Gelbwesten:
22 Jun 2019
Das Volk vs. Paris
„Sollen sie doch Kohle essen!“ [1] sagte der französische Präsident Emmanuel Macron diese Woche, als er seinen Bauern eine 6-monatige Galgenfrist zu der kommenden Verbrauchssteuer auf Kohlenstoffemissionen anbot. Während er seine Füße auf seinem Schreibtisch im Elysée Palast legt, entweicht ihm ein Seufzer der Erleichterung. Er hat sich ein wenig Zeit verschafft, um herauszufinden, wie er mit dem Pöbel vor den Toren umgeht. Aber wieviel Zeit? – James Corbetts Text vom 8.12.2018 ist auch heute noch lesenswert:
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(Photo: James Corbett / www.corbettreport.com / CC-BY-NC-4.0)

Wie sich zeigt, nicht besonders viel. Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Gelbwesten ihre Absicht bekundet [2], am Wochenende mit dem „Act 4“ ihrer Proteste fortzufahren und die Regierung erwiderte dies mit der Entscheidung [3], am Samstag den Eiffelturm, den Louvre und andere touristische Sehenswürdigkeiten zu schließen. In der Zwischenzeit rüstet sich Paris für ein weiteres Wochenende mit Gewalt und Straßenkämpfen.


Für all jene hinter dem Mond, die es noch nicht gehört haben mögen: Frankreich war in den vergangenen Wochen Schauplatz einer Serie von Protesten aufgrund der weit verbreiteten Unzufriedenheit mit der Macron-Regierung und deren Beharren auf eine Reihe von unpopulären Steuererhöhungen und wirtschaftlichen Reformen. Die Demonstranten haben sich die „gilets jaunes“, die gelben Westen, die jeder Autofahrer in Frankreich zur Sicherheit bei Unfällen oder Staus mit sich führen muss, zu eigen gemacht. Sie sind in vielerlei Hinsicht das perfekte Symbol für die Bewegung: Es ist ein Alltagsgegenstand, den jeder zur Hand hat, es ist ein sichtbares Zeichen für eine Notlage und es hat eine Verbindung zur Benzinsteuer, die der Tropfen war, der das sprichwörtlichen Fass zum Überlaufen brachte und die Menschen auf die Straße trieb.


Angesichts der Anzahl der falschen, von Soros unterstützten, globalisten-freundlichen „Farben-Revolutionen“, die in den letzten zwanzig Jahren in so vielen Ländern aufkamen, ist es verständlich, dass der Leser der neuesten, farblich abgestimmten Protestbewegung skeptisch gegenübersteht. Anders jedoch als die wohlfinanzierten, von Globalisten unterstützten Proteste, hofft diese, letztendlich die Regierung Macron zu stürzen. Macron, der ehemalige Investmentbanker bei Rothschild & Co [4], angepriesen durch die Mainstream-Medien (MSM) als Frankreichs „gefühlvolle“ Antwort auf die populistische Welle, die gerade über Europa schwappt. Mit anderen Worten: Es ist zweifelhaft, dass Soros oder seine Kollegen sich für den Erfolg der Gelbwesten einsetzen werden.


Könnte dies also eine wirkliche, weit um sich greifende Revolution sein, die gerade im Herzen der EU statt findet?


Und falls es so ist, was bedeutet das?


Es ist nicht überraschend, dass diese hoch brisante Frage momentan überall gestellt wird. Von den Gremien der Sprecher der MSM-Fernsehsender, über die Korridore der Macht Europas bis in die Straßen von Paris – und es gibt ebensoviele Antworten, wie es Menschen gibt, diese Fragen stellen. Die Sozialisten bejubeln diese Proteste als ein Neuauflage der 68er, als es schon schwer nach Revolution aussah. Die Nationalisten sind überzeugt, dass alles mit der Migrantenkrise zusammenhängt und ein Vorbote für eine künftige LePen-Regierung sei. Dennoch gibt es etwas, über das sich alle Seiten einig sind: Der Funke, der das Streichholz in diesem Pulverfass entzündete, war das Pariser Klima-Abkommen.


Ja, es ist knapp drei Jahre her, dass wir mit all diesem Tamtam und Quatsch über das Pariser Abkommen und wie es die Welt retten wird, traktiert wurden. Wer könnte die Szenen händchenhaltender UN-Bürokraten mit politischen Bonzen vergessen, die sich gegenseitig gratulieren, die Welt durch die kühne Entscheidung, die Temperatur zu kontrollieren, gerettet zu haben?


„Ja, die Politiker und die nicht gewählten UN-Bürokraten können tun, was sie wollen!“ schrien die Massen. „Immerhin sind sie unsere Machthaber. Aber wie genau haben sie vor, das zu tun?“


„Wie? Indem wir die Wettergötter beschwichtigen, natürlich,“ kam die Antwort. Und es stellte sich heraus, dass die Wettergötter nur beruhigt werden können, indem die Regierung mehr Geld bekommt. Pflichtbewusst schickten sich Macron und seine Regierung an, die Verbrauchssteuern auf Kohlenstoffemissionen zu erhöhen und somit die schon himmelhohen Kraftstoffpreise in Frankreich in die Stratosphäre zu katapultieren.


Nun gibt es allerdings einen Haken an der Sache: Die Menschen haben entschieden, dass sie lieber keine 1,45 €/Liter Benzin (Anm. d. Red.: ca.-Preis umgerechnet von $/Gallone, Stand Jan. 2019) zahlen wollen, um die Wettergötter günstig zu stimmen. Tatsächlich ist es ein klitzekleines bisschen unproduktiv, eine geplante Steuer mit 8 Milliarden €/Jahr bei der berufstätigen Bevölkerung zu erheben, die sowieso schon unter Arbeitslosigkeit und hoher Steuerbelastung leidet, um damit die Kohlendioxid-Emissionen in einem Land zu senken, dass weniger als 1% zu der globalen Kohlenstoff-Emission beiträgt.


Die gesamte Situation bietet eine faszinierenden Einblick in die Realität der wachsenden Unzufriedenheit der Massen, die, alles in Allem, glücklich sind, sich dem Schwindel über die globale Erderwärmung [5] anzuschließen… solange es nicht ihre Brieftaschen berührt. Leider finden sie jetzt lediglich heraus, dass der ganze Schwindel nur dazu dient [6], dass Gelder aus ihren Brieftaschen in die Hände eben jener Unternehmen [7] und Stiftungen wandern [8], die hinter dem Schwindel stecken.


Frankreich ist jedenfalls nicht allein mit dieser aufkeimenden Wahrnehmung. Die Wähler im Staat Washington haben gerade einen Antrag auf einen solchen Schwindel [9] abgelehnt. 2,3 Milliarden $ Steuergelder/Jahr wären der Wirtschaft des Staates aufgebürdet worden, die, sogar nach dem UN-eigenen Voodoo-Hexendoktor-Unsinn, genau 0% zu dem Ziel, den globalen Klimawandel zu stoppen, beigetragen hätten (und das aufgerundet auf die nächstgrößere Zahl). Auch Kanada erlebt gerade, dass die vorgeschlagene Verbrauchssteuer auf Kohlenstoffemissionen von den eigenen Provinzen abgelehnt wird. [10]


Mittlerweile schlagen in London Menschen wie George Monbiot (der mit so ungefähr allem falsch liegt) die Trommeln für eine neue Protestbewegung [11], die nach mehr Einsatz der Politik gegen das dringende Problem des Klimawandels verlangt … solange bis die Demonstranten bemerken, dass sie nur die Erhöhung ihrer eigenen Steuern fordern.


Wie Ihnen sicherlich von jedem der TV-Moderatoren zum Thema Gelbwesten-Phänomen, das sich gerade über Frankreich ausbreitet, berichtet wurde, geht es schon lange nicht mehr nur um die Kraftstoffsteuern. Aber damit hat es angefangen – und es ist wichtig.


Was das Pariser Abkommen betrifft: Paris hat angerufen. Sie wollen ihr Geld zurück.   

 

 

Quellen:

[1] The New York Times, Adam Nossiter: „France Suspends Fuel Tax Increase That Spurred Violent Protests“. 04.12.2018  <https://www.nytimes.com/2018/12/04/world/europe/france-fuel-tax-yellow-vests.html>
[2] The Associated Press (AP) PARIS: „The Latest: French protests ahead despite Macron concession“. 05.12.2018 <https://apnews.com/1c692e0741894b4cb8b7c120382bf4db>
[3] The Irish Times: „France to close Eiffel Tower, Louvre amid fears of ‘yellow vest’ violence“. 06.12.2018. <https://www.irishtimes.com/news/world/europe/france-to-close-eiffel-tower-louvre-amid-fears-of-yellow-vest-violence-1.3723127>
[4] Foreign Policy (FP), David Clay Large: „Emmanuel Macron Is About to Face Five Years of Crazy Rothschild Conspiracy Theories“. 18.05.2017. <https://foreignpolicy.com/2017/05/18/emmanuel-macron-is-about-to-face-five-years-of-crazy-conspiracy-theories/>
[5] The Corbett Report, James Corbett: „Climate Finance, Pentagon Audit, Suicide Scrolling – New World Next Week“. 16.12.2017. <https://www.corbettreport.com/climate-finance-pentagon-audit-suicide-scrolling-new-world-next-week/>
„Interview 1291 – James Corbett on Korea, Climate, Pathocracy and Anarchy“. 01.08.2017. <https://www.corbettreport.com/interview-1291-james-corbett-on-korea-climate-pathocracy-and-anarchy/>
„Orwell’s Nightmare: Temperature Adjustments and Climate Change“. 14.07.2017. <https://www.corbettreport.com/big-brother-science-temperature-adjustments-and-climate-change/>
„The Climate Hoax Tipping Point“. 04.06.2017. <https://www.corbettreport.com/the-climate-hoax-tipping-point/>
„Climate Cuts, Genetic Screening, Anarchist Roadworks – New World Next Week“. 17.03.2017. <https://www.corbettreport.com/climate-cuts-genetic-screening-anarchist-roadworks-new-world-next-week/>
„Climate Models for the Layman with Dr. Judith Curry“. 16.03.2017. <https://www.corbettreport.com/climate-models-for-the-layman-with-dr-judith-curry/>
„Interview 1261 – Judith Curry Explains Climate Modeling to the Layman“. 10.03.2017. <https://www.corbettreport.com/interview-1261-judith-curry-explains-climate-modeling-to-the-layman/>
„Why Would People Lie About Climate Change? – #Q4C“. 17.12.2016. <https://www.corbettreport.com/why-would-people-lie-about-climate-change-q4c/>
„Why Would People Lie About Climate Change? – Questions For Corbett #033“. 16.12.2016. <https://www.corbettreport.com/why-would-people-lie-about-climate-change-questions-for-corbett-033/>
„Weather Is Not Climate!“. 29.11.2016. <https://www.corbettreport.com/weather-is-not-climate/>
[6] The Corbett Report, James Corbett: „And Now For The 100 Trillion Dollar Bankster Climate Swindle…“. 24.02.2016. <https://www.corbettreport.com/and-now-for-the-100-trillion-dollar-bankster-climate-swindle/>
[7] The Corbett Report, James Corbett: „How Big Oil Steers the Environmental Movement“. 08.10.2017. <https://www.corbettreport.com/how-big-oil-steers-the-environmental-movement/>
[8] The Corbett Report, James Corbett: „Who Wants To Be A Carbon Trillionaire?“, 26.09.2016. <https://www.corbettreport.com/who-wants-to-be-a-carbon-trillionaire/>
[9] pv magazine USA, John Weaver: „Washington State carbon tax rejected soundly, again“ 07.11.2018. <https://pv-magazine-usa.com/2018/11/07/washington-carbon-tax-initiative-1631/>
[10] Global News Canada, Paola Loriggio: „Ontario government to challenge federal carbon tax plan in court“. 02.08.2018. <https://globalnews.ca/news/4367217/ontario-carbon-tax-court-challenge/>
[11] The Corbett Report, James Corbett: „The Carbon Bubble Cometh (and Open Thread“. 09.10.2018. <https://www.corbettreport.com/the-carbon-bubble-cometh-and-open-thread/comment-page-1/#comment-56473>

 

 

Dieser Text wurde zuerst am 08.12.2018 auf www.corbettreport.com unter der URL <https://www.corbettreport.com/mais-non-the-people-vs-the-paris-agreement/> veröffentlicht. Lizenz: James Corbett.

Für den Inhalt der einzelnen Artikel sind die jeweils benannten Autoren verantwortlich. Die Inhalte der Artikel und Kommentare spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.<br />

Quellen

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James Corbett

har boet og arbejdet i Japan siden 2004. I 2007 startede han websitet, „The Corbett Report“ som et frirum for uafhængig, kritisk analyse af politik, samfund, historie og økonomi. Han har sidenhen skrevet, optaget og redigeret tusindvis af timer af lyd- og videoudsendelser til websitet, inklusiv podcasts og adskillige faste onlinevideoserier. Hans arbejde findes på adskillige websider, og hans videoer er alene på YouTube blevet set over 50.000.000 gange. Hans satire om uoverensstemmelser i den officielle forklaring omkring 9/11; “9/11: A Conspiracy Theory”, blev offentliggjort på nettet den 11.09.2011 og er indtil nu blevet set næsten tre millioner gange. / James Corbett lebt und arbeitet seit 2004 in Japan. Er startete 2007 die Website „The Corbett Report“ als Plattform für eine unabhängige kritische Analyse von Politik, Gesellschaft, Geschichte und Wirtschaft. Seitdem hat er Tausende von Stunden Audio- und Videomedien für die Website geschrieben, aufgezeichnet und bearbeitet, darunter einen Podcast und mehrere regelmäßige Online-Video-Serien. Seine Arbeit wurde von einer Vielzahl von Websites online übertragen und seine Videos haben allein auf „YouTube“ über 50 Mio. Aufrufe erhalten. Sein satirisches Stück über die Diskrepanzen in den offiziellen Ermittlungen zum 11. September „9/11: Eine Verschwörungstheorie“, online seit 11.09.2011, wurde bisher fast 3 Mio. Mal angesehen.

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