Medienkritik:
27 Mrz 2017
Die Neue Weltordnung der Medien
In wenigen Monaten hat sich der Inhalt der nationalen und internationalen Medien im Westen tiefgreifend verändert. Wir wohnen der Geburt einer Entente bei, von der wir weder die ursprünglichen Initiatoren, noch die wirklichen Ziele kennen, deren unmittelbare Auswirkungen gegen die Demokratie wir aber unmittelbar beobachten.
Profilbild von Thierry Meyssan
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Foto: Pixabay, CC0

Der Westen geht durch eine beispiellose System-Krise: Mächtige Kräfte richten in zunehmendem Maße die Gesamtheit aller Medien in eine einzige Richtung. Dazu simultan wandelt sich auch der Inhalt der Medien: Letztes Jahr noch waren sie logisch und versuchten sich in Objektivität. Sie lieferten in sauberer Homogenität eine gemeinsame Widersprüchlichkeit. Inzwischen agieren sie bandenmäßig, gründen ihren Zusammenhalt auf Emotionen und werden bösartig gegenüber allen Individuen, welche sie denunzieren.

Die Idee einer Entente der Medien ist die Fortsetzung des Experimentes des „International Consortium for Investigative Journalism“(ICIJ), welches nicht die Medien vereinigt, sondern, in individueller Ansprache, einzig und allein die Journalisten. Seinen Ruhm hat es sich erworben durch die Veröffentlichung der gestohlenen Buchhaltungs-Daten der beiden Anwalts-Kanzleien der britischen Jungferninseln, der Kanzlei PricewaterhouseCoopers, der HSBC Bank und der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca. Diese Veröffentlichungen wurden in erster Linie dazu benutzt um chinesische und russische Führungskräfte zu diskreditieren, manchmal allerdings auch um Licht in wirkliche Verbrechen von Abendländischen Führungskräften zu bringen. Vor allem hat die tiefgreifende Verletzung des Dienstgeheimnisses der Rechtsanwälte und Banken unter dem rühmlichen Vorwand des Kampfes gegen die Korruption, tausenden Kunden schweren Schaden zugefügt ohne irgendeine Reaktion in der öffentlichen Meinung hervorzurufen.

Bereits seit etwa 40 Jahren ist eine progressive Reorganisation der Medien in internatlonalen Trusts zu beobachten. Aktuell teilen sich 14 gruppen mehr als 2/3 der abendländischen Presse (21st Century Fox, Bertelsmann, CBS Corporation, Comcast, Hearst Corporation, Lagardère Group, News Corp, Organizações Globo, Sony, Televisa, The Walt Disney Company, Time Warner, Viacom, Vivendi). Nichts desto trotz webt die Allianz mit Hilfe von Google Media Labs und First Draft weitere Verbindungen zwischen diesen Gruppen, die bereits eine dominierende Position innehatten. Die Präsenz dieser Entente der drei Haupt-Presse-Agenturen des Planeten (Associated Press, Agence France-Presse, Reuters) sichert ihnen eine hegemonlale Schlagkraft. Es handelt sich ohne Zweifel um eine „illegale Absprache“, nicht getroffen mit dem Ziel einer Preisabsprache, sondern zur Versiegelung der Geister, der Durchsetzung einer bereits dominierenden Gedankenrichtung.

Man kann beobachten, dass - ohne Ausnahme - alle Mitglieder der Goolge-Entente, im Lauf der letzten sechs Jahre, eine eindeutige Vision über die Vorkommnissen im erweiterten Mittleren-Orien abgegeben haben. Es gab unter ihnen vorher eigentlich keine Absprache, oder aber diese wurde nicht bekannt. Es macht stutzig, dass in dieser Entente fünf der sechs internationalen Fernsehsender vertreten sind, die in den NATO-Propagandastab involviert waren (Al-Jazeera, BBC, CNN, France24, Sky).

In den USA, Frankreich und Deutschland, haben Google und First Draft („erster Entwurf“) Medien, die gleichzeitig lokal in diesen Ländern präsent waren und andere mit internationaler Verbreitung zusammengeführt, um den Wahrheitsgehalt von bestimmten Argumenten zu verifizieren. Ausser der Tatsache, dass niemand weiß, wer sich hinter First Draft versteckt und welche politischen Interessen ein auf Informatik spezialisiertes Wirtschaftsunternehmen dazu getrieben hat diese Initiative zu finanzieren, so läßt sich am Ergebnis kein allzu großen Beitrag der Rückkehr zur Objektivität erkennen.

Zunächst weil die verifizierten Beschuldigungen nicht danach ausgewählt wurden, dass sich sich in der öffentlichen Diskussion behaupen können, sondern weil diese von Individuen zitiert werden, welche diese Entente denunzieren möchte. Man kann glauben, dass diese Verifizierungen erlauben würden sich der Wahrheit zu nähern, indessen ganz im Gegenteil: Sie bestärken beim Bürger den Eindruck, dass diese Medien honnett sind, während alle Personen, welche sie denunzieren dies nicht sind. Diese Vorgehensweise zielt nicht darauf ab, die Welt besser zu verstehen, sondern um die Menschen herunter zu holen um sie abzuschlachten.

Weiterhin, weil eine ungeschriebene Regel dieser Medien-Entente will, dass man die Beschuldigungen nur außerhalb der Mitglieder dieser Entente verifizieren kann. Die Mitglieder dieser Entente versagen sich Esprit zu beweisen. indem sie sich untereinander nicht kritisieren. Es geht darum die Idee zu stärken, dass die Welt nur in zwei Teile gespalten ist: „Wir“ - sagen die Wahrheit, „Die Anderen“ - sind Lügner. Diese Vorgehensweise schädigt das Prinzip des Pluralismus, die Vorraussetzung für Demokratie und öffnet weit die Wege zu einer totalitären Gesellschaft. Sie ist nicht neu, denn wir haben sie am Werk gesehen bei der Verschleierung des arabischen Frühlings und der Kriege gegen Libyen und Syrien. Aber zum ersten Mal vergreift sie sich an einem Strom abendländischen Denkens.

Schließlich, weil Beschuldigungen, die niemals als „falsch“ qualifiziert sein werden, auch niemals als Irrtum sondern immer als Lügen eingestuft sein werden. Es geht also a priori darum, „Anderen“ macchaviellische Absichten zuzuweisen um sie zu diskreditieren. Diese Vorgehensweise schädigt die Unschuldsvermutung.

Aus diesem Grund ist die Funktionalität der ICIJ und der von Google und First Draft geschaffenen Entente, gegen die von der Internationalen Organisation der Journalisten (Titre II, articles 2, 4, 5 et 9) angenomme Charta von München gerichtet.

Es ist nicht gleichgültig, dass die irrigen Justiz-Aktionen sich gegen die dieselben Zielscheiben wie die Entente der Medien entwickelt haben. In den USA hat man das Gesetz gegen Hogen ausgegraben um es gegen Trump zu richten, obwohl dieser Text niemals, absolut niemals seit seiner Verkündung vor zwei Jahrhunderten angewandt wurde. In Frankreich hat man das Jolibois-Gesetz eingesetzt gegen politische Tweets von Marine Le Pen, obwohl die Judikative seine Anwendung eingeschränkt hatte auf einige ultra-pornographische und unverpackte Magazine. Nachdem das Prinzip der Unschuldsvermutung ausradiert wurde um die Menschen abzuschlachten, ist es möglich diese unter jedem beliebigen Vorwand anzuklagen. Aktuell müssten die Aktionen, die, im Namen des Gesetzes, gegen Trump’s Team und Marine Le Pen beabsichtigt sind, genauso gegen zahlreiche andere Personen ausgelöst werden, werden es aber nicht.

Im Übrigen reagieren die Bürger nicht mehr, wenn die Entente der Medien selbst falsche Beschuldigungen verbreitet. So hat diese in den USA sich ausgedacht, dass der russische Geheimdienst über kompromittierende Unterlagen gegen Donald Trump verfüge und diesen damit erpresse. Oder in Frankreich hat diese Entente erfunden, dass man eine parlamentarische Assistentin zum Schein anstellen könne und hat diesbezüglich Francois Fillon beschuldigt.

In den USA haben sich die großen und kleinen Medien-Mitglieder dieser Entente in den Präsidenten verbissen. Sie ziehen ihre eigenen Informationen aus abgehörten Telefongesprächen des Trump-Teams, welche die Obama Administration widerrechtlich befohlen hatte. Sie koordinieren sich mit den Richtern, welche sie benutzen um die aktuelle Regierungsarbeit zu blockieren. Es handelt sich ohne Zweifel um ein mafioses System.

Dieselben Medien US und Französisch beharken zwei Kandidaten für die französischen Präsidentschaftswahlen. Francois Fillon und Marine Le Pen. Zum generellen Problem der Medien-Entente fügt sich der irrige Eindruck, dass die Zielscheiben Opfer eine franco-französischen Verschwörung sind, wohingegen der Befehls-Geber us-amerikanisch ist. Die Franzosen stellen fest, dass ihre Medien manipuliert sind, interpretieren zu Unrecht diese Kampagne als gegen die Rechte gerichtet und versuchen ebenfalls zu Unrecht, die Manipulierer im eigenen Land.

In Deutschland ist die Entente noch nicht wirksam und dürfte es erst zu den Wahlen sein.

Zu Zeiten von Watergate haben die Medien gefordert, nach Exekutive, Legislative und Judikative eine „vierte Macht“ zu bilden. Sie haben versichert, dass die Presse, im Namen des Volkes, eine Kontrolle über die Regierung ausübe. Übergehen wir die Tatsache, dass dasjenige, was Präsident Nixon vorgeworfen wurde vergleichbar war mit dem was Obama gemacht hat: Seine Opposition abzuhören. Heute kennt man die Quelle von Watergate, „Tiefer Hals“, weit ab davon ein „Alarmgeber“ zu sein, war in Wahrheit der Direktor des FBI, Mark Felt. Die Verarbeitung dieser Affaire war eine Schlacht zwischen einem Teil der Administration und dem Weißen Haus in welcher die Wähler von beiden Parteien gleichzeitig manipuliert wurden.

Die Idee der „Vierten Gewalt“ unterstellt, daß man den 14 Trusts welche die große Mehrheit der abendländischen Medien halten, dieselbe Legitimität zuerkennt wie den Bürgern. Das heisst aber die Substitution der Demokratie durch eine Oligarchie zu bestätigen.

Bleibt noch ein Punkt der zu erhellen wäre: Wie werden die Ziele der Entente ausgewählt? Die einzige unverkennbare Verbindung zwischen Donald Trump, Francois Fillon und Marine Le Pen ist, dass alle versuchen den Kontakt mit Russland wieder aufzunehmen und mit ihm gegen die Matrix des Djihadismus zu kämpfen: Die Muslim-Brüder. Obwohl Francois Fillon bereits Premierminister einer Regierung war, welche in diese Ereignisse einbezogen ist, so inkarnieren alle drei einen Gedankenstrom, welcher der dominierenden Vision des arabischen Frühlings und der Kriege gegen Libyen und Syrien widerspricht.

Übersetzung Ralf Hesse

Dieser Text wurde zuerst am 18.01.2017 auf voltairenet unter der URL <http://www.voltairenet.org/article195559.html> veröffentlicht. (Lizens: CC BY-NC-ND)

Profilbild von Thierry Meyssan

Thierry Meyssan

Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, lateinamerikanischen und russischen Presse.

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