Kommentar:
09 Dez 2016
Die Wiederkehr des Stupid White Man
Was haben wir zu erwarten von Donald Trump?
Profilbild von Hermann Ploppa
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Die Menschheit hat noch mal eine kleine Galgenfrist eingeräumt bekommen. Mit einer möglichen Präsidentin Hillary Clinton wären folgende Dinge definitiv beschleunigt vorangetrieben worden: die USA wären nunmehr ganz offen in Syrien einmarschiert, um dort eine Marionettenregierung nach ihrem Gusto einzusetzen oder das Land in Ministaaten aufzuteilen (Jugoslawien-Option). Ebenso definitiv wäre der Aufmarsch der NATO an der russischen Westgrenze in eine heiße Phase transformiert worden. Der russische Präsident Putin wäre dann nicht länger in der Lage, mit geradezu buddhistischer Geduld die NATO-Aggressoren als „unsere Partner“ zu bezeichnen. Er müsste in die Vorwärtsverteidigung einsteigen. Was wiederum die Rüstungsspirale des westlichen Militär-Industriellen Komplexes anheizen würde. Das wäre der vom Westen gewünschte Effekt. Der Weg zum nuklearen Endknall wäre unter Clinton dramatisch verkürzt worden.

 

Und Donald Trump? Der nun gewählte Präsident? Nun, der Immobilien- und Medienhai Donald Trump ist für uns alle noch eine Sphinx. Ob er die kriegerische Option wählen wird, ist noch völlig unklar. Seine Widersacher behaupteten, er genösse die Unterstützung Putins. Das ist eher unwahrscheinlich. So einer wie Trump wird sich auch vom Kreml nichts sagen lassen. Und auch nicht vom politischen Establishment in Wa(r)shington. Der superreiche Trump bringt nämlich sein Geld selber mit. Das hat sich oft in der Geschichte der USA als Fluch für die dortige Oligarchie ausgewirkt. Auch Franklin Delano Roosevelt brachte sein Geld für den Wahlkampf selber mit. Und es war schnell klar, dass Roosevelt dem Amok laufenden Turbokapitalismus der frühen 1930er Jahre Bandagen anlegen würde. Schon vor seinem Amtsantritt überlebte Roosevelt einen Attentatsversuch, und 1934 wehrte er mit äußerster Schläue einen Putschversuch ab. John F. Kennedy, ein anderer superreicher Präsident, überlebte einen Attentatsversuch bekanntlich jedoch nicht.

 

Nun kann man den president elected Donald Trump nicht mit Roosevelt und Kennedy vergleichen. Trumps Geschwätz ist menschenverachtend und weitgehend bildungsfern. Die positive Nachricht zu seinem Wahlsieg ist auch nicht, dass er gewählt worden ist. Wir alle wissen nicht, welche Katze im Sack die Bürger der USA da gerade eingekauft haben. Die guten Nachrichten sind folgende:

 

• Die Bürger der USA geben ihr Vertrauen definitiv nicht einer Person wie Hillary Clinton, die keinen Zweifel an ihrer Kriegswilligkeit gelassen hat, während Trump auch mal gesagt hat, er wolle sich erstmal mit Putin treffen und dann entscheiden, wie er mit Russland umzugehen geruht.

 

• Die Bürger der USA haben eindeutig der Oligarchie der USA eine schallende Ohrfeige verpasst. Sollte Trump die Gesellschaft der USA weiter spalten als sie sowieso schon gespalten ist, könnte es passieren, dass die Bürger der USA ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA könnte das Volk tatsächlich der Souverän im eigenen Land werden.

 

• Endlich sind auch für die Friedensbewegung die Fronten wieder klar. Mit Obama einen Mann einer unterdrückten und versklavten Bevölkerungsgruppe in den USA zum obersten Propagandisten des Militär-Industriellen Komplexes zu machen, war ein unglaublich genialer Schachzug. Für Jahre war Ruhe im Karton. Niemand wagte, gegen einen afroamerikanischen Präsidenten so ungeheuerliche Vorwürfe wie Kriegstreiberei vorzubringen. In einem solchen Windschatten konnte in aller Ruhe der Drohnenkrieg in Stellung gebracht werden (Ramstein). Wurde der Rüstungsetat auf neue, bis dato ungekannte Rekordhöhen getrieben. Konnte vor allem der illegale Angriffskrieg der USA gegen souveräne Staaten in Afri­ka massiv vorangetrieben werden. Die Kommandozentrale von AFRICOM befindet sich übrigens in Stuttgart-Möhringen, also in dem formal souveränen Deutschland! Der schmutzige Stellvertreterkrieg gegen Syrien konnte lange Zeit unangefochten durchgezogen werden. Nun ist alles wieder klar: ein rassistischer, frauenfeindlicher ungehobelter Rüpel wird jetzt das Weiße Haus bewohnen.

The Stupid White Man is back!

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Hermann Ploppa

Hermann Ploppa ist Politologe und Publizist. 2014 erreichte Ploppa eine größere Öffentlichkeit mit seinem Buch „Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern. Er hat zahlreiche Artikel über die Eliten der USA veröffentlicht, u.a. über den einflussreichen Council on Foreign Relations. Daneben produzierte Ploppa Features über Sri Lanka und Burma für den Deutschlandfunk.

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