06 Sep 2016
Bitte, liebes Deutschland, geh nicht nochmal nach rechts!
Profilbild von Jürgen und Frédéric Todenhöfer

Liebe Freunde, die dramatischen Erfolge der AfD von heute sind für Deutschland eine Niederlage. Wenn der Rassismus weiter siegt, geht unser Land in die falsche Richtung. Ja, unsere Politiker haben Fehler gemacht. Ich verstehe die Enttäuschung vieler Protestwähler. Aber es ist falsch, deswegen alles aufs Spiel zu setzen, was Deutsche in Jahrzehnten harter Arbeit aufgebaut haben. Zusammen mit unseren ausländischen Mitbürgern. Gerade weil ich Deutschland liebe, rufe ich allen Protestwählern zu: Die Zukunft Deutschlands liegt nicht rechts. Dort liegt unsere finsterste Vergangenheit. Bitte, liebes Deutschland, geh nicht nochmal nach rechts!

 

Ich bin ein Kind des 2. Weltkriegs, der von Rechten angezettelt wurde. Ergebnis: Deutschland verlor ein Viertel seines Territoriums, es gab 8 Millionen tote Deutsche, 25 Millionen tote Russen, 6 Millionen tote Juden... Meine Heimatstadt Hanau brannte in den letzten Kriegstagen ab. Ich werde die wie Fackeln brennenden Menschen nie vergessen. Über 10 Jahre hat Deutschland gebraucht, um aus den Ruinen wieder aufzuerstehen. Heute sind wir das beliebteste Land der Welt (BBC). Und eines der erfolgreichsten. Wir dürfen diese Erfolge trotz aller Fehler der Parteien nicht gefährden. Die Rechten hatten ihre Chance. Sie haben sie verspielt. Sie haben Deutschland schon einmal ruiniert und jenseits unserer Grenzen Tod und Verderben verbreitet. Bitte Deutschland, geh nicht nochmal nach rechts!

 

Als Jugendlicher war ich unpolitisch. Doch als die NPD Mitte der 60 Jahre plötzlich stark wurde, habe ich in Freiburg in einer NPD-Kundgebung in Sprechchören mit Freunden eine Diskussion erzwungen. Vor tausenden Rechten. Ich musste als erster auf die Bühne. Mit weichen Knien rief ich der NPD-Führung, die damals nicht gegen Muslime, sondern gegen Juden hetzte, zu: "Rassisten wie Ihr dürfen nie mehr an die Macht kommen." Viel mehr brachte ich nicht heraus. Ich wurde von den Tausenden gnadenlos ausgepfiffen. Den Beifall meiner 30 Freunde hörte niemand.

 

Heute rufe ich dasselbe. Nur lauter. Ich weiß, die meisten AfD-Politiker sind keine Nazis. Aber als Rassisten sind sie nahe dran. Die Gespenster der Vergangenheit dürfen nie mehr auferstehen. Deutschland darf nicht nochmal in ihre Hände fallen. Unsere Zukunft liegt nicht im Kampf gegen andere Hautfarben und Religionen. Unsere Zukunft liegt im Miteinander. Bitte, liebes Deutschland, geh nicht nochmal nach rechts!

Profilbild von Jürgen und Frédéric Todenhöfer

Jürgen und Frédéric Todenhöfer

Jürgen Todenhöfer: Jahrgang 1940, war von 1972 bis 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter, ab 1973 entwicklungspolitischer, dann rüstungskontrollpolitischer Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion. Von 1987 bis 2008 war er Stellvertretender Vorsitzender des Burda-Medienkonzerns, von 2017 bis 2018 Herausgeber der Wochenzeitschrift „Der Freitag“. Seit 2001 ist er als Publizist tätig und zählt zu den schärfsten, konsequentesten, aber auch sachkundigsten Kritikern der westlichen Interventionen im Mittleren Osten. Die Zahl seiner Kritiker stieg und stieg, die Zahl seiner Anhänger auch. Seine in viele Sprachen übersetzten Bücher sind allesamt Bestseller. Frédéric Todenhöfer: Jahrgang 1983, arbeitete nach dem Abitur ein halbes Jahr ehrenamtlich in Afghanistan und war gleichzeitig als Kolumnist für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung tätig. Frédéric Todenhöfer studierte Wirtschaftswissenschaften in New York, ist Musikproduzent und seit 6 Jahren der engste politische Berater seines Vaters. Er verantwortet außerdem dessen Social Media Kanäle auf Facebook und Instagram und begleitet ihn auf Recherche-Reisen in Kriegsgebiete, bei denen er filmt, fotografiert sowie Ereignisse und Gespräche minutiös protokolliert und dokumentiert.

https://juergentodenhoefer.de/
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