Smart Meters:
01 Mrz 2017
Intelligente Stromzähler?
Wahrheiten gefallen eben nicht immer. Und vor allem nicht jedem. Ohne allerdings in allen Fällen Absicht zu unterstellen – dies, weil man sich vielleicht im Übereifer selbst aufgefordert sieht, das (vermeintlich) Richtige zu tun? Auch wenn dies nicht jedem gefällt. Vor allem, wenn man davon überzeugt ist, das im bekannten „Namen des Fortschritts“ so zu sehen. Was dann auf den ersten Blick durchaus so zu sein scheint. Es gibt jedoch auch den zweiten Blick. Denn aus eben diesem zweiten Blick sieht man den ersten bekanntlich aus einem anderen Winkel. Das sollte man übrigens öfter tun. Wie auch folgende Problematik, die viele von uns noch nicht erkannt haben, unsere Aufmerksamkeit durchaus erregen sollte. Und wie es auch dem Autor dieser Zeilen erst kürzlich erging …
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Foto: Flickr, CC0

„Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt,  desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ George Orwell

 

Smart Meter. Intelligente Stromzähler. Das Neueste in Sachen Stromzähler. Eine eigentlich „harmlose“ Materie, wie man auf den zitierten ersten Blick auch so glauben könnte. Weil doch wirklich längst überfällig … wie man meinen könnte. Was können denn schon harmlose Stromzähler Schlechtes beinhalten? Nun, da kann man auf den – eben auch in diesem Kontext sehr zu empfehlenden – zweiten Blick schon einiges an Bedenken anmelden. Wie kritische Stimmen, deren es übrigens EU-weit sehr viele gibt, uns warnen wollen.

 

Das Strommassenverbraucherland Luxemburg will flächendeckend die neuen, digitalen Stromzähler einführen. Wie man uns kürzlich so ankündigte. Bis Ende 2019 sollen nämlich rund 90 Prozent der Stromzähler und bis Ende 2020 90 Prozent der Gaszähler ausgetauscht sein. Dies auf Wunsch der EU, versteht sich. Nach den Vorstellungen der Kommission (die wohl in wessen Interesse handelt? – siehe weiter unten im Text) sollen bis 2020 ca. 80 Prozent der Haushalte mit Stromzählern ausgestattet sein, mit denen der Stromverbrauch jederzeit aus der Ferne ablesbar sein wird. Das Ganze natürlich mit dem Argument der Stromersparnis und als „Dienst am Kunden“. Schön! Klingt doch gut, oder? Doch ist dem wirklich so? – reizt es den kritischen Bürger sich selbst und andere zu fragen. Weil wir schließlich nicht von gestern sind und die Naivität ob gemachter Erfahrungen schon längst begraben haben, gilt es, Vorsicht walten zu lassen, sprich tunlichst und in unserem eigenen Interesse hellhörig zu sein. Besonders, wenn neoliberale Interessen offensichtlich und einmal mehr befriedigt werden sollen. Strom, den wir alle im Alltag unverzichtbar brauchen, bietet sich natürlich in dieser Hinsicht bestens an. Weil man uns damit in der Hand hat. Wenn man sich jedoch der Historie des Stromes erinnert, sind Stromgesellschaften vom Volk gegründet worden, um für das Volk zu arbeiten. Inzwischen wurden daraus gewinn­orientierte Unternehmen gemacht, die nicht mehr dem Volk verpflichtet sind, sondern dem Kapital. Frei nach dem bekannten Motto: Je strenger reguliert wird, desto uninteressanter wird es für Private, weil ihre Kostenvorteile wegfallen, das Ziel wissend, dass private Unternehmen an möglichst geringer Regulierung interessiert sind – meint im Klartext: So wenig Staat wie nur möglich, und nur so viel Staat wie nötig, sprich wie dem Kapital nützlich. Weil es nur dann hohe Profite gibt. Die übliche Leier, das aber nur als ergänzende Randbemerkung im Kontext des an dieser Stelle trotzdem nicht weiter kommentierten Themas „Privatisierung“ notiert.

 

Smart Meter. Oder, moderner ausgedrückt, Smart Metering. Smart Metering ist eine kommunikationsfähige elektronische Mess­einrichtung – auch intelligenter Zähler genannt. Diese Messeinrichtung gibt uns Verbrauchern Informationen darüber, wann man wie viel Energie verbraucht. Außerdem ermöglichen Smart Meter eine selbständige Kommunikation zwischen dem Zähler und dem Netzbetreiber. Die Einführung dieser Smart Meter wurde von der EU vorgegeben. Teile der Energiewirtschaft begrüßen dies mit dem Argument, dass dadurch eine „bessere Information der Konsumenten“ möglich sei, die in der Folge zu einem effizienteren und kostengünstigeren Verbrauchsverhalten führen soll. (?!)


Darüber hinaus wird mit einem „besseren Service und mehr Komfort für den Kunden“ geworben. Die jährlichen Ablesetermine entfallen, was natürlich ein Vorteil ist. Die Auswahl verschiedener Anbieter und Tarifmodelle werde erleichtert. Diese Darstellung lässt allerdings, wie wohl zu erwarten, diverse pro­ble­matische Punkte weg. Neben den zu erwartenden Kosten, die man auf rund zwei Milliarden Euro schätzt (die wer im Endeffekt wirklich bezahlen soll?) warnen uns Datenschützer, dass durch die genaue Erfassung der Daten der gläserne Mensch, der gläserne Bürger,  entsteht – das ist nicht neu (siehe Bargeldabschaffung, Kameras an allen Orten usw.) In diesem Kontext allerdings wird sichtbar, wann man in der Wohnung ist, wann nicht und was man gerade macht. Ungeklärt ist, wer wann auf welche Daten Zugriff hat. Die Rechtsgrundlagen sind noch schwammig formuliert und es besteht die Gefahr, dass das persönliche Nutzerprofil in falsche Hände kommen kann. Die Anfälligkeit für Hackerangriffe ist, wie sie in den vergangenen Monaten häufig durch die Schlagzeilen der Medien gingen, bislang völlig ungelöst. Eine wahrlich nicht zu unterschätzende Gefahr, wenn man bedenkt, dass über die Datenleitungen auch die Fernabschaltung der Energieversorgung möglich gemacht wird und so Energieversorger auch erpressbar werden. Und unmittelbar deutlich kann das dadurch werden, dass man plötzlich ein Vielfaches seines effektiven Stromverbrauches bezahlen muss, weil ein unbemerkter Hacker seinen eigenen Verbrauch „umgelenkt“ hat, jeder „intelligente“ Stromzähler (siehe Titel dieses Beitrages mit berechtigtem Fragezeichen) sich also durchaus in real als Einfallstor für derartige Angriffe anbieten könnte. Und was soll ein entsprechender, mehr oder weniger wirksamer „Schutz“ kosten?

 

Dann gilt natürlich auch in diesem Kontext eine Problematik, die politisch Verantwortliche sofort tunlichst zu ignorieren belieben: die gesundheitliche Belastung durch Mobilfunk im Zähler und zusätzlichem E-Smog auf Stromleitungen, da die Datenübertragung durch Mobilfunk, Powerline-Communication (PLC) und/oder Internetverbindungen über Netzwerkkabel (LAN-Kabel) oder direkter Anbindung über Glasfaserkabel erfolgt. Wie Experten in dieser Materie sagen, und Umweltmediziner uns klar warnen, stellen sowohl Mobilfunkübertragung als auch PLC seriöse gesundheitliche Gefahren dar. Mobilfunk heißt ständig aktive Funksender im Haus, die man nicht abschalten kann. Dies Tag und Nacht. Bei der Powerline-Communication wird das Datensignal des Smart Meters auf das bestehende Stromnetz aufmoduliert und in der nächsten Trafostation empfangen bzw. gesendet.

 

Dies führt dazu, dass die vorhandenen elektrischen Leitungen und die daran angeschlossenen Geräte im  Haus nun vermehrt Elektro­smog abgeben. Nebenbei kann man mit den entsprechenden Geräten alle Smart Meter-Daten der im selben Trafonetz hängenden Häuser und Wohnungen mitlesen. Nur bei einer kabelgebundenen Internetverbindung oder einer Glasfaseranbindung würde keine zusätzliche Elektrosmogbelastung entstehen. Dass das alles keine Hirngespinste sind, beweisen ausgerechnet die USA. In mehreren Bezirken Kaliforniens wurde die Installation der Smart Meter mittlerweile vorerst auf Eis gelegt, da die zuständigen Gesundheitsbehörden entsprechende Bedenken bestätigt sehen. Amerikanische Daten erwähnen ein erhöhtes Krebsrisiko, ein vermehrtes Auftreten von Multisystemerkrankungen, bei denen mehrere Organe bzw. funktionelle Systeme gleichzeitig betroffen sind. Auch in anderen US-Bundesstaaten sowie in Kanada und auch in Frankreich wachsen die Vorbehalte gegen die Smart Meter.

 

Riskierte Krankheiten, sowie die evidente Überwachung mittels Smart Meter – müssen wir Bürgerinnen und Bürger Europas wirklich alles erdulden - im Namen des Fortschritts? Big-Brother: Überwachung total?

 

Eine weitere unangenehme Wahrheit zum ungenierten Überwachungsstaat, den viele von uns – leider kampflos und bequem – zulassen wollen? Mit unseren betroffenen Organisationen der Zivilgesellschaft? Wir haben inzwischen ein Überwachungsstadium erreicht, das den von George Orwell angekündigten autoritären Überwachungsstaat im Sinne seines im Juni 1949 veröffentlichten, bestbekannten Romans „1984“ (im Original „Nine­teen Eighty-Four“) schon weit übertroffen hat.

 

Konsequenzen?

 

Informationen?

 

Oder doch nur (und wie immer)  im (hochaktuellen) Sinne William Shakespeares:

 

„(Und…) Der Rest ist Schweigen“.

Profilbild von Frank Bertemes

Frank Bertemes

geboren am 19 März 1961 Der luxemburgische Eisenbahnbeamte, als Divisionsinspektor Leiter der Pensionsabteilung der CFL, schreibt als freier Autor für die links-humanistische luxemburgische Tageszeitung „Tageblatt“ und deren monatliche sozio-kulturelle Beilage „kulturissimo“, die von dem leider kürzlich verstorbenen Professor und früheren Direktor des Theaters der Stadt ESCH/ALZETTE, Guy Wagner, gegründet wurde. Ferner ist er als Mitglied einer Genossenschaft ohne Gewinn Miteigentümer der ökologisch-sozialen Wochenzeitung woxx. Seine engagierten und kritischen Artikel beschäftigen sich mit den Themen Atheismus, EU, Sozialpolitik, Verkehrs- und Umweltpolitik, Betriebskultur sowie gesellschaftspolitischen Fragen allgemein.


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1 Antwort

  1. Yussuff Oe sagt:

    …. und für die Freunde des Romans empfehle ich zu dem Thema BLACKOUT von Marc Elsberg.

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