Transcript:
29 Jul 2015
KEN FM am Telefon: Peter König
Staatspleiten haben auch ihre guten Seiten. Ein Staat der kurz vor der Pleite steht, da er die Zinsen nicht mehr bezahlen kann, die für ausländische Kredite aus der Vergangenheit fällig werden – ein solcher Staat ist erpressbar. In einem solchen Staat haben die Gläubiger das Sagen und nicht die Politiker. Und schon gar nicht das Volk.
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Peter König zum Nein in Griechenland und über die Zukunft des Landes. Die Gläubiger in Griechenland werden unter anderem durch die EZB, die Weltbank und den IWF – den Internationalen Währungsfond – repräsentiert. Diese Institutionen sind aber nicht neutral. Sie geben sich unparteiisch, aber sie gehorchen in Wahrheit einer sehr übersichtlichen Finanzelite. Diese Menschen ‚shoppen‘ ganze Staaten, ganze Völker, ganze Kulturen. Und sie akzeptieren kein Nein. Griechenland ist für das Empfinden dieser ‚Kaufleute‘ auch kein Sonderfall, um den es sich besonders kümmern müsste. Griechenland ist nur eine Art afrikanischer Staat auf europäischem Boden – reif für die Ausbeutung – ein fale state. Staaten, die scheitern, sind vergleichbar mit einem Körper, der an einer leichten Grippe stirbt. Die Grippe kommt von außen. Damit sie tödliche Folgen haben kann, muss aber das Immunsystem schwer angeschlagen sein. Exakt das ist bei Griechenland der Fall. Griechenland – und das ist vielen unbekannt oder entfallen – wurde nach 1945 immer wieder von NATO-Geheimarmeen geputscht. Aber auch wenn die Militärdiktatur später durch eine Demokratie ersetzt wurde, der Filz, der blieb. Es ist ein Elitenfilz. Den reichsten 2000 Familien des Landes gehört praktisch alles und traditionell stellen in Griechenland Reeder die Superreichen. Reeder müssen in Griechenland keine Steuern bezahlen – so steht es im Gesetz. Und es gibt praktisch keinen einzigen griechischen Reeder, der in Griechenland selber seinen Wohnsitz hat. Man residiert in London oder auf einer Yacht vor Monaco. Diese Kaste der Superreichen trägt die Hauptschuld am Niedergang des Landes, nicht das griechische Volk. Direkt im Anschluss daran kommen internationale Finanzdienstleister, darunter auch die Deutsche Bank, die dieser Kaste dabei geholfen hat – und hilft – ihre Milliarden außerhalb Griechenlands anzulegen. Griechenland hat 2004 auf Pump die Olympiade finanziert. Und Griechenland ließ sich vor dem Euro-Eintritt 2002 die Staatsfinanzen frisieren – von Goldman Sachs. Dafür flossen damals rund 600 Millionen Dollar Honorar. Der Niedergang Athens hat also viele Helfer. Immer wenn später eine große Eurosumme nach Griechenland überwiesen wurde, um offiziell den Staatshaushalt zu sanieren und das Land zu retten, wurde das Geld in Wahrheit über korrupte Banken zurück ins Ausland transferiert. Europäische Steuergelder wurden privatisiert. Oder man gab die Millionen für Rüstungsgüter aus, die oft in Deutschland gekauft wurden und für die der griechische Vermittler gern ein Vermittlungshonorar kassierte. An all diesen Praktiken hat sich wenig geändert, sie sind Teil der Realität – bis heute. Da nützt es nichts, dass sich die aktuelle linke Regierung unter Alexis Tsipras bei dem Referendum ein NEIN zu weiteren Spardiktaten vom Volk hat bestätigen lassen. Während man in den Medien, je nach politischer Lage, von einem Sieg spricht oder einer Katastrophe, spricht kaum jemand über die tatsächliche ökonomische Situation des Landes, die tatsächlich völlig desolate Grundstruktur. Die aber muss grundlegend geändert werden, damit Athen nicht schon Übermorgen ins Chaos fällt. Aus diesem Grund traf sich noch vor dem Referendum in Athen die sogenannte Delphi-Initiative, angeführt von dem US-Ökonomen Michael Hudson. Hudson war lang an der Wall Street tätig und gilt als der geistige Vater des Buches »Schulden. Die ersten 5000 Jahre« von David Graeber, dem Gründer von Occupy. Hudson war auf dem Podium nicht allein, er hatte viele Profis mitgebracht. KENFM: Einen von ihnen haben wir jetzt am Telefon, Peter König, erstmal Guten Abend in die Schweiz. PETER KÖNIG: Guten Abend Ken, freut mich bei Dir zu sein. KenFM: Guten Abend. Es war eine lange Anmoderation Herr König, aber sie haben ja über 20 Jahre für die Weltbank gearbeitet und haben im letzten Interview mit KenFM diese Institution hart kritisiert. Was hat Sie denn bewogen – Sie waren oder sind Teil der Delphi-Initiative – was hat Sie bewogen da mitzumachen? Und wie würden Sie diese Gruppe denn nennen? Ist das ein privater Think Tank? PETER KÖNIG: Schwierig zu sagen. Ich glaube es ist ein Think Tank, der sich zusammensetzt aus mehr oder weniger Gleichgesinnten, Intellektuellen, Professoren, Ökonomen, Kritikern. Das sind Leute, die haben die Idee, dass nicht nur in Griechenland etwas Fundamentales geändert werden muss, wie Sie bereits angedeutet haben, sondern in ganz Europa. Und dass unter Umständen die Wellen, die Griechenland verursachen könnte und hoffentlich tut – wir wissen das noch nicht – auch auf ganz Europa Auswirkungen haben könnte und unter Umständen auf das westliche – ich nenne das jeweils greed economic system – ebenfalls Auswirkungen haben und es vielleicht zum Sturz bringen könnten. Ich phantasiere hier jetzt ein bisschen, weil ich sehr stark darin involviert bin in den letzten Monaten und auch Jahren. Speziell mit Griechenland in den letzten Monaten. Deshalb erlaube ich mir vielleicht hier und da ein bisschen zu träumen. Aber ich glaube ohne Traum gibt es eigentlich keinen Fortschritt. Irgendwo muss eine Idee geboren werden und ich bin davon überzeugt, dass die Delphi-Initiative so eine Gruppe von Leuten ist. Ja Think Tank kann man das nennen – aber ich möchte diesen Think Tank nicht mit den amerikanischen Think Tanks vergleichen, die haben eine unheimlich schlechte Konnotation und sind eher rechtsgerichtet. Also wir sind lediglich eine Gruppe von gleichgesinnten, linken Leuten, die etwas verursachen möchten, Menschen die irgendwie Griechenland beistehen möchten etwas zu tun, was eventuell Auswirkungen haben kann weit über die Grenzen von Griechenland hinweg. KenFM: Kann man sagen, für Sie ist die Delphi-Initiative eine Art Zünder. Sie provozieren eine Kettenreaktion? PETER KÖNIG: Wir wissen das noch nicht, aber es wäre natürlich sehr schön, wenn das der Fall sein könnte. Aber zuerst Mal müsste die Syriza, die gegenwärtige Regierungspartei Griechenlands, zuhören. Und das, glaube ich, hat sie bis jetzt noch nicht so richtig getan. Aber hoffentlich kommt das noch so weit. Wir geben nicht auf und viele Mitglieder der Syriza sind auch Teilnehmer in der Delphi-Initiative. Also glaube ich schon, dass hier und da ein Wort zu den Leitern der Regierung weitergeht. KenFM: Es gab ja auch am Ende eine Pressekonferenz, so dass Sie zumindest davon ausgehen können, dass die Spitze der Partei weiß, was Sie dort auf den Weg gebracht haben und welche Angebote Sie gemacht haben. Darauf kommen wir später nochmal. Was ich aber nochmal fragen möchte: Ich habe ja versucht, in der zugegeben recht langen Anmoderation, den Zustand des Staates Griechenlands zu skizzieren mit einem Bild eines Körpers, dessen Immunsystem angeschlagen ist. Würden Sie dieses Bild als treffend bezeichnen? PETER KÖNIG: Absolut. Ich könnte nicht noch mehr mit Ihnen übereinstimmen, als Sie das zu Anfang beschrieben haben. Das ist tatsächlich der Fall. KenFM: Vielen Dank. Was muss denn jetzt nach dem NEIN in Griechenland tatsächlich geschehen? Also erstmal warten – man freut sich, man hat der Europäischen Union, der EZB, diesen ganzen Institutionen die Stirn geboten. Aber das reicht ja jetzt nicht. PETER KÖNIG: Nein, das reicht überhaupt nicht. Und ich glaube die Fehler gehen weiter. Ich würde sagen, echte Fehler, die die Syriza begangen hat vor dem Referendum gehen jetzt weiter. Ich denke dieses hochrangige Resultat mit 61% der Stimmen für NEIN, sollte Tsipras und seinem Kabinett genügen, um jetzt eine rote Linie zu ziehen und dazu zu stehen. Und ich glaube, wir waren uns alle ziemlich einig in der Delphi-Initiative, dass der einzige Weg, der Griechenland retten kann und unter Umständen Europa retten kann, ist, wenn Griechenland jetzt die Initiative ergreift und aus dem Euro rausgeht. KenFM: Sie sind ein Befürworter des Austritts aus dem Euro? Griechenland soll den Euro verlassen, aber nicht die EU. PETER KÖNIG: Also die EU müssen sie gar nicht verlassen. Es gibt kein Gesetz in der EU oder EU-Charta, die es ja nicht richtig gibt, – es gibt da die ‚Lissabon-Vereinigung‘ – darin steht nirgendwo geschrieben, dass ein Land ausgeschlossen werden kann, nicht mal vom Euro, also geschweige denn von der Europäischen Union. Und da wurde eben sehr viel Leid gebracht von der westlichen, rechten Propaganda. Die Leute wurden konfus, ihnen wurde gesagt: Wenn ihr NEIN stimmt, dann müsst ihr damit rechnen, dass ihr ausgeschlossen werdet von Europa usw. Das ist alles Quatsch, denn erstens ist Griechenland ein Teil von Europa, kann also nicht ausgeschlossen werden physisch und ebenfalls spirituell. Es ist ein Teil von Europa, sie haben im Prinzip den Namen Europa gegründet und waren die erste Demokratie und haben im Prinzip in Europa die Demokratie verbreitet. Also liegt die Wiege von Europa, kann man fast sagen, in Delphi. Deshalb der Name Delphi Initiative, weil Europa aus Delphi praktisch geboren wurde. Ich denke, man sollte das nicht vergessen und deshalb ist Griechenland zwar natürlich ein armes Land heutzutage, wurde geschändet, wurde ausgebeutet, wurde kaputt gemacht, kann heute kaum mehr atmen. Die Spitäler wurden geschlossen, die die noch offen sind haben keine Medikamente mehr, Schulen wurden privatisiert, alle public services, der öffentliche Dienst wurde privatisiert. Das Land wurde praktisch geplündert und wird auch immer noch geplündert. Und die EU bzw. die Troika, wozu auch der IWF gehört, wollen das Land jetzt noch weiter plündern. Und es sieht nicht so aus, trotz des neuen Finanzministers, dass da irgendeine Konzession vom Westen, also von Europa, von der Madame Merkel oder von Holland oder vom IWF rauskommen wird, nichts. Noch am Wenigsten von der Europäischen Zentralbank. Und da muss ich gleich direkt anschließen, dass das überhaupt keine richtige Zentralbank ist. Eine Zentralbank ist normalerweise die Institution eines Landes oder in diesem Fall einer Gruppe von Ländern, die letzte Instanz die finanzielle Hilfe leisten würde. Das macht die EZB überhaupt nicht, denn die leiht Geld nicht an die Länder selber zu einer Vorzugszinsrate, sondern leiht es den großen Banken, den deutschen Banken, den französischen Banken, den holländischen usw. und das zu praktisch null Zinsen, und diese Banken leihen das weiter an die griechische Regierung zu horrenden Zinsen, 6 bis 7% und sagen, das wäre gerechtfertigt wegen des Kreditrisikos. Das ist natürlich Wahnsinn. Weil das ist überhaupt kein Risiko, weil die genau wissen: das Geld kommt irgendwie wieder zu uns zurück – entweder über die Steuerzahler von Europa oder über Bail-Ins, also das neue Gesetz in Europa, das im August dieses Jahres in Kraft treten wird, wovon wahrscheinlich nur wenige Leute überhaupt wissen, aber das muss auf jeden Fall irgendwie gesagt werden. Wir können später noch darüber reden. Aber aus meiner Sicht ist das eben überhaupt keine Zentralbank, die verdient den Namen nicht. Außerdem wird sie geleitet von einem früheren Executive von Goldman Sachs. Sie haben das bereits angedeutet, Goldman Sachs hat die Dokumente und Bücher bearbeitet für 600 Millionen Dollar, damit die EU Griechenland akzeptieren würde. Also das ist ein korrupter Apparat, korrupter geht’s gar nicht. Und die saugen jetzt den letzten Saft aus diesem armen Land heraus und wollen keine Konzession machen. Die wissen natürlich, und vor allem Madame Merkel weiß ganz genau: wenn Griechenland austritt – und deshalb glaube ich ein großer Teil von diesen ganzen Verhandlungen, die jetzt im Gange sind, ist Bluff, Bluff von Seite Europas und der Troika, – denn weder Deutschland noch Frankreich wollen dass Griechenland die Eurozone verlässt. Ganz einfach deshalb, weil Deutschland mit den riesigen Exportüberschüssen, die haben unheimlich profitiert und profitieren immer noch vom Euro. Also wäre das für Deutschland eine Katastrophe, wenn Griechenland eine Avalanche, also eine Kettenreaktion auslösen könnte, die zum Beispiel einen ‚Spexit‘ oder einen ‚Italinexit‘, man hat sogar schon gesprochen von einem ‚Frexit‘, also Frankreich, dass es soweit kommen könnte. Das liegt also absolut drin. Es braucht nur noch ein anderes Land, um die ganze Sache zu verunsichern. Soviel ich weiß, wenn heute – vielleicht aus ganz anderen Gründen –, aber wenn heute das deutsche Volk befragt würde, genauso oder vielleicht noch klarer wie die Griechen am letzten Sonntag befragt wurden, ob sie in der Eurozone bleiben wollen oder nicht, 60% der Deutschen würden sagen Nein. Vielleicht aus anderen Gründen, die anderen Gründe sind totale Missinformation, weil sie sagen wir wollen nicht weiterhin für die Griechen und andere arme Länder bezahlen. Das ist der deutsche Grund. Aber immerhin, das spielt ja keine Rolle, was der Grund ist. Die Leute sind diesen Euro, diese Eurozone Leid, die nichts anderes gemacht hat in den 15 Jahren ihrer Existenz als Korruption, als Ausbeutung. Der Euro ist quasi ein Kasinobestand, das ist eine Kasinowährung geworden, ziemlich ähnlich des Dollars. KenFM: Ich möchte mal auf diesen Geldtransfer kommen. Also wenn Griechenland, die griechischen Banken das Geld an den griechischen Staat verleihen, das sie vorher von der EZB bekommen haben mit 0,1 oder 1% Zinsen, dann aber 10% oder 8, 7, 6 draufhauen, dann ist das so ähnlich wie ein Heroinhändler. Die strecken ohne Risiko dieses Material. Warum übergibt die EZB nicht direkt das Geld an den griechischen Staat? PETER KÖNIG: Genau das war im Prinzip nie vorgesehen in den Regeln. Es gibt ja auch gar keine Konstitution, keine Charta der Europäischen Zentralbank, also eine Serie von Regeln, das wurde nie so vorgesehen. Warum weiß ich auch nicht, ich weiß nicht weshalb sich die europäischen Länder, die sich dem Euro angeschlossen haben, das gefallen ließen, dass die Europäische Zentralbank nicht eine ‚Institution der letzten Hilfe‘, sozusagen of last resort wird, sondern ganz einfach ein watchdog, nicht wahr? Ein Überwacher, das kann man sagen, aber mehr ist es nicht. Und zwar ein Überwacher, der den reichen Staaten, der Bankenoligarchie dient. Dass das akzeptiert wird, ist mir ein Rätsel. KenFM: Sie haben ja über 20 Jahre für die Weltbank vor allem Wasserprojekte auch im afrikanischen Raum geleitet. Das ist ja praktisch dieselbe Praktik. Das ist genau dasselbe. PETER KÖNIG: Wie meinen Sie das? KenFM: Naja, das ist genau dasselbe, was man in afrikanischen Staaten gemacht hat, dass man einen afrikanischen Staat vorsätzlich kaputt macht und praktisch dieselbe Technik wird jetzt in Griechenland angewendet. Das ist nichts Neues. PETER KÖNIG: Ah ja, absolut. Früher hat man das structural adjustment genannt, heute nennt man das Austeritätsprogramme. Und das ist genau dasselbe. Das ist absolut genau dasselbe. Eine Regierung kriegt einen ‚blank check‘, also einen Scheck über 100 Milliarden Euro und dafür unterschreiben sie ein Papier, dass sie diese und jene Bedingungen erfüllen müssen und das sind eben diese Dinge, was wir vorher besprochen haben. Das sind Kündigungen, Kürzungen der Gehälter – die sind mittlerweile fast oder ganz auf 50% reduziert worden – Pensionen wurden reduziert, Leute im Staatsapparat, etwa 30-40% wurden gefeuert, das heißt die Arbeitslosenquote ist unheimlich in die Höhe geraten, liegt ungefähr bei 27-30% im Moment; sie steigt andauernd, weil die Leute noch weniger Arbeit haben. Je länger diese Krise dauert umso weniger Arbeit wird es geben. Die Arbeitslosenquote der Jungen, also bis 35 Jahre, die liegt etwa um die 60%. Können Sie sich das vorstellen, das ist unglaublich. Da kann es nur Unmut geben, die Leute haben praktisch nichts mehr zu essen. Die Zentralbank, die Europäische sogenannte Zentralbank transferiert vorläufig noch Euros nach Griechenland und zwar so, dass die Cash-Automaten noch weiterhin funktionieren sollen. Aber viele funktionieren nicht mehr, weil das Geld nicht mehr kommt. Und außerdem glaube ich, so wie ich das verstanden habe, hat die Europäische Zentralbank ein oberes Limit von, glaube ich, etwas unter 900 Millionen Euro angegeben. Also das heißt, dass geht dann noch einen Tag oder zwei, drei, dann wird das auch ausgehen. Das heißt, dann verhungert das Volk buchstäblich. Man redet bereits von humanitären Aktionen, die dann nach Griechenland reisen mit Medikamenten, genauso wie sie das in Afrika machen oder im Mittleren Osten, der zerstört wurde und immer noch wird von den USA und den europäischen ‚Mitmachern‘. Also genauso wird das aussehen, dass da humanitäre Hilfen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten geliefert werden müssen nach Griechenland. Furchtbar, furchtbar, dass man das mitmacht. ZITAT: “Griechenland ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste NATO-Basis in Europa. Die ist strategisch sehr wichtig gelegen und es ist natürlich unmöglich, dass ein NATO-Land eine sozialistische Regierung hat. Also muss man da alles tun, um diese Regierung zu stürzen.” KenFM: Herr König, wenn ein afrikanisches Land in so eine Situation kommt, dann stellt sich dort ziemlich schnell heraus, wenn es dort zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt und eine private Miliz dann unterstützt wird aus Europa, dass sich dann riesige Bodenschätze in diesem Land befinden, dann ist man ganz glücklich, dass man das zufällig gefunden hat und irgendwann stellt sich heraus, dass man ja schon vorher gewusst hat, dass es dort Bodenschätze gibt und um da ranzukommen hat man den Staat gestürzt. Was ist denn so wertvoll an Griechenland, dass man diesen Staat so kaputt macht? PETER KÖNIG: Griechenland ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste NATO-Basis in Europa. Die ist strategisch sehr wichtig gelegen und es ist natürlich unmöglich, dass ein NATO-Land eine sozialistische Regierung hat. Also muss man da alles tun, um diese Regierung zu stürzen. Die werden auch nicht nachlassen, bis es zu einem Chaos kommt, da sind die Amerikaner ja unheimlich gut und die Europäer lernen das sehr rasch. Man muss nur in die Ukraine sehen. Und so etwas Ähnliches hat auch die Delphi-Initiative diskutiert und befürchtet, dass so ein Chaos künstlich generiert werden könnte und dann die Regierung von außerhalb wieder gestürzt würde, wie das in der Ukraine der Fall war. Und dann natürlich unter Militärbesetzung … die Militärbesetzung wird dann natürlich gerechtfertigt, man muss ja die äußeren Interessen wahren, Beispiel eben NATO – und dann ist der Fall wieder gelaufen. KenFM: Zumal es ja auch nicht das erste Mal wäre, dass in Griechenland ein Militärputsch stattgefunden hat. Ich sprach schon von NATO-Geheimarmeen. Aber jetzt bekommt das Gespräch natürlich auch eine andere Dimension. Kommen wir gleich drauf, weil ich finde, das ist sehr interessant, weil das findet in der öffentlichen Diskussion überhaupt nicht statt und das ist doch sehr verdächtig. Vor den griechischen Inseln, im Mittelmeer selber, gibt es ja auch Gas- und Ölvorkommen im dreistelligen Millionenbereich, das wird auch gar nicht bestritten, denn verschiedene andere Länder fördern dort bereits, das wurde auch unter der Hand gedealt, wie da gefördert und wie das vergeben wird. Eine Firma wie Novel Energie war da ganz weit vorn. Ich erinnere mich daran als Novel Energie im Mittelmeer die ersten Lizenzen erhielt, hat das Hillary Clinton, damals im State Department als Außenministerin gedealt und der Cheflobbyist von Novel Energie war damals zufällig ein gewisser Bill Clinton. Also da schließt sich der Kreis der Korruption. Man kann es nicht glauben, wenn man das recherchiert: Einen Augenblick, haben das die Leute vergessen? Nein, sie haben es nie erfahren. Aber ich möchte nochmal auf diese militärische Komponente kommen. Griechenland wurde ja wiederholt immer wieder geputscht und war eben auch Teil einer Militärdiktatur. Was ist denn wenn die linke griechische Regierung genau diese Karte spielt und sagt: Wir wollen austreten aus dem Euro, wir wollen austreten aus der EU, wir wollen uns zusammen mit dem Kollegen Putin eher einem russischen Bündnis andienen. Ist so etwas möglich und was würde das bedeuten? Oder ist das eine total dämliche Idee von mir, da spinne ich jetzt vielleicht. PETER KÖNIG: Nein überhaupt nicht, das ist sogar die Zukunft, das habe ich schon oft geschrieben in den letzten Monaten und Wochen, dass das die Zukunft ist für Griechenland, dass sie sich dem Osten zuwenden. Und die haben ja einige Offerten bereits gekriegt von Putin und auch von China. Das heißt die haben bereits eine Offerte gemacht – zwar wurde nicht viel darüber geschrieben – den BRICS beizutreten. Das heißt, wenn man da dabei ist, dann wird man fast automatisch auch ein Mitglied, oder Beobachter zuerst. Ein Beobachterstatus in der Shanghai Cooperation Organisation, die in China beginnt, Russland einschließt und praktisch ganz Zentralasien einschließt und jetzt neuerdings werden auch Indien, Iran und Pakistan dazukommen, die Türkei hat auch versucht oder versucht da reinzukommen – das ist natürlich auch ein sehr heikler Fall, weil die Türkei ja auch eine NATO-Basis hat. Das würde den Amerikaner natürlich überhaupt nicht gefallen. Das ist ganz klar. Das ist eben wie ich gesagt habe ein weiterer Grund. Aber es wäre die Zukunft von Griechenland und ich würde sagen, und da komme ich auf den Anfang zurück. Einer der Gründe warum die Initiative, diese Delphi-Initiative nicht nur nach Griechenland schaut, sondern in die Zukunft, ist, dass wir – natürlich nicht nur wir, aber wir als eine geschlossene Gruppe, sehen die Zukunft nicht nur für Griechenland, sondern für Europa im Osten und nicht im Westen. Der Westen hat seine Zukunft versaut, wirklich verschandelt, korrumpiert aus Habgier und ist nicht mehr zu retten. Denn die hört ja nicht auf, die Habgier. Unter den neoliberalen Staaten und den Regierungen die heutzutage Europa und die USA regieren ist es unmöglich, dass man da innerhalb der nächsten Zeit von abkommt. Oder es wird einen Sturz geben. Und da liegt eben die Zukunft, die Entwicklungszukunft, die Zukunft über die nächsten Generationen, wahrscheinlich über die nächsten 100 oder 200 Jahre liegt im Osten. Da gibt es sehr sehr viel zu tun und da sind die Leute, mindestens heute, viel angenehmer mit zu arbeiten. Weder Russland noch China haben Expansionsbedürfnisse, überhaupt nicht. Sondern sie sind dabei eine eigene Währung zu schaffen und ein eigenes Transfersystem zu schaffen, wobei sie sich dann langsam gänzlich vom Westen trennen können. Denn diese Länder zusammen, die ich vorher genannt habe, also die BRICS, SCO, die Shanghai Corporation Organisation, die haben ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung und ein Drittel des Welt-Bruttosozialproduktes, und brauchen eben den Westen nicht mehr um zu überleben. Noch ganz kurz eine Klammer: Indonesien, die achtgrößte Wirtschaft der Welt, hat bereits den Dollar gesperrt zum 1. Juli. Und zwar, weil sie es Leid sind ganz langsam ‚Dollarisiert‘ zu werden und praktisch die Eigenständigkeit der Währung zu verlieren. Außerdem haben sie sich bereits geeinigt mit Russland und China, vermutlich auch mit anderen asiatischen Ländern, ihre nationalen Beziehungen oder Transfers oder Handel in ihren eigenen Währungen abzuwickeln, nicht mehr wie das bis jetzt praktisch der Fall war in Dollar. Der internationale Handel wurde ja auch bis vor kurzem fast ausschließlich in Dollar abgeschlossen. Das hat jetzt schon in Asien begonnen vor ungefähr zwei Jahren sich zu verändern. Und das wird weiter so gehen. Dann werden diese Länder, die eben ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, selbstständig werden. Und da kann sich Griechenland ohne weiteres anschließen. Dieses Angebot wurde ihnen gemacht. Und das Angebot wurde auch von Präsident Jinping in China im März, glaube ich, letzten Jahres an Madame Merkel gemacht. Dass sie die westliche Grenze der sogenannten neuen Silk Road sein könnte, das heißt also die ganze Entwicklung über Europa, über Osteuropa, Zentralasien, Westchina – was sehr sehr arm und entwicklungsbedürftig ist – und bis nach Shanghai, müsste entwickelt werden. Da könnte Deutschland ein sofortiges Mitglied werden und wenn Deutschland Mitglied würde, dann würde sich wahrscheinlich ganz Europa anschließen. Also diese Möglichkeiten stehen offen, da besteht kein Druck. Und ich glaube, das ist die Zukunft. KenFM: Herr König, Sie haben jetzt noch ein weiteres Fass aufgemacht, das wird ja immer spannender. Das ist ja ein Thriller. Was spielt sich denn jetzt dort wirklich hinter Griechenlands Kulissen tatsächlich ab? Denn wenn Sie auf der einen Seite sagen, niemand hat wirklich Interesse daran in der Europäischen Union, auch Deutsche nicht, dass Griechenland die Eurozone verlässt und auf der anderen Seite gibt es Angebote aus China gegenüber Deutschland die Seidenstraße weiter Richtung Europa zu verschieben, also quasi zu sagen: Wir sind Handelspartner. Das ist ja ein rotes Tuch für die Amerikaner, denn die Amerikaner meinen ja immer, wenn sie auch Russland attackieren, in Wirklichkeit nur die Chinesen. Aber zurück zu den Griechen. Was läuft hier wirklich. Ist das gewissermaßen auch so zu verstehen, dass vielleicht auch russische Kräfte, ein Putin, da auf Griechenland einwirkt nach dem Motto: Die Vereinigten Staaten haben über den Hebel Europa uns in der Ukraine geschädigt, dann nehmen wir ihnen jetzt Griechenland weg. Ist das vorstellbar, dass das hier auch läuft? „Ich glaube die Europäer haben da nur als Puppen mitgespielt in der Ukraine. Das war ein Coup, der verursacht, inszeniert wurde von den Vereinigten Staaten und nachher durchgeführt wurde über die CIA und unterstützt wurde und heute noch wird von der NATO und sogar direkt von amerikanischen Wehrmächten.“ PETER KÖNIG: Also ich glaube die Europäer haben da nur als Puppen mitgespielt in der Ukraine. Das war ein Coup, der verursacht, inszeniert wurde von den Vereinigten Staaten und nachher durchgeführt wurde über die CIA und unterstützt wurde und heute noch wird von der NATO und sogar direkt von amerikanischen Wehrmächten. Also das ist etwas ganz Klares. Da hat Europa natürlich sinnbildlich mitgemacht und hat das Aushängeschild Europa da mitspielen lassen, aber ansonsten ist das ein Coup, der von den USA verursacht wurde, ebenso wie der Kalte Krieg damals, um Russland in einen Konflikt zu verwickeln. Das ist ihnen nicht gelungen und darüber haben wir auch in Delphi diskutiert. Eben die Ukraine war ein gutes Beispiel, um zu sehen was da geschehen könnte. Und zwar unter anderem Vorwand, das heißt einem ähnlichen Vorwand, denn einer der Gründe, dass die Ukraine fallen musste, sag ich jetzt mal, ist, weil die Vereinigten Staaten immer näher an die Türen von Moskau rücken wollten und da eine NATO-Basis aufstellen wollten. Das wird ihnen jetzt wahrscheinlich nicht gelingen, aber die wollen auf keinen Fall eine wichtige NATO-Basis in Griechenland verlieren. Da können Sie sich vorstellen, wenn die jetzt auf Putins Offerte eingehen würden und sich Russland, oder dem Osten ganz allgemein zuneigen würden, das könnte sehr schlecht aussehen. Und das ist auch eine Gefahr, das wurde mir von Syriza-Insidern gesagt, ist eine große Befürchtung der Partei, dass Griechenland ge-false-flagged werden könnte. Das heißt, eine falsche Attacke – beispielsweise, dass jemand die amerikanische Botschaft, die deutsche Botschaft, die französische oder sogar die NATO-Basis angreifen könnte, dann würde Griechenland beschuldigt. Das wäre ein Grund die Truppen da reinzubringen und die westlichen Interessen zu schützen – und Voila! Genauso wurde es in der Ukraine gemacht, im Irak gemacht, so wurde es überall im Mittleren Osten gemacht. Die USA haben da sehr sehr viel Erfahrung. Eine Erfahrung, die nicht erst seit dem 2. Weltkrieg existiert, sondern eine Erfahrung, die geht 100 oder 150 Jahre zurück. So sind die beiden Weltkriege entstanden, so wurde Vietnam geschaffen, so wurde der Korea-Krieg geschaffen usw. Sie kennen sich da bestens aus wie man eine solche false-flag-Attacke ausführt und das wissen die Griechen natürlich auch und davor fürchten sie sich. Darüber habe ich auch neulich geschrieben, um eben ein bisschen einer solchen Attacke, so einem Vorfall den Wind aus den Segeln nehmen zu können. KenFM: Wächst denn mit dem Ausstieg Griechenlands, den man vielleicht sogar suggeriert: Ihr könnt das mal versuchen – wächst da nicht die Kriegsgefahr in Europa? PETER KÖNIG: Ich glaube nicht daran. Vielleicht träume ich hier, aber ich glaube nicht, dass es zu einem Krieg kommt. Aber dass es zu Spannungen kommen könnte, das auf jeden Fall. Das dient ja auch den Amerikanern, wie jeder Kalte Krieg. Der Kalte Krieg hat ja auch der Wehrmacht gedient, die hat die ganze Waffenindustrie weiterleben lassen und sehr viel gutes Geld verdienen lassen, das ist ja auch weiterhin so. Die USA kann ja nur überleben, wenn es Krieg gibt. Das haben wir glaube ich schon mal erwähnt in einem anderen Interview. Die USA überlebt praktisch mit einem Bruttosozialprodukt, das aus mehr als 50% von Kriegsmaterial, von Verkäufen von Waffen und eben von Kriegsführung besteht. Das heißt: Morgen tritt Friede ein und die USA klappt zusammen KenFM: Lassen Sie uns mal über die ökonomische Situation von Griechenland sprechen. Damit dieses Land stabilisiert wird, was müsste denn jetzt eigentlich geschehen? Die Grundstruktur des Landes muss ja völlig umgebaut werden. Hat denn die linke Regierung den ökonomischen Sachverstand? Was ist Ihnen da begegnet? PETER KÖNIG: Ja daran zweifele ich und daran zweifeln viele dieser Delphi-Initiative. Wir haben sehr sehr oft, sogar bei der Pressekonferenz von einem sogenannten Plan B gesprochen. Die Regierung hat jetzt eigentlich genügend Zeit, hätte genügend Zeit gehabt sich in den letzten Monaten einen Plan aufzubauen: Wenn wir in der Eurozone bleiben zu gewissen Bedingungen, muss Das und Das geschehen. Wenn wir aus der Eurozone austreten, muss Das und Das und Das geschehen. Und das, glaube ich, wurde nicht gemacht und das weiß natürlich Brüssel, das weiß die Troika und deshalb haben sie noch eine feste Faust im Nacken Griechenlands. Was die machen sollten meines Erachtens oder auch im Verständnis von fast allen dieser Delphi-Initiative, gibt es praktisch keinen anderen Weg als aus der Eurozone auszutreten. Das heißt man geht zurück zur Drachme, die Griechen müssten ab sofort die Drachme um 30% abwerten, die ganzen griechischen Banken nationalisieren und dann mit Public Banking das Land wieder aufbauen. Das ist ja nicht das erste Mal, dass das geschah, das wurde sehr oft gemacht. Der letzte Fall, oder einer der letzten Fälle war Argentinien, als die ganze Ökonomie in sich zusammenfiel 2001, wurden die Banken nationalisiert. Die Banken hatten dann von der neuen aktiven Zentralbank Geld gekriegt, um die lokale Industrie, die lokale Ökonomie wieder anzukurbeln und das ist sehr gut gelungen. Argentinien war sehr weit unten, aber in den folgenden 10, 12 Jahren, praktisch der Krise unbeachtend, sind sie mit einem Bruttosozialprodukt von etwa 8% pro Jahr gewachsen. Im Jahr 2001 und 2002 war die Armutsrate fast noch bei 70% und die wurde bis heute auf unter 10%, wahrscheinlich jetzt auf 7 oder 8% reduziert. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Und ich sehe nicht ein, warum da Griechenland nicht genauso wachsen könnte. Es würde wahrscheinlich noch ein oder zwei Jahre schlecht gehen, aber dann würde es besser gehen, bergauf gehen. Denn diese Banken würden dann effektiv der lokalen Industrie dienen. Und wie Sie am Anfang angedeutet haben, gibt es sehr sehr viel Potential, selbst in Griechenland die Ökonomie, die Wirtschaft wachsen zu lassen. Zum Beispiel macht die Tourismusindustrie eigentlich wenig aus im Bruttosozialprodukt, nur etwa 14%, da liegt ein unheimliches Potential dahinter, diese auszubauen, den Tourismus auszubauen und zu fördern. Den könnte man, haben wir geschätzt, innerhalb von 5 Jahren auf vielleicht 20-25% erhöhen, wenn man das richtig macht. Ein anderer großer Sektor, der unter anderen ausgebeutet wird von den Griechen, das ist die Agrarwirtschaft, aber die könnte sehr viel größer sein. Daran könnte man ebenfalls arbeiten. Dann gibt es natürlich auch noch die Industrie. Also es gibt ein unheimliches Potential, aber das ist eine strukturelle Veränderung. Eine strukturelle Veränderung innerhalb von Griechenland und zwar eine positive, aufstellende. „... in einem neoliberalen Zustand gibt es keine Solidarität. Da gibt es nur Egoismus und Habgier der einzelnen Länder. Und innerhalb der einzelnen Länder, der Großoligarchien, da gibt es überhaupt keine Solidarität mehr, weder innerhalb noch außerhalb.“ KenFM: Dann müsste man auch den Filz auflösen und sagen: Ab jetzt muss jeder Grieche seine Steuern bezahlen und auch ein griechischer Reeder, gerade weil er auch ein Grieche ist und eine Verantwortung als Grieche für sein Land hat. Aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, dort gibt es Möglichkeiten. Es ist nicht so, dass das alles nur faule Griechen sind, wie die BILD-Zeitung das gerne beschreibt. Aber in der Zwischenzeit brauchen wir doch eine Art Marshallplan, weil bei Medikamenten die fehlen, kann man jetzt nicht sagen, in 5 Jahren wird alles besser. Oder wenn die Lebensmittel zu Neige gehen. Was muss denn in der Zwischenzeit passieren? Muss es hier eine europäische Solidarität geben? Wie ein Marshallplan, nur eben von Europa und nicht aus Amerika. Was braucht man in Griechenland denn jetzt? PETER KÖNIG: Genau ich könnte mir das so vorstellen, weil die Griechen sind ja wie gesagt wahrscheinlich nicht vorbereitet auf einen Plan B und auf die Situation, die früher oder später eintreffen muss, nämlich die Konversion zur Drachme, darauf sind sie nicht vorbereitet. Und dann geht das Geld aus, dann werden sie abgeschnitten und weiter bestraft. Und da muss es etwas geben wie einen Marshallplan, kann man so sagen. Ich mag zwar den Ausdruck nicht, aber wie ein revolving fond, der den Griechen helfen würde Nahrungsmittel und Medikamente und ein gewisses Sozialsystem wieder aufzubauen. Und zwar könnte das geschehen innerhalb von 4, 5 Jahren und dieser Marshallplan könnte wieder zurückbezahlt werden. Wie das ja im Prinzip auch der Fall war mit dem Marshallplan, der Europa oder Deutschland wieder aufgebaut hat, der existiert zurzeit immer noch und rotiert immer noch, wie Sie wahrscheinlich wissen innerhalb der KvW. Vorläufig würde ich aber absehen von Europa, denn in Europa gibt es diese Solidarität, die Sie ansprechen, derzeit nicht. Das wurde ganz klar. Da ist kein Staat solidarisch. Das würde auch ganz klar gezeigt werden mit Spanien und mit jedem anderen Land, das in die Zielscheibe der Troika fällt. Das ist ganz klar, diese Solidarität hat es nie gegeben und vor allem in einem neoliberalen Zustand gibt es keine Solidarität. Da gibt es nur Egoismus und Habgier der einzelnen Länder. Und innerhalb der einzelnen Länder, der Großoligarchien, da gibt es überhaupt keine Solidarität mehr, weder innerhalb noch außerhalb. Ich könnte mir aber vorstellen, dass solche Hilfsmaßnahmen, wie eben ein sogenannter Marshallplan oder so etwas ähnliches, von Russland finanziert werden könnte. Oder von China. Oder insgesamt vielleicht von den BRICS sogar, weil das wäre wahrscheinlich das Logischste, dass nicht ein Land selber damit identifiziert würde, sondern das könnte die erste Hilfsaktion der BRICS sein. Die haben ja in der Zwischenzeit eine Entwicklungsbank, die existiert, die ist mittlerweile funktionell, die könnte funktionell werden und die hat genügend Kapital. Wenn es nicht genügt, dann könnte man – da wären beide sowohl China als auch Russland, wären beide bereit dies aufzustocken und die könnten so einen Hilfsplan, einen Marshallplan durchführen, diese BRICS-Entwicklungsbank. KenFM: Aber führt das nicht automatisch zu einer Kettenreaktion? Also wenn die Griechen diesen Weg gehen würden und sich gerechter behandelt fühlen würden und mehr Solidarität außerhalb Europas finden würden, würden dann nicht andere Staaten sagen, ja dann machen wir das auch. Sie haben ja Portugal angesprochen, Spanien angesprochen, Italien möglicherweise angesprochen. Was kommt hier auf uns zu? PETER KÖNIG: Ja das hoffe ich, ich kann nur sagen, dass ich das hoffe. Ich würde es mit Freuden begrüßen, wenn diese korrupte EU und diese Gruppe von korrupten Europaparlamentariern mit der ganzen Eurozone zusammenfallen würden. Wie ich Ihnen schon Mal gesagt habe, ich war mal ein sehr starker Vertreter von Europa, von einem solidarischen, föderalen Europa mit einer gemeinsamen Währung und dem Ziel einer Föderation. Die Vision einer Föderation ist mir vorgeschwebt – das war aber alles Irrtum. Das war gar nie so vorgesehen, das wurde uns vorgegaukelt, den Europäern, damit wir nicht sehen was im Hintergrund läuft – und jetzt sehen wir was im Hintergrund läuft. Also ich könnte mir nur das Beste für Europa wünschen, dass die Eurozone zusammenfällt und diese ganze EU zusammenbricht und jedes Land von vorne beginnt und wieder mal sieht, vielleicht eine Lektion daraus lernt und dann in der nächsten Zeit, in den nächsten Jahren sich zusammen tut und vielleicht nochmals versucht, aber diesmal rechtsstaatlich und zwar als solidarische Föderation versucht sich wieder zusammenzubinden und zwar ohne Einfluss und Einwirkung von außen – nicht von den USA. Denn die USA hat ja mitgesprochen bei der Gründung, nicht offiziell aber immerhin waren die im Hintergrund, die haben das ganze praktisch manipuliert über Großbritannien. Und sie möchten bestimmt wieder mitreden, falls sie überhaupt noch existieren dann, aber das würde ich dann total ausschließen. Ich hoffe dass Europa sich dann trotzdem noch erholen kann. Allerdings muss ich sagen, wenn man Europa sieht, ich hab da mit ein paar Historikern gesprochen innerhalb der letzten paar Monate. Europa hat ja ein ganz schlechtes record. Europa ist bekannt über hunderte von Jahren als Ausbeuter und als Kolonialmacht, als Unterdrücker, als Sklaventreiber und das hat sich offenbar bis heute nicht geändert. Und trotzdem träume ich noch, dass sich das noch einmal ändern kann, denn es liegt ja im Geiste des Menschen, dass man sich verändern kann. Und ich hoffe, dass die Griechen diese Gelegenheit bieten könnte. Ich hab das mal so genannt, dass Griechenland „be the gateway to Europe“, also könnte der Toröffner sein für ein neues Europa. Das stell ich mir vor und das würde ich mir wünschen. Aber dazu gehört die gegenwärtige Eurozone nicht mehr und die gegenwärtige EU-Gemeinschaft ebenso nicht mehr und schon gar nicht dieses korrupte Parlament in Brüssel. KenFM: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann sehen Sie im Niedergang der Währung, also des Euro gar keinen Schaden sondern eine klärende Reinigung? PETER KÖNIG: Eine klärende Reinigung, das kann man sagen. „Brüssel hat Tsipras nach der Wahl, also nach dem Referendum am Sonntagabend praktisch vorgelegt, dass er bessere Chancen hätte zum Verhandeln, wenn Varoufakis nicht mehr am Verhandlungstisch mitmachen würde. Können Sie sich das vorstellen? Das ist so eine Arroganz!” KenFM: Wie wird das Ihrer Meinung nach mit Griechenland in den nächsten Wochen weitergehen, weil wir haben jetzt spekuliert und da waren auch Wünsche dabei, aber was wird denn jetzt die Realität bringen? Vielleicht sind wir einfach 25 Jahre zu früh dran. PETER KÖNIG: Ich hoffe nicht, dass es 20 Jahre dauert. Wie wird es weitergehen? Ich weiß es nicht. Wir wissen es nicht. Ich kann mir wiederum nur spekulativ vorstellen, dass es bis Sonntag eine Lösung geben sollte, obwohl das hat man jetzt seit 2 Monaten schon, mindestens seit einem Monat jetzt, seit 6 Wochen redet man darüber. Also dieser neue Finanzminister Euklid Tsakalotos ist ein Oxford educated Ökonom und man sagt von ihm, dass er – er ist zwar ein Syriza-Mitglied, Parteimitglied, was Varoufakis nicht war, aber Varoufakis war ein echter Revolutionär, und der hat mir irgendwie gefallen, der hatte ja auch marxistische Ideen, das passt natürlich nicht ins neoliberale Europa. KenFM: Warum ist er gegangen? PETER KÖNIG: Das wollte ich jetzt gerade sagen, das ist auch so was unmöglich Katastrophales. Brüssel hat Tsipras nach der Wahl, also nach dem Referendum am Sonntagabend praktisch vorgelegt, dass er bessere Chancen hätte zum Verhandeln, wenn Varoufakis nicht mehr am Verhandlungstisch mitmachen würde. Können Sie sich das vorstellen? Das ist so eine Arroganz! Und ich finde es sogar schon scheußlich, dass Tsipras das angenommen hat und ihm praktisch nahegelegt hat, er solle sich zurückziehen. Das finde ich schon eine Katastrophe in sich selber. Deshalb habe ich relativ wenig Vertrauen, dass er das Richtige macht, sondern weiterhin auf den Knien nach Brüssel reist und nach Almosen bettelt. Und diese Almosen die kommen nicht, und immer weniger, je mehr er bittet, desto weniger kommt. Also meines Erachtens was er tun sollte, und vielleicht wird er das irgendwann tun, wenn ihm genügend Leute sagen, er solle das tun, es gibt nämlich auch außerhalb dieser Delphi-Initiative Professoren, die im Ausland leben, Professionelle, die sich im Ausland zusammentun und darüber schreiben und Syriza ihre Gedanken mitteilen. Und wir von der Delphi-Initiative kriegen da praktisch alles mit, was da außerhalb geschieht. Da gibt es also sehr viel Druck und die Meinung ist ziemlich homogen, nicht total aber ziemlich, dass die einzige Lösung ist aus dem Euro auszutreten. Ob er das macht oder nicht, weiß ich nicht. Aber jedenfalls sind alles andere weitere Konzessionen, oder fordert weitere Konzession – das hat Europa jetzt schon zur Genüge gezeigt, dass die da nicht nachgeben würden, geschweige einen Schuldennachlass bieten würden – das heißt jetzt, selbst wenn Tsipras mit keinen weiteren Konzessionen mehr davon kommen würde, würde er trotzdem noch die ganze Schuld am Hals haben. Das dauert, Generationen würde das dauern. Ökonomen haben das ausgerechnet, es würde unter Umständen 100 Jahre dauern, bis diese Schuld abgearbeitet wäre mit einer linear gerechneten Wachstumsrate von 2 bis 3%. Das ist unglaublich. Diese Schuld ist natürlich wenig, die ist fast nichts diese Schuld verglichen mit der Schuld vom Rest von Europa. Aber man muss sich immer im Klaren sein, Griechenland macht kaum 2% des Bruttosozialproduktes der Eurozone aus. Und deshalb ist die heutige Schuld von 360 Milliarden Euro, die ist beträchtlich. Das sind 175% vom Bruttosozialprodukt und die abzubauen das ist eine schwere Last. Also Europa beziehungsweise die Troika will ihnen noch mehr Schulden aufbürden. KenFM: Herr König. Das erinnert mich so ein bisschen an den Versailler Vertrag. Da hab ich auch die Zahl neulich mal recherchiert. Wenn die Reparationszahlen wirklich so abgelaufen wären, wie es im Versailler Vertrag stand, dann wäre die letzte Rate 1988 bezahlt worden. PETER KÖNIG: Genau. KenFM: Wenn die Griechen sich entscheiden zur Drachme zurückzukehren, aus dem Euro auszusteigen aber in der europäischen Union zu bleiben. Was bedeutet das für Deutschland, was bedeutet das für Angela Merkel? PETER KÖNIG: Das würde für Deutschland eine Schlappe bedeuten, weil Deutschland hat stark damit gerechnet oder rechnet heute noch stark damit, dass sie Griechenland in der Tasche haben und dass Griechenland irgendwann nachgeben würde und diese Konzessionen, die von ihnen verlangt werden, dieses Austeritätsprogramm noch weiter ausweiten würde. Und das würde vor allem bedeuten, dass wahrscheinlich einige Banken abgestoßen werden könnten und dieses Geld nach dem neuen Gesetz regeln könnte. Also wie das in Zypern vor zwei Jahren geschah. Das hat man damals den Hair-cut genannt, das war also ein Bail-in, das heißt die Banken klauen das Geld von ihren Kunden und von den Aktionären. Das wäre wahrscheinlich ein erster Schritt. Damit wäre wahrscheinlich dann gleich wieder der Zeigefinger auf Griechenland gerichtet: Sieht was er uns angetan hat. Wenn ich noch was anfügen kann. Sie müssen ja wissen, oder die Europäer sollten ja wissen, dass sie seit 1990, seit diese ganze Bankregulierung von Clinton und seinen stooges aufgelöst wurde, gibt es im Prinzip keine Regeln mehr, die die Bank an eine Ratio von Eigenkapital an Darlehen bindet, nichts mehr. Praktisch jedes Darlehen, das die machen ist Geld elektronisch zu produzieren. Und so wie die Milliarden, die Billionen produziert wurden innerhalb der letzten 20 Jahre fast, oder eigentlich genau 20 Jahren, so viel Geld, dass elektronisch existiert und zwischen Banken verschoben wird und noch mehr Geld produziert durch Zinsen und Zinseszinsen, genauso könnte man die Gesamtschuld, die auf vielen Ländern liegt auslöschen, elektronisch auslöschen. Und es würde niemand darunter leiden, wenn diese Schuld von Griechenland genauso ausgelöscht würde, wie sie künstlich geschaffen wurde. KenFM: Das ist fake-money, Fiat-Money. Sollte man bei dieser Gelegenheit nicht auch etwas machen und zwar die systemrelevanten Banken abschaffen, weil sie kriegsfördernd sind und menschenverachtend? PETER KÖNIG: Ja natürlich, natürlich. Aber wer schafft die ab. Also wie gesagt ein kleines Land, das ist grass-roots, ein kleines Land müsste wiederum das Beispiel zeigen, wie Griechenland in diesem Fall, Public Banking beginnen. Und ich muss dazu noch sagen: Public Banking ist ja nichts Neues, das gibt es sogar in den USA, das gibt’s verschiedentlich. Und vor allem in North Dakota gibt es dieses public banking, und die haben ein ganz ganz positives Resultat gezeigt in der Krise von 2008 und später. North Dakota ist der einzige nordamerikanische Staat, der ökonomisch gewachsen ist. Das heißt die haben keine Verluste erlitten, dieser Staat hat also vorwärts gemacht und das hat nichts zu tun oder sehr wenig zu tun mit den Ölvorkommnissen, sondern eben wegen des Public Bankings. Weil die Public Banks haben nicht für die Shareholders gearbeitet oder die fernen CEOs und deren Bonis, sondern die haben für die lokale Ökonomie gearbeitet. KenFM: Also wie Genossenschaftsbanken hier. PETER KÖNIG: Genau, das kann man auch so sagen, Genossenschaftsbanken. Und genau dasselbe zur selben Zeit geschah in Polen, da gibt es eine Genossenschaftsbank, die fünftgrößte Bank, die hat nur so gearbeitet und die haben praktisch Polen vor einem downfall geschützt in dieser Krisenzeit mit ihren Darlehen. Während all die Banken, die für ausländisches Kapital arbeiteten und Aktionäre und CEOs, die haben keine Darlehen mehr ausgegeben, weil es zu riskant war. KenFM: Herr König, eine letzte Frage an Sie. Die Delphi-Initiative, die besteht ja wohl noch. Sie haben sich in Griechenland getroffen, das war vor dem Referendum, das ging über zwei Tage. Wie geht das denn jetzt weiter, Sie haben sich ja nicht aufgelöst? PETER KÖNIG: Nee, nee diese Delphi-Initiative wird weitergehen. Wir sind jederzeit bereit uns wieder zu treffen, wenn notwendig. In der Zwischenzeit sind wir täglich einige Male in Verbindung miteinander, über E-Mail, manchmal über Telefon. Wir sind also am Ball, was hier geschieht. Ich kann leider nicht mehr darüber sagen, weil ich nicht mehr weiß, aber wir sind total am Ball und versuchen Griechenland weiterhin zu unterstützen, eben mit dem zweiten Auge weiter über die Grenzen Griechenlands hinauszusehen und auch einen Einfluss zu haben vielleicht auch auf Europa und das ganze korrupte Währungssystem. KenFM: Noch die allerletzte Frage, da können Sie nur mit einem Ja oder Nein antworten. Ist Griechenland am Ende des Jahres noch Teil der Eurozone oder hat es auf Drachme umgestellt? PETER KÖNIG: Nein. Ich glaube, es hat auf die Drachme umgestellt. KenFM: Das heißt wir haben hier einen Wechsel und werden sehen, ob es hier zu einer Kettenreaktion kommen wird. Das sind spannende Zeiten. PETER KÖNIG: Das sind spannende Zeiten. Die nächsten Wahlen sind in Spanien, wahrscheinlich im Oktober. Es war noch nicht festgesetzt, aber vermutlich Ende Oktober und dann kann einiges geschehen. KenFM: Ein anderer großer Sektor, der unter anderen ausgebeutet wird von den Griechen, das ist die Agrarwirtschaft, aber die könnte sehr viel größer sein. Daran könnte man ebenfalls arbeiten. Dann gibt es natürlich auch noch die Industrie. Also es gibt ein unheimliches Potential, aber das ist eine strukturelle Veränderung. Eine strukturelle Veränderung innerhalb von Griechenland und zwar eine positive, aufstellende. „... in einem neoliberalen Zustand gibt es keine Solidarität. Da gibt es nur Egoismus und Habgier der einzelnen Länder. Und innerhalb der einzelnen Länder, der Großoligarchien, da gibt es überhaupt keine Solidarität mehr, weder innerhalb noch außerhalb.“ KenFM: Dann müsste man auch den Filz auflösen und sagen: Ab jetzt muss jeder Grieche seine Steuern bezahlen und auch ein griechischer Reeder, gerade weil er auch ein Grieche ist und eine Verantwortung als Grieche für sein Land hat. Aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, dort gibt es Möglichkeiten. Es ist nicht so, dass das alles nur faule Griechen sind, wie die BILD-Zeitung das gerne beschreibt. Aber in der Zwischenzeit brauchen wir doch eine Art Marshallplan, weil bei Medikamenten die fehlen, kann man jetzt nicht sagen, in 5 Jahren wird alles besser. Oder wenn die Lebensmittel zu Neige gehen. Was muss denn in der Zwischenzeit passieren? Muss es hier eine europäische Solidarität geben? Wie ein Marshallplan, nur eben von Europa und nicht aus Amerika. Was braucht man in Griechenland denn jetzt? PETER KÖNIG: Genau ich könnte mir das so vorstellen, weil die Griechen sind ja wie gesagt wahrscheinlich nicht vorbereitet auf einen Plan B und auf die Situation, die früher oder später eintreffen muss, nämlich die Konversion zur Drachme, darauf sind sie nicht vorbereitet. Und dann geht das Geld aus, dann werden sie abgeschnitten und weiter bestraft. Und da muss es etwas geben wie einen Marshallplan, kann man so sagen. Ich mag zwar den Ausdruck nicht, aber wie ein revolving fond, der den Griechen helfen würde Nahrungsmittel und Medikamente und ein gewisses Sozialsystem wieder aufzubauen. Und zwar könnte das geschehen innerhalb von 4, 5 Jahren und dieser Marshallplan könnte wieder zurückbezahlt werden. Wie das ja im Prinzip auch der Fall war mit dem Marshallplan, der Europa oder Deutschland wieder aufgebaut hat, der existiert zurzeit immer noch und rotiert immer noch, wie Sie wahrscheinlich wissen innerhalb der KvW. Vorläufig würde ich aber absehen von Europa, denn in Europa gibt es diese Solidarität, die Sie ansprechen, derzeit nicht. Das wurde ganz klar. Da ist kein Staat solidarisch. Das würde auch ganz klar gezeigt werden mit Spanien und mit jedem anderen Land, das in die Zielscheibe der Troika fällt. Das ist ganz klar, diese Solidarität hat es nie gegeben und vor allem in einem neoliberalen Zustand gibt es keine Solidarität. Da gibt es nur Egoismus und Habgier der einzelnen Länder. Und innerhalb der einzelnen Länder, der Großoligarchien, da gibt es überhaupt keine Solidarität mehr, weder innerhalb noch außerhalb. Ich könnte mir aber vorstellen, dass solche Hilfsmaßnahmen, wie eben ein sogenannter Marshallplan oder so etwas ähnliches, von Russland finanziert werden könnte. Oder von China. Oder insgesamt vielleicht von den BRICS sogar, weil das wäre wahrscheinlich das Logischste, dass nicht ein Land selber damit identifiziert würde, sondern das könnte die erste Hilfsaktion der BRICS sein. Die haben ja in der Zwischenzeit eine Entwicklungsbank, die existiert, die ist mittlerweile funktionell, die könnte funktionell werden und die hat genügend Kapital. Wenn es nicht genügt, dann könnte man – da wären beide sowohl China als auch Russland, wären beide bereit dies aufzustocken und die könnten so einen Hilfsplan, einen Marshallplan durchführen, diese BRICS-Entwicklungsbank. KenFM: Aber führt das nicht automatisch zu einer Kettenreaktion? Also wenn die Griechen diesen Weg gehen würden und sich gerechter behandelt fühlen würden und mehr Solidarität außerhalb Europas finden würden, würden dann nicht andere Staaten sagen, ja dann machen wir das auch. Sie haben ja Portugal angesprochen, Spanien angesprochen, Italien möglicherweise angesprochen. Was kommt hier auf uns zu? PETER KÖNIG: Ja das hoffe ich, ich kann nur sagen, dass ich das hoffe. Ich würde es mit Freuden begrüßen, wenn diese korrupte EU und diese Gruppe von korrupten Europaparlamentariern mit der ganzen Eurozone zusammenfallen würden. Wie ich Ihnen schon Mal gesagt habe, ich war mal ein sehr starker Vertreter von Europa, von einem solidarischen, föderalen Europa mit einer gemeinsamen Währung und dem Ziel einer Föderation. Die Vision einer Föderation ist mir vorgeschwebt – das war aber alles Irrtum. Das war gar nie so vorgesehen, das wurde uns vorgegaukelt, den Europäern, damit wir nicht sehen was im Hintergrund läuft – und jetzt sehen wir was im Hintergrund läuft. Also ich könnte mir nur das Beste für Europa wünschen, dass die Eurozone zusammenfällt und diese ganze EU zusammenbricht und jedes Land von vorne beginnt und wieder mal sieht, vielleicht eine Lektion daraus lernt und dann in der nächsten Zeit, in den nächsten Jahren sich zusammen tut und vielleicht nochmals versucht, aber diesmal rechtsstaatlich und zwar als solidarische Föderation versucht sich wieder zusammenzubinden und zwar ohne Einfluss und Einwirkung von außen – nicht von den USA. Denn die USA hat ja mitgesprochen bei der Gründung, nicht offiziell aber immerhin waren die im Hintergrund, die haben das ganze praktisch manipuliert über Großbritannien. Und sie möchten bestimmt wieder mitreden, falls sie überhaupt noch existieren dann, aber das würde ich dann total ausschließen. Ich hoffe dass Europa sich dann trotzdem noch erholen kann. Allerdings muss ich sagen, wenn man Europa sieht, ich hab da mit ein paar Historikern gesprochen innerhalb der letzten paar Monate. Europa hat ja ein ganz schlechtes record. Europa ist bekannt über hunderte von Jahren als Ausbeuter und als Kolonialmacht, als Unterdrücker, als Sklaventreiber und das hat sich offenbar bis heute nicht geändert. Und trotzdem träume ich noch, dass sich das noch einmal ändern kann, denn es liegt ja im Geiste des Menschen, dass man sich verändern kann. Und ich hoffe, dass die Griechen diese Gelegenheit bieten könnte. Ich hab das mal so genannt, dass Griechenland „be the gateway to Europe“, also könnte der Toröffner sein für ein neues Europa. Das stell ich mir vor und das würde ich mir wünschen. Aber dazu gehört die gegenwärtige Eurozone nicht mehr und die gegenwärtige EU-Gemeinschaft ebenso nicht mehr und schon gar nicht dieses korrupte Parlament in Brüssel. KenFM: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann sehen Sie im Niedergang der Währung, also des Euro gar keinen Schaden sondern eine klärende Reinigung? PETER KÖNIG: Eine klärende Reinigung, das kann man sagen. KenFM: Wie wird das Ihrer Meinung nach mit Griechenland in den nächsten Wochen weitergehen, weil wir haben jetzt spekuliert und da waren auch Wünsche dabei, aber was wird denn jetzt die Realität bringen? Vielleicht sind wir einfach 25 Jahre zu früh dran. PETER KÖNIG: Ich hoffe nicht, dass es 20 Jahre dauert. Wie wird es weitergehen? Ich weiß es nicht. Wir wissen es nicht. Ich kann mir wiederum nur spekulativ vorstellen, dass es bis Sonntag eine Lösung geben sollte, obwohl das hat man jetzt seit 2 Monaten schon, mindestens seit einem Monat jetzt, seit 6 Wochen redet man darüber. Also dieser neue Finanzminister Euklid Tsakalotos ist ein Oxford educated Ökonom und man sagt von ihm, dass er – er ist zwar ein Syriza-Mitglied, Parteimitglied, was Varoufakis nicht war, aber Varoufakis war ein echter Revolutionär, und der hat mir irgendwie gefallen, der hatte ja auch marxistische Ideen, das passt natürlich nicht ins neoliberale Europa. KenFM: Warum ist er gegangen? PETER KÖNIG: Das wollte ich jetzt gerade sagen, das ist auch so was unmöglich Katastrophales. Brüssel hat Tsipras nach der Wahl, also nach dem Referendum am Sonntagabend praktisch vorgelegt, dass er bessere Chancen hätte zum Verhandeln, wenn Varoufakis nicht mehr am Verhandlungstisch mitmachen würde. Können Sie sich das vorstellen? Das ist so eine Arroganz! Und ich finde es sogar schon scheußlich, dass Tsipras das angenommen hat und ihm praktisch nahegelegt hat, er solle sich zurückziehen. Das finde ich schon eine Katastrophe in sich selber. Deshalb habe ich relativ wenig Vertrauen, dass er das Richtige macht, sondern weiterhin auf den Knien nach Brüssel reist und nach Almosen bettelt. Und diese Almosen die kommen nicht, und immer weniger, je mehr er bittet, desto weniger kommt. Also meines Erachtens was er tun sollte, und vielleicht wird er das irgendwann tun, wenn ihm genügend Leute sagen, er solle das tun, es gibt nämlich auch außerhalb dieser Delphi-Initiative Professoren, die im Ausland leben, Professionelle, die sich im Ausland zusammentun und darüber schreiben und Syriza ihre Gedanken mitteilen. Und wir von der Delphi-Initiative kriegen da praktisch alles mit, was da außerhalb geschieht. Da gibt es also sehr viel Druck und die Meinung ist ziemlich homogen, nicht total aber ziemlich, dass die einzige Lösung ist aus dem Euro auszutreten. Ob er das macht oder nicht, weiß ich nicht. Aber jedenfalls sind alles andere weitere Konzessionen, oder fordert weitere Konzession – das hat Europa jetzt schon zur Genüge gezeigt, dass die da nicht nachgeben würden, geschweige einen Schuldennachlass bieten würden – das heißt jetzt, selbst wenn Tsipras mit keinen weiteren Konzessionen mehr davon kommen würde, würde er trotzdem noch die ganze Schuld am Hals haben. Das dauert, Generationen würde das dauern. Ökonomen haben das ausgerechnet, es würde unter Umständen 100 Jahre dauern, bis diese Schuld abgearbeitet wäre mit einer linear gerechneten Wachstumsrate von 2 bis 3%. Das ist unglaublich. Diese Schuld ist natürlich wenig, die ist fast nichts diese Schuld verglichen mit der Schuld vom Rest von Europa. Aber man muss sich immer im Klaren sein, Griechenland macht kaum 2% des Bruttosozialproduktes der Eurozone aus. Und deshalb ist die heutige Schuld von 360 Milliarden Euro, die ist beträchtlich. Das sind 175% vom Bruttosozialprodukt und die abzubauen das ist eine schwere Last. Also Europa beziehungsweise die Troika will ihnen noch mehr Schulden aufbürden. KenFM: Herr König. Das erinnert mich so ein bisschen an den Versailler Vertrag. Da hab ich auch die Zahl neulich mal recherchiert. Wenn die Reparationszahlen wirklich so abgelaufen wären, wie es im Versailler Vertrag stand, dann wäre die letzte Rate 1988 bezahlt worden. PETER KÖNIG: Genau. KenFM: Wenn die Griechen sich entscheiden zur Drachme zurückzukehren, aus dem Euro auszusteigen aber in der europäischen Union zu bleiben. Was bedeutet das für Deutschland, was bedeutet das für Angela Merkel? PETER KÖNIG: Das würde für Deutschland eine Schlappe bedeuten, weil Deutschland hat stark damit gerechnet oder rechnet heute noch stark damit, dass sie Griechenland in der Tasche haben und dass Griechenland irgendwann nachgeben würde und diese Konzessionen, die von ihnen verlangt werden, dieses Austeritätsprogramm noch weiter ausweiten würde. Und das würde vor allem bedeuten, dass wahrscheinlich einige Banken abgestoßen werden könnten und dieses Geld nach dem neuen Gesetz regeln könnte. Also wie das in Zypern vor zwei Jahren geschah. Das hat man damals den Hair-cut genannt, das war also ein Bail-in, das heißt die Banken klauen das Geld von ihren Kunden und von den Aktionären. Das wäre wahrscheinlich ein erster Schritt. Damit wäre wahrscheinlich dann gleich wieder der Zeigefinger auf Griechenland gerichtet: Sieht was er uns angetan hat. Wenn ich noch was anfügen kann. Sie müssen ja wissen, oder die Europäer sollten ja wissen, dass sie seit 1990, seit diese ganze Bankregulierung von Clinton und seinen stooges aufgelöst wurde, gibt es im Prinzip keine Regeln mehr, die die Bank an eine Ratio von Eigenkapital an Darlehen bindet, nichts mehr. Praktisch jedes Darlehen, das die machen ist Geld elektronisch zu produzieren. Und so wie die Milliarden, die Billionen produziert wurden innerhalb der letzten 20 Jahre fast, oder eigentlich genau 20 Jahren, so viel Geld, dass elektronisch existiert und zwischen Banken verschoben wird und noch mehr Geld produziert durch Zinsen und Zinseszinsen, genauso könnte man die Gesamtschuld, die auf vielen Ländern liegt auslöschen, elektronisch auslöschen. Und es würde niemand darunter leiden, wenn diese Schuld von Griechenland genauso ausgelöscht würde, wie sie künstlich geschaffen wurde. KenFM: Das ist fake-money, Fiat-Money. Sollte man bei dieser Gelegenheit nicht auch etwas machen und zwar die systemrelevanten Banken abschaffen, weil sie kriegsfördernd sind und menschenverachtend? PETER KÖNIG: Ja natürlich, natürlich. Aber wer schafft die ab. Also wie gesagt ein kleines Land, das ist grass-roots, ein kleines Land müsste wiederum das Beispiel zeigen, wie Griechenland in diesem Fall, Public Banking beginnen. Und ich muss dazu noch sagen: Public Banking ist ja nichts Neues, das gibt es sogar in den USA, das gibt’s verschiedentlich. Und vor allem in North Dakota gibt es dieses public banking, und die haben ein ganz ganz positives Resultat gezeigt in der Krise von 2008 und später. North Dakota ist der einzige nordamerikanische Staat, der ökonomisch gewachsen ist. Das heißt die haben keine Verluste erlitten, dieser Staat hat also vorwärts gemacht und das hat nichts zu tun oder sehr wenig zu tun mit den Ölvorkommnissen, sondern eben wegen des Public Bankings. Weil die Public Banks haben nicht für die Shareholders gearbeitet oder die fernen CEOs und deren Bonis, sondern die haben für die lokale Ökonomie gearbeitet. KenFM: Also wie Genossenschaftsbanken hier. PETER KÖNIG: Genau, das kann man auch so sagen, Genossenschaftsbanken. Und genau dasselbe zur selben Zeit geschah in Polen, da gibt es eine Genossenschaftsbank, die fünftgrößte Bank, die hat nur so gearbeitet und die haben praktisch Polen vor einem downfall geschützt in dieser Krisenzeit mit ihren Darlehen. Während all die Banken, die für ausländisches Kapital arbeiteten und Aktionäre und CEOs, die haben keine Darlehen mehr ausgegeben, weil es zu riskant war. KenFM: Herr König, eine letzte Frage an Sie. Die Delphi-Initiative, die besteht ja wohl noch. Sie haben sich in Griechenland getroffen, das war vor dem Referendum, das ging über zwei Tage. Wie geht das denn jetzt weiter, Sie haben sich ja nicht aufgelöst? PETER KÖNIG: Nee, nee diese Delphi-Initiative wird weitergehen. Wir sind jederzeit bereit uns wieder zu treffen, wenn notwendig. In der Zwischenzeit sind wir täglich einige Male in Verbindung miteinander, über E-Mail, manchmal über Telefon. Wir sind also am Ball, was hier geschieht. Ich kann leider nicht mehr darüber sagen, weil ich nicht mehr weiß, aber wir sind total am Ball und versuchen Griechenland weiterhin zu unterstützen, eben mit dem zweiten Auge weiter über die Grenzen Griechenlands hinauszusehen und auch einen Einfluss zu haben vielleicht auch auf Europa und das ganze korrupte Währungssystem. KenFM: Noch die allerletzte Frage, da können Sie nur mit einem Ja oder Nein antworten. Ist Griechenland am Ende des Jahres noch Teil der Eurozone oder hat es auf Drachme umgestellt? PETER KÖNIG: Nein. Ich glaube, es hat auf die Drachme umgestellt. KenFM: Das heißt wir haben hier einen Wechsel und werden sehen, ob es hier zu einer Kettenreaktion kommen wird. Das sind spannende Zeiten. PETER KÖNIG: Das sind spannende Zeiten. Die nächsten Wahlen sind in Spanien, wahrscheinlich im Oktober. Es war noch nicht festgesetzt, aber vermutlich Ende Oktober und dann kann einiges geschehen. KenFM: Herr König, ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch und dass Sie uns Einsicht gegeben haben in die Delphi-Initiative. Peter König war das, der Teil der Delphi-Initiative ist, von der man in unserer Presse kaum etwas liest. Warum kann man sich denken. Und ich glaube wir haben dieses Spiel, das so einfach dargestellt wird: Da gibt es Griechen und die wollen dauernd Geld ausgeben und es nicht zurückgeben – wir haben dieses Spiel aufgedröselt und gezeigt, dass sich wesentlich mehr unter dem Tisch befindet, als auf dem Tisch suggeriert wird, was darauf liegt. Es brodelt in Europa und das hat zwei Komponenten, es kann kriegerisch enden, es kann aber auch eine positive Reinigung sein. Wir hoffen mal das Letztere, denn einen Krieg das braucht wirklich niemand in Europa. Wir brauchen keinen dritten großen Krieg in Europa. Ich glaube da sind wir uns einig, hier in Deutschland und Sie als Schweizer. PETER KÖNIG: Absolut. KenFM: Vielen Dank in die Schweiz. PETER KÖNIG: Danke Ihnen vielmals. Danke, dass Sie mit mir gesprochen haben. Es hat mich gefreut und hoffentlich auf bald wieder. KenFM: Auf Wiedersehen.
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