Englischer Priester:
03 Jan 2017
Aleppo: Die Wahrheit, die sich der Westen weigert, zu berichten
An diesem Morgen besuchten wir das Registrierungszentrum für Binnenflüchtlinge (IDP) aus Ost-Aleppo in Jibrin. Sie werden hier aus humanitären Gründen und für den Zugang zu Dienstleistungen registriert, bevor sie entweder zu Verwandten in anderen Teilen Syriens gehen (viele tun das) oder in andere Aufnahmelager, wo sie mit Unterkunft, Essen und anderen Dienstleistungen versorgt werden.
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Während der letzten zwei Wochen wurden 95.000 Flüchtlinge registriert, aber man schätzt, dass es noch weitere 10.000 Nicht-Registrierte gibt. Dort standen Tausende Menschen, die in den letzten Tagen angekommen sind. Ich muss hier erwähnen, dass wir den Besuch in einem Taxi machten, ohne Begleitung der Regierung oder des Militärs und ohne Vorankündigung. Man hatte uns nicht erwartet.

 

Das Zentrum ist gut organisiert. Der syrische Rote Halbmond hat Zelte aufgestellt in denen Informationen zu allen Einrichtungen der sozialen Dienste angeboten werden und es gibt freie medizinische Betreuung. ost-aleppo-free21Bei einem Notfall stehen Krankenwagen zur Verfügung um die Patienten in ein Krankenhaus zu bringen. Kostenloses Essen wird vom syrischen Roten Halbmond und der syrischen Armee verteilt und wir sahen einen Konvoi russischer Lastwagen, der Hilfsgüter brachte. Auf dem Gelände gibt es auch ein russisches Feldlazarett, in dem sofortige medizinische Behandlung angeboten wird.

 

Unter den Tausenden Flüchtlingen ist ein Gefühl der Erleichterung zu spüren. Alle wollten reden und wir haben einige interviewt, die erst gestern oder heute ankamen. Sie erzählten alle das gleiche. Sie sagten, dass sie in Angst leben mussten. Bild_2Sie berichteten, dass die Kämpfer jedem erzählten, dass die Syrische Armee jeden tötet, der in den Westen flieht, aber sie selbst haben viele getötet die zu fliehen versuchten – Männer, Frauen und Kinder. Eine Frau brach in Tränen aus, als sie uns erzählte, dass einer ihrer Söhne vor einigen Tagen von den Rebellen getötet und ein anderer verschleppt wurde. Sie töteten auch jeden, der eine Unterstützung für die Regierung zu erkennen gab. Die Flüchtlinge sagten, dass die „Rebellen“ ihnen gesagt hätten, dass nur jene „echte Moslems“ seien, die sie unterstützen und dass jeder andere ein „Ungläubiger“ sei und den Tod verdiene.

 

Uns wurde erzählt, dass sie sehr wenig Nahrung bekamen: Jede Hilfe, die sie erreichte, sei ihnen meistens verweigert oder zu exorbitanten Preisen verkauft worden. (Ein Arzt, der wochenlang mit den Flüchtlingen arbeitete, hat mir letzte Nacht erzählt, dass in einem kürzlich befreiten Gebiet ein Lagerhaus voll mit brandneuen Medikamenten und internationaler Beschriftung entdeckt wurde.) Die meisten der Flüchtlinge sagten, dass eines ihrer Familienmitglieder von den Rebellen getötet worden sei und sie sprachen dauernd über weitverbreitete Morde, Folter, Vergewaltigung und Entführung durch die Rebellen. Wenn jemand seine Wohnung verließ, dann wurde das Eigentum und der Besitz konfisziert oder gestohlen.

 

Ein alter Mann in einem Rollstuhl, der in dem russischen Feldlazarett kostenlose Behandlung bekam, sagte, dass er drei Jahre lang keine Behandlung bekam, obwohl er danach fragte. Er sagte: „Gott sei Dank sind wir frei. Jetzt haben wir zu essen. Jetzt können wir unser Leben führen. ost-aleppo4-free21Gott beschütze die Syrische Armee.“ Alle sagten, dass sie froh seien, entkommen und frei zu sein. Alle Flüchtlinge waren ausnahmslos von Herzen erleichtert und glücklich frei zu sein. Eine Frau sagte: „Im Vergleich zu dem, was wir durchmachten, ist das hier der Himmel.“ Wir fragten, ob die Syrische Armee jemanden schlecht behandelt habe. Niemand sagte Ja. Eine Frau sagte: „Sie halfen uns zu entkommen und sie gaben uns Essen und Hilfe.“

 

 

Daher habe ich zwei wichtige Fragen:

 

1. Im Moment sind es nur der syrische Rote Halbmond, die Syrische Armee und die Russen, die für die Zehntausende aus Ost-Aleppo Geflohenen humanitäre Hilfe leisten. Warum bietet ihnen jetzt keine der internationalen Organisationen Hilfe an?

 

2. Wie kann es sein, dass, während weltweit Schlagzeilen über Massaker durch die Syrische Armee verbreitet werden und obwohl einige internationale Medien in Aleppo sind, kein Einziger von ihnen das Registrierungszentrum besucht und einmal selbst mit den Flüchtlingen spricht? Wir waren dort die Einzigen. Hier sind Menschen, die es erlebt haben und gerne darüber reden möchten, aber die Medien nehmen nicht belegbare Behauptungen sehr dubioser Quellen für bare Münze. Der Zusammenbruch jeglicher Form von glaubwürdigem investigativem Journalismus in diesem global bedeutenden Zusammenhang ist äußerst schockierend.

 

Heute wurde berichtet, dass das Abkommen für 4.000 Kämpfer, Aleppo zu verlassen, gescheitert ist, nachdem die Kämpfer sich geweigert haben, das Abkommen zu erfüllen. (Ich kenne die Details nicht, aber überlegen Sie… Es gibt nicht einen Grund warum die syrische Regierung möchte, dass dieses Abkommen scheitert, es würde die völlige Befreiung der Stadt bedeuten!) Es wurde berichtet, dass sich die Kämpfer weigern zu gehen oder die Zivilisten gehen lassen.

 

Es ist nur noch obszön: ost-aleppo5-free21Die westlichen Medien weigern sich, objektiv zu berichten oder nach Informationen von den Tausenden Zivilisten aus Ost-Aleppo zu suchen, die ihre Geschichten gerne weitergeben möchten. Und gleichzeitig vertrauen die westlichen Medien voll und ganz den Terroristen, ohne jede vor Ort belegbare Information ihrer Behauptungen.

 

Von den Zivilisten im Osten und Westen (Aleppos), aus allen Gemeinden, von Gesprächen mit Ärzten, mit Glaubensgemeinschaften und auch mit Militärangehörigen, die die Bombardements auf beiden Seiten erlebt und durchlebt haben, nach allem was ich in Aleppo gesehen und gehört habe, komme ich zu der Überzeugung, dass die Berichte in den westlichen Medien verbogene Erfindungen des Schreckens sind, die in den von den „Rebellen“ kontrollierten Gebieten passiert. Und die Medien weigern sich immer noch, dem Zeugnis der Menschen selbst zuzuhören.

 

ost-aleppo6-free21Nachtrag: Weihnachten kommt nach Syrien. In ein Land und eine Stadt, in der Menschen aller Glaubensrichtungen frei ihrem Glauben nachgehen können; wo Moscheen und Kirchen Seite an Seite stehen; und wo in den Cafes und Restaurants Weihnachtsmusik erklingt. Und dennoch trauert die Welt wegen der Niederlage der Extremisten in Aleppo. Extremisten, die christliche und moslemische Gebetshäuser zerstören und jeden abschlachten, der nicht ihrer obszönen Ideologie folgt.

 

(Übersetzung: FritzTheCat)

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Andrew Ashdown

Andrew Ashdown ist Priester der Kirche von England und studiert die christlich-moslemischen Beziehungen in Syrien.


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