Krisen inszeniert?
22 Mrz 2016
Die Eroberung Europas durch die USA
Offensichtlich können Kritiker, die sich gegen Kriegsvorbereitungen und die Erosion demokratischer Verhältnisse wenden, über die Ukraine-Krise, Aggressionen der westlichen Allianz gegen Russland, Spionagetätigkeit der NSA, über Lügen von Politikern oder falsche Medienberichterstattung schreiben, was sie wollen – es hat kaum Auswirkungen. Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea (Bradley) Manning können aussagen und beweisen, was sie wollen – alles bleibt wie es war: Verschleierung, Lügen, Hetze, Provokationen, Kriegsgefahr, regionale Krisen und Kriege.
Profilbild von Wolfgang Bittner
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Natürlich konnte man Snowden, Assange und Manning nicht völlig verschweigen. Aber das Interesse der Medien hielt sich in engen Grenzen, nachdem sich die erste Empörung gelegt hatte. Und die meisten Politiker waren und sind den Whistleblowern nicht gerade positiv gesonnen, weil sie – abgesehen von Geheimnisverrat – gegen die US-amerikanische Staatsräson verstoßen haben und weil die US-Regierung wie auch deren Geheimdienste erpresserischen Druck auf jeden ausüben, der ihnen nicht zu Diensten ist.

 

Überdies paktieren nicht wenige der führenden Politiker und Journalisten ohnehin mit Organen der USA. Das ist unglaublich, wurde jedoch mehr als einmal öffentlich, zum Beispiel als im Juli 2013 mehrere europäische Staaten einem aus Moskau kommenden Flugzeug auf Veranlassung der USA die Überflugrechte verweigerten. Es handelte sich um die Maschine eines Staatsoberhauptes, nämlich des bolivianischen Präsidenten Evo Morales, die zu einer Landung in Wien gezwungen und kontrolliert wurde, weil die US-Regierung Edward Snowden an Bord vermutete – ein eklatanter Verstoß gegen internationales Recht.(1) Doch der Aufschrei in der internationalen Öffentlichkeit, geschweige denn in der Politik, blieb aus.

 

Der polnisch-US-amerikanische Politikwissenschaftler und Regierungsberater Zbigniew Brzezinski, der 1997 in seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ die geopolitische Strategie der USA nach dem Untergang der Sowjetunion entwickelt hat, schrieb seinerzeit:

„Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann.“(7)

Man kann gar nicht so viel Verschwörungsphantasie haben, wie die kriminellen Verschwörer der Geheimdienste und deren Agenturen an Verschwörungen realisieren. Doch das alles bleibt im Dunkeln, weil viele einflussreiche Politiker und Journalisten Organisationen und Think Tanks nahestehen oder angehören, die etwa vom US-Außenministerium, der CIA oder sonstigen interessierten Vereinigungen und Konzernen initiiert und finanziert werden – im Ergebnis werden diese Verbrechen verschwiegen oder gar billigend in Kauf genommen.(2)

 

Inzwischen kann auch als erwiesen gelten, dass die Ukraine-Krise durch die USA und EU inszeniert wurde, um des Weiteren gegen Russland vorgehen zu können. Zu Recht warf der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, den USA und der NATO vor, die europäische Sicherheitsstruktur durch die Erweiterung des westlichen Verteidigungsbündnisses zerstört zu haben. In einem Gespräch mit dem Spiegel warnte er vor einem „großen Krieg“ in Europa, der „heute wohl unweigerlich in einen Atomkrieg münden“ würde.(3) „Wenn angesichts dieser angeheizten Stimmung einer die Nerven verliert“, sagte Gorbatschow, „werden wir die nächsten Jahre nicht überleben.“(4) Die deutsche Ostpolitik verurteilte er mit den Worten: „Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg schon einmal versucht, seinen Machtbereich nach Osten zu erweitern. Welche Lektion braucht es noch?“(5) Und dem US-Präsidenten Obama, der Russland in einem Atemzug mit der Ebola-Epidemie als Gefahr bezeichnet hatte, entgegnete er: „Es gibt heute eine große Seuche – und das sind die USA und ihr Führungsanspruch.“(6)

 

In der Tat zeichnet sich mehr und mehr die Strategie der westlichen Allianz unter Führung der USA ab, Russland als Machtfaktor in der internationalen Politik auszuschalten und durch Wirtschaftssanktionen, Beeinflussung der Kapital- und Energiemärkte sowie die aufgebürdeten Kosten für Nachrüstung zu ruinieren. Ganz offensichtlich ist das Ziel, Osteuropa einschließlich Russland den westlichen Kapitalinteressen aufzuschließen und den imperialen Zielen der USA unterzuordnen. Wer sich nicht beugt, wird bekanntlich entweder bombardiert oder ruiniert.

Antiamerikanismus? – Nein, es gibt keine kollektive Identität! Immer mehr Menschen wenden sich mit dem Recht der an dieser furchtbaren Politik Verzweifelnden gegen die Zerstörung von Ländern durch die USA, gegen Kriegshetze, Militarisierung und Aufrüstung, gegen Totalüberwachung durch die NSA, Drohnenmorde, Folter, Mediennetzwerke zur Indoktrinierung ganzer Bevölkerungen usw. Antiamerikanismus? Das ist ein offensichtlich vom CIA geprägter Kampfbegriff, ebenso wie zum Beispiel „Verschwörungstheorie“ oder die Totalitarismus-Theorie (Rechts = Links) oder seit neuestem „Putinversteher“, „Querfrontler“ und „moskauhörig“.

 

Der polnisch-US-amerikanische Politikwissenschaftler und Regierungsberater Zbigniew Brzezinski, der 1997 in seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ die geopolitische Strategie der USA nach dem Untergang der Sowjetunion entwickelt hat, schrieb seinerzeit:

 

„Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann.“(7)

 

Für die einzige Supermacht USA sei – so Brzezinski – Eurasien „das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird“.(8) In diesem Kontext ist auch die Äußerung Henry Kissingers am 2. Februar 2014 in einem CNN-Interview zu sehen, wonach der Regime Change in Kiew sozusagen die Generalprobe für das sei, „was wir in Moskau tun möchten“.(9)

 

Eine Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland
| ...der Alptraum der USA

Die USA haben es geschafft, Europa wieder zu spalten, die über Jahre hinweg sich verbessernden Handelsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland zu unterbrechen und eine akute Kriegsgefahr in Europa heraufzubeschwören. Das alles hat Methode, wie der Rede eines der Bellizisten der Republikaner, George Friedman, zu entnehmen ist. Er ist Direktor des US-Think Tanks STRATFOR (Strategic Forecasting Inc.) und sagte am 4. Februar 2015 am Chicago Council on Global Affairs: Ziel der US-Politik seit einem Jahrhundert sei gewesen, ein Bündnis zwischen Russland und Deutschland zu verhindern.   In Übersetzung: „Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg, waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Weil sie vereint die einzige Macht sind, die uns bedrohen kann. Unser Hauptziel war, sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt.“(10)   Und Friedman nochmals: „Für die Vereinigten Staaten ist die Hauptsorge, dass … deutsches Kapital und deutsche Technologie sich mit russischen Rohstoff-Ressourcen und russischer Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbinden, was die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern suchen. Also wie kann man das erreichen, dass diese deutsch-russische Kombination verhindert wird? Die USA ist bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: Das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem Schwarzen Meer. … Der Punkt bei der ganzen Sache ist, dass die USA ein „Cordon Sanitaire“, einen Sicherheitsgürtel um Russland herum aufbauen.“(11) Weiter stellt Friedman fest: „Die Vereinigten Staaten kontrollieren aus ihrem fundamentalen Interesse alle Ozeane der Welt. Keine andere Macht hat das jemals getan. Aus diesem Grund intervenieren wir weltweit bei den Völkern, aber sie können uns nicht angreifen. Das ist eine schöne Sache.“(12)

 

Wenn wir diese Hybris, wie auch die Aussagen von Brzezinski und Kissinger zur Kenntnis nehmen, brauchen wir uns über nichts mehr zu wundern. Die amtierenden Politiker Europas machen das mit, unterstützt von den Leitmedien. Der niederländische Publizist und Politikwissenschaftler Karel van Wolferen spricht in diesem Zusammenhang von Atlantizismus als einem „europäischen Glauben“ und „Kind des Kalten Krieges“, der es Washington ermöglicht, „unerhörte Dinge“ zu tun, ohne deswegen gemaßregelt oder womöglich in Frage gestellt zu werden.(13) Aber natürlich spielt bei allem der sogenannte militärisch-industrielle Komplex eine ausschlaggebende Rolle, es geht letztlich um Kapitalinteressen und die globale Vorherrschaft.

Demagogie

Am 17. Februar 2015 lief im ZDF zur besten Sendezeit ein Film über den russischen Präsidenten: „ZDFzeit: Mensch Putin!“(14) Vorgeführt wurde ein KGB-Mann mit stechenden Augen‚ “machtbesessen und zu jedem Risiko bereit“, ein geschiedener, hinterhältiger Taktiker, unberechenbar, mal in Uniform, mal mit nackter Brust. Putin, der „Triumphator“, der nur eins fürchtet, „seine Entmachtung und Ermordung“. Die Sowjetunion wolle er reanimieren, so war zu erfahren, als KGB-Offizier in Dresden habe er seinen „KGB-Schlüsselbund“ verloren und wahrscheinlich sei er für einen tschetschenischen Terrorakt in Moskau verantwortlich. 45 Minuten Unterstellungen, Vermutungen, Albernheiten und Häme, angekündigt als Dokumentation.

Wieder einmal wurde dem geneigten Fernsehpublikum eines dieser gehässigen Bilder Wladimir Putins geboten, weitab von einer auch nur halbwegs sachlich-informativen Berichterstattung. Aber solche Schäbigkeiten finden sich fast täglich in unseren Presseerzeugnissen und in zahlreichen anderen Fernsehsendungen, sogar in dem viel gesehenen ZDF-heute-journal. Moderiert von Claus Kleber wurde uns beispielsweise am 9. Februar 2015 zuerst ein brennendes Haus in Donezk gezeigt, dann eine weinende Frau und verzweifelte Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, danach rollte ein Panzer der Separatisten ins Bild, (15) als ob sie ihre eigenen Häuser zerstörten, ihre Städte in Grund und Boden bombten. Anschließend ging es um Waffenlieferungen der USA an die Kiewer Ukraine. Eine der vielen üblichen Manipulationen.

 

Auch in der ARD läuft derartige Propaganda. Dort berichtet, zusätzlich kommentiert von dem offensichtlich befangenen Moderator Thomas Roth, des Öfteren die voreingenommene Korrespondentin Golineh Atai über die Ukraine-Krise und den angeblichen Aggressor Russland.(16) Die Journalistin, deren tendenziöse Berichterstattung von zahlreichen Zuschauern kritisiert worden ist, wurde von der Branchenzeitschrift „medium magazin“ für „herausragende Berichterstattung“ über die Ukraine-Krise als Journalistin des Jahres 2014 ausgezeichnet.(17) Im Oktober 2014 erhielt sie dann noch den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für ihre „Tugend der persönlichen Zurückhaltung, der akribischen Ernsthaftigkeit und des unbedingten Willens zur Aufklärung“.(18) Einer der vielen Skandale!

 

Der Kiewer Bürgermeister und ehemalige Boxer Vitali Klitschko, der bereits im September 2014 mit dem fragwürdigen M 100 Media Award ausgezeichnet wurde, erhielt am 23. April noch den von der Stadt Köln verliehenen Konrad-Adenauer-Preis für sein „beispielloses Engagement für Frieden und Demokratie in der Ukraine“.(19) Es ist unfassbar, was sich Vertreter der Medien und Politiker leisten. Klitschko und Atai, Roth und Kleber und wie sie alle heißen: die Leuchttürme unserer Demokratie, Meinungsfreiheit und Medienberichterstattung?

 

Quellen:

(1) fab/kgp/AFP/dpa/Reuters: Evo Morales: Präsidentenjet verlässt Wien nach Zwölf-Stunden-Stopp, 3.7.2013, zit. n. http://www.spiegel.de/politik/ausland/morales-flugzeug-in-wien-gestoppt-snowden-nicht-an-bord-a-909146.html (18.7.2015). (2) Siehe dazu u.a. die Untersuchungen der Wissenschaftler Uwe Krüger („Meinungsmacht“) und Daniele Ganser („Nato-Geheimarmeen in Europa“) a.a.O. (3)Michail Gorbatschow, zit. n.: Spiegel Online, Gorbatschow über Ost-West-Beziehungen: “Der Vertrauensverlust ist katastrophal“, 11.1.2015, <http://www.spiegel.de/politik/ausland/gorbatschow-warnt-vor-grossem-krieg-in-europa-a-1012201.html> (18.7.2015). (4) Michail Gorbatschow a.a.O. (5) Michail Gorbatschow a.a.O. (6) Michail Gorbatschow, zit. n.: Deutsche Wirtschafts Nachrichten,Gorbatschow: Die Welt steht am Abgrund eines großen Unglücks“, 6.10.2014, <http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/06/gorbatschow-die-welt-steht-am-abgrund-eines-grossen-ungluecks/> (18.7.2015). (7) Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht, 7. Aufl., 320 S., Fischer, Frankfurt am Main 2003, S. 15. (8) Zbigniew Brzezinski, a.a.O. S.16. (9) Henry Kissinger, zit. n.: Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, Kiew: Generalprobe für Moskau, <http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20079> (26.02.14). Siehe auch: Henry Kissinger, <https://www.youtube.com/watch?v=yo5_ct7R6Ng> (17.8.2015). (10) George Friedman, zit. n.: <https://www.youtube.com/watch?v=vln_ApfoFgw> (17.03.15). (11) George Friedman, a.a.O. (12) George Friedman, a.a.O. (13) Karel van Wolferen a.a.O. (14) Michael Renz, Mensch Putin!, ZDFzeit, 17.02.2015, <http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2341864/Mensch-Putin!> (29.05.2015). (15) ZDF-heute-journal, 09.02.2015, <http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2339326/ZDF-heute-journal-vom-09.-Februar-2015#> (10.02.15). (16) Ulrich Gellermann, Virtuelle Realität. Die Ukraine-Berichterstattung von ARD und ZDF, junge Welt, 19.07.2014, <http://www.jungewelt.de/2014/07-19/002.php> (24.09.2014). (17) Medium:online, Die „Journalistin des Jahres“ 2014: Golineh Atai, WDR/ARD, <http://www.mediummagazin.de/aktuelles/die-journalistin-des-jahres-2014-golineh-atai-wdrard/> (23.7.2015). (18) Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, Pressemitteilung 2014, <http://www.hanns-joachim-friedrichs.de/index.php/pressemitteilung-2014.html> (23.7.2015). (19) Stadt Köln, Konrad-Adenauer-Preis 2015 geht an Vitali Klitschko, 9.12.2015, <http://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/konrad-adenauer-preis-2015-geht-vitali-klitschko> (23.7.2015). Dieser Text wurde zuerst am 26. Februar 2016 auf KenFM unter der URL <https://kenfm.de/die-eroberung-europas/> veröffentlicht (Lizens: KenFM)

Profilbild von Wolfgang Bittner

Wolfgang Bittner

Wolfgang Bittner wuchs in Ostfriesland auf und lebt als freier Schriftsteller in Göttingen. Nach dem Abitur (auf dem zweiten Bildungsweg 1966) studierte er Rechtswissenschaft, Soziologie und Philosophie in Göttingen und München. Ende 2014 äußerte Bittner massive Kritik am außenpolitischen Vorgehen der USA und Deutschlands am Beispiel der Krise in der Ukraine. Dabei kritisierte Bittner die Berichterstattung deutscher Leitmedien, die die Beteiligung von Neonazis an der neuen Regierung kaum problematisiere und stattdessen Russlands Präsident Wladimir Putin dämonisiere.

http://www.wolfgangbittner.de
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