Druschba:
02 Aug 2016
Friedensfahrt Berlin–Moskau kurz vor dem Start
Am 7.8.2016 werden die Friedensfahrer im Rahmen einer Startveranstaltung auf dem Platz des 18. März am Brandenburger Tor verabschiedet. Als Schirmherr steht Willy Wimmer, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a. D.  und von 1994 bis 2000 Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), am Rednerpodium.
Profilbild von Andrea Drescher
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Die Friedensfahrer sind mit gut 50 verschiedenen PKWs, aber auch mit Wohnmobilen, LKWs, Motorrädern und Bus nach Moskau unterwegs.

Der älteste angemeldete Teilnehmer der Friedensfahrt ist am 21. April 1936 geboren, der jüngste im November 2006. Unter den rund 250 Friedensaktivisten, die am 7.8. ihre Reise von Berlin nach Moskau starten werden, ist jede Alters- und Berufsgruppe vertreten. Ob Unternehmensberater, Elektriker, Student, Arbeitsloser, IT-Experte, Sozialarbeiter, ob angestellt oder bereits in Rente – es ist eine sehr bunte Mixtur an Männern und Frauen, die sich auf den Weg macht. Neben Deutschen, Österreichern und Schweizern werden sich auch Franzosen, Israelis, Russen, Ukrainer und US-Amerikaner im Konvoi befinden. Diese Menschen verbindet eines: der Willen, ein deutliches Signal an die Menschen in Russland zu schicken, dass Frieden für sie alternativlos ist.

 

Prominente Unterstützer

Am 7. August 2016 werden die Friedensfahrer im Rahmen einer Startveranstaltung auf dem Platz des 18. März am Brandenburger Tor verabschiedet. Als Schirmherr steht Willy Wimmer, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a. D.  und von 1994 bis 2000 Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), am Rednerpodium.
„Ich halte es für eine großartige Idee, die Friedensfahrt gerade jetzt in dieser kritischen Phase umzusetzen. Leider sind die politischen Zeiten so schwierig, dass eine derartige Aktion notwendig ist“, begründet Willy Wimmer, der schon lange eindringlich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland plädiert, seine Unterstützung. „Ich begrüße ausdrücklich, dass diese Fahrt der guten Nachbarschaft auch die Länder und Völker einbezieht, die man auf dem Weg nach St. Petersburg und Moskau durchquert. Ich wünsche allen eine gute Reise.“


Neben Willy Wimmer und weiteren Sprechern haben sich auch zahlreiche Musiker wie Tino Eisbrenner, Kilez More, die Bandbreite und Photon bereiterklärt, Auftakt- sowie die Abschlussveranstaltung der Friedensfahrt am 21.8. ebenfalls in Berlin, zu unterstützen.


Ambitioniertes 
Unterfangen


Die Strecke führt über Polen, die russische Enklave Kaliningrad, Lettland, Litauen und Estland nach St. Petersburg und Moskau. Zurück verläuft die Route über Weißrussland und Polen, bis der Tross dann am 21.8. wieder in Berlin erwartet wird.


Geschlafen wird in Hostels, Hotels, auf Campingplätzen und – wo immer möglich – in Gastfamilien, die sich bereits sehr freuen, die Menschen aus dem „fernen Deutschland“ bei sich aufzunehmen und aus Fremden Freunde zu machen.


Das Programm, das die Teilnehmer neben der vermutlich nicht ganz anspruchslosen Konvoi-Fahrt durch die verschiedenen an Russland angrenzenden Nato-Länder erwartet, ist äußerst vielfältig.
Konzertbesuche und Begegnungen mit Gesangs- und Tanzgruppen, Kranzniederlegungen und Treffen mit Kriegsveteranen, Pressekonferenzen und Treffen mit Bürgermeistern und Regierungsvertretern gehören ebenso dazu wie ein gemeinsames Grillfest mit den Nachtwölfen, ein Fußballspiel Deutschland – Russland sowie eine Dialogveranstaltung an der Lomonossow-Universität Moskau.


Warum Menschen 
mitmachen


Die Teilnehmer der Friedensfahrt haben völlig unterschiedliche Motive.

 

„Warum ich mitfahre? Das ist einfach. Ich bzw. wir wollen keinen Krieg mit Russland. Und darum fahre nicht nur ich, sondern auch mein Mann Christian und unsere erwachsene Tochter Pauline auf der Friedensfahrt mit unserem Wohnmobil mit. Mich nervt dieses ständige Bashing von Putin und Russland. Über die USA, die Amerikaner weiß man ja vieles, positives wie negatives; es gibt viele Berichte und Dokus. Bei den Russen ist das anders. Da erfährt man wenig über unsere Medien und wenn, ist es oft überzogen mit einem negativen Unterton. Diese Stimmungsmache ist in meinen Augen unerträglich. Dazu hatte ich gerade ein Erlebnis mit einem Kunden, dem wir von der Fahrt erzählten und er ganz vorsichtig äußerte: ,Ja, ist denn der Russe nicht doch unsympathischer als der Franzose oder der Österreicher?‘ So weit sind wir gekommen! Er hatte sogar eine Einladung zu einer Messe nach Moskau abgelehnt, weil er Angst vor Russland hat! Was hilft da noch? Das Land bereisen und die Menschen kennenlernen! Deshalb sind wir gerne dabei.“
Silke Volgmann, Frechen

 

„Mein Vater war während des Krieges in Russland und hat mir einiges aus dieser Zeit erzählt. Als ich ein kleiner Junge war, hörte ich immer wieder von ihm, wie toll die Menschen dort sind, wie herzlich und freundlich. Dass während des Krieges auch getötet wurde – davon sprach er nie. Aber er hinterließ bei mir ein enorm positives Gefühl. Meine Klavierlehrerin kam aus St. Petersburg, meine Lieblingslehrerin aus Moskau. Auch in der Musik bin ich ein großer Fan russischer Komponisten. In der Oper Eugen Onegin von Pjotr Iljitsch Tschaikowski habe ich den Poeten Wladimir Lensky gesungen, und die russischen Volksweisen gehen mir sehr nahe. Obwohl im kalten Krieg groß geworden, habe ich eine große Affinität zu dem Land. Ich möchte einfach die Menschen besuchen und gemeinsam Musik machen. Ich komme nicht mit leeren Händen , sondern bringe als Gastgeschenke das Opensource Liederbuch #101 (<http://www.pianoforte-mw.de/“www.pianoforte-mw.de>) sowie verschiedene Musik- und Medieninstrumente mit. Und mein Vater ist im Geiste dabei.“
Michael Waldenmaier, München

 

„Meine erste Heimat ist St. Petersburg, dort bin ich geboren und aufgewachsen. Aus beruflichen Gründen habe ich mein halbes Leben in Hamburg verbracht. Ich war immer unpolitisch, die Welt aus meiner Sicht war in Ordnung.  Seit den Geschehnissen auf dem Maidan 2013 und dem gewaltsamen Regierungswechsel in der Ukraine verfolge ich nicht nur die politische Entwicklung im Osten, sondern sehe die Zusammenhänge mit der heutigen europäischen Politik. Das lässt mich nicht gleichgültig. Wir müssen uns für den Frieden einsetzen und uns gegen die Gewalt und kriegstreibende Aktionen stark machen. Wer nichts dagegen tut, macht mit! Dabei denke ich an das Zitat: „Habe keine Angst vor Freunden, im schlimmsten Fall können sie dich verraten. Habe keine Angst vor Feinden, im schlimmsten Fall können sie dich umbringen. Aber habe Angst vor Gleichgültigen. Nur wegen deren stillschweigendes Einverständnisses existieren auf dieser Welt Verrat und Mord“. Darum mache ich mich auf den Weg für den Frieden.“
Irina Veyer, Hamburg

 

„Als Ostdeutscher hatte ich eine Antipathie gegen die staatlich verordnete Freundschaft mit der SU, die 1968 den Prager Frühling niederwalzte. Ich war nie dort und hatte nicht die Absicht hinzufahren. In der DDR wurden wir plump, nach der Wende wurden und werden wir eleganter belogen, so dass es die „träge Masse“ nicht mal bemerkt. Je länger das nicht funktionierende sozialistische System Geschichte ist, desto weniger funktioniert der neoliberale Kapitalismus. Systembedingt führt er zu Ausbeutung von Mensch und Natur, Krisen und Kriegen, vorrangig unter dem Diktat der US-Finanzelite. „Unsere“ Regierungsmarionetten und die Systempresse sind leider deren willige Handlanger. Staaten, die das „Spiel des Westens“ nicht mitmachen, werden dann - wie mehrfach erlebt - zum Reich des Bösen. Da W. W. Putin dieses Spiel nicht mitmacht, ist er der mächtigste Böse. Diese Verlogenheit unserer geld- & lobbygesteuerten Scheindemokraten lehne ich ab. Mein Motto für die Reise ist: „Besuchen, statt bekriegen.“ Ich möchte dabei eine fast 50 Jahre alte Empfehlung meiner Russischlehrerin, unbedingt die Moskauer Tretjakow- Gallerie zu besichtigen, wahrnehmen.“
Winfried Merkel, Jena


Friedensfahrt online


Einige alternative Medien begleiten die Fahrt, die als Idee von Dr. Rainer Rothfuß im Februar 2016 während der Sendung Positionen bei KenFM entstand und für die sich schnell aktive Unterstützer und Sponsoren fanden. Auch free21 wird dabei sein und – wann immer möglich – von vor Ort berichten. Unter www.free21.org sowie auf www.druschb.info kann man die Fahrt zeitnah mitverfolgen

Profilbild von Andrea Drescher

Andrea Drescher

Unternehmensberaterin & Informatikerin, Selbstversorgerin & Friedensaktivistin – je nachdem was gerade gebraucht wird. Seit 2016 bei Free21 als Schreiberling und Übersetzerin mit im Team.


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