Reportage:
14 Sep 2018
Der Geschmack des Friedens
Der Frieden kehrt nach Syrien zurück.
Profilbild von Ulrich Heyden
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Kulinarische Angebote auf einem Markt in der syrischen Hauptstadt Damaskus. (Foto: Amani Sharaa / Pixabay / CC0)

Wer wissen will, wie Frieden schmeckt, muss nach Aleppo fahren. Die Stadt beginnt wieder zu leben. Nur nachts ist es noch dunkel.


In einer Marktstraße im Stadtzentrum von Aleppo erlebt man Fröhlichkeit und Gelassenheit. Die Menschen begutachten die Waren auf den Klapptischen, klönen und kaufen ein.

 


Buntes Treiben auf einer Marktstraße in Aleppo. (Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)

 


Es sind modern gekleidete Frauen zu sehen, aber auch viele Frauen in langen, schwarzen Gewändern, dem Tschador und Niqab. Es gibt große Stände mit allen möglichen Textilien und – als hätte es den IS nie gegeben – Verkaufstische mit Kosmetik, Frauen-Unterwäsche und BHs.


Auf unsere Journalisten-Gruppe reagieren die Menschen neugierig und freundlich. In der Marktstraße hält ein Passant den Daumen hoch. Manche Passanten wollen ein gemeinsames Selfie. Andere posieren mit ernsten oder lächelnden Gesichtern für ein Foto.


Die im 10. Jahrhundert auf einem 40 Meter hohen Berg erbaute Festung von Aleppo wirkt wie ein Ruhepol in dieser vom Krieg schwer gezeichneten Stadt. Syrische Soldaten verteidigten das von mächtigen Mauern geschützte Bauwerk erfolgreich gegen die islamistischen Terror-Milizen, welche bis Dezember 2016 den Ostteil der Stadt besetzt hatten, dann aber vertrieben wurden.


Oben auf der Festung wiegen sich ein paar Bäume im Wind. Es ist still und friedlich. Von hier hat man einen Blick über das braun-gelbliche Häuser-Meer, in dem man ein paar grüne Baumkronen und weiße Minarette sieht.


Die ersten Flüchtlinge kommen zurück

Wir reisen auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums vier Tage durch Syrien. Man will uns zeigen, dass die Flüchtlinge wieder nach Syrien zurückkehren, dass im Land der Wiederaufbau beginnt, dass in Fabriken wieder produziert und in Schulen wieder unterrichtet wird.


Wir starten in Damaskus. Gleich nach unserer Ankunft erklärte der syrische Minister für munizipale Selbstverwaltung, Husein Machljuf, auf einer Pressekonferenz, 1,7 Millionen Flüchtlinge in Europa hätten den Wunsch geäußert, in ihre Heimat zurückzukehren.


Besonders viele Rückkehrwillige gäbe es in der Türkei, dem Libanon und in Deutschland.


Um uns zu zeigen, dass es Rückkehrer gibt, fährt man uns nach der Pressekonferenz zum Dorf Jdeidat Yabous. Das liegt an der syrisch-libanesischen Grenze. Dort gibt es einen Grenzkontrollpunkt. Ärzte und Psychologen in weißen Kitteln haben sich hinter Klapptischen aufgestellt. Ein Erste-Hilfe-Wagen der Welthungerhilfe steht bereit. Jugendliche schwenken syrische und palästinensische Flaggen. Und da kommen sie endlich, die Rückkehrer.


Man sieht sechs mit Assad-Porträts geschmückte Omnibusse, gefolgt von Lastwagen, auf denen Matratzen und andere Möbel festgezurrt sind.


Als die Türen der Busse aufgehen, kommen vor allem Frauen mit ihren Kindern, aber wenig Männer heraus. Einzelne Rückkehrer bitten die Ärzte um medizinische Hilfe. Unter freiem Himmel wird der Blutdruck gemessen, in den Mund geguckt, Medikamente werden ausgegeben.


Ein russischer Sprecher des örtlichen Komitees für Flüchtlingsrückkehr erklärt uns, seit Anfang August seien über den Grenzkontrollpunkt Jdeidat Yabous 2.500 Flüchtlinge nach Syrien zurückgekehrt.

 


Eine syrische Frau und ihr Kind kehren in ihr Heimatland zurück. Im Arm hält sie ehrwürdig ein Porträt des Präsidenten Assad. (Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)


Am zweiten Tag fahren wir weiter südlich, zu einem Kontrollpunkt an der syrisch-jordanischen Grenze.


Das gleiche Bild: empfangsbereite Ärzte, Psychologen, Jugendliche mit Flaggen und freundlich lächelnde Grenzbeamte in weißen Hemden. Der Gouverneur der Grenz-Provinz hält eine flammende Rede, in der er beschreibt, wie wichtig die Rückkehrer für Syrien sind. Doch diesmal kommt kein einziger Bus, noch nicht mal ein Auto aus Jordanien nähert sich. Warum? Der Gouverneur hat keine Erklärung.


Ein syrischer Dolmetscher erklärt mir mit leiser Stimme, bestimmte Kreise in Jordanien seien daran interessiert, dass die Flüchtlinge in Jordanien bleiben, denn mit den Flüchtlingen ließe sich „viel Geld verdienen“. Gemeint sind offenbar die Finanzhilfen westlicher Staaten für die Flüchtlingshilfe.


Damaskus hofft auf Deutschland

Als auf der schon erwähnten Pressekonferenz ein deutscher Journalist fragt, ob denn in Syrien die Sicherheit für die rückkehrwilligen Flüchtlinge gewährleistet sei, weicht Minister Machljuf der Frage aus und sagt, er wollte sich über den Journalisten „an die deutsche Regierung wenden, welche die einseitigen Sanktionen (gegen Syrien) unterstützt“.


Diese Sanktionen müssten fallen, wenn Syrien wieder auf die Beine kommen soll. Die USA hätten die westlichen Regierungen zu diesen Sanktionen gezwungen. Die Syrer seien sehr aktive Menschen. Es müssten nur die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit geschaffen werden.
Nach Aussagen des Ministers sind bisher 3,5 Millionen Flüchtlinge in ihre Heimatorte zurückgekehrt.


Der Rückstrom betreffe die ländliche Gegend von Latakia, den östlichen Teil von Aleppo, die Städte Guta, Homs und Gebiete im Süden des Landes.


Nicht alle Schulen können wiederher­gestellt werden

Eine der wichtigsten und gigantischsten Aufgaben der syrischen Regierung ist die Wiederinbetriebnahme von Schulen und Universitäten. Viele Kinder haben während des siebenjährigen Krieges keine Schule besucht. Für sie wird jetzt ein besonderes Programm entwickelt, berichtet Bildungsminister Chasvan al-Vas, der vor einer Schule in Ost-Guta, einem Vorort von Damaskus, eine feierliche Rede zum baldigen Schulbeginn hält.


Die Schule, vor der er steht, wird gerade renoviert. Schüler spachteln die Wände glatt und Bauarbeiter tragen Bauholz durch die von Staub überzogenen Gänge.

 


Schulkinder in einem Vorort von Damaskus. (Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)

 


Der Minister erklärt, 1.000 Schulen seien mit Hilfe von syrischem und russischem Militär renoviert worden. Viele Schulen seien aber so stark zerstört, dass eine Wiederherstellung nicht in Frage komme.


Trotzdem gibt sich Chasvan al-Vas zuversichtlich, dass die im neuen Schuljahr erwarteten fünf Millionen Schüler und Schülerinnen unterrichtet werden können. Notfalls werde man im Schichtsystem unterrichten. Es seien zusätzlich zu den 300.000 vorhandenen Lehrern 30.000 neue Lehrkräfte eingestellt worden und neue Schulbücher gedruckt worden.


Betongerippe und volle Cafés

Überall wo wir hinkommen, das gleiche bedrückende Bild. In Ost-Guta, Homs und Aleppo fahren wir oft hunderte Meter, manchmal auch zwei Kilometer an zerbombten Wohn- und Geschäftshäusern vorbei. Von den in einfacher Stahl-Beton-Bauweise errichteten Häusern stehen oft nur noch die Gerippe. Mit Grauen stelle ich mir vor, wie hart hier gekämpft wurde.


Als wir Aleppo abends nach Sonnenuntergang verlassen, ist das Bild widersprüchlich. Die Geschäfte im Erdgeschoss der Wohnhäuser sind hell erleuchtet, die Kundschaft geht ein und aus. Doch in den oberen Etagen sieht man kaum Lichter. Der uns begleitende russische General-Major meint, die Menschen gingen früh schlafen. Außerdem sei während des Krieges viel von der elektrischen Infrastruktur gestohlen worden. Deshalb die Dunkelheit.


Ich hoffe, dass der Mann Recht hat. Sicher bin ich mir nicht. Doch man trifft in den Städten nicht nur auf Betongerippe und eingestürzte Wände.


Als wir an einem Abend die Stadt Homs verlassen, traue ich meinen Augen nicht. Die Straßen in den unversehrten Stadtteilen sind voller Menschen. Man sieht viele Frauen mit weißen Hidschabs. Sie flanieren mit ihren Freundinnen oder sitzen in Cafés, so als ob es das Normalste der Welt sei, in einer Stadt, die zu großen Teilen in Trümmern liegt, auszugehen.


Bauteile aus dem Ausland

In Syrien gibt es Industriebetriebe, die mit voller Kraft produzieren. In der Stadt Adra besuchen wir eine Fabrik, in der Frauen in rosa Kitteln und weißen Kopftüchern an halbautomatischen Maschinen Eis am Stiel produzieren.


Der Direktor erzählt, man produziere eine Million Stück am Tag. Die Fabrik habe auch während des Krieges gearbeitet. In Adra besuchen wir auch eine Kabel- und eine Transformatoren-Fabrik. Die Rohstoffe und viele Einzelteile für die Produktion beziehen die Fabriken aus dem Ausland, unter anderem aus China, sagen uns die Leiter der Fabriken.


Wenn man über Land fährt, sieht man, wie dringend neue Starkstromkabel benötigt werden. An vielen Stellen hängen zerrissene Kabel von den Hochspannungsmasten.


In der Industriezone der Stadt Aleppo besuchen wir eine Spinnerei der Firma Alfais mit 150 Beschäftigten. Die modernen Maschinen, die wir in der Fabrik sehen, kommen alle aus Deutschland. Wie es denn bei den Sanktionen mit Ersatzteilen aussieht, will ich vom Direktor wissen. Man habe seit 2014 keine Ersatzteile mehr aus Deutschland bezogen, lautet die Antwort. Ersatzteile würden jetzt in Syrien selbst hergestellt.

 


Eine Spinnerei im Industriegebiet von Aleppo. (Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)

 


Zwischen den Provinzen Homs und Hama besichtigen wir eine wiederhergestellte, vierspurige, 83 Meter hohe Brücke, die 2012 von Aufständischen zerstört wurde und Umwege von 150 Kilometern erzwang. Die Kosten für die Wiederherstellung der Brücke und für den Bau von 25 Kilometern Straße in Höhe von 45 Millionen Dollar hat die syrische Regierung übernommen, berichtet uns der Gouverneur von Homs bei einem Presse-Briefing auf dem wieder in Betrieb genommen Bauwerk.


Russische Militärpolizisten kooperieren mit UN-Soldaten

Am zweiten Tag unserer Reise besuchten wir nicht nur die syrisch-jordanische Grenze sondern auch die Golan-Höhen, genauer gesagt die entmilitarisierte Zone, in der UN-Beobachter seit 1974 den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien überwachten, 2014 aber wegen des Krieges in Syrien von ihren Beobachtungsposten abzogen.


In der Nähe des syrischen Dorfes Tal Kroum betrat ich auf einer Anhöhe einen der früheren Aussichtspunkte der UN-Beobachter. Die Sonne schien mit aller Kraft, doch auf dem Berg wehte ein leichter Wind, so dass die Temperatur noch angenehm war. Auch die Sicht war gut. Am Horizont sah ich den Teil der Golan-Höhen, den Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 annektiert hat.

 


Ehemaliger UN-Beobachter Aussichtspunkt, mit Blick auf die Golan-Höhen.
(Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)

 


Welch wichtige Rolle Russland in Syrien spielt, wird in dieser Grenzregion besonders deutlich. Erst vor einem Monat hat die syrische Armee den syrischen Teil der Golan-Höhen von Kämpfern der Nusra-Front befreit.


Für die Sicherheit in der Grenzregion ist jetzt neben der syrischen Armee auch die russische Militärpolizei verantwortlich. Der Leiter der russischen Militärpolizei in Syrien, General Sergej Kuralenko, erklärt, Russland werde die UN-Beobachtungspunkte in der entmilitarisierten Zone vor den Golan-Höhen den UN-Beobachtern übergeben.


Die russische Flagge sei für die Bewohner der Region eine Garantie, „dass in der Region jetzt für immer Frieden herrscht“.


Anfang August fuhren UN-Beobachter und russische Militärpolizei in der entmilitarisierten Zone bereits gemeinsam Patrouille. Die UN-Beobachter reisten von Syrien aus an.


Russland und Syrien haben nicht nur den Weg für die UN-Beobachter in der entmilitarisierten Zone vor den Golan-Höhen freigemacht.


Dabei werden die Interessen von Israel berücksichtigt. Israel hatte erklärt, es werde keine Präsenz iranischer Truppen an der israelischen Grenze dulden. Moskau hatte daraufhin mit Teheran gesprochen. Schließlich gab der Syrien-Beauftragte des russischen Präsidenten, Aleksandr Lawrentjew, Ende Juli in Sotschi bekannt, die iranischen Truppen würden sich aus dem Gebiet vor der israelischen Grenze zurückzuziehen. 85 Kilometer vor der Grenze Israels gäbe es jetzt keine iranischen Waffen mehr, welche „eine Gefahr für Israel sein könnten“.


Versöhnung – Keiner wird ausgeschlossen

Bei allen Gesprächen mit Regierungsvertretern und örtlichen Beamten wird uns gesagt, dass man keinen Syrer ausschließen will. Die früheren Kämpfer seien aufgerufen sich in das zivile Leben einzugliedern.


In 2.500 Orten haben Befriedungskommissionen unter russischer Leitung Abkommen mit den ehemaligen Aufständischen geschlossen. Diese Abkommen garantieren ehemaligen Aufständischen eine Amnestie, wenn sie einwilligen, sich ins Zivilleben zu integrieren.


Wie es überhaupt möglich war, die Radikal-Islamisten, die jahrelang bis zum Letzten gekämpft haben, zur Aufgabe zu überreden? Die Kämpfer hatten keine andere Wahl. Sie waren vollständig besiegt.


Der unsere Reisegruppe begleitende russische Generalmajor Igor Konaschenkow nennt noch einen anderen Grund. Viele der Aufständischen seien vom IS gezwungen worden zu kämpfen. Nur wer kämpfte habe Nahrungsmittel erhalten.


Ein junger russischer Offizier aus Moskau erzählt mir bei einem Abendessen in einem schönen Freiluft-Restaurant in Damaskus, wie die Verhandlungen mit den Aufständischen geführt wurden. Die Aufständischen hätten die Bedingung gestellt, dass die erste Person, die sie nach der Kapitulation empfängt, ein Russe ist. Den Russen hätten sie mehr getraut, als ihren eigenen Landsleuten.


Den Kämpfern, die sich ergeben haben, erlaubte man, bei der Überführung per Bus in die Region Idlib im Nordwesten des Landes eine Kalaschnikow und Munition mitzunehmen. Die Mitnahme einer Waffe sollte den Abziehenden das Gefühl der Sicherheit geben.


Einige der Kämpfer und sogar einige ihrer Kinder hätten bei der Kapitulation Gürtel mit Sprengstoff getragen, erzählt der Offizier. Offenbar hätten diese Leute vorgehabt, sich bei einem Bruch der versprochenen Abzugs-Garantien in die Luft zu sprengen.


Großer Andrang beim Zelt mit den russischen Ärzten

Das Verhalten der russischen Militärpolizisten und Mediziner in dieser muslimischen Region ist souverän. Als wir am dritten Tag einen kleinen Ort in der Region Homs besuchten, sah ich, wie ein russischer Arzt in einem Erste-Hilfe-Zelt eine Frau in einem schwarzen Nikab beriet. Die Frau hatte ihren Sohn mitgebracht. Der Arzt hörte den Jungen ab, untersuchte mit Hilfe eines Holzspatels seinen Rachenraum und diagnostizierte: Angina.


Die Unterhaltung zwischen Patient, Mutter und Arzt, bei der ein Dolmetscher half, lief ungezwungen. Die Schwarzverschleierte zog mit einem ganzen Arm voll Medikamenten ab.


Nicht weit von dem Zelt der Ärzte standen über Hundert Menschen, fast ausschließlich Männer, die aufgeregt riefen. Sie alle hofften auf die kostenlose Behandlung in dem Zelt, welches nur selten in dem Ort aufgeschlagen wird.


Damit es nicht zu Unruhen kommt, hatten russische Militärpolizisten das Zelt mit den Ärzten abgesperrt. Ein Drittel der Militärpolizisten kommen aus dem russischen Nordkaukasus. „Sie haben wenig Probleme mit der syrischen Sprache“, sagt Aleksandr, ein russischer Offizier, der unsere Gruppe begleitet.
Der Militärdienst ist bei kaukasischen Männern hoch angesehen, mit Waffen umzugehen liegt ihnen im Blut. Und ein Auslandseinsatz bringt Ansehen in der Heimat und ein Einkommen. 2.000 russische Soldaten seien zurzeit in Syrien stationiert. Ein großer Teil davon seien Militärpolizisten, erklärte mir General-Major Konaschenkow.


Syrien erwartet, dass der Westen beim Wiederaufbau hilft. Doch bisher gibt es kaum Anzeichen, dass der Westen seine Haltung zu dem vom Krieg geschundenen Land ändert.


Unübersehbar ist, dass Russland der wichtigste Verbündete von Syrien ist. Man trifft nicht nur häufig auf russische Militärpolizisten. Oft sieht man an den Straßen auch Porträts von Putin oder große Plakatwände auf denen sich die Präsidenten Putin und Assad die Hand schütteln.


90 Prozent der Hilfe für Syrien während des Krieges kam von Russland und dem Iran, berichtete auf der erwähnten Pressekonferenz der stellvertretende syrische Außenminister Feisal Mikdad. Nur zehn Prozent der Hilfe kamen über UN-Organisationen und NGOs aus westlichen Ländern.


Dagegen seien die bewaffneten Aufständischen von „reichen Ländern“ mit 137 Milliarden Dollar unterstützt worden. Der Minister erklärte, man brauche dringend Wiederaufbauhilfe. Man werde aber keine Hilfe annehmen, „die an Bedingungen geknüpft ist“.


Drohnen über dem Flughafen von Latakia

Wir hörten in Syrien weder Geschützdonner noch Schüsse. Doch es gibt immer noch Gefahren. Am vierten Tagen zeigte uns General Konaschenkow auf dem Flughafen von Latakia die Überreste von zwei Leichtbau-Drohnen aus Holz und Hartschaum, welche die russische elektronische Abwehr zur Landung gezwungen hatte.


Die Drohnen von eineinhalb Meter Größe sahen wie die Arbeiten von Hobby-Bastlern aus. Diese Fluggeräte seien sehr gefährlich, denn sie würden auch Sprengstoff tragen, erklärte der General.

 


Überreste einer eineinhalb Meter großen Leichtbau-Drohne auf dem Flughafen in Latakia. (Foto: Ulrich Heyden, CC BY SA 4.0)

 


Allein im vergangenen Monat seien 45 Drohnen über den Flughafen von Latakia geortet worden.


Die Drohnen seien nicht nur eine Bedrohung für Syrien, sondern „für die gesamte zivilisierte Welt“, denn offenbar gäbe es Baupläne, die es Bastlern ermöglichen, diese gefährlichen Geräte herzustellen.


Wenn man heute durch Syrien fährt, spürt man, dass es im ganzen Land ein strenges Sicherheitskonzept gibt. An allen Ortseingängen und Kreuzungen stehen Posten der syrischen Streitkräfte, die gegen möglichen Beschuss geschützt in kleinen Unterständen aus Beton ihren Dienst versehen. Die Kontrollpunkte sind mit Porträts von Präsident Assad und syrischen Flaggen geschmückt.


Im Kofferraum unserer Busse lagen Helme und schusssichere Westen bereit. Doch während der ganzen Reise haben wir sie kein einziges Mal benutzen müssen.


Wir genossen den Blick auf die rote syrische Erde, dazwischen tauchten manchmal grüne Erdnussfelder und Pfirsichplantagen auf. Und immer wenn unsere Busse durch ein Dorf fuhren, blieben die Passanten stehen und guckten mit erstaunten aber freundlichen Gesichtern.

 

 

Dieser Text wurde zuerst am 25.08.2018 auf www.rubikon.news unter der URL <www.rubikon.news/artikel/der-geschmack-des-friedens> veröffentlicht. Lizenz: Ulrich Heyden

Für den Inhalt der einzelnen Artikel sind die jeweils benannten Autoren verantwortlich. Die Inhalte der Artikel und Kommentare spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Quellen

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Ulrich Heyden

Jahrgang 1954, ist seit 1992 freier Korrespondent in Moskau. Er arbeitet für den Freitag, Telepolis und RT Deutsch. Von 2001 bis 2014 war er Korrespondent der Sächsischen Zeitung. Parallel arbeitete er für einen Pool deutschsprachiger Zeitungen, unter anderem für die Salzburger Nachrichten, Die Presse, Aargauer Zeitung, Südostschweiz, Mittelbayerische Zeitung, Südkurier. Er ist Mitautor des Buches „Opposition gegen das System Putin“, Autor des Buches „Ein Krieg der Oligarchen. Das Tauziehen um die Ukraine“ und Co-Regisseur des Films „Lauffeuer“ über den Brand im Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014. Er kommentiert in russischen Fernseh- und Radio-Sendungen politische Ereignisse in Deutschland.

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