das sich schwerpunktmäßig um die Fortbildung von Lehrern und Ärzten in Sachen Mobilfunk im Sinne der Mobilfunkindustrie bemühte.

 

Beide Organisationen, besonders aber letztgenannte, die über viele Jahre hinweg eng mit dem Deutschen Ärzteblatt zusammenarbeitete, waren mit ihrer Tätigkeit ausgesprochen erfolgreich, so erfolgreich, dass sie schließlich von den Netzbetreibern sang- und klanglos abgeschafft werden konnten, weil inzwischen staatliche Organisationen wie das Bundesamt für Strahlenschutz und die Strahlenschutzkommission wie von selbst ihre Aufgaben übernommen hatten.

 

Diese beiden staatlichen Organisationen wiederum arbeiten eng mit der WHO und der Internationalen Kommission zum Schutze vor der nicht-ionisierenden Strahlung. kurz ICNIRP, zusammen, in denen die Vertrauensleute des internationalen Strahlungskartells seit Jahren das Sagen haben.

 

In Deutschland gibt es noch eine weitere Einrichtung, das sogenannte Informationszentrum gegen Mobilfunk, kurz IZgMF, das im Widerspruch zu seinem Namen die Interessen der Mobilfunkindustrie auf ganz besondere Weise vertritt. Es ist ganztägig damit beschäftigt, Kritiker des Mobilfunks, seien es Laien oder Wissenschaftler, mit Schmutz zu bewerfen. Dies ist auch mit mir geschehen. Der Verleumdungsprozess vor dem Landgericht Berlin im Jahre 2010 lieferte dann auch die Bestätigung für die moralische Verkommenheit der Forumbetreiber. Nur die dümmsten der Dummen zweifeln noch daran, dass das IZgMF für seine Treu und Glauben vernichtende Tätigkeit von der Mobilfunkindustrie ausgehalten wird.

 

Eine weitere Einrichtung, die ebenfalls auf dem Niveau des IZgMF arbeitet, ist Psiram, dessen sich die Wirtschaft insgesamt bedient, um alles, was ihren Interessen schaden könnte, als Quacksalberei, Scharlatanerie und Täuschung aus dem Wege räumen zu lassen. Psiram, das international tätig ist und sich fürsorglich im rechtsfreien Raum angesiedelt hat, sieht sich nach eigenem Bekunden dem kritischen Verbraucherschutz verpflichtet. Eine solche Möglichkeit lässt sich natürlich auch das Strahlungskartell nicht entgehen, um mit denen abzurechnen, die ihren Interessen im Wege stehen. Dies ist auch mit den Autoren der REFLEX-Studie geschehen, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen müssen.

 

Für das IZgMF und Psiram fällt mir nur noch ein: „Zeig mir deine Freunde, und ich sag dir wer du bist.“

 

Jens Wernicke: Was hat es in diesem Zusammenhang mit einem sogenannten „War Game Memo“ auf sich, dass die gigantische PR-Firma Burson-Marsteller im Auftrag des „Strahlungskartelles“ erstellt haben soll?

 

Franz Adlkofer: Der Begriff War Gaming wurde meines Wissens 1994 von der amerikanischen Mobilfunkfirma Motorola geprägt, um ihrem Vorgehen gegen die Wissenschaftler Lai und Singh an der University of Washington in den USA, die gentoxische Veränderungen in Hirnzellen strahlenexponierter Ratten festgestellt hatten, einen bildhaften Namen zu geben.

 

Mit dem „Kriegspielen“ gegen diese beiden Forscher sollte erreicht werden, dass sie vom Präsidenten der Universität gefeuert werden, was dieser ablehnte, und dass ihre Forschungsförderung unverzüglich eingestellt wird, was tatsächlich geschah.

 

Jens Wernicke: Von was für Strategien der „Kriegsführung“ sprechen wir hier konkret?

 

Franz Adlkofer: Das Vorgehen des Strahlungskartells, von dem es heißt, es sei zu groß, um unterzugehen, beruht nicht auf Witz und Verstand, sondern einerseits auf wirtschaftlicher und politischer Macht und andererseits auf der charakterlichen Schwäche allzu vieler Vertreter aus Politik und Wissenschaft, die sich gegen Einwurf kleiner Münzen willig missbrauchen lassen.

 

Mit Wissenschaftlern, deren Forschungsergebnisse der Mobilfunkindustrie missfallen, wird in der Regel wie folgt umgegangen: Ihre Forschungsergebnisse werden so lange wie möglich ignoriert. Wenn dies nicht mehr gelingt, setzt die Kritik ein, die sich nach Belieben steigern lässt. Der Übergang zur Diffamierung ist dann fließend. Dabei geht es nur noch am Rande um die Forschungsergebnisse, das eigentliche Ziel sind dann die Forscher selbst. Ihr beruflicher und wirtschaftlicher und menschlicher Ruin wird, wenn es denn sein muss, dabei billigend in Kauf genommen.

 

All dies habe ich aus Anlass der von mir von 2000 bis 2004 koordinierten und von der EU-Kommission finanzierten REFLEX-Studie, bei der in isolierten menschlichen Zellen nach der Exposition gegenüber der Mobilfunkstrahlung unterhalb des Grenzwertes massive Genschäden festgestellt wurden, auch selbst durchlebt.

 

Jens Wernicke: Was konkret haben Sie erlebt?

 

Franz Adlkofer: Als in Bezug auf die REFLEX-Studie der Phase des Ignorierens und Kritisierens kein Erfolg beschieden war, erfand Alexander Lerchl, Professor an der Vodafone-geförderten privaten Jakobs University in Bremen und Vorzeigewissenschaftler sowohl von IZMF als auch IZgMF, schließlich die Geschichte, dass die REFLEX-Ergebnisse gefälscht seien.

 

Ganz offensichtlich geschah dies, um zu verhindern, dass die von mir in Brüssel eingereichte und von den EU-Gutachtern zur Förderung vorgeschlagene REFLEX-Nachfolgestudie ebenfalls finanziert wird. Zusätzlich sollte erreicht werden, dass die REFLEX-Ergebnisse, die von der Mobilfunkindustrie natürlich als geschäftsschädigend angesehen wurden, aus der wissenschaftlichen Literatur zurückgezogen würden.

 

Während Alexander Lerchl die Förderung der REFLEX-Nachfolgestudie auf diese Weise tatsächlich verhindern konnte, scheiterte er mit seiner Forderung auf Rücknahme der REFLEX-Publikationen.

 

Um seiner Fälschungsbehauptung das nötige Gewicht zu verleihen, bezichtigte er eine Technische Assistentin der Medizinischen Universität Wien namentlich, die REFLEX-Ergebnisse bewusst und absichtlich gefälscht zu haben. Nach meiner und ihres direkten Vorgesetzten Überzeugung war dieser Vorwurf in jeder Beziehung unberechtigt.

 

Nach einem letzten besonders rüden Angriff in einer Fachzeitschrift im Jahre 2014 bot ich der Technischen Assistentin, die unter den Folgen dieser Verleumdung wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schaden erlitten hatte, eine Kostenübernahme durch die Pandora-Stiftung für unabhängige Forschung an, wenn sie sich nun zur Wehr setzen möchte.

 

Am 13. März 2015 bestätigte das Landgericht Hamburg Alexander Lerchl in seinem Urteil zwar, dass er sich der Verletzung der Persönlichkeitsrechte und der Ehrabschneidung der Technischen Assistentin schuldigt gemacht hat.

 

Der jedoch blieb dennoch bei seiner Behauptung, die Studie sei gefälscht. Wenn die Technische Assistentin die REFLEX-Ergebnisse aber nicht gefälscht hat, was ihm zu behaupten verboten worden war, muss es eben jemand anders gewesen sein. Ob er mit dieser Erklärung das Gericht überzeugen kann, wird sich in Kürze zeigen.

 

Wegen seiner Verdienste um die Interessen der Mobilfunkindustrie wurde Alexander Lerchl von der Bundesregierung 2009 in die staatliche Strahlenschutzkommission berufen. Die Verdienste bestanden im Wesentlichen darin, dass er durch verfehlte Planung, durch verfehlte Durchführung und durch verfehlte Auswertung der ihm im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms übertragenen Forschungsvorhaben das erwünschte Nullergebnisse auch erzielte. Seine Verleumdungskampagne gegen die REFLEX-Studie mag mit zu seiner Wertschätzung in diesen Kreisen beigetragen haben.

 

Die Ernennung Lerchls zum obersten Strahlenschützer Deutschlands kann eigentlich nur als Beweis dafür angesehen werden, dass die Bundesregierung ebenso wie er selbst dem Schutz der Mobilfunkstrahlung vor ihren Kritikern Vorrang vor dem Schutz der Bevölkerung vor den Strahlenrisiken einräumt.

 

Jens Wernicke: Und die Medien – welche Rolle spielen sie in diesem Spiel?

 

Franz Adlkofer: Alexander Lerchls Lügengeschichte wurde von der nationalen und internationalen Presse umgehend aufgegriffen und weltweit als Tatsache verbreitet.

 

In Deutschland taten sich dabei die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, der Tagesspiegel, der Spiegel und das Deutsche Ärzteblatt besonders hervor.

 

Dies geschah wohl kaum aufgrund der Wertschätzung für den Gefälligkeitsforscher der Mobilfunkindustrie Alexander Lerchl, als vielmehr aus der Hoffnung heraus, dass seine Auftraggeber ihre Erwartungshaltung nicht enttäuschen würden.

 

Jens Wernicke: Und haben Sie nicht auch selbst bereits gegen die Süddeutsche prozessiert? Worum ging es dabei und wie ging das Verfahren aus?

 

Franz Adlkofer: Ja, dazu sah ich mich gezwungen, weil in der Süddeutschen Zeitung Mitte 2011 in einem offensichtlich von Alexander Lerchl initiiertem Artikel mit dem Titel „Daten der Handystrahlung gefälscht?“ behauptet wurde, dass die Ergebnisse der REFLEX-Studie so nie von andern Labors reproduziert werden konnten. Dies war für mich eine unwahre Tatsachenbehauptung, mittels derer unsere Studien-Ergebnisse diskreditiert werden sollten.

 

Das Landgericht Hamburg sah dies ebenso und verurteilte die Süddeutsche Zeitung, diese wahrheitswidrige Behauptung in Zukunft zu unterlassen. Die Süddeutsche Zeitung legte gegen das Urteil Berufung ein, die nunmehr seit 4 Jahren anhängig ist. Wie es aussieht, möchte man sich die Mühe der Fortsetzung des Prozesses im Hinblick auf mein fortgeschrittenes Alter von bald 81 Jahren wohl ersparen und spielt, wie es so schön heißt, „auf Zeit“…

 

Jens Wernicke: Nun gibt es inzwischen mehr Mobilfunkverträge als Menschen auf unserer Welt und die Strahlenbelastung nimmt also kontinuierlich zu. Wohin steuern Welt und Gesellschaft hier, wenn das so ungehindert weitergeht?

 

Franz Adlkofer: Diese Frage kann heute kein Wissenschaftler auch nur einigermaßen zuverlässig beantworten. Selbst wenn das Hirntumorrisiko als gesichert erscheint und mit etlicher Wahrscheinlichkeit weitere gesundheitliche Risiken hinzukommen werden, ist die entscheidende Frage, wie hoch das jeweilige Krankheitsrisiko letzten Endes sein wird, völlig ungeklärt. Diese Frage hängt vorerst wie ein Damoklesschwert über der menschlichen Gesellschaft.

 

Jens Wernicke: Was halten Sie von all dem Kinderspielzeug für inzwischen selbst Ein- bis Dreijährige, das immer häufiger funkt und strahlt; und von der Tatsache, dass immer mehr Kindergärten und Schulen – auf Wunsch von Schülern und Eltern, wie es heißt – mit WLAN und anderem ausgerüstet werden?

 

Franz Adlkofer: Es gibt inzwischen Techniken, die es ermöglichen, die von WLAN ausgehende Mobilfunkstrahlung und die Persistenz dieser Strahlung über die Zeitdauer der Strahlenexposition hinaus im menschlichen Organismus nachzuweisen.

 

Das bedeutet, dass durchaus ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen und den bei strahlenexponierten Kindern und Jugendlichen inzwischen beschriebenen Verhaltensstörungen bestehen kann, was gegenwärtig vehement abgestritten wird.

 

Solche Befunde sollten eigentlich genügen, um die Politik zu überzeugen, dass WLAN aus den Kindergärten und Schulen so rasch wie möglich verschwinden muss. Jede andere Entscheidung wäre absolut verantwortungslos, weil sie dem Schutz von Kindern und Jugendlichen auf gröbste Weise missachtet.

 

Jens Wernicke: Und welche Chancen sehen Sie, dem Strahlungskartell und seinen Machenschaften entgegenzuwirken?

 

Franz Adlkofer: Die Chancen, den Machenschaften des Strahlungskartells entgegenzuwirken, sehe ich 1) in der wahrheitsgemäßen Aufklärung der Bevölkerung über den gegenwärtigen Stand der Forschung, 2) in der Entfernung der vom Strahlungskartell kontrollierten Wissenschaftler aus den nationalen und internationalen Beratungs- und Entscheidungsgremien, 3) in der Bereitstellung von Forschungsmitteln für die seit Jahrzehnten kaum geförderte unabhängige Wissenschaft, und 4) in der Forderung an das Strahlenkartell, ihre Technologie endlich dem menschlichen Organismus anzupassen, da der umgekehrte Weg nicht möglich ist.

 

Ich befürchte jedoch, dass diese Forderungen erst durchgesetzt werden können, wenn der Anstieg der strahlenbedingten Todesfälle an Hirntumoren – der zweifellos massivsten Bedrohung – nicht mehr zu übersehen ist. Wahrscheinlich werden bis dahin noch viele Jahre vergehen.

 

Jens Wernicke: Gibt es etwas, das wir als Zivilgesellschaft tun könnten; was jeder von uns im Alltag berücksichtigen kann?

 

Franz Adlkofer: Wie es gegenwärtig aussieht, wird die Menschheit mit der Hochfrequenztechnologie trotz der inzwischen offensichtlichen gesundheitlichen Risiken leben müssen, weil die mit ihr verbundenen Vorteile sowohl für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen so überwältigend sind, dass man auf sie wohl nicht mehr verzichten wird.

 

Jeder Einzelne ist deshalb gut beraten, wenn er sich ernsthaft bemüht, seine Strahlenbelastung durch den richtigen Umgang mit den entsprechenden Geräten so gering wie möglich zu halten.

 

Jens Wernicke: Noch ein letztes Wort?

 

Franz Adlkofer: Karl Friedrich von Weizäcker sagte einmal, dass es kein Problem gäbe, das nicht durch gemeinsame Anstrengung der Vernunft lösbar wäre, dass unsere politische Ordnung, unser gesellschaftlicher Zustand und unsere seelische Verfassung diese gemeinsame Vernunft jedoch fast unmöglich machen würden. Schade, dass er recht hatte.

 

Jens Wernicke: Ich bedanke mich für das Gespräch.

Das Strahlungskartell

Von daher ist in letzter Zeit eine Denkschrift der US-Streitkräfte aus dem Jahre 1996 öfter in der Diskussion. Ihr Titel lautet: „Weather as a force Multiplier: Owning the Weather in 2025“. Also in etwa sinngemäß auf Deutsch: „Das Wetter als ein Mittel, Macht zu erweitern – wir kontrollieren im Jahre 2025 das Wetter“.

 

Das klingt zunächst wie Science Fiction. Doch wer sich intensiver mit dem Thema: künstliche Beeinflussung des Wetters befasst hat, bemerkt schnell, wie weit tatsächlich private Unternehmen und das Militär bereits auf dem Gebiet der Wettermanipulation gediehen sind. Clevere Unternehmer in den USA verfügen über Flugzeugflotten, mit denen sie in die Wolken fliegen und mit chemischen Zusätzen Wolken zum Abregnen bringen oder Regen unterdrücken können. Bezahlt werden sie von großen Farmbetrieben, die sich für ihre Äcker den Niederschlag konfektionieren lassen.

 

Gemachtes Wetter in China

Bekanntestes Beispiel für Wettermanipulation ist die Sommerolympiade in Peking 2008. Das schöne Wetter zur Eröffnungsfeier war bekanntlich durch künstliche Auflösung der Wolken erkauft worden. Denn der Bezirk Peking unterhält eine eigene Wettermanipulationsbehörde, ganz offiziell, mit 37.000 Beamten. Die wackeren Staatsdiener beschießen Wolken mit Silberjodid aus Kanonen. Und das nicht nur während der Olympiade, sondern dauerhaft, je nach Bedarf.

 

Das Denkpapier „Owning the Weather“ aus dem Jahre 1996 wurde im Auftrag des Stabschefs der US-Luftwaffe von Militärs im mittleren Rang erstellt. Es ist gedacht als Gedankenspiel – die Möglichkeiten von 1996 weiterentwickelt für die nächsten dreißig Jahre. Diskutiert werden in dem Papier Optionen, die feindlichen Streitkräfte durch gemachtes schlechtes Wetter zu behindern, andererseits die eigenen Streitkräfte durch gutes Wetter zu begünstigen. Oder aber die Erdatmosphäre so zu verändern, dass es die eigenen Kommunikationsmittel unterstützt und die des Feindes unterdrückt. Dazu heißt es in der Denkschrift: „Von der Verstärkung eigener Militäroperationen oder der Störung der Feinde durch maßgeschneiderte natürliche Wettermuster in enger Reichweite bis zur vollständigen Beherrschung der weltweiten Kommunikationswege und der Weltraumkontrolle: für alles bietet die Wettermanipulation dem Krieger eine breite Palette von Möglichkeiten, um den Feind zu besiegen oder in die Knie zu zwingen.“

 

Einführend wird als Planspiel ein möglicher Krieg gegen ein gut aufgestelltes südamerikanisches Drogenkartell im Jahre 2025 vorgeführt. Im zweiten Kapitel gehen die Autoren der Frage nach, warum das Wetter für das Militär so wichtig ist. Schon im Zweiten Weltkrieg hatte nämlich General Eisenhower geschimpft, dass das Wetter immer die Nazis begünstigen würde. In seiner Eigenschaft als Präsident setzte Eisenhower 1957 eine Arbeitsgruppe zur Wetterbeeinflussung ein. Die Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass Wettermanipulationen in der Zukunft den Ausgang von Kriegen stärker beeinflussen könnten als selbst die Atombombe. Ob und welche konkreten Maßnahmen zur Wetterbeeinflussung tatsächlich beschlossen worden sein könnten, ist leider nicht bekannt.

 

Wettermanipulation schon im Vietnamkrieg

Bekannt geworden ist aber, dass eine Wetterbeobachtungsstaffel der US-Luftwaffe zwischen 1967 und 1972 etliche Megatonnen Silberjodid in Wolken über dem Ho-Tschi-Minh-Pfad hineingepumpt hat. Zweck der Übung war, künstlich mehr Regen auf den Dschungel über Laos und Vietnam herunterprasseln zu lassen, als der sowieso schon üppige Monsun von Natur aus hergab. Die vietnamesischen Nationalisten hatten über den Ho-Tschi-Minh-Pfad mit Fahrrädern und zu Fuß Kriegsmaterial für den Kampf gegen die amerikanischen Besatzer an die Kampfplätze transportiert. Der künstliche Regen sollte den Transportweg in unwegsamen Matsch verwandeln, Bäume entwurzeln und Hänge abrutschen lassen. Die Wolkenmanipulation der Amerikaner mit dem Namen Operation Popeye brachte eine Zunahme des Regens um ein Drittel, die Regenperiode dauerte nun 30 bis 45 Tage länger als unter natürlichen Bedingungen. Der Song Can-Fluss trat damals immer öfter über seine Ufer.

 

Weniger erfolgreich war die Bestreuung des US-Militärflugplatzes Khe Sanh mit Salz, um dem Nebel aufzulösen. Jedoch wurden diese Wettermanipulationen in der Presse bekannt gemacht. Das führte dann zu einem generellen Verbot von Umweltmanipulationen durch die Vereinten Nationen. 1977 verabschiedete die UNO-Vollversammlung die Konvention zum Verbot von militärischen und anderen feindseligen Verwendungen von Umweltmanipulationstechniken. Diese als ENMOD abgekürzte Konvention wurde im Laufe der Jahre von vielen Staaten der Welt ratifiziert. Das schreckt aber die Autoren der vorliegenden Studie nicht ab. Die USA könnten es sich nicht leisten zu warten, bis andere Mächte mit modernen Wetterwaffen die Nase vorn hätten. So bestimmen die Autoren erst einmal, was in den dreißig Jahren ab 1996 erreichbar ist: „Innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte könnte das Konzept der Wettermanipulation so erweitert werden, dass es die Möglichkeit einschließt, Wettermuster durch Beeinflussung ihrer bestimmenden Faktoren zu prägen.“ <Owning, 4>

 

Wettermanipulationen werden allerdings augenblicklich nicht von der Bevölkerung akzeptiert. Das wird sich aber ändern, wenn der Leidensdruck durch immer weiter zunehmende Umwelt- und Klimakatastrophen ein Gefühl für Dringlichkeit im Handeln erzeugen. Überbevölkerung, Dürren, Hunger, Überschwemmungen, Stürme: alle Menschen werden irgendwann Wettermanipulationen herbeisehnen: „Die zunehmende Dringlichkeit, die Vorzüge dieser Fähigkeiten [der Wettermanipulationen] zu begreifen, bringt Gesetze und Verträge sowie einseitige Maßnahmen auf den Weg. Das macht die Risiken, diese Fähigkeiten in Kraft zu setzen und zu verfeinern, akzeptabel.“ <Owning, 5>

 

Die Wettermanipulation arbeitet auf zwei Ebenen: der Unterdrückung und der Intensivierung vorhandener Wettermuster. Irgendwann müssen wir auch in der Lage sein, bei Bedarf auch komplett neue Wettermuster zu produzieren, so die Autoren. In dem vorliegenden Papier werden allerdings extreme Beispiele von Wettermanipulation nicht erörtert. Das Dritte Kapitel des Denkpapiers erörtert die technischen Apparaturen und Netzwerke, über die Wettermanipulation überhaupt nur möglich erscheint. Dazu gehören Computernetze in hoher Dichte und Feinheit sowie absolut zuverlässige Wettervorhersagesysteme. Insbesondere Erkenntnisse der Chaosforschung müssten in die Systementwicklung einfließen.

 

Das vierte Kapitel erörtert konkrete Techniken aus der Werkstatt des Wettermanipulators. Da sind zunächst die schon erwähnten Manipulationen von Niederschlägen. Die Feinde kann man auf diese Weise im Regen versinken lassen; die Freunde unterstützt man, indem man Regen unterdrückt. Neben dem schon erwähnten Silberjodid könnte man auch schwarzen Kohlenstaub in die Atmosphäre einbringen. Schwarzer Kohlenstaub absorbiert, speichert also die Sonnenwärme und gibt sie sukzessive wieder in die Atmosphäre ab. Es folgen: Kondensation um diese Partikel, Wolkenbildung und nachfolgend Regen. Ausgebracht werden die Partikel durch Nachbrenner-Düsen  (Afterburner) der Kampfflugzeuge.

 

Oder besser noch: durch unbemannte Drohnen, die vom Radar nur schwer erfasst werden können. Nebel macht Piloten besonders zu schaffen. Es gibt kalten und warmen Nebel. Kalten Nebel beseitigt man durch Chemikalien, die Eiskristalle wachsen lassen und damit den Nebel abregnen lässt. Schlimmer ist für Piloten der warme Nebel. Hier empfehlen die Autoren „hygroscopic seeding“: gemeint sind Chemikalien, die den Wasserdampf absorbieren. Vielleicht kann man in Zukunft dem Nebel durch Mikrowellen, Laser und smarten, intelligenten Partikeln zu Leibe rücken. Wie man Nebel erzeugt, verraten die Autoren nicht, aber Versuche waren bereits erfolgreich. Nebel blockiert Ultraviolett- und Infrarotstrahlen. Stürme sind als Wetterwaffe auch nicht zu verachten. Ein Tropensturm kann so viel Energie freisetzen wie 10.000 Wasserstoffbomben, sagen die Autoren.

 

Zum einen interessiert die Militärs, solche Stürme abzumildern und umzuleiten, wenn sie den Kampfpiloten im Weg sein sollten. Um Stürme zu entfachen oder zu intensivieren, muss die Hitzeabgabe in die Atmosphäre gesteigert und zusätzlicher Wasserdampf hinzugefügt werden. Das geht allerdings nur, so die Autoren, wenn die Atmosphäre sich bereits in einem instabilen Zustand befindet und die Dynamik auf großer Reichweite die vorhandene vertikale Wolkenbildung unterstützt. Die Techniken für diese Atmosphärendestabilisierung müssen erst noch entwickelt werden, sagen die Autoren 1996. Die Manipulation von Blitzen besteht in der Blitzablenkung: „dieser Bereich beinhaltet ein gewaltiges Potential, und zukünftige Forschungen und Konzepte sollten sich damit befassen.“ <owning, 19>

 

Herrschaft über die Ionosphäre

Während die bislang genannten Anwendungsbereiche der Klima- und Wettermanipulationen eher nach Chemiebaukasten klingen, eignet den nun folgenden Methoden ein Hauch von Science Fiction. Aber sie sind jedoch schon heute im Einsatz. Es geht um die Kontrolle der Atmosphäre und des näheren Weltraums durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika: „Manipulation der Umwelt des näheren Weltraums ist entscheidend für [unsere] Vorherrschaft im Kampfraum … eine operationale Fähigkeit, die Umwelt des näheren Weltraums zu manipulieren, würde die Weltraum-Überlegenheit im Jahre 2025 garantieren; diese Fähigkeit würde uns gestatten, den Kampfplatz zu prägen und zu beherrschen durch erweiterte Kommunikationswege, Überwachung, Navigation und zielgenaue Einsatzsysteme.“ <Owning, 20>

 

Vorbild war die Sowjetunion. Die UdSSR verfügte bereits über Mittel für eine vertikale Hochfrequenz-Erhitzung, Mikrowellenerhitzung, Manipulation der Magnetosphäre, niederfrequente Kommunikation und die Erschaffung einer künstlichen Ionosphäre. Auch Brasilien experimentierte in den Achtziger Jahren mit der Manipulation der Ionosphäre durch chemische Injektionen. Die Ionosphäre befindet sich in einer Höhe zwischen 80 bis 1.000 Kilometer über dem Erdboden. In diesem Bereich werden z.B. Kurzwellen reflektiert, und erreichen auf diese Weise jeden Ort auf der Erde. Wer die Ionosphäre kontrolliert, kontrolliert wesentliche Kommunikationswege. Nun ist aber die Ionosphäre sehr wechselhaft, bedingt durch Einflüsse des Weltraumwetters, durch Teilchenflug von Sonneneruptionen oder durch geomagnetische Stürme.

 

Die Autoren der Studie vergleichen die Eigenschaften der Ionosphäre mit zerknittertem Wachspapier. Die Militärs wünschen sich, dass dieses Knitterpapier glatt gebügelt wird, um berechenbarer operieren zu können. Die Installation von künstlichen Ionosphärenspiegeln könnte diese Wünsche erfüllen. Auf diese Weise könnte man feindliche elektromagnetische Übertragungen stören, indem man ein künstliches Ionosphärenflimmern erzeugt, das zudem von natürlichem Flimmern nicht zu unterscheiden sei. Feindliche Flugkörper im näheren Weltraum könnte man mit Nuklearstrahlung lahm legen. Die Ionosphäre verfügt über einen enormen Überschuss an Elektronen. Eine gewaltige Energiequelle, mit der man Satelliten betreiben kann, aber man könne durch direkte Bombardierung mit Hochfrequenz-induzierten Elektronenstrahlen Flugkörper und Satelliten zerstören. Auch diese Attacken wären von natürlichen Attacken schwer unterscheidbar. Raumpatrouille Orion lässt grüßen. Von der hohen Warte der Ionosphäre aus könnte man das Wetter simulieren oder steuern. Simulieren: man würde dem Feind falsche Daten auftischen.

 

Nanoteilchen könnten zudem die feindliche Kommunikation stören oder auch Gewitter auslösen: „Sie könnten auch eine atmosphärische elektrische Potentialdifferenz erzeugen, die auf andere Weise nicht existiert, um damit genau gezielte und zeitlich exakte Blitzschläge auszulösen. Auch wenn die elektrische Spannung für eine wirkungsvolle Schlagwaffe nicht ausreichen sollte, wäre das Potential für psychologische Operationen in vielen Situationen einfach phantastisch.“ <Owning, 27>

Die o.g. Methode sei eine überaus preisgünstige Technik, schwärmen die Autoren.

 

Schlussfolgerungen:

Damit hat das Denkpapier „Owning the Weather“ sein Pulver verschossen. Konkretere Auskünfte, was bei den Wetter-, Klima- und Weltraummanipulateuren alles im Jahre 1996 denkbar und möglich war, sind diesem von Anfang an öffentlich zugänglichen Thesenpapier nicht zu entnehmen. Immerhin wird offen zugegeben, dass man bereit ist, die Grenzen der UNO-Konvention ENMOD großräumig zu überschreiten. Wie bei den Atomwaffen wird bei der Umweltmanipulation argumentiert: was wir nicht machen, das machen die Anderen.

 

Die Amerikaner müssen wohl oder übel auf die düsteren Bestrebungen ihrer potentiellen Feinde reagieren. Sie seien die möglichen Opfer, wenn nichts unternommen wird: „Weil immer mehr Länder immer fortgeschrittenere Arten und Entwicklungsstadien der Technologien zur Wettermanipulation anstreben, entwickeln und ausbeuten, müssen wir in der Lage sein, ihre Bemühungen zu überwachen und ihren Aktivitäten etwas entgegen setzen, wenn nötig. Wie beschrieben, werden die Technologien und Kapazitäten verbunden mit dieser Aufgabe, solche Wettermanipulationen zu parieren, immer wichtiger.“ <Owning, 32>

 

Und weiter: „Die Geschichte lehrt auch, dass wir es uns gar nicht leisten können, ohne eine Wettermanipulationstechnik dazustehen, wenn diese Technologie erst einmal von Anderen entwickelt und genutzt werden. Selbst wenn wir keine Absicht haben, sie zu nutzen: andere werden es tun. Um noch einmal die Analogie zur Atomrüstung zu bemühen: wir müssen in der Lage sein, ihre Fähigkeiten durch unsere eigenen Fähigkeiten zu überwachen und zu kontern. Von daher müssen die Wetter- und Geheimdienstgemeinschaften auf Augenhöhe mit anderen bleiben.“ <Owning, 35>

 

Natürlich gingen die US-Streitkräfte mit großem Verantwortungsbewusstsein vor, was man ja von andern Kräften in der Welt nicht voraussetzen kann: „ … während offensive Wettermanipulationsbemühungen von den US-Streitkräften gewiss mit großer Vorsicht und Wissen um die Folgen unternommen würden, ist klar, dass wir uns nicht leisten können, einem Gegner den Erwerb der alleinigen Fähigkeit zur Wettermanipulation zu gestatten.“ <Owning, 35>

 

Es ist nicht zu erwarten, dass ein Denkpapier der Streitkräfte, das von Anfang an der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, hochempfindliches Herrschaftswissen ausstreut. So weit geht die Demokratie nun doch nicht. Man muss bedenken, dass zur Zeit der Niederschrift von „Owning the weather“ in Alaska bereits ein Drittel der mittlerweile berühmten HAARP–Anlage im Einsatz war. Diese riesige Funksendeanlage könnte in der Lage sein, genau die Kontrollfunktionen in der Ionosphäre zu übernehmen, von denen die Autoren der Studie höchst abstrakt und hypothetisch sprechen.

 

Die Technik von HAARP basiert zum Teil auf Patenten von des amerikanischen Physikers und Unternehmers Bernard Eastlund. In Eastlunds in den USA angemeldeten Patent unter der Nummer 4,686,605 heißt es über den Verwendungszweck seiner Erfindung: „es verursacht … vollständige Unterbrechung der Kommunikationswege über einen sehr großen Abschnitt der Erde; es zerstört Marschflugkörper und Flugzeuge; es verursacht Ablenkung und Verwirrung … und Wettermanipulation.“ Das passt zu den Visionen der Autoren. Der Text „Owning the weather“ ist wahrscheinlich deswegen öffentlich zugänglich, weil er eher retrospektiven Charakter besitzt, und das wahre Ausmaß US-amerikanischer Zukunftsoptionen kleinredet.

Wetter als Waffe: Gedankenspiele des US-Militärs

Journalismus als PR-Waffe der Industrie

Obwohl jeder Krieg ausgiebig von Lügen und Täuschung Gebrauch macht, basiert der schmutzige Krieg gegen Syrien auf einem Maß an Desinformation, das seit Menschengedenken noch nicht gesehen wurde. Der britisch-australische Journalist Philip Knightley hat deutlich gemacht, dass Kriegspropaganda normalerweise ein ‚deprimierend vorhersagbares Muster‘ der Dämonisierung des feindlichen Führers beinhaltet; dann folgt die Dämonisierung des feindlichen Volks durch Gräuelgeschichten, ob sie nun wahr oder erfunden sind. (Knightley 2001). Und so wurde aus einem freundlichen Augenarzt mit dem Namen Bashar al-Assad der neue Teufel dieser Welt, und, den übereinstimmenden Berichten westlicher Medien zufolge, tat die syrische Armee nichts anderes, als vier Jahre lang Zivilisten zu töten.(1) Bis heute stellen sich viele Menschen den Syrienkonflikt als ‚Bürgerkrieg‘ vor, als einen ‚Volksaufstand‘, oder als Variante eines internen Glaubenskrieges. Diese Mythen sind, in vielerlei Hinsicht, im Wesentlichen die Leistung der Großmächte, die in den vergangenen 15 Jahren eine Reihe von ‚Regime Change‘-Operationen im Mittleren Osten durchgeführt haben, ausnahmslos unter falschen Vorwänden.

 

Dieses Buch ist eine sorgfältige wissenschaftliche Arbeit, aber auch ein Plädoyer für das Recht des syrischen Volkes, seine Gesellschaftsform und das politische System selbst zu bestimmen. Diese Position befindet sich in Einklang mit internationalen Gesetzen und den Prinzipien der Menschenrechte, könnte jedoch westliche Empfindlichkeiten stören, sind wir doch an ein vermeintliches Vorrecht gewöhnt, intervenieren zu dürfen. Manchmal muss ich unverblümt werden, um diese Doppelzüngigkeit bloßzustellen. In Syrien haben die Großmächte versucht, ihre Beteiligung zu verbergen, indem sie Stellvertreterarmeen schickten, während sie gleichzeitig die syrische Regierung und ihre Armee dämonisierten, indem sie ihnen fortwährende Gräueltaten vorwarfen. Um dann behaupten zu können, dass sie das syrische Volk vor ihrer eigenen Regierung retten würden. Es opponierten wesentlich weniger Menschen im Westen gegen den Krieg in Syrien als gegen die Invasion des Irak, denn sie waren über seine wahre Natur getäuscht worden.

 

Im Jahr 2011 hatte ich nur ein bescheidenes Verständnis von Syrien und seiner Geschichte. Jedoch war ich zutiefst misstrauisch, als ich Nachrichten über die Gewalt las, die in der südlichen Grenzstadt Daraa explodierte.

 

Ich wusste, dass solche Gewalt (Heckenschützen, die auf Polizei und Zivilisten schossen, die Benutzung von halbautomatischen Waffen) nicht spontan aus Straßendemonstrationen heraus entsteht. Und ich war zutiefst misstrauisch gegenüber den Großmächten. Mein ganzes Leben lang wurden mir Lügen als Vorwände für Kriege erzählt. So entschloss ich mich, den syrischen Konflikt zu untersuchen. Ich las Hunderte von Büchern und Artikeln, schaute mir viele Videos an, und sprach mit so vielen Syrern wie es mir möglich war. Ich schrieb unzählige Artikel und besuchte zweimal Syrien während des Konfliktes. Dieses Buch ist das Ergebnis meiner Untersuchung.

 

Schmutzige Kriege sind nicht neu. Der kubanische Nationalheld José Martí sagte einem Freund voraus, dass Washington versuchen würde, in Kubas Kampf um Unabhängigkeit von den Spaniern einzugreifen. „Sie wollen einen Krieg provozieren“, schrieb er 1889 „um einen Vorwand zur Intervention zu bekommen, und, mit der Autorität eines Vermittlers und Garanten, das Land in Besitz nehmen…. Es gibt nichts Erbärmlicheres in den Annalen der freien Völker, und auch kein kaltblütigeres Übel“ (Marti 1975: 53). Neun Jahre später, während des dritten Unabhängigkeitskrieges, zerstörte eine Explosion im Hafen von Havanna das Schlachtschiff USS Maine, tötete dabei 258 Marinesoldaten, und diente als Vorwand für eine Invasion der USA. Der darauffolgende ‚Spanisch-Amerikanische‘ Krieg entriss den Kubanern den Sieg und erlaubte den USA, die Kontrolle über die verbliebenen spanischen Kolonialterritorien zu übernehmen. Kubanisches Land wurde annektiert, und eine zutiefst kompromittierte Verfassung aufgezwungen. Es gab niemals einen Beweis dafür, dass die Spanier für die Sprengung der USS Maine verantwortlich gewesen sein könnten, und viele Kubaner glauben, dass die Nordamerikaner ihr eigenes Schiff gesprengt hätten. Das Denkmal in Havanna, das an diese Marinesoldaten erinnert, trägt immer noch die Inschrift: „Den Opfern der Maine, die imperialer Unersättlichkeit geopfert wurden im Bestreben, sich der Insel Kuba zu bemächtigen“ (Richter 1998).

 

Die USA hatten Dutzende von Interventionen im folgenden Jahrhundert in Lateinamerika gestartet. Ein besonders schmutziger Krieg wurde durch jene vom CIA unterstützten ‚Freiheitskämpfer‘, in Wirklichkeit Söldner, die in Honduras ihre Basis hatten, gegen die Regierung der Sandinisten und gegen das Volk von Nicaragua in den 1980er Jahren geführt. Dieser Konflikt unterschied sich in seiner Vorgehensweise wenig vom Krieg in Syrien.
In Nicaragua wurden mehr als 30.000 Menschen getötet. Der Internationale Gerichtshof (IGH) befand die USA schuldig, terroristische Angriffe gegen den kleinen zentralamerikanischen Staat geführt zu haben, und urteilten, dass die USA Nicaragua Entschädigung zu zahlen hätten (ICJ 1986). Washington ignorierte das Urteil.

 

Mit dem ‚Arabischen Frühling‘ von 2011 nutzten die Großmächte die aufgeheizte politische Situation, um die Initiative zu übernehmen, und einen ‚Islamistischen Winter‘ zu erzwingen, indem sie die wenigen verbliebenen unabhängigen Staaten der Region angriffen. Sehr bald sahen wir die Zerstörung Libyens, jenes kleinen Landes mit dem höchsten Lebensstandard in Afrika. NATO-Bomben sowie ein Feldzug von Spezialkräften halfen Al-Kaida-Gruppen im Bodengefecht. Grundlage für die Intervention der NATO waren Lügen über aktuelle und bevorstehende Massaker, die angeblich ausgeführt oder geplant wurden durch die Regierung von Präsident Muammar al-Gaddafi. Diese Behauptungen führten schnell zu einer UN-Sicherheitsrats-Resolution, mit der zum Schutz von Zivilisten eine ‚Flugverbotszone‘ verhängt wurde. Wir wissen jetzt, wie Vertrauen hintergangen wurde, und dass die NATO-Mächte das begrenzte UN-Mandat missbrauchten, um die libysche Regierung zu stürzen (Mc Kinney 2012).

 

Anschließend fand sich kein Beweis, dass Gaddafi jemals Massaker geplant, ausgeführt oder angedroht hätte, so wie es einer breiten Öffentlichkeit dargestellt wurde (Forte 2012). Geneviève Garrigos von Amnesty International Frankreich gab zu, dass es ‚keine Beweise‘ für die zuvor verbreiteten Behauptungen ihrer Organisation gab, Gaddafi habe ‚schwarze Söldner‘ eingesetzt, um Massaker auszuführen (Forte 2012; Edwards 2013). Alan Kuperman, der sich hauptsächlich auf nordamerikanische Quellen bezieht, führt die folgenden Punkte auf:

 

Erstens war die Zerschlagung der meist islamistischen Aufstände im östlichen Libyen durch Gaddafi ‚weit weniger tödlich‘ als behauptet. Tatsächlich gab es Beweise dafür, dass er ‚sich zurückgehalten hat, wahllos Gewalt‘ anzuwenden. Die Islamisten selber waren von Anfang an bewaffnet. Spätere US-amerikanische Schätzungen gehen davon aus, dass von den nahezu eintausend Opfern der ersten sieben Wochen drei Prozent Frauen und Kinder waren (Kuperman 2015).

 

Zweitens, als die Regierungskräfte kurz davorstanden, den Osten des Landes zurückzuerobern, intervenierte die NATO, wobei sie behauptete, dass sie ein bevorstehendes Massaker abwenden müsse. Zehntausende von Menschen starben nach der Intervention der NATO, verglichen mit jenen eintausend zuvor. Gaddafi hatte keine Vergeltung in Bengasi geschworen, und ‚kein Beweis oder Motiv‘ wurde gefunden für die Behauptung, er habe Massenmorde geplant (Kuperman 2015).

 

Der Schaden war perfekt. Die NATO übergab das Land zerstrittenen Gruppen von Islamisten und westlich orientierten ‚Liberalen‘. Eine relativ unabhängige Regierung wurde gestürzt, aber Libyen zerstört. Seit vier Jahren gibt es keine funktionierende Regierung, und die Gewalt hält an, während dieser Angriffskrieg gegen Libyen ungestraft blieb.(2)

 

Zwei Tage bevor die NATO Libyen bombardierte, brach ein weiterer bewaffneter islamistischer Aufstand aus in Daraa, Syriens südlichster Stadt. Da jedoch dieser Aufstand mit Demonstrationen einer politischen Reformbewegung in Zusammenhang gebracht wurde, blieb seine wahre Natur verschleiert. Viele Menschen bemerkten gar nicht, dass dieselben Kräfte, die die Waffen lieferten – nämlich Katar und Saudi-Arabien – gleichzeitig gefälschte Nachrichten-Stories in ihren jeweiligen eigenen Medienkanälen Al Jazeera und Al Arabiya lancierten. Es gab auch noch weitere Gründe für die dauerhaften Mythen dieses Krieges. Viele westliche Beobachter, Liberale und Linke ebenso wie eher Konservative, schienen sich in ihrer eigenen Rolle als Retter eines fremden Volkes wohlzufühlen. Sie äußerten klare Meinungen über ein Land, von dem sie nur sehr wenig verstanden, stiegen dennoch ein in einen, wie es schien, ‚gerechten Kampf‘ gegen diesen neuen ‚Diktator‘. Ausgestattet mit einem Sendungsbewusstsein und einem stolzen Selbstbild vergaß das westliche Publikum nur allzu gerne die Lügen früherer Kriege und ihres eigenen kolonialen Erbes.

 

Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sich die westliche Kultur im Allgemeinen im schmutzigen Krieg gegen Syrien ihrer besseren Traditionen entledigt hat: nämlich der Vernunft, der Aufrechterhaltung des ethischen Prinzips, und der Suche nach unabhängigen Beweisen in Zeiten von Konflikten. Stattdessen griffen sie auf ihre schlimmsten Traditionen zurück: nämlich auf das ‚imperiale Vorrecht‘ auf Intervention, unterstützt durch ein tief sitzendes rassistisches Vorurteil, sowie durch eine armselige Berücksichtigung der Geschichte ihrer eigenen Kulturen.

 

Diese Mängel wurden verstärkt durch eine erbitterte Kampagne der Kriegspropaganda. Nachdem die Dämonisierung des syrischen Führers Bashar al-Assad begonnen hatte, wurde eine wahre Informationsblockade aufgebaut gegen alles, was die offizielle Erzählung vom Kriegsverlauf hätte untergraben können, nur sehr wenige differenzierte Ansichten über Syrien erschienen nach 2011, denn kritische Stimmen waren de facto geächtet
Unter diesem Eindruck begann ich mein Buch zu schreiben. Es ist eine Verteidigung Syriens, nicht in erster Linie an jene Kreise gerichtet, die völlig eingetaucht sind in die westlichen Mythen, sondern an jene, die sich mit diesen Mythen auseinandersetzen. Deshalb ist dies ein Quellenbuch und ein Beitrag zur Geschichte des Syrienkonflikts. Die westlichen Geschichten haben sich ins Maßlose gesteigert, und ich glaube, dass es verschwendete Zeit ist, sie nachsichtig zu behandeln. Ich denke das Beste ist, wir sprechen von den aktuellen Ereignissen, wie sie wirklich sind, und kümmern uns um die Verschleierungsmanöver später. Ich ignoriere die westlichen Mythen keineswegs – tatsächlich enthält dieses Buch ja eine ganze Reihe von ihnen. Aber der Leitgedanke ist die Wirklichkeit des Krieges.

 

Westliche Mythologie gründet auf der Idee des imperialen Vorrechtes. Sie fragt: was müssen ‚wir‘ tun, wenn es um die Probleme eines anderen Volkes geht. Das ist ein Ansatz, der weder auf internationalem Gesetz noch auf den Grundsätzen der Menschenrechte basiert. Die nächsten Schritte beinhalten eine Reihe von Fälschungen über die scheinbaren Gründe, den Charakter sowie die Ereignisse des Krieges. Die erste Behauptung zu Syrien lautete, dass die NATO-Staaten und die Golf-Monarchien eine säkulare und demokratische Revolution unterstützen würden. Als dies unglaubwürdig erschien, wurde die zweite Geschichte erfunden, nämlich dass sie die unterdrückte Mehrheit der ‚sunnitischen Muslime‘ vor dem sektiererischen ‚Alawitischen-Regime‘ retten müssten. Als dann die sektiererischen Verbrechen der regierungsgegnerischen Kräfte einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurden, griff man als Vorwand zu der Behauptung, es handele sich hier um einen ‚Schattenkrieg‘: ‚Moderate Rebellen‘ würden angeblich gegen die extremistischen Gruppen kämpfen. Deshalb sei eine westliche Intervention erforderlich, um diese ‚moderaten Rebellen‘ aufzubauen gegen die ‚neue‘ extremistischen Gruppe, die auf so mysteriöse Weise entstanden war, und die eine Bedrohung für die Welt darstellten.

 

Das war die ‚B‘-Geschichte. Zweifellos wird Hollywood noch viele Jahre Filme produzieren, die auf diesem Drehbuch aufbauen. Aber dieses Buch hält sich an die ‚A‘-Geschichte. Stellvertreterarmeen von Islamisten, bewaffnet durch regionale Verbündete der USA (hauptsächlich Saudi-Arabien, Katar und die Türkei), infiltrieren eine politische Reformbewegung und schießen auf Polizisten und Zivilisten. Sie machen die Regierung dafür verantwortlich und fachen einen Aufstand an; sie versuchen, die syrische Regierung zu stürzen, und damit auch deren säkular-pluralistischen Staat. Dies folgt der offen erklärten Absicht der USA, einen ‚Neuen Mittleren Osten‘ zu erschaffen, in dem jedes Land der Region durch Reform, einseitige Entwaffnung oder direkten Staatsstreich unterworfen wird. Syrien war als nächstes Land an der Reihe, nach Afghanistan, dem Irak und Libyen. In Syrien würden die Stellvertreterarmeen von den vereinigten Kräften der Moslembruderschaft sowie von Saudi-Arabiens wahhabitischen Fanatikern gestellt. Trotz zeitweiliger Machtkämpfe zwischen diesen Gruppen und ihren Sponsoren teilen sie doch alle die gleiche salafistische Ideologie; sie stehen in Opposition zu säkularen oder nationalistischen Regimen und beabsichtigen die Errichtung eines religiösen Staates.

 

Die Islamisten Washingtons trafen aber auf eine disziplinierte syrische Armee, die sich trotz zahlreicher Provokationen nicht aufgrund von konfessionellen Unterschieden auflöste. Außerdem hatte der syrische Staat starke Verbündete in Russland und dem Iran. Syrien wurde nicht zu einem zweiten Libyen. Die Gewalt ging in diesem langen Krieg aus westlicher Sicht von der syrischen Armee aus, die Zivilisten angreifen und töten würde. Aus syrischer Perspektive sahen die Menschen aber täglich Terroristenangriffe auf Städte und Stadtzentren, Schulen und Krankenhäuser, und Massaker durch NATO- ‚Freiheitskämpfer‘ an einfachen Menschen und erst dann die Gegenangriffe der Armee. Ausländische Terroristen wurden in einer Reihe von Städten durch Saudis und Kataris rekrutiert, um die lokalen Söldner zu unterstützen.

 

Auch wenn die Terrorgruppen oft ‚Opposition‘, ‚Militante‘ und ‚Sunnitische Gruppen‘ außerhalb von Syrien genannt werden, so hatte die politische Opposition innerhalb des Landes sich bereits zu Beginn des Jahres 2011 von den Islamisten losgesagt. Die Proteste wurden durch die Gewalt von der Straße vertrieben, und der größte Teil der Opposition (ohne die Moslem-Bruderschaft und Exilkreise) schlug sich auf die Seite des Staates und der Armee, wenn nicht sogar auf die Seite der herrschenden Baath-Partei. Die syrische Armee ging brutal gegen Terroristen vor, aber im Gegensatz zur westlichen Propaganda beschützte sie die Zivilbevölkerung. Die Islamisten traten nach allen Seiten brutal auf, und zwar ganz offen. Millionen von Binnenflüchtlingen haben bei der Regierung und der Armee Zuflucht gesucht, während andere außer Landes flohen.

 

In einem erhofften ‚Endspiel‘ versuchten die Großmächte, den syrischen Staat zu entmachten oder, falls das fehlschlagen sollte, einen funktionsuntüchtigen Staat zu schaffen, oder aber auch seine Zerlegung in eine Anzahl von sektiererischen Ministaaten zu ermöglichen, um auf diese Weise die Achse der unabhängigen regionalen Staaten zu zerschlagen. Diese Achse besteht aus Hisbollah im Süd-Libanon und dem palästinensischen Widerstand, an der Seite von Syrien und dem Iran, den einzigen Staaten der Region ohne US-Militärbasis. Gerade kürzlich hat der Irak begonnen – noch traumatisiert von der westlichen Invasion, den Massakern und der Besetzung – sich der Achse anzuschließen. Und auch Russland hat begonnen, eine wichtige Rolle als Gegengewicht zu spielen. Die jüngste Geschichte und das Verhalten des Landes machen deutlich, dass weder Russland noch der Iran imperiale Ambitionen hegen, die auch nur im Entferntesten denen Washingtons und seiner Alliierten nahekommen. Alliierte, von denen verschiedene Mächte (Großbritannien, Frankreich und die Türkei) ehemalige koloniale Kriegsherren waren. Aus Sicht der ‚Achse des Widerstandes‘ bedeutet ein Sieg im schmutzigen Krieg gegen Syrien, dass die Region sich gegen die Großmächte zusammenschließen kann. Syriens erfolgreicher Widerstand würde den Beginn des Endes für Washingtons ‚Neuen Mittleren Osten‘ einläuten.

 

Das ist im Wesentlichen die große Perspektive. Dieses Buch versucht die A-Geschichte zu dokumentieren und die B-Geschichte zu entlarven. Es tut dies durch die Rettung der besseren westlichen Traditionen: durch den Einsatz von Vernunft, durch das Einhalten von ethischen Prinzipien, und durch die Suche nach unabhängigen Beweisen im Fall eines Konfliktes. Ich hoffe, es erweist sich als nützliche Quelle.

Der schmutzige Krieg gegen Syrien

rfg-stat

Die Inhaltsanalyse einer hohen Zahl von Tweets, die die aktuelle Migrationswelle von der Türkei nach Deutschland ab August dieses Jahres einleiteten, legt nahe, dass diese Menschenströme von außerhalb des europäischen Kontinents in Gang gesetzt und gelenkt wurden. Laut Vladimir Shalak von der Russischen Akademie der Wissenschaften, der das Internet-Inhaltsanalyse-System für Twitter (Scai4Twi) entwickelt hat, zeigt seine Untersuchung von über 19.000 flüchtlingsbezogenen Original-Tweets (Retweets sind abgezogen), dass die große Mehrheit von ihnen Deutschland und Österreich als die flüchtlingsfreundlichsten Länder Europas nennen:      

 

 

Wichtig ist dabei, dass 93 Prozent aller Tweets, die Deutschland gewidmet waren, positive Bewertungen der deutschen Gastfreundlichkeit und Flüchtlingspolitik enthielten:


• Deutschland Ja! Linke sprühen ein Graffiti auf einen Zug, das „Willkommen, Flüchtlinge“ auf Arabisch besagt

• Wunderbare Menschen – Video von Deutschen, die syrische Flüchtlinge in ihrer Gemeinde begrüßen

• Respekt! Fußballfans rufen „Flüchtlinge willkommen“ quer durch die Fußballstadien in Deutschland. ¬_ • Diese Bahn mit arabischem Graffiti fährt in Dresden und begrüßt Flüchtlinge (ahlan wa sahlan – Herzlich willkommen).

• „Wir lieben Deutschland!“, rufen erleichterte Flüchtlinge in Münchens Hauptbahnhof

• Tausende begrüßen Flüchtlinge nach Deutschland – Sky News Australia

• Wo immer diese deutsche Stadt ist, die einen Personenzug mit syrischen Flüchtlingen mit Willkommenszeichen und Blumen begrüßte – danke.


Analysen von 5.704 Original-Tweets, die das Hashtag #RefugeesWelcome und einen Ländernamen enthalten, zeigen einen noch größeren Abstand zwischen Deutschland und dem Rest Europas: Der nächste Schritt ist das Studium der Twitter-Ursprungskonten, von denen das Hashtag #RefugeesWelcome + Germany stammt. Das folgende Diagramm zeigt die Ursprungsländer der relevanten Twitter-Konten (wo sie identifiziert werden konnten): Wie man sieht, kommen nur 6,4 Prozent aller Tweets mit #RefugeesWelcome + Germany aus Deutschland selbst. Fast die Hälfte von ihnen stammt aus Großbritannien, den USA und Australien! Es sieht aus, als ob Ihnen weit entfernte Planetengenossen schamlos Gäste zum Hausbesuch einladen, ohne Sie vorher um Ihre Meinung zu fragen! Eine Reihe populärer Beispiele:

 

04

Weitere Analysen zeigen, dass dies nur der Anfang war. Eine ganze Armee von Netbots hat schlagartig den „Jetzt-ist-die-Hölle-los-Effekt“ zum Thema aktiviert. Am 27. August haben vierzig automatische Netbots @changing_news, @changing_news1, …., @changing_news39 von den Vereinigten Staaten aus gleichzeitig um 8:00:33AM den folgenden Tweet ausgegeben: „A new welcome: Activists launch home placement service for refugees in Germany and Austria#News#Change#Help“ (Eine neue Begrüßung: Aktivisten starten eine private Wohnraumvermittlung für Flüchtlinge in Deutschland und Österreich) Am 1. September gibt dieselbe Gruppe von Netbots dieselben Tweets bis 22:30:37 begrenzt heraus: „A New Welcome: Activists Launch Home Placement Service For Refugees In Germany And Austria#News#Change#Help“

 

 

 

Am 29. August um 11:02PM postet eine Gruppe von 80 Netbots Folgendes: „Thousands Welcome Refugees to Germany at Dresden Rally: Thousands of people took to the streets of the German city of Dresden on Satu...“ (Tausende begrüßen Flüchtlinge nach Deutschland auf Kundgebung in Dresden: Tausende Menschen versammelten sich auf den Straßen der deutschen Stadt Dresden am Sam...“) Eine andere Gruppe von fünfzig Netbots aus Australien (alle eingerichtet am 14. Februar 2014 zwischen 06:02:00 und 06:24:00AM) postet am 31. August um 17:26:08: „#hot Football Fans in Germany Unite with ’Refugees Welcome’ Message #prebreak #best“ (Sexy Fußballfans in Deutschland schließen sich zusammen mit Botschaft ’Flüchtlinge Willkommen’) Am 1. September um 07:29AM veröffentlichen 95 Netbots im Besitz von Media for Social and Cultural Impact, Dallas, Texas, USA folgende Tweets: „German Soccer Fans Welcome Refugees Amid Ongoing Crisis: As Europe faces the challenge of a wave of migration ...“ (Deutsche Fußballfans begrüßen Flüchtlinge inmitten der aktuellen Krise: Während Europa vor der Herausforderung einer Einwanderungswelle steht ...“ Unnötig zu sagen, dass jeder Original-Tweet mit Dutzenden von Kopien vervielfältigt und twitterweit verbreitet wurde.

05

--- Artikel auf English auf Global Research: http://www.globalresearch.ca/who-is-twitter-luring-refugees-to-germany/5477477

Wer lockt mit Twitter Flüchtlinge nach Deutschland?

 

 
Politik & Geopolitik
 
https://www.heise.de/tp/features/Verschwunden-3415888.html>

 

 

Dieser Text wurde zuerst am 07.10.2018 auf www.nachdenkseiten.de unter der URL <https://www.nachdenkseiten.de/?p=46387> veröffentlicht. Lizenz: IQM e.V./Albrecht Müller

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Graeber geht davon aus, dass die Vorhersage des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes aus dem Jahre 1930 tatsächlich eingetreten sei. Die technologische Entwicklung würde im Jahr 2000 so weit fortgeschritten sein, prophezeite Keynes, dass gesamtgesellschaftlich nur noch 15 Stunden Arbeit nötig sein würden. Dass es nicht dazu gekommen ist, führt Graeber auf verschiedene Gründe zurück: „Die herrschende Klasse hat gemerkt, dass eine glückliche, produktive Bevölkerung, der viel Freizeit zur Verfügung steht, eine tödliche Gefahr ist.“ Diese Lehre wurde aus der 68-er Revolte gezogen.

Auf der Schattenseite: die hart arbeitenden Menschen

Es gilt die Regel, dass eine Arbeit umso schlechter bezahlt wird, je sinnvoller, hilfreicher und notwendiger sie für die Gesellschaft ist. Graeber nennt als einzige Ausnahme Ärzte und Fußballspieler. Deren Schaffen ist sowohl gesellschaftlich allgemein anerkannt und nachgefragt als auch gut bezahlt. In Deutschland müssten wir Piloten hinzufügen, die ihren gehobenen Status aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung und geschickter Streikführung bei der marktbeherrschenden Lufthansa verteidigen konnten. (Analog zu Fußball-Profis in der Regionalliga, die von Erstliga-Bedingungen kaum zu träumen wagen, obwohl sie kaum weniger Arbeit verrichten als ein Profi des VfL Wolfsburg oder HSV, gibt es allerdings auch ein Piloten-Sub-Proletariat, etwa bei Germania, Ryanair u.a.. Gleiches gilt vermutlich für Ärztinnen und Ärzte.)

Die meisten Beschäftigten mit gesellschaftlich hilfreichen oder notwendigen Tätigkeiten werden ausgepresst wie die Zitronen. Ihre Stellen werden ausgedünnt, die Arbeitsintensität, Flexibilität und Überstunden auf perverse Weise erhöht. Die Rede ist von Müllmännern, Krankenschwestern, Putzfrauen, Kassierer_innen + Regaleinräumer_innen, Fließbandarbeitern etc. Wenn sie streiken, ziehen sie nicht nur in Großbritannien und den USA den Hass der Boulevard-Presse auf sich. Er verfängt nicht zuletzt bei der Armada aus Bullshit-Jobbern, die streikende Arbeiter insgeheim beneiden. Denn ein Streik von Werktätigen zeigt Wirkungen, während Bullshit-Jobber wie Private-Equity-Manager, PR-Forscher, Lobbyisten, Versicherungsfachleute, Telefonverkäufer, Rechtsberater so verzichtbar sind, dass sie außer Freunden und Familie niemand vermissen würde, wenn Außerirdische ihre Bürotürme eines Montagmorgens plötzlich ins All beamen würden. Ein Streik führt Bullshit-Jobbern eine Sinnlosigkeit vor Augen, die sie sich nicht eingestehen dürfen. Im Gegensatz zu ihnen thematisieren Streikende ihre Arbeitsbedingungen völlig offen, machen sie zum Ausgangspunkt sozialer Bewegung, während Bullshit-Jobber tagtäglich gezwungen sind, Arbeit zu simulieren und dabei sich selbst und andere zu belügen.

Graeber arbeitet fünf Typen von Bullshit-Jobs heraus:

Lakeien und Speichellecker. Sie existieren, damit sich jemand anders wichtig fühlt, dessen Status davon abhängt, wie viele Leute er unter sich hat und kommandieren kann.

Schläger. (englisch: Goons) Sie werden in einer Art Wettrüsten – vergleichbar mit der Mafia oder dem Militär – nur deshalb angestellt, weil die Konkurrenz sie auch hat: PR-Abteilungen, Lobbyisten, Telefonwerber, Unternehmensanwälte.

Flickschuster. Ihre Tätigkeit existiert nur wegen eines Fehlers in der Organisation bzw. der Maschinerie, den aber niemand beheben will. Also wird um das Problem herum gearbeitet. In der Software-Branche spricht man von „duct tapers“. Hauptsächlich werden diese Fehler von Vorgesetzten angerichtet, die für ihre Position nicht qualifiziert sind und aus anderen Gründen nach oben gespült wurden.

Kästchenankreuzer. Sie ermöglichen einem Unternehmen, die Behauptung aufrechtzuerhalten, es tue etwas, das es in Wirklichkeit nicht tut. Sie machen Befragungen, die niemand auswertet, schreiben Compliance-Regeln, die niemand beachtet, erarbeiten Unternehmensleitbilder, setzen Formulare in die Welt, die alles nur komplizierter machen, befassen sich mit Qualitäts- und Leistungssicherung.

Aufgabenverteiler. Hier unterscheidet Graeber zwei Typen. Der erste, ungefährliche, ist damit betraut, Untergebenen Aufgaben zuzuteilen, die sie ohne seine Vermittlungsposition ohnehin machen würden. Der zweite Typ kann echten Schaden anrichten. Er ist ein Bullshit-Erzeuger, er schafft, verteilt und beaufsichtigt Bullshit-Aufgaben an Untergebene. Die Aufgabenverteiler kommen typischerweise im mittleren Management vor.

Eine Kategorie fehlt in Graebers Buch: Die privatisierten Staatsbetriebe Deutsche Bahn, Deutsche Post / DHL und Telekom errichteten ab den 1990er Jahren Formen von Strafarbeitslagern und Beamten-Gulags, die teils bis heute existieren, um ihren Bestand an unkündbaren Beamten systematisch abzuschmelzen. Dort arbeitet das Management in großem Maße mit Bullshit-Jobs. Es gibt deutliche Hinweise, dass man sich von Methoden inspirieren ließ, die bei der Privatisierung der französischen Telekom zuvor angewendet und perfektioniert wurden. (2009 erschütterte eine Selbstmordserie von Beschäftigen der France Télécom das Land. [5]) Ob es diese Beamtengulags in England, wo Graeber derzeit lehrt, oder den USA, von deren Ostküste Graeber stammt, nicht gab?

Trickle-down und andere Lebenslügen des Neoliberalismus

Es ist David Graebers großes Verdienst, dass er – wie bereits in seinem letzten Buch „Bürokratie“ – einmal mehr nachweist, dass das Zeitalter des Neoliberalismus keineswegs so schlank, effizient und ökonomisch produziert, wie es die neoliberale Propaganda versprach. Im Gegenteil. Privatisierte, zergliederte Liefer- und Wertschöpfungsketten sind chaotisch und führen zu organisatorischem Dickicht, Kontrollverlust, Korruption, Amtsmissbrauch, Behördenversagen und auch zu einer Zunahme von Bullshit-Jobs.

Das Dickicht aus Generalunternehmern, Sub-Unternehmern und Sub-Sub-Unternehmern, die oft gezielt in Konkurrenz gehalten werden, führt auch zu einer unglaublichen Verschwendung von Ressourcen. Das alles auf Kosten der „hart arbeitenden Menschen“ am Ende der Verwertungskette. Die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft führte fast zwangsläufig zu einer Aufblähung des mittleren Managements. Dort bilden sich Bullshit-Job-Speckgürtel sowohl um die Geschäftsführungen der zergliederten Produktionslandschaft als auch innerhalb der hochbezahlten Dienstleister, die um die verschiedenen Management-Ebenen kreisen wie die Motten ums Licht: Wirtschaftskanzleien, Rechnungsprüfer, Unternehmensberater, Mental-Coaches Mediatoren, Compliance-Experten …

Hier trennt sich allerdings der Pfad, den David Graeber beschreitet, von dem Ansatz, den mein Kollege Werner Rügemer und ich mit der aktion ./. arbeitsunrecht seit 2014 verfolgen. Beim Versuch, tiefer zu schürfen, landet Graeber makroökonomisch bei der Übernahme der Wirtschaftskontrolle durch die Finanzwirtschaft, genauer durch den FIRE-Komplex (Finance, Insurance, Real Estate – Finanzen, Versicherungen, Immobilien).

Diese Übernahme der Führungsrolle begann in der ersten Hälfte der 1970er Jahre in Folge von Deregulierung, was allgemein unstrittig sein dürfte. Er spricht von „Manager-Feudalismus“ und sieht das Phänomen der Bullshit-Jobs als eine Art Degenerationserscheinung des Spät-Kapitalismus, vielleicht vergleichbar mit den letzten Zuckungen der Aristokratie im französischen Absolutismus. Das ist vermutlich nicht einmal falsch. Aber die gewählte Abstraktionsebene ist zu groß und führt Graeber zunächst in eine Sackgasse. Produktiver wäre es, die konkreten Akteure dieser kapitalistischen Umgestaltung unter die Lupe zu nehmen, anstatt bei groben Betrachtungen „des Finanzkapitalismus“ stehenzubleiben, die am Ende niemandem konkret weh tun und offenbar kaum Widerstandspotentiale erschließen.

Unternehmensverwalter und Unternehmensberater als Bullshit-Motoren

Auf der Seite des Besitzes haben folgende Konglomerate die Umgestaltung der Wirtschaft vorangetrieben und damit den Bullshit-Jobs den Boden bereitet: Gigantische Unternehmensverwalter wie Blackrock, Blackwater oder aggressive Finanz-Investoren wie KKR, Berkshire Heathaway, Bain Capital, Waterland etc. übernahmen durch Aufkäufe und Fusionen die wirtschaftliche Macht – Graeber verharrt hingegen auf einer recht allgemeinen Kritik „der Banken“.

Die konkrete Umgestaltung der Unternehmen, ihre Zerschlagung in eine „optimierte Wertschöpfungskette“ übernahmen Unternehmensberater wie McKinsey, Boston Consulting, Kienbaum, Roland Berger, Accenture. Im Zusammenwirken dieser Kräfte – Vermögensverwalter und Unternehmensberater – liegt des Pudels Kern.

Hinzu gesellen sich hochbezahlte Dienstleister in Form von Wirtschaftskanzleien (Freshfields, White & Case etc.), Rechnungsprüfern (PWC, Deloitte, KPMG) und weitere Bullshit-Motoren.

Am Ende sind die Bullshit-Jobs vermutlich eine perverse Form dessen, was uns Ronald Reagan und Margaret Thatcher als „Trickle-down-Effekt“ versprochen haben („Gib dem Pferd genug Hafer, dann kommen am Ende Pferdeäpfel heraus.“). Allerdings versprachen sie damals auch: Effizienz, Befriedigung unserer Konsumbedürfnisse, allgemeinen Wohlstand.

Leider zweigt David Graebers Pfad bei „den Banken“ ab

Graeber lässt die planmäßige, schöpferische Zerstörung einer kapitalistischen Wirtschaftsformation (wahlweise rheinischer, keynesianischer, fordistischer Kapitalismus, Deutschland AG genannt) durch oben genannte Akteure und ihre Konzepte außer acht. Er landet stattdessen bei der Soziologie Max Webers und der puritanisch-protestantischen Arbeitsmoral, die angeblich seit Jahrhunderten in uns und auf uns wirken soll und den Kapitalismus geprägt habe.

Graeber fordert am Ende gar das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) – eine gefährliche Chimäre, die in Deutschland vermutlich erst von der linken Agenda verschwinden wird, sobald sich die AfD dieses Thema auf die Fahnen schreibt. Das BGE ist eigentlich wie geschaffen für die Propaganda eines Bernd Höcke und seiner völkischen Gewerkschaftsinitiative ALARM! (Alternative Arbeitnehmervereinigung Mitteldeutschland). Wenn man das bedingungslose Grundeinkommen mit dem Zusatz „nur für Deutsche“ versieht, entsteht dadurch fast automatisch der perfekte Apartheidsstaat. Auch gibt es bereits eine neoliberale, scheinbar freundliche Variante. Graeber kennt den Boss der Drogeriekette dm, Götz Werner, [6] offenbar ebensowenig wie die Strategen bei der Deutschen Post / DHL und ihren „Glücksatlas“. [7] Diese Strategen sahen schon den Mindestlohn als Aufforderung, keinen Tariflohn mehr zu zahlen, und sie sehen im nächsten Schritt das BGE als Chance, überhaupt keinen Lohn mehr zu zahlen, sondern nur noch ein Taschengeld. Der viel geschmähte Staat – Graeber ist bekennender Anarchist – soll einmal mehr die volle Sorge und Verantwortung für Proleten und Überflüssige übernehmen – inklusive aller Kosten.

Statt ausgerechnet nach einem wohlmeinenden, starken Staat zu rufen – Wer sonst soll ein BGE einführen, garantieren und umsetzen? – sollten wir herausfinden, welches Widerstandspotential sich aus dem tiefgreifenden Frust schöpfen ließe, den Bullshit-Job-Betroffene in sich tragen müssen. Um zu Andersens Märchen zurückzukehren: Sobald das gemeine Volk erkannt hat, dass der Kaiser nackt dasteht und sein Hofstaat aus Speichelleckern und Narren besteht, ist die Herrschaft in den Köpfen bereits zerplatzt und der Weg zum Aufstand nicht mehr weit. Ob dieser Aufstand emanzipatorisch sein wird, ob Menschen zu solidarischem Handeln fähig sind, die jahrelang Kollegialität bloß simuliert haben, wieviel Bullshit-Deformation sich möglicherweise bereits in der gegenwärtigen Pegida-Welle findet, gilt es herauszufinden.

Fazit: Lesen, diskutieren, weiter verbreiten!

Auch wenn er sich am Ende verheddert, ist David Graeber ein hervorragendes Buch gelungen. Bullshit Jobs eröffnet ein bislang unbeackertes Feld und eine verblüffende Sicht auf die absurden Zustände, in denen wir leben. Ich empfehle die Lektüre, vielleicht sogar die Gründung von Lesekreisen oder Selbsthilfe-Widerstandsgruppen von Bullshit-Jobbern.

Quellen:

[1] tagesschau.de, „Bericht der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfrakton.  Zahl der Krankschreibungen stark gestiegen“, am  21.9.2018, <https://www.tagesschau.de/inland/anstieg-krankschreibungen-101.html>
[2] Allein der „volkswirtschaftliche Schaden“, der durch arbeitsunfähige Bullshit-Jobber entstehen kann, ist fraglich. Bullshit-Jobs sind so unnütz, dass es keinen Unterschied macht, ob ein „Beschäftigungsträger“ zur Arbeit erscheint oder nicht. Allerdings belastet seine Krankmeldung die Sozialsysteme, da Versicherungen die Lohnfortzahlung übernehmen.
[3] nachdenkseiten, Der Politiker und Professor der Sozialwissenschaften fordert das „Recht auf Arbeit“ ins Grundgesetz aufzunehmen. Mohssen Massarrat fragt: „Linke Sammlungsbewegung, wohin?“,  am 28.8.2018, <https://www.nachdenkseiten.de/?p=45718>
[4] Der Spiegel 18/1998, „Zukunft – Hauptsache Arbeit“, am 27.4.1998, <http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7870591.html>
[5] n-tv,“35 Selbstmorde bei France Télécom. Ex-Chef droht nach Suizidwelle Anklage“, am 7.6.2016, <https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ex-Chef-droht-nach-Suizidwelle-Anklage-article18139931.html>
[6] Der Stern, „1000 Euro pro Monat. dm-Chef Götz Werner erklärt, warum uns das Grundeinkommen nicht zu Faulpelzen macht“, am 18.7.2017, <https://www.stern.de/wirtschaft/news/grundeinkommen–goetz-werner-erklaert–warum-wir-dadurch-nicht-faul-werden-7542752.html>
[7] Deutsche Post Glücksatlas 2017, „Wir sollen in Zukunft nicht für Lohn, sondern aus innerem Antrieb arbeiten. Den Weg zu dieser höheren Stufe der Arbeit weisen uns Engagement und Ehrenamtlichkeit, denn: „Menschen, die mit ihrem Leben überdurchschnittlich zufrieden sind, engagieren sich wesentlich häufiger aktiv für soziale oder ökologische Angelegenheiten als Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind.“, am 24.9.2018,  <https://www.gluecksatlas.de/>

 

Dieser Text wurde zuerst am 30.09.2018 auf www.nachdenkseiten.de unter der URL <https://www.nachdenkseiten.de/?p=46280#more-46280> veröffentlicht. Lizenz: Elmar Wigand, Initiative zur Demokratisierung der Meinungsbildung gGmbH, CC BY-NC-ND 4.0

Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs!

Die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft ist im Kern ineffizient. Der Anthropologe David Graeber greift den Mythos der modernen Arbeit an. Elmar Wigand hat für die NachDenkSeiten Graebers neues Buch „Bullshit-Jobs“ rezensiert.
Profilbild von Elmar Wigand

 

 
Gesellschaft:
Wie rechts ist der Osten wirklich?

 

Rassismus und rechte Gesinnung nur im Osten?
 
 
Einwanderungsgesetz:
Erst will die Regierung den Migrationspakt annehmen …

 

 
 
Digitalisierung:
„Alexa eine Superwanze, die gerne ganze Gespräche mitschneidet, die wir zu Hause führen“

 

Während die Stasi noch in Wohnungen einbrechen musste, um ein paar Wanzen zu installieren, bezahlen wir heute an die 100 Euro und lassen uns freiwillig ausspähen“, sagt Johannes Bröckers im Interview mit den NachDenkSeiten.
 
 
Auf dem Weg in die Kleptokratie

 

Als Kleptokratie bezeichnet man eine Staatsform in der die Plünderer, die Diebe über die Gesellschaft herrschen. Es ist die Steigerungsform der Plutokratie, der Herrschaft der Reichen. Die Übergänge sind fließend und laut dem Börsenmakler und Buchautoren Dirk Müller („Mr.
 
 
Bedingungsloses Grundeinkommen:
Eine illusionäre Forderung und keine soziale Alternative

 

 
 
Unabhängige Patientenberatung?
Der verkaufte Patient

 

Unser aller Gesundheit wurde dem Markt geopfert und soll nun zu Grabe getragen werden.
 
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Haben die USA etwas mit den dunklen Mächten in Deutschland, wie der NPD zu tun?

» Ich kann mich gut an entsprechende Gespräche in Washington - mit höchsten Regierungsstellen erinnern, wo diese Frage eine entscheidene Rolle gespielt hat; und die Erkenntnissituation mit der wir es zu tun haben ist nicht grade erheiternd. [...] man hat überhaupt kein Geheimnis daraus gemacht dass das rechte Gedankengut in Deutschland über die Kanäle der amerikanischen Streitkräfte - die logistischen Verbindungen - nachhaltig unterstützt wird. [...] Und ich sage das wirklich mit der tragischen Komponente - wie ich es empfinde - der deutschen Geschichte; am Anfang von Adolf Hitler stand amerikanische Industrie und die Reichswehr. Ich kann nicht sehen, wo sich dass irgendwann mal geändert haben sollte.«
Willy Wimmer
ist ein deutscher Politiker der CDU, der 33 Jahre dem Bundestag angehörte. Zwischen 1985 und 1992 war er erst verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und dann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Von 1994 bis 2000 war er Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
 

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Dokumentarfilm, FR 2016
HUMAN – DIE MENSCHHEIT

Wir sind Menschen – aber was genau macht uns endgültig dazu? Warum lieben und leiden wir und was verbindet uns trotz unterschiedlicher Herkunft in unserem Inneren? In einer einzigartigen Kombination aus Zeitzeugenaussagen und Selbstreflexion, analysiert der Dokumentarfilm „Human – Die Menschheit“ das Leben der Menschen auf unserem Planeten, das einerseits durch Kriege und Konflikte zerrissen, andererseits dank empathischer Solidarität und dem Gefühl des Zusammenhalts aufrechterhalten wird. Fotograf und Filmemacher Yann Arthus-Bertrand führte mit Hilfe seines Teams in mehr als 60 Ländern Gespräche mit über 2000 Menschen auf insgesamt 63 Sprachen, die von Freud und Leid des menschlichen Daseins erzählen und deren kraftvollen Worte die Natur wiederspiegeln, in der wir alle miteinander leben…  


hier kommen Sie zum deutschen Trailer

 

 
Umwelt
 

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, kurz Holocaust-Mahnmal, in der historischen Mitte Berlins erinnert an die rund 6 Millionen Juden, die unter der Herrschaft Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten ermordet worden sind. (Foto: K. Weisser, wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de)

 

Das „Leugner“ in „Klimawandel-Leugner“ zielt in seiner Wortkonstruktion eben auf diesen gefühlsmäßig stark negativ besetzten Hintergrund des Begriffs „Leugner“ ab. Wer möchte in der Folge also schon gerne als Leugner bezeichnet werden? Der Leugner-Begriff funktioniert ebenso zuverlässig wie ein Elektrozaun. Wer die Denkbarriere übertritt und öffentlich seine Skepsis äußert, wird mit einem empörten „Klimawandel-Leugner!“ pariert. Damit ist dann alles gesagt.

Neben dem „Klimawandel-Leugner“ ist auch vom „Klima-Skeptiker“ die Rede. Dieser ist von jeder Nähe zum Leugner befreit, stellt aber ebenfalls eine Titulierung, eine Zuschreibung ,dar, die mit einer klar ablehnenden und abwertenden Konnotation behaftet ist. Auf diese Art können in die Öffentlichkeit eingebrachte kritische Betrachtungen abgebogen, verhindert oder unterbunden werden – einfach per Hinzufügen eines bereits emotional besetzten Begriffs, der einem anderen, einen ganz bestimmten Beigeschmack anheften kann. So setzt dann zuverlässig die in der Öffentlichkeit vorbereitete, emotionale, reflexhafte Abwehr ein, bevor es überhaupt zu einer Auseinandersetzung kommen kann. Der„Leugner“-Begriff macht es möglich, einen Denk-Bann auf fast jedes beliebige Thema zu legen.

Machen wir es uns besser noch einmal ganz bewusst, dass überhaupt nichts verwerflich daran ist, Fragen zu stellen, präsentierte Fakten anzuzweifeln und diese überprüfen und diskutieren zu wollen. Ganz im Gegenteil: Sollte nicht der Fragende, der Skeptiker, derjenige, der sich mit der Welt auseinandersetzt, gesellschaftliche Anerkennung erfahren? Es sind unter anderem genau diese Qualitäten, die wir in unserer Gesellschaft brauchen!

Denn sie sind der Kern eines demokratisch geführten Diskurses, der Entwicklung und Erkenntnis befördert und die Grundlage bildet, auf der wissenschaftliches Arbeiten und forschendes Denken erst gedeihen können. In Zeiten, in denen das Postfaktische auf so mächtige Weise Verbreitung findet, ist es geradezu Pflicht für jedermann, genau zu prüfen und zu hinterfragen, was und von wem, ihm an Informationen angeboten wird und wem oder wozu diese dienlich sein könnten.

Verfälschung

Das Bewusstsein für den proklamierten kritischen Anstieg des CO2-Werts hat uns unter anderem die Energiesparlampen, die Begrenzung der Wattzahl für etliche Elektrogeräte, das Wissen um unseren ökologischen Fußabdruck und einen großen Boom bei den erneuerbaren Energien beschert. CO2, Kohlenstoffdioxid, ist ein Spurengas und besteht aus der chemischen Verbindung von Kohlenstoff und Sauerstoff. Kohlendioxid ist in Wasser löslich und uns im Alltag als Kohlensäure (umgangssprachlich) gut bekannt. Sie sorgt in Sprudelgetränken für den frischen Zisch. Kohlenstoff und Sauerstoff sind zwei der Grundstoffe, die Leben von Grund auf erst möglich machen.

Ihre Stoffkreisläufe bauen aufeinander auf und bedingen sich gegenseitig. Pflanzen benötigen zur Photosynthese Kohlenstoffdioxid und produzieren dabei Sauerstoff. Was die Umwelt, inklusive dem Menschen, an Kohlenstoffdioxid abgibt, wandeln die Pflanzen in für uns lebenswichtigen Sauerstoff um. Das Ökosystem ist so genial aufgebaut, dass das ausgeschiedene Stoffwechselprodukt des einen, jeweils zum Lebenselement für den andern wird.

Müsste das nicht bedeuten, dass eine umso größere Kohlendioxidmenge, die die Pflanzen zu Sauerstoff umwandeln, für den Menschen ein Mehr an jenem für ihn lebenswichtigem Sauerstoff bedeutet? Doch welche CO2-Menge ist hierbei von der Vegetation zu bewältigen? An verschiedenen Universitäten weltweit, zum Beispiel in Amerika, in der Schweiz und in Neuseeland interessierte man sich ganz speziell für die Auswirkung von CO2 auf die Vegetation.

 


Kohlenstoffdioxid oder Kohlendioxid ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff mit der Summenformel CO2, ein unbrennbares, saures und farbloses Gas; es löst sich gut in Wasser. (Foto: Zappys Technology, flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0)

 

In Deutschland haben die Universitäten in Gießen (1) und Geisenheim (2) in eigenen Versuchsanlagen dazu geforscht. Dort wurden so genannte FACE (Free Air Carbon Dioxide Enrichment) Versuche durchgeführt, bei denen verschiedene Nutzpflanzen im Freiland durch Begasungsanlagen unterschiedlichen Konzentrationen an Kohlendioxid ausgesetzt wurden. Dem vorausgegangen waren schon seit längerer Zeit Versuche mit der Einführung von CO2-Mengen in geschlossene Systeme, also in Gewächshäuser. Diese zeigten, dass sich dort eine Düngung mit CO2 sehr positiv auf den Ertrag und die Effizienz der Pflanze auswirkte.

Auch die Freilandversuche sind gut dokumentiert und ihre Auswertung sehr aussagekräftig. „Eine Meta-Analyse über 15 Jahre ergab einen Anstieg der Produktion von 5 bis 7 Prozent bei Reis und 8 Prozent bei Weizen. In Australien wurde – je nach Pflanze – sogar eine Biomassenzunahme von 20 bis 49 Prozent beobachtet, (…) (3).“ Zum Beginn des 19. Jahrhunderts soll der CO2-Wert in unserer Atmosphäre nur 280 ppm („Parts per million“, ein Millionstel) betragen haben und hat sich bis zum Jahr 2015 auf 400 ppm erhöht.
Wie bedenklich ist nun eigentlich dieser Anstieg? „Aus den Röhren wird je nach Windrichtung und -stärke Kohlenstoffdioxid geblasen. Innerhalb der Versuchsfläche ergibt sich so eine vordefinierte Kohlenstoffdioxidkonzentration. Dies kann ein Fixbetrag über der Normalkonzentration (meist +200 ppm) sein, meist ist es jedoch ein festgelegter Wert, der je nach Versuch zwischen 475 und 660 ppm liegt. Dies sind Werte, die zum Beispiel am Ende des Karbonzeitalters vor rund 300 Millionen Jahren herrschten und nach einigen Berechnungen auch für Ende des 21. Jahrhunderts erwartet werden (4).“ „Das in der natürlichen Umgebungsluft enthaltene CO2 liegt mit einem Anteil von derzeit ca. 400 Teile pro Million (Parts per Million = ppm) unterhalb des für C3-Pflanzen wie Weizen, Roggen oder Reis zum Wachstum optimalen Anteils von ca. 800 bis 1000 ppm.

Wird den Pflanzen zusätzliches Kohlenstoffdioxid zur Verfügung gestellt, können die Pflanzen besser beziehungsweise schneller wachsen (5).“ Eine andere Referenzgröße, um sich ein Bild davon zu machen, ab wann eine kritische CO2-Konzentration erreicht sein könnte, gibt folgendes Beispiel. Nach der Klassifizierung der Raumluftqualität (Empfehlung für Schulen) nach DIN EN 13779 von 2007 bis 2009, wird bei einer absoluten CO2-Konzentration in der Innenraumluft von bis zu 800 ppm, dem Raumklima eine hohe Raumluftqualität zugesprochen. Bei 800 bis 1000 ppm CO2-Konzentration spricht man immerhin noch von einer mittleren Raumluftqualität (6).

Selbst in einem geschlossenen Raum sind also diese vergleichsweise hoch erscheinenden Konzentrationen aushaltbar. Durch einfaches Lüften kann die CO2-Konzentration umgehend wieder gesenkt werden. Einer Erderwärmung durch erhöhte Konzentrationen an CO2, wie bei der Treibhaustheorie des Weltklimarats beschrieben, steht die Beobachtung einer Verringerung der Sonnenflecken und einer damit einhergehenden abnehmenden Sonnenaktivität gegenüber. Dies deutet dann aber statt auf eine gewaltige, sprunghafte Erderwärmung, auf eine merkliche Abkühlung des Erdklimas und gar auf das Heraufdämmern einer kleinen Eiszeit hin (7).

Es gibt viele interessante Aspekte und Fragen im Zusammenhang mit dem Klima, die es zu kennen und zu bedenken lohnt. Doch in der veröffentlichten Storyline über den menschengemachten Klimawandel sind diese kaum zu finden.

Die öffentliche Darstellung, die weitgehend vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem Weltklimarat, ausgegeben wird, ist und bleibt einseitig und es wird deutlich, dass kein Interesse an einer breitgefächerten Betrachtung und Diskussion des Themas besteht.

Renommierte Wissenschaftler, die vor Jahren zunächst dem Weltklimarat in der Entwicklung und Darstellung der Treibhaustheorie folgten, relativieren heute ihre damaligen Aussagen. So zum Beispiel Prof. von Storch, als „Klima-Realist“ auf Platz 81 der 100 einflussreichsten Deutschen genannt(8). Er wird wie folgt von Wikipedia zitiert: „Er geht von der Existenz eines hauptsächlich durch Menschen verursachten Klimawandels aus, bezweifelt jedoch die Nachhaltigkeit einer seiner Meinung nach zu alarmistischen Position. Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen sollten Wissen schaffen. Wenn sie stattdessen mit vereinfachten und simplifizierten Äußerungen – ähnlich Interessenverbänden – versuchten, eine Agenda im Namen des Guten durchzusetzen, würden sie den längerfristigen Erfolg ihrer Arbeit gefährden (9).“

In einem aufschlussreichen Spiegel-Gespräch vom Juni 2013 sagte Prof. von Storch:“ Wir stehen vor einem Rätsel, seit 15 Jahren steigt die Temperatur nicht mehr an. Sollte die globale Erderwärmung weitere 5 Jahre pausieren, steckt in den Modellen ein fundamentaler Fehler – und die Vorhersagen müssten korrigiert werden (10).“

Gerhard Gehrlich und Ralf D. Teuschne, beide von der TU Braunschweig, haben 2009 ein sehr lesenswertes Papier mit dem Titel „Falsifizierung der atmosphärischen CO2-Treibhauseffekte im Rahmen der Physik“ herausgebracht. Dort ist in der Zusammenfassung zur Treibhauseffekttheorie folgendes zu lesen: “Nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik kann eine solche planetare Maschine niemals existieren. Trotzdem wird in fast allen Texten der Globalklimatologie und in einer weit verbreiteten Sekundärliteratur stillschweigend vorausgesetzt, dass ein solcher Mechanismus physikalisch möglich ist (11).“

Weiter im Text halten die Autoren im Abschnitt „Diese Arbeit“ fest: „Wenn man jedoch unter Verwendung der Suchbegriffe ,Glashaus-Effekt‘, ,Treibhauseffekt‘, usw. in den klassischen Lehrbüchern der Experimentalphysik oder Theoretischen Physik nachschlägt, so stellt man – möglicherweise zu seiner Überraschung und Enttäuschung – fest, dass dieser Effekt nirgendwo beschrieben wird, mit wenigen Ausnahmen, wo in aktualisierten Auflagen plötzlich Werke aus der Klimatologie zitiert werden (12).“

Solch wichtige Aussagen und Anmerkungen von Fachleuten werden aber völlig ignoriert oder verschwiegen.

Es ist meiner Meinung nach auch ein Zeichen fehlender Seriosität, wenn jene Wissenschaftler, die auf die Fehler der tatsächlich eigens zur Untermauerung der Treibhaustheorie angefertigten Studien hinweisen und weitere Fakten in die Diskussion einbringen, öffentlich, fachlich und persönlich diskreditiert werden, statt einen sachlichen Austausch mit ihnen anzustreben.

Entsteht denn nicht genau auf diese Art der Eindruck, dass das nicht zugelassen werden soll, was die nützliche Konstruktion der festgelegten Erzählung stören könnte? Als Beispiel für den Versuch einer massiven Diskreditierung sei Prof. Kirstein genannt, Professor für Geographie an der Universität Leipzig, der seit 40 Jahren im Bereich Klimadynamik forscht. Kirstein ist erfahrener Fachmann und gern gehörter Redner, der in der Öffentlichkeit mit Vorträgen auftritt, in denen er für ein Laienpublikum verständlich, datenbasiert und fachbezogen die gängige Klimathese auf den Prüfstein stellt und relativiert.

Es darf doch nicht um politische Befindlichkeiten gehen, nicht um Profilierungsspielchen von Wissenschaftlern, auch nicht um Profite für große Akteure auf den Märkten – es muss um unsere Erde, um den Schutz und den Erhalt eines einzigartigen ökologischen Systems und schlicht und ergreifend um unser aller Existenz gehen.

Vertuschung

Es sind schlimme Bilder, die zeigen, wie völlig ermattete Menschenschlangen sich durch ein karges Nirgendwo kämpfen, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie leben können. Hitze und Dürre haben ihnen ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage genommen, ihre Wasserquellen versiegen lassen, Krankheit und Tod über sie gebracht. Nun sind sie auf der Flucht und hoffen, an einem Ort, an dem sie nicht abgewiesen werden, sich wieder ein Leben aufbauen zu können. Verantwortlich für ihre Misere ist der Klimawandel – so wird es uns gebetsmühlenartig vorgetragen.

Wer aber berichtet ebenso häufig von den großen Konzernen wie Nestlé, die trotz Dürrekatastrophe in Äthiopien 50.000 Liter Wasser pro Stunde aus dem Boden pumpen, während 42 Millionen Äthiopier keinen Zugang zu sicherem Wasser haben(13)? Wer erzählt von den mit Produktionsabfällen ausländischer Firmen verseuchten Flüssen und den damit für Menschen und Tiere unbewohnbar gewordenen Gebieten Afrikas? Wer berichtet von den sich bislang selbst versorgenden Kleinbauern, die von übermächtigen ausländischen Agrarbetrieben verdrängt werden und daraufhin gezwungen sind, Trinkwasser und Grundnahrungsmittel eben diesen Großerzeugern teuer abzukaufen?

 


Nestlé S.A. ist der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern und das größte Industrieunternehmen der Schweiz. Die Hauptverwaltung befindet sich in Vevey, Schweiz. (Foto: Port(u*o)s, Wikimedia, Lizenz: CC BY 3.0)

 

Die Story vom Klimawandel ist eine sehr praktische Erklärung für die Folgen der Ausbeutung von Land und Menschen, da sich hierfür nicht ein Individuum, ein Konzern öffentlich rechtfertigen muss, sondern die Gemeinschaft wird, mit dem Vorwurf ihrer eigenen Gier konfrontiert, als Ganzes verantwortlich gemacht.

Jeder muss sich an seinem ökologischen Fußabdruck messen lassen. Die Gewinne aus der Ausbeutung streichen die Konzerne schamlos ein, doch die moralische Verantwortung wird kollektiviert und an die Konsumenten abgetreten.

Der Kapitalismus, dem dieses Handeln entspringt, unterliegt einer Steigerungslogik. Ohne Steigerung geht er zugrunde. Das, was dem Konsumenten als pure Verbrauchsgier, durch die er sich auch an der erhöhten CO2-Entstehung schuldig macht, zugeschrieben wird, ist genau das Verbrauchssteigerungsverhalten, das der Kapitalismus, seiner Logik folgend, einzufordern und zu befeuern gezwungen ist, damit er sein eigenes Fortbestehen sichern kann. Wie sollen, bei einem dem System unabdingbar stetig ansteigenden Verbrauchs, die CO2-Emissionen in Höhe von 40 Prozent bis ins Jahr 2020 gesenkt werden? Von 1990 bis 2015 gelang es, die Emissionen um ca. 28 Prozent zu senken, bevor sie 2016 wieder leicht anstiegen. Was genau wurde durch den politischen Aktionismus von Subventionierungen und EU-Vorgaben bewirkt, was erreicht, was verbessert?

Ist ihnen einmal aufgefallen, wann und wie oft Sie in den letzten Jahren die Begriffe Umweltverschmutzung, Umweltbelastung oder Umweltzerstörung gehört haben? Die Häufigkeit ihrer Nennung hat zugunsten eines anderen Begriffs deutlich abgenommen: Es ist der Klimawandel.

Unter diesem Sachbegriff aus der Klimatologie wird zur Zeit in der Öffentlichkeit ein Katastrophenszenario konstruiert, das zur Folge hat, dass das bereits bestehende Ausmaß der Zerstörung, der Verschmutzung und der gravierenden Belastung weiter Teile unserer Umwelt, in den Hintergrund und aus dem aktuellen Blickfeld rückt.

Auch wenn man nicht wie ich am menschengemachten Klimawandel zweifeln mag, sollte man bedenken, dass seine argumentative Kraft hauptsächlich auf einer Prognose, einer Möglichkeit durch von Computern simulierten Szenarien beruht. Seine volle Wirkkraft soll sich also erst in einer zeitlich nur zu vermutenden, mittelfristigen Zukunft entfalten. Viele Wetterphänomene werden inzwischen vorauseilend als Anzeichen für den sich vollziehenden Klimawandel gedeutet, wodurch sich die ausgegebenen Katastrophentheorien einfach schon mal selbst bestätigen.

Den Blick nun sorgenvoll in die Zukunft gerichtet und in der Gegenwart nach nichts außer nach Anzeichen für das zu suchen, was laut Storyline gefunden werden soll, übersieht man fatalerweise das Naheliegende. Es gibt nur allzu viele Möglichkeiten um sofort, hier und heute mit der Rettung des Planeten zu beginnen. Die weitaus gravierenderen Probleme liegen nicht in einer simulierten und ungefähr vorausberechneten Zukunft, sondern beispielsweise in alten Salzabbaustollen, die als Endlager für Atommüllfässer benutzt werden.

 


Das Atommülllager Gorleben ist ein Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall auf dem Gebiet der Gemeinde Gorleben im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg. Es wird auch als Transportbehälterlager Gorleben bezeichnet. (Foto: Pixabay, CC0)

 

Diese Fässer erodieren bereits und es besteht höchster Handlungsbedarf auf Grund der austretenden Radioaktivität. Von herumliegender Uranmunition, krebserzeugendem Feinstaub, dem die Meere verseuchenden Mikroplastik, über ein sich ausweitendes Artensterben, bis hin zu einer erschöpften, ausgelaugten und mit Chemikalien belasteten Landwirtschaft gäbe es genug, was heute und jetzt zu bedenken und zu tun wäre und ganz vorne im Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stehen müsste. In dieser Betrachtung sind Angst, Sorge und Endzeitdenken berechtigt, zumindest aber verständlich. Akut werden wir nicht von einem erderwärmenden Treibhausgas bedroht, sondern von unseren Altlasten, unseren Umweltsünden – den bereits begangenen und denen, die immer noch, jenseits unseres abgelenkten Blickes, über den ganzen Globus ausgegossen werden.

Die Umweltzerstörung sollte als solche auch beim Namen genannt werden, sie muss im Bewusstsein unserer Gesellschaft präsent bleiben, damit der Finger auf die richtigen Stellen gelegt und gerettet werden kann, was noch zu retten ist.

Bei der Storyline des Klimaschutzes gewinnen die Konzerne, die uns mit ihren nunmehr klimafreundlichen oder gar klimaneutralen Produkten erfreuen und uns darin unterstützen, richtig zu konsumieren. Das heißt aber nichts anderes, als dass Konsumströme einfach gewinnbringend auf neue Felder umgelenkt werden.
Die Steigerungslogik wird nicht unterbrochen. Beim konsequenten Umweltschutz jedoch könnten eben diese Konzerne ohne ein Umdenken zu großen Verlierern werden, da hier Konsumreduktion und Konsumverzicht unabdingbar sind.

Sand im Getriebe

Die aufgeblähte Aufmerksamkeit, die einem möglicherweise eintretenden Klimawandel zu Teil wird, verdrängt und behindert die überfällige Forderung nach einem radikalen Schutz unserer Umwelt und dem dementsprechenden Handeln. Wer sich in Versuchung geführt sehen sollte, erneut das Gespenst des Klimawandels für Armut, Flucht, Elend und Zerstörung von Land hauptverantwortlich zu machen, möge bitte die alten Greenpeace Magazine unter dem Bett hervorkramen und sich ein wenig Zeit nehmen darin zu blättern.
Kaum etwas hat sich für unsere Umwelt nachhaltig verändert. Trotz der aufwendigen Förderung erneuerbarer Energien und neuerdings kostenpflichtigen Plastiktüten ist das Prinzip an sich dasselbe geblieben und nun sogar global geworden: die Ökonomie wütet deregulierter und fahrlässiger denn je. Das schlechte Gewissen und die Kosten an Gesundheit und Lebensqualität trägt der Konsument, denn selbst hieraus lässt sich über die Öko-Schiene noch Profit generieren.

Ginge es den Bedenkenträgern des menschengemachten Klimawandels tatsächlich um eine bessere und gesündere Welt, würde als Hauptziel nicht eine in erster Linie wirtschaftsfördernde Maßnahme, wie das langfristige Herumspielen der Industrie mit CO2-Werten und ökologischen Fußabdrücken im Vordergrund stehen. An Stelle dessen wären die Eindämmung von rücksichtslosen, ökonomischen Übergriffen auf die gesamte Ökologie, sprich die Eindämmung der Ausbeutung in jeglicher Art und Form das angestrebte Ziel!

Wie auch immer das tatsächliche Risiko im Rückblick einmal bewertet sein wird, zur Zeit ist die Storyline vom Klimawandel sicher nicht die heiße Spur zur Bewahrung und Heilung unserer Erde. Sie ist nur mehr Sand in die Augen einer Gesellschaft gestreut, die sich scheut von menschengemachter Umweltzerstörung zu sprechen. Unangenehme Fragen, die dazu zu stellen wären, sind nicht erwünscht. Die Geschichte vom bösen Klimawandel ist aber bedauerlicherweise vor allem anderen dies: Der Sand im Getriebe eines jeden wachen Bewusstseins, das bereit wäre die Ärmel für einen ehrlichen, effektiven und nachhaltigen Schutz unserer Umwelt hochzukrempeln.

Das Erreichen des Klimaziels im Jahr 2050, die Reduzierung der Emission von CO2 um 85 bis 90 Prozent im Vergleich zur Menge der Emissionen im Jahr 1990, dürfte uns noch ordentlich beschäftigen. Es stellt sich jedoch die Frage, falls benanntes Ziel tatsächlich erreicht werden sollte, ob wir uns stolz auf die Schulter klopfen und unseren großen Erfolg feiern könnten. In welchem Zustand wird sich unser Planet dann befinden, wird auch ihm dann noch zum Feiern zumute sein?

 

Quellen:

[1] <https://www.uni-giessen.de/fbz/fb08/Inst/pflanzenoek/face2face?set_language=de>
[2] <https://www.hs-geisenheim.de/forschung/institute/gemuesebau/ueberblick-institut-fuer-gemuesebau/klimafolgenforschung/face/>
[3] [4] <https://de.wikipedia.org/wiki/Free_Air_Carbon_Dioxide_Enrichment>
[5] <https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid-Düngung>
[6] <https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/kohlendioxid_2008.pdf>
[7] <https://deutsch.rt.com/international/60838-droht-neue-eiszeit-russische-wissenschaftler-sagen-eisige-zeiten-voraus/>
[8] [9] <https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_von_Storch>
[10] <http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-98091084.html>
[11] [12] <http://fortschrittinfreiheit.de/veroeffentlichungen/falsi.pdf>
[13] <https://netzfrauen.org/2017/04/12/aethiopien-nestle/>

Die Klimaleugner

Die Stigmatisierung von Skeptikern dient den Profitinteressen der Konzerne: In den vergangenen Jahren hat der Alarmismus um den Klimawandel den Blick auf unsere Umweltprobleme stark verzerrt. Wer erinnert sich noch an die Tage, als es statt um Klimaschutz um Umweltschutz ging? Nicht, dass die These vom menschengemachten Klimawandel heutzutage populär ist, ist ein Problem. Gefährlich wird es aber, wenn die Meinungsfreiheit zu einem Thema durch Stigmatisierung von Andersdenkenden eingeengt wird.
Profilbild von Doris Schultz

 

 
Klimawandel:
Erderwärmung: Wie uns die Klima-Lobby des-informiert

 

Es geht in dieser Betrachtung weniger darum, ob der Klimawandel nun menschengemacht ist oder als zyklisch wiederkehrendes Phänomen zu verstehen ist. Es soll beleuchtet werden, was in dem uns allenthalben als so großartig angepriesenen „Pariser Abkommen“ tatsächlich vereinbart wurde.
 
 
EU-Pestizidverordnung:
Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft

 

Seit 2011 gilt die EU-Pestizidverordnung 1107/2009, die eigentlich eine Wiederzulassung des gefährlichen Pestizids Glyphosat verhindern sollte. Monsanto und andere Glyphosat-Hersteller kämpfen aber mit allen Mitteln darum, ihr Herbizid vor dem drohenden Verbot zu retten. Wir haben uns die Tricks genauer angesehen.
 
 
Wer kontrolliert das Wetter:
Wetter als Waffe: Gedankenspiele des US-Militärs

 

Die extremen Wetterkapriolen der letzten Jahrzehnte veranlassen immer mehr Menschen zu der Frage, wer letztlich diese Wetterkatastrophen verursacht haben könnte. In diesem Zusammenhang kommt auch das Militär mit seinen gigantischen Materialbewegungen und Umweltzerstörungen ins Visier.
 
 
Die Ökokatastrophe:
Die Wahrheit ist uns nicht mehr zumutbar

 

Sein oder Nichtsein ist zur aktuellen Alternative der Menschheit geworden. Gelingt es uns nicht, innerhalb kürzester Zeit zur Besinnung zu kommen und radikal umzusteuern, ob freiwillig oder mit Gewalt, werden wir überhaupt keine Chance mehr haben, die Folgen unseres kurzfristigen Konsumrausches zu überleben.
 
 

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Tiefere Ursachen des Bienensterbens
Summ mir das Lied vom Tod

Für das zunehmende Bienensterben macht man über die Medien seit Jahren schon viele Verursacher aus. Ob Mobilfunk, Klimaveränderungen oder Schädlinge – alles muss herhalten, um das Phänomen des Massensterbens zu erklären.

 

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ORF Am Schauplatz
Zu viel des Guten

Wenn Lebensmittel auf den Mist gekippt werden, dann angeblich nur, weil dies zum Wohle des Konsumenten ist. Was die Lebensmittelindustrie jedoch gern verschweigt: eine bestimmte Menge an Überschuss wird bereits in der Produktion eingerechnet.
Daher ist es durchaus üblich, dass ein Drittel des produzierten Obstes und Gemüse nie den Konsumenten erreichen. Ist eine Frucht zu groß, zu dünn oder gar unförmig, wird sie von Maschinen aussortiert. Abfälle in der Fleischproduktion sind ein noch größeres Tabu, weil die Industrie in diesem Fall mit Lebewesen kalkuliert. Wie viele Tiere es sind, die von Industriebetrieben als Fleischabfall aussortiert werden, möchte niemand genau sagen.

 

Meinungen
 

Keine EU-Konkurrenz: Afrikanische Landwirtschaft (Foto: Kristina Stefanova, USAID, CC0)

 

Altkleider werden in Europa gesammelt und in Afrika billig weiterverkauft, wo sie die einheimische Textilindustrie bereits ruiniert haben. Müll und Schrott werden nach Afrika exportiert, damit sie dort billig entsorgt werden können, von Menschen, die den ganzen Tag für einen Hungerlohn unter sengender Sonne den europäischen Dreck sortieren und nach Verwertbarem durchsuchen.

Die Gewässer vor den Küsten Afrikas sind von internationalen Fischereiflotten leergefischt und die lokalen Fischer mit ihren kleinen Booten kommen leer zurück. Ihre Fischerboote vermieten sie aus der Not heraus an Schlepper für die Überfahrt von Flüchtlingen nach Italien und Spanien.

Die europäischen Agrarprodukte sind in aller Regel subventioniert, die Fischkutter und die Fischfanglizenzen sind subventioniert, der Treibstoff und der Transport sind subventioniert. Die afrikanischen Bauern und Fischer aber erhalten keine Subventionen von ihren Regierungen, die haben dafür kein Geld. Freier und vor allem fairer Handel sieht anders aus.

Hinzu kommt noch der Landraub von großen ausländischen Konzernen, aber auch von Staaten wie Dubai und Saudi-Arabien, sogenannten Investoren, die ganze Landstriche in den armen Ländern billig aufkaufen oder auf lange Zeit pachten. So sichern sich diese Konzerne den Zugang zu Rohstoffen. Die ansässigen Familien, die oft seit Generationen dort wohnen, aber keine Besitzurkunden vorweisen können, werden vertrieben. Die Grundstücke werden anschließend eingezäunt und es werden Rohstoffe abgebaut, Grundwasser abgepumpt, in Flaschen gefüllt und als Mineralwasser in alle Welt verkauft oder es werden große Plantagen, meist Monokulturen, für den Export oder zur Erzeugung von Brennstoffen für europäische Autos darauf errichtet. Einheimische werden dort kaum beschäftigt.

Diese Wirtschaftsabkommen machen jede Entwicklungshilfe sofort wieder zunichte. Sie zerstören die Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung und viele verlassen das Land in Richtung Europa in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Von ihrem Land vertrieben, von Billigprodukten aus dem Ausland ruiniert, Fischer vor leergefischten Ozeanen, ohne Arbeit und ohne Perspektive, hier spricht man dann gerne von „Wirtschaftsflüchtlingen“.

Hinzu kommen noch Flüchtlinge nach Definition der Genfer Konvention. Das sind Menschen, die auf Grund ihre Religion, Rasse, Nationalität usw. in ihrem Land verfolgt werden. Sie haben Anspruch auf Asyl.

Daneben gibt es noch Flüchtlinge auf Grund von Naturkatastrophen. Deren Anzahl könnte sich wegen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten erheblich steigern.

Die Grenzziehung zwischen diesen Kategorien von Flüchtlingen und Migranten ist zweifelhaft. Wer würde bestreiten wollen, dass Krieg oder Bürgerkrieg ein Fluchtgrund sei oder dass Hunger und Armut im eigenen Land keine ausreichenden Gründe seien, sein Land zu verlassen?

Laut offizieller Statistik gibt es derzeit weltweit etwa 260 Millionen Migranten, das sind Menschen, die ihr Heimatland verlassen haben. Davon wurden etwa 68 Millionen aus ihrer Heimat vertrieben, das sind so viele wie noch nie zuvor. Von dieser Entwicklung sind in erster Linie die Entwicklungsländer betroffen.

Es ist nicht Abenteuerlust, es sind Krieg, Armut und Hunger, die diese Menschen dazu veranlasst haben, ihre Heimat ohne Papiere und ohne Gepäck zu verlassen. Menschen sind in der Regel sesshaft und verlassen nur ungern auf Dauer und auf ungewisse Zukunft ihre Familie, ihre Freunde, ihre Heimat. Es ist die Hoffnung, im Ausland Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu führen, die zur Migration führt. Migration findet dann statt, wenn Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt werden oder ihres Lebens nicht mehr sicher sein können. Und genau da muss die Linke in ihrer Kritik ansetzen.

Grenzen sind dem Kapital ein Dorn im Auge. Investitionsfreiheit bedeutet auch, überall auf der Welt genügend Arbeitskräfte vorzufinden und die Gewinne zurückführen zu können. Unter der Mär fehlender qualifizierter Arbeitskräfte und des Facharbeitermangels wird jetzt ein neues Einwanderungsgesetz in Deutschland vorbereitet. Der UN-Migrationspakt kommt hier gerade recht und liefert einen weiteren Vorwand dafür. Der UN-Migrationspakt will die Migration kontrollieren und steuern. Kein Wort darüber, wie die Ursachen der Migration bekämpft werden sollen, wie der Migration als solcher entgegengewirkt werden kann. Das ist nicht das Ziel des UN-Migrationspaktes, das ist auch nicht das Ziel des Einwanderungsgesetzes der Bundesregierung.

 

Die Wirtschaft will neue, billige, möglichst bereits qualifizierte Arbeitskräfte und die Bundesregierung liefert sie ihnen frei Haus. Die Reservearmee wird größer, der Druck auf die Löhne wird noch weiter steigen. Von der verschärften Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt ganz zu schweigen.

Anstatt in Bildung und Qualifikation zu investieren, holt man sich lieber Kräfte aus dem Ausland, deren Bildung von anderen Ländern bereits bezahlt wurde und die zu Hause dringend gebraucht würden. Man lässt junge Menschen von anderen Staaten ausbilden und beschäftigt sie dann in der BRD. Eine berufliche Zukunft haben diese jungen Leute in ihren Ursprungsländern meist eh nicht, die Wirtschaft dort liegt am Boden. Diejenigen Fachkräfte, die legal einwandern dürfen, werden aber kaum eine entsprechende Stelle finden und unterhalb ihrer Qualifikation zu Billiglöhnen arbeiten müssen.

Migration positiv betrachten, Migra­tion gar als Chance zu sehen, heißt auch, Migration zu akzeptieren und heißt damit implizit auch, die Zustände in den Ursprungsländern zu akzeptieren, sie quasi als Ausdruck höherer Gewalt zu sehen, gegen die man eh nichts machen kann. Was nichts anderes bedeutet, als eine Fortsetzung der neoliberalen Logik der freien Märkte, die selbstregulierend seien und unter deren Obhut alles am besten aufgehoben sei, sofern man nicht in ihre Entwicklung eingreife.

Und hier schließt sich der Kreis, denn die Migration ist schlussendlich das Resultat der Entfesselung der freien Märkte. Man sollte also nach neoliberaler Theorie auch die Migration nicht behindern, regulieren oder gar aufhalten, sondern man sollte im Gegenteil die Landesgrenzen weit öffnen für die Migranten, damit nicht nur das Kapital, sondern auch die Arbeitskräfte sich frei bewegen und die Kräfte des Marktes sich entfalten können. Die „unsichtbare Hand“ der Märkte wird alles andere dann schon regeln, die Rassendiskriminierung inklusive.

Die Industrie- und Unternehmerverbände befürworten die Immigration. Für sie sind Immigranten potentielle Arbeitskräfte. Aus der sozialen Verantwortung haben sie sich schon lange verabschiedet. Die Flüchtlinge und Migranten werden in Konkurrenz mit den einheimischen Lohnarbeitern gesetzt. In einer Zeit, wo Arbeitslosigkeit grassiert, wächst der Lohndruck jetzt noch mehr, die Löhne sinken weiter. Wer keinen gewerkschaftlichen Schutz genießt, ist den Arbeitgebern hilflos ausgeliefert. In der Heimat zu verhungern oder getötet zu werden oder im Westen seine Haut für einen Hungerlohn zu Markte zu tragen – das ist die Alternative der Flüchtlinge.

 

 


(Grafik: Pixabay, CC0)

 

Die Linke verweilt derzeit dabei in Schockstarre und starrt wie das Kaninchen auf die Schlange AfD. Sie versucht mit allen Mitteln sich von wirklichen oder vermeintlichen Faschisten jeder Couleur abzugrenzen. Und wenn die AfD, wenn auch aus anderen Motiven heraus, sagt, „die Immigration ist schlecht“, dann sagt ein großer Teil der orientierungslos gewordenen Linken: „Nein, Immigration ist gut, denn sie bringt gesellschaftliche Vielfalt“. Und fordert offene Grenzen für Alle. Das Kapital bedankt sich derweil für die unerwartete Schützenhilfe.

Die Linke muss das ganze Problem anpacken und nicht nur den Teilaspekt Flucht und Migration. In der Migration gar eine Chance zu sehen, ist kurzsichtig und politischer Selbstmord. Das bedeutet natürlich nicht, keine Kritik mehr daran üben zu dürfen, wie die Bourgeoisie mit den Flüchtlingen umgeht und sie nur als Arbeitskräfte sieht. Und das schließt natürlich auch Hilfe für die Flüchtlinge im Land ein, natürlich muss man den Menschen helfen. Aber man muss auch denen helfen, die nicht (noch nicht?) hier angekommen sind und man muss vor allem dabei helfen, dass sie erst gar nicht von zu Hause flüchten müssen. Das Problem der Flüchtlinge ist nur ein Aspekt der verheerenden Folgen, die der neoliberale kapitalistische Raubzug in der Welt anrichtet. Auch die Umweltzerstörung und ein drohender neuer Weltkrieg mit Atomwaffen gehören dazu. Wir müssen das Problem in seinem Ursprung bekämpfen. Alles hängt mit allem zusammen.

Linke Politik heißt also nicht nur, den Flüchtlingen zu helfen, sondern vor allem die Ursachen der Flucht zu bekämpfen. Es heißt, die ungehinderte Ausbreitung der großen Konzerne und ihren Raubzug durch die Länder der Dritten Welt zu stoppen, es heißt Kriege und Bürgerkriege zu verhindern oder zu beenden.

Öffnung der Grenzen allein kann keine linke Forderung sein, wenn sie nicht an Bedingungen geknüpft ist. Diese Bedingungen müssen darauf abzielen, der Migration das Wasser abzugraben, indem man die Not der Menschen, die sich auf die Flucht begeben, wirkungsvoll und nachhaltig in den Herkunftsländern bekämpft. Das muss aber durch praktische Maßnahmen geschehen und nicht durch Absichtserklärungen auf dem Papier. Und das heißt auch, Forderungen an das Kapital zu stellen. Das heißt auch, dem Kapital in den Arm zu fallen.

Stoppen werden die Flüchtlinge keine Grenzen und kein Frontex mehr, sondern nur die Aussicht auf eine Zukunft im eigenen Land. Gerechter Handel wäre ein erster Schritt dazu.

Die wichtigsten Forderungen der Linken in diesem Kontext müssen sein:

• Kriege verhindern durch Einhaltung des Völkerrechts. Austritt aus und Auflösung der Nato. Schließung der Militärbasen der USA in Europa und für Deutschland insbesondere die Schließung von Ramstein. Zudem ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs von Kriegswaffen.

• Diejenigen, die völkerrechtswidrige Kriege angezettelt haben, diejenigen, die ohne UN-Mandat Bomben auf fremde Länder abwerfen lassen, müssen auch rechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Sie müssen verhaftet und vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden. Ob sie Präsident der USA oder sonst eines Landes sind oder nicht.

• Abschaffung der ungerechten Handelsverträge mit Drittländern. Entwicklungshilfe zur Hebung des Wohlstands in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Angleichung des Sozialstandards und der Löhne. Gleiche Besteuerung für die Konzerne in allen Ländern. Unterbindung von Steuerhinterziehung und Steuerflucht.

• Unbegrenzte Schadenshaftung für die Verursacher. Egal, ob es sie ruiniert oder nicht. Sie müssen wiederaufbauen, was sie kaputt gemacht haben.

• Solidarität und Zusammenarbeit mit linken Parteien und Gewerkschaften in aller Welt.

Weltoffen, bunt, vielfältig, tolerant. Das ist die schöne Welt, die es nur geben kann, wenn die Menschen auch untereinander gleich sind. Es ist auch eine Welt ohne Flüchtlinge.

Buntheit und Vielfältigkeit bestehen heutzutage in einer Gesellschaft, wo die exotischen „Bunten“ gleichzeitig auch die Unterdrückten sind, diejenigen, die der Einheimische nur dann als bunte Vielfalt begrüßt, wenn sie ihm zu Diensten sind. Sobald die „Bunten“ Gleichbehandlung fordern, ist es mit der Toleranz vorbei. Und als Konkurrenten waren die „Bunten“ nie willkommen.

 

 

Dieser Text wurde zuerst am 12.11.2018 auf den Nachdenkseiten unter der URL <https://www.nachdenkseiten.de/?p=47013> veröffentlicht. (Lizenz: CC-BY-2.0)

Beobachtungen zur Flüchtlingsdebatte

Ein Gespenst geht wieder einmal um in Europa und dieses Mal ist es die Flüchtlingsdebatte.
Profilbild von Marco Wenzel

 

 
Rezension:
Den Frieden leben

 

Anleitung zum praktischen Utopismus: In ihrem Buch „Wir sind Frieden“ stellt die Friedensaktivistin Andrea Drescher Menschen und Konzepte vor, die uns zeigen: Jeder kann sich für eine friedlichere Gesellschaft einsetzen.
 
 
Konfrontation mit Russland:
Tödlicher Wandel durch Konfrontation – was uns vermutlich ins Haus steht

 

Das ist das Thema meines Beitrags in dem gerade neu erschienenen Buch „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“ [1]. Außer meinem Beitrag (A.) hänge ich auch noch eine Übersicht (B.) über die verschiedenen Autoren und die Themen ihrer Beiträge an. Interessante Texte. Politisch breit angelegte Autorenschaft.
 
 
UN-Migrationsabkommen:
Migrationsabkommen als letzter Sargnagel für die linken Parteien?

 

Im Dezember wollen die Bundesregierung und die meisten übrigen UN-Mitgliedsländer in Marokko ein Globales Abkommen zur Förderung der Arbeitsmigration [1] unterzeichnen. Es ist die Frucht langer intensiver Lobbyarbeit der großen internationalen Konzerne [2]. Am 8. November debattiert[e] der Bundestag darüber – auf Antrag der AfD.
 
 
Rezension:
Das Erwachen beginnt

 

 
Interviews
 
https://youtu.be/o4giRL_LLHU

 

Dieser Text wurde zuerst am 1.11.2018 auf den Nachdenkseiten unter der URL <https://www.nachdenkseiten.de/?p=46839> veröffentlicht. Lizenz: IQM e.V./Albrecht Müller

Hannes Hofbauer: „Kriege stoppen! Das wäre das oberste Gebot.“

Medien berichten viel über Migration, aber die Auswirkungen der Migration auf die Herkunftsländer übersehen sie oft. Das sagt der Wiener Verleger Hannes Hofbauer im Interview mit den NachDenkSeiten. Hofbauer, der sich seit Jahren mit dem Thema Migration beschäftigt, betont im Interview, welche weitreichenden Auswirkungen die Abwanderung vieler Menschen aus ihrer Heimat für diese Herkunftsländer hat und warnt davor, die politischen Ursachen und Hintergründe von Migration auszublenden.
Profilbild von Marcus Klöckner

 

 
Interview nach einer Syrienreise:
Der unsichtbare Krieg

 

Der Hamburger Schneidermeister und Modeschöpfer, Marco Glowatzki fuhr von Dezember 2016 bis Januar 2017 für 14 Tage allein in das kriegsgeplagte Land Syrien. Was er dort hörte und erlebte, steht im „krassen“ Widerspruch zu den Syrien-Darstellungen in hiesigen Leitmedien. Katrin McClean sprach mit ihm über seine Eindrücke.
 
 
Friedensaktivisten vorgestellt:
Wir sind Frieden

 

Es gibt schier unendliche Möglichkeiten sich zu engagieren, manchmal fehlt einfach die zündende Idee. Hier will „Wir sind Frieden“ Abhilfe schaffen. Impulse geben, was alles möglich ist. Und das eben nicht theoretisch, sondern anhand konkreter Menschen, die konkrete Dinge tun.
 
 
Interview:
Wir sind Frieden

 

Auf den ersten Blick verbindet einen IT-Kaufmann und Unternehmensberater, einen Mode-Schneider und einen Künstler aus der Hausbesetzerszene eher wenig. Ob Alter, Wohnort oder Hobbys – nichts scheint den Dreien gemeinsam zu sein. Es ist der Wunsch, selbst aktiv zu einer friedlicheren Welt beizutragen, der sie vorantreibt und motiviert.
 
 
Interview:
Wider die Identitätspolitik

 

Empfindlichkeitsökonomie und Sprachkontrolle dienen dem neoliberalen Entsolidarisierungsprogramm. Interview mit Philosoph Robert Pfaller.
 

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KenFM-Positionen 7
Journalismus oder Propaganda – Wenn Recherche zum Risiko wird
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KenFM-Positionen 9
Wege aus der Krise
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KenFM zeigt
Die dunkle Seite der Wikipedia
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KenFM-Spezial zu Uranmunition
Ich & DU
Hintergrund
 

Buchcover, Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure, Paperback 357 Seiten, 19,90 Euro [D], ISBN 978-3-89438-675-7, Quelle: http://www.papyrossa.de/1045-2

Das Internet unter US-Aufsicht

Der folgende Artikel ist ein Appetithappen aus dem sehr lesenswerten Buch voller spannender Informationen von Werner Rügemer „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Allgemeinverständlicher Abriss zu den neuen Finanzakteuren im Westen und in China“. Veröffentlicht auf dem Blog von Norbert Häring
Profilbild von Werner Rügemer

 

 
Im Wortlaut:
Das Manifest der Gelben Westen

 

Ein Ende der Austeritäts­politik, Volksentscheide, Begrenzung der Mietpreise – über 40 Forderungen, die weit über den Protest gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise hinausgehen, stellten die „Gelben Westen“ in einem Kommuniqué Anfang Dezember [2], welches wir hier unkommentiert auf Deutsch veröffentlichen. Machen Sie sich bitte Ihr eigenes Bild.
 
 
Gelbe Westen:
Steineschmeißer in Warnwesten und ein Präsident im Maßanzug

 

Ladenplünderungen, Straßenschlachten, in Flammen stehende Autos und Gebäude. Es sind erschreckende Bilder, die uns neuerdings aus Frankreich erreichen. Und mittendrin hört man immer wieder: „Macron Demission! Macron Demission!“.
 
 
UN-Migrationsabkommen:
Der neoliberale Pakt

 

Der Migrationspakt der Vereinten Nationen wird wenig verbessern und vieles verschlechtern, vor allem aber eines: die migrationsauslösende Ungleichheit weiter verstärken.
 
 
UN-Migrationsabkommen:
Was das Weltwirtschaftsforum mit dem UN-Migrationsabkommen zu tun hat

 

Der zweite Teil des Artikels „Wozu sich Deutschland mit dem UN-Migrationsabkommen wirklich verpflichtet und was das Weltwirtschaftsforum damit zu tun hat.
 
 

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Doku, Arte
GLADIO Geheimarmeen der Nato

In Italien und Deutschland sterben in den 60er bis 80er Jahren zahlreiche Menschen bei Bombenanschlägen. Indizien belegen bestimmte Zusammenhänge, die Spuren führen zu einer geheimen Struktur namens „Gladio“. Ursprünglich als Spionage- und Sabotageorganisation im Falle eines sowjetischen Angriffs gegründet, diente Gladio politischen Interessen und wird nun verdächtigt, im Umfeld rechtsradikaler Gruppen Gewalttaten im Auftrag politischer Interessen begangen zu haben. In den 60er bis 80er Jahren erschüttert eine Serie von Bombenanschlägen Italien. So sterben 1969 in Mailand 16 Menschen bei einem Bombenanschlag. Im August 1980 detoniert eine Bombe im Bahnhof Central in Bologna – 85 Menschen sterben. Im September des gleichen Jahres gibt es auch in Deutschland Bombenopfer. Beim schwersten Anschlag der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sterben 13 Menschen auf dem Münchner Oktoberfest. Im Lauf der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem bestimmten Zusammenhang stehen: Alle Täter kommen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen, mehrfach wird militärischer Sprengstoff benutzt. Die Spuren führen zu einer geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten – ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: „Stay behind“, später auch „Gladio“.

 

Geschichte
 
Keine Gerechtigkeit ohne Rückkehr der Flüchtlinge

Vor 70 Jahren ermordeten Zionisten in Jerusalem den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte. Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien für einen jüdischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf. Doch in kurzer Zeit wandelte sich der schwedische Diplomat zu einem Anwalt der arabischen Flüchtlinge – eine Haltung, die zionistische Attentäter nicht dulden wollten.
Profilbild von Heiko Flottau

 

 
Historisches:
Die vertuschte Wahrheit

 

Wer steckt wirklich hinter dem Angriff auf das amerikanische Überwachungsschiff USS Liberty?
 
 
Kennedy und King:
"Morde waren Regime Change von innen"

 

Die Morde an John F. Kennedy, seinem Bruder Robert F. Kennedy und der an Martin Luther King waren nicht die Taten von Einzelgängern. Dieser Überzeugung ist der Journalist und Buchautor Mathias Bröckers.
 
 
Dem 3. Weltkrieg entgegen:
Krieg und Frieden in der Vergangenheit und heute

 

Nach allen Merkmalen ist die internationale Gemeinschaft wieder in eine Phase zunehmender Kriegsgefahr getreten. Es ist kein Zufall, dass darüber immer häufiger westliche politische Analytiker schreiben.
 
 
Robert F. Kennedy Jr.:
Warum die Araber uns in Syrien nicht wollen

 

Auch da mein Vater von einem Araber ermordet wurde, habe ich mir die Mühe gemacht, die Auswirkungen der US-Politik im Nahen Osten und insbesondere die Faktoren zu verstehen, die zu manchmal blutrünstigen Reaktionen der islamischen Welt gegen unser Land führen.
 
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