Durchgesickerte Dokumente entlarven:
20 Dez 2020
Massive Syrien-Propaganda-Operation von westlicher Auftragsfirmen und Medien
Von westlichen Regierungen finanzierte Geheimdienstmitarbeiter bildeten syrische Oppositionsführer aus, pflanzten Storys in Medien von BBC bis Al Jazeera und leiteten einen Kader von Journalisten. Ein Fundus an geleakten Dokumenten entlarvt nun das Propagandanetz.
Profilbild von Benjamin Norton
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(Bildquelle: thegrayzone.com)

UPDATE (29. September 2020): Wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels wurde die Echtheit dieser geleakten Materialien indirekt von der britischen Regierung bestätigt. Sie berichtete, dass Hunderte von Dokumenten des Außenministeriums, in denen ihre Propagandaoperationen für Syrien im Einzelnen beschrieben sind, bei einem angeblichen Cyberangriff gehackt wurden. [1]

 

Geleakte Dokumente zeigen, wie Auftragsfirmen der britischen Regierung eine fortschrittliche Propaganda-Infrastruktur entwickelten, um im Westen die Unterstützung der politischen und bewaffneten Opposition Syriens zu fördern.


Nahezu jeder Aspekt der syrischen Opposition wurde von westlichen, von dessen Regierungen unterstützten PR-Firmen aufgebaut und verbreitet, von ihren politischen Narrativen bis hin zu ihrem Branding, von dem, was sie sagten, bis zu dem, wo sie es sagten.
Aus den geleakten Akten wird deutlich, wie westliche Geheimdienstmitarbeiter die Medien geschickt wie eine Klaviatur beherrschten, indem sie sorgfältig eine Berichterstattung in englischer und arabischer Sprache über den Krieg gegen Syrien zusammenbastelten, um einen konstanten Strom von Pro-Oppositionsberichten zu erzeugen.


US-amerikanische und europäische Auftragsfirmen schulten und berieten syrische Oppositionsführer auf allen Ebenen, von jungen Medienaktivisten bis hin zu den Chefs der Parallelregierung im Exil. Diese Firmen organisierten auch Interviews für syrische Oppositionsführer in etablierten Medien wie der BBC und dem britischen Channel 4.


Mehr als die Hälfte der von Al Jazeera in Syrien eingesetzten Recherche-Assistenten vor Ort (engl. „Stringer“) wurden im Rahmen eines gemeinsamen Programms der US-amerikanischen und britischen Regierung namens Basma ausgebildet, das Hunderte von syrischen Oppositionsmedien-Aktivisten hervorbrachte.


PR-Firmen der westlichen Regierungen beeinflussten nicht nur die Art und Weise, wie die Medien über Syrien berichteten, sondern – das zeigen die Dokumente auch – sie produzierten ihre eigenen propagandistischen Pseudonachrichten, die von den großen Fernsehsendern im Nahen Osten ausgestrahlt wurden; darunter BBC Arabic, Al Jazeera, Al Arabiya und Orient TV.


Diese vom Vereinigten Königreich finanzierten Firmen fungierten als PR-Agenten in Vollzeit für die vom Extremismus dominierte bewaffnete syrische Opposition. Eine Auftragsfirma, InCoStrat, sagte, er stehe in ständigem Kontakt mit einem Netzwerk von mehr als 1.600 internationalen Journalisten und „Einflussnehmern“ und benutzte sie, um pro-oppositionelle Gesprächsthemen voranzutreiben.


Eine weitere Firma im Auftrag westlicher Regierungen, ARK, entwarf eine Strategie, um der bewaffneten salafi-jihadistischen Opposition Syriens durch „Aufweichung ihres Images“ ein „neues Image“ zu verpassen. ARK brüstete sich sogar damit, dass sie der Opposition Propaganda lieferte, die „fast täglich” auf großen arabischsprachigen Fernsehsendern ausgestrahlt wurde.


Nahezu alle großen westlichen Konzernmedien wurden durch die von der britischen Regierung finanzierten Desinformationskampagne beeinflusst, wie in dem Schatz an durchgesickerten Dokumenten aufgedeckt wurde: Von der New York Times bis zur Washington Post, von CNN bis zum The Guardian, von der BBC bis zu BuzzFeed.


Die Akten bestätigen die Berichterstattung von Journalisten, wie Max Blumenthal von „The Grayzone”, über die Rolle von ARK [2]. Die Auftragsfirma der britischen und der US-Regierung hatte die Popularisierung der Weißhelme in den westlichen Medien betrieben [3]. ARK verwaltete die Social Media-Konten der Weißhelme und trug dazu bei, die aus westlichen Mitteln finanzierte Gruppe zu einer der wichtigsten Propagandawaffen der syrischen Opposition zu machen [4].


Bei den geleakten Dokumenten [5] handelt es sich hauptsächlich um Material, das unter der Federführung des britischen Außen- und Commonwealth-Ministeriums erstellt wurde. Alle in den Akten genannten Firmen wurden von der britischen Regierung unter Vertrag genommen. Viele führten aber auch „Multi-Geber-Projekte“ durch, die von den Regierungen der Vereinigten Staaten und anderer westeuropäischer Länder finanziert wurden.


Die Dokumente zeigen nicht nur, welche Rolle diese westlichen Geheimdienstmitarbeiter bei der Gestaltung der Medienberichterstattung spielten, sondern beleuchten auch das Programm der britischen Regierung zur Ausbildung und Bewaffnung von Rebellengruppen in Syrien.


Andere Materialien zeigen, wie London und westliche Regierungen beim Aufbau einer neuen Polizei in von der Opposition kontrollierten Gebieten zusammengearbeitet haben.


Viele dieser vom Westen unterstützten Oppositionsgruppen in Syrien waren extremistische Salafi-Dschihadisten. Einige der Auftragsfirmen der britischen Regierung, deren Aktivitäten in diesen durchgesickerten Dokumenten aufgedeckt werden, unterstützten faktisch die syrische al-Qaida-Mitgliedsorganisation Jabhat al-Nusra [6] und ihre fanatischen Ableger.


Die Dokumente wurden von einer Gruppe beschafft, die sich selbst Anonymous nannte. Sie wurden in einer Serie von Akten veröffentlicht (Titel: „Op. HMG – Der Regierung Ihrer Majestät“, „Trojanisches Pferd: Von der Integrity Initiative zu Geheimoperationen rund um den Globus“[7], „Teil 1: Die Zähmung Syriens“). Die nicht anonymen Informanten sagten, sie wollten „kriminelle Aktivitäten des britischen Außenministeriums und der Geheimdienste aufdecken“ und kündigten an: „Wir erklären dem britischen Neokolonialismus den Krieg!“


The Grayzone war nicht in der Lage, die Echtheit der Dokumente unabhängig zu überprüfen. Der Inhalt stand jedoch in engem Zusammenhang mit der Berichterstattung über westliche Destabilisierungs- und Propagandaoperationen in Syrien durch diese und viele andere Medien [8].

(Update: Nach der Veröffentlichung dieses Artikels bestätigte die britische Regierung gegenüber Middle East Eye, dass Dokumente des Auswärtigen Amtes über die Arbeit seiner Auftragsfirmen in Syrien gehackt und online veröffentlicht worden seien [9]).


Das britische Außenministerium und das Militär führen einen Medienkrieg gegen Syrien


Ein durchgesickerter Bericht des britischen Außen- und Commonwealth von 2014 enthüllt eine gemeinsame Operation mit dem Verteidigungsministerium und dem Ministerium für internationale Entwicklung zur Unterstützung „strategischer Kommunikation, Forschung, Überwachung und Evaluierung und operativer Unterstützung syrischer Oppositionseinheiten“ [10].


Das britische Außenministerium stellte klar, dass diese Kampagne darin bestand, „Netzwerkverbindungen zwischen politischen Bewegungen und Medien zu schaffen“, und zwar durch den „Aufbau lokaler unabhängiger Medienplattformen“.
Die britische Regierung plante „Mentoring, Schulung und Coaching für eine stärkere Bereitstellung von Mediendienstleistungen, einschließlich digitaler und sozialer Medien“.


Ihr Ziel war „die Bereitstellung von Ausbildern für PR und Medienarbeit sowie von technischem Personal wie Kameraleuten, Webmastern und Dolmetschern“ sowie die „Produktion von Reden, Pressemitteilungen und anderen Medienmitteilungen“.
In einem weiteren Regierungsdokument für 2017 wird verdeutlicht, wie Großbritannien die „Auswahl, Ausbildung, Unterstützung und Kommunikationsbetreuung syrischer Aktivisten finanziert hat, die die Vision des Vereinigten Königreichs für ein zukünftiges Syrien teilen ... und die sich an eine Reihe von Werten halten werden, die mit der britischen Politik übereinstimmen“ [11].

 


ARK präsentiert sich auf seiner Website als Dienstleister für strategische Kommunikation in nahezu allen Krisenherden dieser Welt. Als Referenzen werden verschiedenste Regierungsinstitutionen genannt. (Bild: Scrreenshot  www.ark.international)

 


Diese Initiative beinhaltete Finanzmittel der britischen Regierung, „um den syrischen Medien-Aktivismus an der Basis sowohl in der zivilen als auch in der bewaffneten Opposition zu unterstützen“, und richtete sich an Syrer, die sowohl in „extremistischen als auch in gemäßigten“, von der Opposition kontrollierten Gebieten leben.


Mit anderen Worten: Das britische Außenministerium und das Militär schmiedeten Pläne, um einen umfassenden Medienkrieg gegen Syrien zu führen. Um eine Infrastruktur aufzubauen, die in der Lage war, den Propaganda-Blitzangriff zu bewältigen, bezahlte Großbritannien eine Reihe von Auftragsfirmen der Regierung, darunter ARK, The Global Strategy Network (TGSN), Innovative Communication & Strategies (InCoStrat) und Albany.


Die Arbeit dieser Firmen überschneidet sich, und einige von ihnen arbeiteten in ihren Projekten zusammen, um die syrische Opposition zu stärken.


Die westliche Auftragsfirma ARK beherrscht die Medien wie eine Klaviatur


Eine der wichtigsten Auftragsfirmen der britischen Regierung hinter dem syrischen Programm für den Regime Change hieß ARK (Analysis Research Knowledge). Die ARK FZC [12] hat ihren Sitz in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie bezeichnet sich selbst als eine humanitäre NRO und behauptet, sie sei „geschaffen worden, um den Schwächsten zu helfen“, indem sie ein „soziales Unternehmen gründete, das lokale Gemeinschaften durch die Bereitstellung agiler und nachhaltiger Interventionen befähigt, mehr Stabilität, Chancen und Hoffnung für die Zukunft zu schaffen“.


In Wirklichkeit ist ARK ein nachrichtendienstliches Organ, das als Arm westlicher Manipulationen fungiert.
In einem geleakten Dokument, welches bei der britischen Regierung eingereicht wurde, sagte ARK, dass „ihr Schwerpunkt seit 2012 auf der Bereitstellung hochwirksamer, politisch und konfliktsensibler Syrien-Programme für die Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten, Dänemarks, Kanadas, Japans und der Europäischen Union liegt“ [13].


Die ARK brüstete sich damit, Verträge im Wert von 66 Millionen Dollar zur Unterstützung der oppositionellen Bemühungen in Syrien zu unterhalten. Auf ihrer Website führt die ARK alle diese Regierungen sowie die Vereinten Nationen als Kunden auf.

Bei ihren Operationen in Syrien arbeitete die ARK mit einer anderen britischen Auftragsfirma namens The Global Strategy Network (TGSN) zusammen, das von Richard Barrett geleitet wird – einem ehemaligen Direktor für globale Terrorismusbekämpfung beim MI6 [14].


Dem Anschein nach hatte die ARK zu Beginn des Versuchs eines Regimewechsels im Jahr 2011 Agenten vor Ort in Syrien. Sie berichtete dem britischen Außenministerium, dass „die Mitarbeiter der ARK in regelmäßigem Kontakt mit Aktivisten und Akteuren der Zivilgesellschaft stehen, die sie ursprünglich während des Ausbruchs der Proteste im Frühjahr 2011 getroffen hatten“ [15].

 

Auszug aus den ARK-Planungen der öffentlichen Kommunikation zur „Schönfärberei“ des FSA-Images:
Die Veröffentlichungen in Phase 4 werden je nach Kapazitäten und Erfordernissen variieren, können jedoch aufgrund früherer Erfahrungen einbezogen werden:
· 4x Plakatkampagnen (öffentliche Erwartungen, Bekanntmachung der FSA und ihrer Verantwortung).
· 1x Faltblatt (FSA-Regeln des Engagements und die Rolle des SMC)
· 4x Radiospots
· 8x ENGs (Erwartungen der Bevölkerung an die FSA, Helden der FSA, FSA-Regeln des Engagements)
Kostenvoranschläge für diese Produkte wurden vorgelegt, sind jedoch nicht im Budget enthalten.

Aufweichung des Images der FSA:
Aufkleber vorher - Aufkleber nachher
Abbildung 2: Basma hat bereits ein begrenztes Rebranding für die FSA durchgeführt, das gut aufgenommen wurde.

Die ARK wird die bestehenden Kommunikationsnetzwerke in Syrien und Basmas umfangreiche Erfahrung in der Content-Erstellung und -Verbreitung nutzen, wie im Folgenden dargelegt wird.

 

 

Die britische Auftragsfirma rühmte sich eines „umfangreichen Netzwerks von Akteuren der Zivilgesellschaft und der Gemeinschaft, dem die ARK durch ein spezielles Zentrum für Kapazitätsaufbau in Gaziantep geholfen hat“. Gaziantep ist eine Stadt in der Südtürkei, die als Basis für Geheimdienstoperationen gegen die syrische Regierung diente.


Die ARK spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Grundlagen des Narrativs einer syrischen politischen Opposition. In einem durchgesickerten Dokument würdigte das Unternehmen die „Entwicklung einer zentralen syrischen Oppositionserzählung“, die offenbar während einer Reihe von Workshops mit Oppositionsführern ausgearbeitet wurde. Diese Workshops waren von den Regierungen der USA und Großbritanniens gesponsert worden [16].


ARK schulte alle Ebenen der syrischen Opposition in Kommunikationsfragen, von „Bürgerjournalismus-Workshops mit syrischen Medienaktivisten bis hin zur Zusammenarbeit mit hochrangigen Mitgliedern der National Coalition zur Entwicklung einer zentralen Kommunikationserzählung“.


Die Firma beaufsichtigte sogar die PR-Strategie für den Obersten Militärrat (SMC). Bei diesem Obersten Militärrat handelt es sich um die Führung des offiziellen bewaffneten Flügels der syrischen Opposition – der Freien Syrischen Armee (FSA). Die ARK schuf eine komplexe PR-Kampagne, um „dem SMC ein ‚Re-Branding’ zu verschaffen, mit dem Ziel, sich von den extremistischen bewaffneten Oppositionsgruppen abzugrenzen und das Image eines funktionierenden, integrativen, disziplinierten und professionellen militärischen Gremiums zu etablieren“.


Die ARK gab zu, dass sie versuchte, die weitgehend von Salafi-Dschihadisten dominierte bewaffnete Opposition Syriens durch „Weichzeichnen des FSA-Images“ schönzufärben [17]. Sie übernahm die Führung beim Aufbau eines massiven Netzwerks oppositioneller Medienaktivisten in Syrien und bekam offenen Beifall für die Anstiftung zu Protesten innerhalb des Landes. In seinen Schulungszentren in Syrien und der Südtürkei berichtete die Auftragsfirma der westlichen Regierung: „Mehr als 150 Aktivisten wurden von der ARK zu Themen von den Grundlagen der Kamerahandhabung, Beleuchtung und Beschallung bis hin zur Produktion von Reportagen, journalistischer Sicherheit, Online-Sicherheit und ethischer Berichterstattung ausgebildet und ausgerüstet.“ [18]. Die Firma überschwemmte Syrien mit Oppositionspropaganda. In nur sechs Monaten wurden laut ARK 668.600 ihrer Printprodukte innerhalb Syriens verteilt, darunter „Plakate, Flyer, Informationsbroschüren, Aktivitätsbücher und andere kampagnenbezogene Materialien“.


In einem Dokument werden die Kommunikations-Operationen britischer Auftragsfirmen in Syrien beschrieben. Hier rühmten sich ARK und der britische Geheimdienst TGSN damit, Mitarbeiter von Medien innerhalb des Landes kontrolliert zu haben. Es handelt sich dabei um 97 Recherche-Assistenten („Stringer“), 23 Autoren, 49 Vertriebshändler, 23 Fotografen, 19 Ausbilder im Land, acht Ausbildungszentren, drei Medienbüros und 32 wissenschaftliche Mitarbeiter. [19]


Die ARK betonte, dass sie „gut gefestigte Kontakte“ mit einigen der wichtigsten Medien der Welt unterhielte, nannte dabei Reuters, die New York Times, CNN, die BBC, The Guardian, die Financial Times, The Times, Al Jazeera, Sky News Arabic, Orient TV und Al Arabiya.


Die britische Auftragsfirma fügte hinzu: „ARK liefert seit 2012 regelmäßig markenbezogene und markenlose Inhalte an wichtige gesamt-arabische und syrische Satellitenfernsehsender wie Al Jazeera, Al Arabiya, BBC Arabic, Orient TV, Aleppo Today, Souria al-Ghadd und Souria al-Sha‘ab“ [20].


Das Unternehmen prahlte, „indem ARK-Medienprodukte auf Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensweisen hinwirken, werben sie für die Interessen der britischen Regierung und werden fast täglich auf Kanälen im gesamten arabischen Raum ausgestrahlt“ [21].


Im Jahr 2014 produzierte die ARK durchschnittlich 20 markengebundene und markenlose Syrien-Berichte pro Monat, die auf den wichtigsten arabischsprachigen Fernsehkanälen wie Al Arabiya, Al Jazeera und Orient TV ausgestrahlt wurden. „Die ARK hält fast täglich Gespräche mit Sendern und wöchentliche Treffen ab, um redaktionelle Anliegen einzubringen und zu verstehen“, heißt es in dem westlichen Geheimdienstpapier. Ebenfalls auf das Konto der Firma ging die Platzierung von zehn Artikeln pro Monat in gesamt-arabischen Zeitungen wie Al Hayat und Asharq Al-Awsat.


Das amerikanisch-britische Programm „Basma“ züchtet syrische Medienaktivisten heran


Der Krieg der syrischen Oppositionsmedien wurde im Nachgang eines Projekts mit dem Namen Basma organisiert. Die ARK arbeitete über Basma mit anderen westlichen Auftragsfirmen der Regierung zusammen, um syrische Oppositionsaktivisten auszubilden.
Mit der Finanzierung sowohl durch die US-amerikanische als auch durch die britische Regierung entwickelte sich Basma zu einer enorm einflussreichen Plattform. Seine arabische Facebook-Seite hatte über 500.000 Anhänger, und auch auf YouTube baute es eine große Fangemeinde auf.


Die Mainstream-Medien der Unternehmensmedien stellten Basma fälschlicherweise als eine „Plattform für syrischen Bürgerjournalismus“ [22] dar oder als eine „zivilgesellschaftliche Gruppe, die sich für einen ‚befreienden, progressiven Übergang zu einem neuen Syrien’ einsetzt“ [23]. In Wirklichkeit handelte es sich um eine sog. Astroturfing-Aktion, eine künstliche Graswurzelbewegung westlicher Regierungen, um oppositionelle Propagandisten aufzubauen.


Neun der 16 Recherche-Assistenten (Stringer), die Al Jazeera in Syrien einsetzt, wurden im Rahmen der Basma-Initiative der US/UK-Regierung ausgebildet, rühmte sich die ARK in einem geleakten Dokument [24].


In einem früheren Bericht für das britische Außenministerium, der nur drei Jahre nach Beginn ihrer Aktivitäten vorgelegt wurde, behauptete die ARK, sie habe „über 1.400 Begünstigte – die mehr als 210 begünstigte Organisationen vertreten – in mehr als 130 Workshops geschult und mehr als 53.000 einzelne Ausrüstungsgegenstände ausgezahlt“. Ein riesiges Netzwerk, das „in alle 14 Regierungsbezirke Syriens“ reichte und sowohl von der Opposition als auch von der Regierung kontrollierte Gebiete umfasste (vgl. Abb. 3).

 


Abb.3


Die westliche Regierungs-Auftragsfirma veröffentlichte eine Karte, auf der sein Netzwerk von Stringern und Medienaktivisten und ihre Beziehungen zu den Weißhelmen sowie neu geschaffene Polizeikräfte in dem von der Opposition kontrollierten Syrien dargestellt wurden (vgl. Abb.4).

 


Abb.4

 


In ihren Trainings bildete die ARK Sprecher der Opposition aus und brachte ihnen bei, wie man mit der Presse spricht, half zudem bei der Vermittlung von Interviews mit arabischen und englischsprachigen Medien.


Die ARK beschrieb ihre Strategie so: „Glaubwürdige, gemäßigte zivile Regierungssprecher zu rekrutieren, die als Ansprechpartner für die regionalen und internationalen Medien gefördert werden. Diese können gezielt medienübergreifend Schlüsselbotschaften im Zusammenhang mit den koordinierten lokalen Kampagnen verbreiten, wobei die Plattformen des Konsortiums auch in der Lage seien, diese Botschaften abzudecken und andere Kanäle so zu ermutigen, sie ebenfalls aufzugreifen“.


Neben der Zusammenarbeit mit der internationalen Presse und der Ausbildung von Oppositionsführern trug die ARK dazu bei, einen massiven Überbau oppositioneller Medien aufzubauen.


Die ARK erklärte, sie sei „ein wichtiger Akteur bei den Bemühungen mehrerer Geldgeber, seit 2012 in Syrien ein Netzwerk von UKW-Radiosendern und Publikumszeitschriften aufzubauen“ [25]. Die Auftragsfirma arbeitete mit 14 Radiostationen und 11 Magazinen in Syrien zusammen, darunter sowohl arabisch- als auch kurdisch-sprachige Sender.


Um Oppositionssendungen in ganz Syrien zu verbreiten, entwarf ARK 2012 so genannte „Radio in a Box“-Ausrüstungen (RIAB) – preiswerte, mobile Sendestationen. Die Firma verbuchte so auf ihr Konto, die Sendetechnik für 48 Sendemasten bereitgestellt zu haben.


Außerdem brachte ARK bis zu 30.000 Zeitschriften pro Monat in Umlauf. Sie berichtete, dass „die von ARK unterstützten Zeitschriften die drei beliebtesten in Aleppo City, die beliebteste Zeitschrift in der Stadt Homs und die beliebteste Zeitschrift in Qamischli waren“.


Ein direkt von der ARK betriebenes Propagandabüro der syrischen Opposition namens Moubader [26] entwickelte eine große Fangemeinde in den sozialen Medien, darunter mehr als 200.000 auf Facebook. Die ARK druckte monatlich 15.000 Exemplare eines „qualitativ hochwertig gedruckten“ Moubader-Magazins und verteilte es „in den von der Opposition kontrollierten Gebieten Syriens“.
Die britische Auftragsfirma TGSN, der mit der ARK zusammenarbeitete, entwickelte eine eigene Verkaufsstelle mit dem Namen „Medienbüro der Revolutionären Kräfte Syriens (RFS)“ [27], wie ein geleaktes Dokument zeigt. Dies bestätigt einen 2016 in The Grayzone erschienenen Bericht der Mitarbeiterin Rania Khalek [28]. Diese erhielt E-Mails, aus denen hervorgeht, dass das von der britischen Regierung unterstützte Medienbüro des RFS einem Journalisten für die Produktion von Propaganda für syrische Rebellen schwindelerregende 17.000 Dollar pro Monat zahlen wollte [29].


Ein weiterer geleakter Eintrag zeigt, dass in nur einem Jahr, im Jahr 2018 – offenbar das letzte Jahr des Syrien-Programms der ARK – die Firma der britischen Regierung erstaunliche 2,3 Millionen britische Pfund in Rechnung stellte [30].


Diese enorme Propagandaoperation der ARK wurde von Firas Budeiri [31] geleitet, der zuvor als Syrien-Direktor der in Großbritannien ansässigen internationalen Nichtregierungsorganisation „Save the Children“ gedient hatte.


Vierzig Prozent des syrischen Projektteams der ARK waren syrische Staatsbürger, weitere 25 Prozent Türken. Das Unternehmen gab an, dass die Mitarbeiter seines Syrien-Teams „über umfangreiche Erfahrungen bei der Leitung von Programmen und der Durchführung von Forschungsarbeiten verfügten, die von vielen verschiedenen Regierungskunden auf folgenden Gebieten finanziert wurden: Im Libanon, in Jordanien, Syrien, im Jemen, in der Türkei, in den Palästinensischen Gebieten, im Irak und in anderen von Konflikten betroffenen Staaten“. [32]


ARK baute die Weißhelme auf, „um Syrien in den Nachrichten präsent zu halten“


Die ARK war auch eine zentrale Komponente beim Auftakt der „Weißhelme“-Operation [33]. Aus den durchgesickerten Dokumenten geht hervor, dass die ARK die Twitter- und Facebook-Seiten des „syrischen Zivilschutzes“ betrieb, besser bekannt als die „Weißhelme“.


Auf ihre Fahnen schrieb die ARK die Entwicklung einer „international ausgerichteten Kommunikationskampagne, mit der der weltweite Bekanntheitsgrad der (White Helmets) -Teams und ihre „lebensrettende“ Arbeit gesteigert werden sollte [34].


Die ARK ermöglichte auch die Kommunikation zwischen den Weißhelmen und der „Syria Campaign“ [35], einer PR-Firma mit Sitz in London und New York, die zur Popularisierung der Weißhelme in den Vereinigten Staaten beitrug.


Offenbar „nach ausführlichen Diskussionen mit der ARK und den Teams“ wählte die Firma Syria-Campaign „den Zivilschutz (Weißhelme) aus, um ihre Kampagne, Syrien in den Nachrichten zu halten, voranzutreiben“, schrieb die Firma in einem Bericht für das britische Außenministerium.


„Unter Anleitung der ARK nahm TSC (The Syria Campaign) auch an den Zivilschutz-Schulungen der ARK teil, um Medieninhalte für ihre #WhiteHelmets-Kampagne zu erstellen, die im August 2014 startete und seitdem viral ging“, fügte die westliche Auftragsfirma hinzu. Im Jahr 2014 produzierte die ARK einen Dokumentarfilm über die Weißhelme mit dem Titel „Digging for Life“, der wiederholt im Orient-TV ausgestrahlt wurde. Während sie die Sozialen Medien der Weißhelme betrieb, prahlte die ARK damit, dass sie auf der Facebook-Seite für den Stadtrat von Idlib die Zahl der Klicks und Abonnenten nach oben trieb.


Die syrische Stadt Idlib wurde von der al-Qaida-Mitgliedsorganisation Jabhat al-Nusra eingenommen, die daraufhin Frauen, die des Ehebruchs beschuldigt wurden, öffentlich hinrichten ließ.


ARK und der britische Geheimdienst TGSN unterstützten diese von Al-Qaida ausgerichteten extremistischen Gruppen effektiv. Gleichzeitig unterzeichneten sie jedoch ein Dokument mit der FCO, in dem sie sich merkwürdiger Weise dazu verpflichten, den „britischen Leitlinien zur Sensibilität der Geschlechter“ zu folgen und „sicherzustellen, dass das Geschlecht beim Aufbau von Kapazitäten und bei der Kampagnenentwicklung berücksichtigt wird” [36].


Bühne frei für den Krieg der Gerichtsurteile gegen Syrien


Ein weiteres geleaktes Dokument enthüllt, dass die von westlichen Regierungen unterstützte Firma ARK bereits 2011 mit einer anderen Auftragsfirma der Regierung namens Tsamota zusammenarbeitete, um bei der Entwicklung der syrischen Kommission für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht (SCJA) zu helfen [37]. Im Jahr 2014 änderte die SCJA ihren Namen in Kommission für Internationale Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht (Commission for International Justice and Accountability, CIJA) [38].


Das Magazin „The Grayzone“ entlarvte die CIJA als eine von westlichen Regierungen finanzierte Organisation für Regimewechsel, deren Ermittler mit al-Qaida und ihren extremistischen Verbündeten zusammenarbeiteten, um die syrische Regierung auch mit rechtlichen Mitteln zu bekriegen [39].


Die ARK merkte an, dass das Projekt zunächst „mit einer Anschubfinanzierung aus dem britischen Konfliktpool zur Unterstützung der ermittlungstechnischen und forensischen Ausbildung syrischer Ermittler für Kriegsverbrechen“ arbeitete und sich seither „zu einem wichtigen Bestandteil der syrischen Übergangsjustizarchitektur entwickelt hat“.


Seit die USA, die Europäische Union und ihre Verbündeten im Nahen Osten die militärische Phase ihres Krieges gegen Syrien verloren haben, hat die CIJA die Führung bei dem Versuch übernommen, einen Regimewechsel mit rechtlichen Mitteln durchzusetzen.


InCoStrat erschafft ein Medien-Netzwerk und hilft bei Interviews mit al-Qaida


In den geleakten Dokumenten prahlte eine andere Auftragsfirma der britischen Regierung namens Innovative Communications Strategies (InCoStrat) damit, ein massives „Netzwerk von über 1600 Journalisten und wichtigen Einflussnehmern mit dem Schwerpunkt Syrien“ aufgebaut zu haben [40].


InCoStrat betonte, dass es „ein Multi-Geber-Projekt zur Unterstützung der außenpolitischen Ziele des Vereinigten Königreichs“ in Syrien „verwaltet und durchführt und insbesondere der gemäßigten bewaffneten Opposition strategische Kommunikationsunterstützung bietet“ [41]. Zu den weiteren Geldgebern der Arbeit von InCoStrat mit der Opposition in Syrien gehörten die US-Regierung, die Vereinigten Arabischen Emirate und Assad-feindliche syrische Geschäftsleute, erklärte das Unternehmen selbst.


InCoStrat fungierte als Verbindungsglied zwischen ihren Regierungskunden und der „Syrian National Coalition“, der vom Westen unterstützten Parallelregierung, die die Opposition zu erschaffen versuchte. InCoStrat beriet hochrangige Führer dieser syrischen Schattenregierung und betrieb in Istanbul sogar das eigene Medienbüro der „National Coalition“.


InCoStrat gab an, 2014 ein BBC-Interview mit Ahmad Jarba, dem damaligen Präsidenten der oppositionellen „National Coalition“, organisiert zu haben [42].


Die Firma ergänzte hierzu, dass „Journalisten auf der Suche nach den passenden Personen für ihre Programme oft auf uns zugegangen sind“. Als Beispiel nannte InCoStrat, dass sie dabei geholfen habe, ihre eigenen syrischen Oppositionsaktivisten in arabische BBC-Berichte einzubauen. Die Firma fügte zudem hinzu: „Nachdem die ersten Kontakte geknüpft waren, ermutigten wir die Syrer, die Beziehungen zu den Journalisten der BBC aufrechtzuerhalten, anstatt uns selbst als Vermittler einzuschalten.“
Wie ARK, arbeitete auch InCoStrat eng mit der Presse zusammen. Das Unternehmen sagte, es habe „umfangreiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit arabischen und internationalen Nachrichtenmedien“ und fügte hinzu, dass es direkt mit „Chefs regionaler Nachrichten großer Satellitenfernsehsender, Pressebüros und Printmedien“ zusammenarbeite [43]. „Wichtige Mitglieder von InCoStrat arbeiteten zuvor als Nahost-Korrespondenten für einige der größten Nachrichtenagenturen der Welt, einschließlich Reuters“, fügte die westliche Auftragsfirma hinzu.


Wie ARK baute auch InCoStrat eine riesige Medieninfrastruktur auf. Das Unternehmen richtete Büros der syrischen Oppositionsmedien in Dera‘a (Syrien), Istanbul und Reyhanli (Türkei) sowie in Amman (Jordanien) ein. InCoStrat arbeitete mit 130 Stringern in ganz Syrien zusammen und verfügte nach eigenen Angaben über mehr als 120 Reporter, die im Land arbeiteten. Außerdem über „weitere fünf offizielle Sprecher, die mehrmals wöchentlich im internationalen und regionalen Fernsehen auftreten“. Des Weiteren etablierte InCoStrat acht UKW-Radiosender und sechs Publikumszeitschriften in ganz Syrien.


Das Unternehmen berichtete, dass es in die bewaffnete Opposition eindrang, indem es „enge Beziehungen zu 54 Brigadekommandeuren an der Südfront Syriens“ aufbaute, die eine „tägliche, direkte Zusammenarbeit mit den Kommandeuren und ihren Offizieren innerhalb Syriens“ sowie mit den übergelaufenen Offizieren der Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) in dem von der Regierung kontrollierten Damaskus beinhalteten [44].


In den geleakten Dokumenten prahlte InCoStrat, dass ihre Reporter Interviews mit vielen bewaffneten Oppositionsmilizen organisierten, darunter auch mit der al-Qaida-Mitgliedsorganisation Jabhat al-Nusra.


In ihrem Medienkrieg gegen Damaskus verfolgte InCoStrat eine zweigleisige Kampagne, die sich aus folgenden Elementen zusammensetzte „a) Guerilla-Kampagne [45]. Nutzung der Medien zur Schaffung des Ereignisses. b) Guerilla-Taktik. Initiieren Sie ein Ereignis, um den Medieneffekt zu erzeugen“. Das Geheimdienstpapier versuchte also, die Medien als Waffe einzusetzen, um konkrete politische Forderungen der syrischen Opposition durchzusetzen.


In einem Fall gelang es InCoStrat, die syrische Regierung mit einer erfolgreichen internationalen Kampagne zu zwingen, die Belagerung der von Extremisten gehaltenen Oppositionshochburg Homs aufzugeben. Homs wurde von Damaskus belagert, nachdem die Homs kontrollierenden rechtsextremen sunnitischen Fundamentalisten damit begannen, sektiererische Massaker an religiösen Minderheiten zu verüben und alawitische Zivilisten zu entführen. Die Grayzone-Reporterin Rania Khalek berichtete über diese Belagerung [46]. „Wir brachten internationale Journalisten mit Syrern zusammen, die im belagerten Homs leben“, erklärte InCoStrat. Es organisierte ein Interview zwischen dem britischen Channel 4 und einem Arzt in der Stadt, welches dazu beitrug, internationale Aufmerksamkeit zu erregen und letztendlich zu einem Ende der Belagerung führte.

 


In einem anderen Fall gab die britische Auftragsfirma an, sie habe „Postkarten, Plakate und Berichte produziert“, auf denen die säkulare Regierung von Bashar al-Assad mit den fundamentalistischen Salafi-Dschihadisten im ISIS verglichen wird. Dann stellte sie „einen glaubwürdigen, arabisch-englischsprachigen syrischen Sprecher zur Verfügung, um die Medien einzuschalten“. Die Kampagne war laut InCoStrat sehr erfolgreich: Al-Jazeera America und The National veröffentlichten die Propagandaplakate der Firma. Die britische Auftragsfirma organisierte auch Interviews zum Thema mit The New York Times, The Washington Post, CNN, The Guardian, The Times, Buzzfeed, Al-Jazeera, Suriya Al-Sham und Orient.


Nach Regime Change kommt Staatsaufbau & Co.


InCoStrat war anscheinend an zahlreichen vom Westen unterstützten Regimewechsel-Operationen beteiligt.
In einem geleakten Dokument sagte das Unternehmen, es habe dazu beigetragen, Organisationen der Zivilgesellschaft in den Bereichen Marketing, Medien und Kommunikation in Afghanistan, Honduras, Irak, Syrien und Libyen zu schulen. Es schulte sogar ein Team von Anti-Saddam-Hussein-Journalisten in Basra (Irak) nach der gemeinsamen Invasion der USA und des Vereinigten Königreichs.


Neben der Auftragsvergabe für das Vereinigte Königreich gab InCoStrat bekannt, dass es für die Regierungen der Vereinigten Staaten, Singapurs, Lettlands, Schwedens, Dänemarks und Libyens gearbeitet hat [47].


Nachdem die NATO 2011 den libyschen Staat in einem Regimewechselkrieg zerstört hatte, wurde InCoStrat 2012 hinzugezogen, um für den Libyschen Nationalen Übergangsrat – die vom Westen unterstützte Opposition, welche die Macht übernehmen wollte – eine ähnliche Kommunikationsarbeit zu leisten [48]. Die durchgesickerten Dokumente werfen außerdem ein weiteres Licht auf eine Auftragsfirma der britischen Regierung namens Albany.


Albany brüstete sich damit, dass es sich „die Beteiligung eines umfangreichen lokalen Netzwerks von über 55 Recherche-Assistenten, Reportern und Videofilmern gesichert“ habe, um Einfluss auf die Erzählungen der Medien zu nehmen und die außenpolitischen Interessen des Vereinigten Königreichs voranzutreiben [49]. Die Firma half bei der Gründung einer einflussreichen syrischen oppositionellen Mediengruppe namens Enab Baladi. Diese wurde 2011 zu Beginn des Krieges im Anti-Assad-Drehkreuz Daraya gegründet und in der westlichen Presse aggressiv als ein an der Basis operierendes syrisches Medienunternehmen beworben. In Wirklichkeit war Enab Baladi das Produkt einer britischen Auftragsfirma, die sich für ihre Entwicklung „einer von Amateuren geführten Einheit zu einer der prominentesten syrischen Medienorganisationen“ rühmte.


Albany koordinierte auch die Kommunikation zwischen den oppositionellen Medien und extremistischen islamistischen Oppositionsgruppen, indem es einen „engagierten Führer einstellte, der bei Schlüsselgruppen wie (im Norden) Failaq ash-Sham, Jabha Shammiyeh, Jaysh Idleb al Hur, Ahrar ash-Sham, (in der Mitte) Jaysh al Islam, Failaq al Rahman und (im Süden) Jaysh Tahrir tiefe Glaubwürdigkeit genießt“. Viele dieser Milizen standen mit al-Qaida in Verbindung und werden heute vom US-Außenministerium und den europäischen Regierungen als offizielle terroristische Gruppen gelistet.


Im Gegensatz zu anderen in Syrien tätigen Auftragsfirmen der westlichen Regierungen, die oft versuchten, einen Anschein von Ausgewogenheit vorzutäuschen, machte Albany deutlich, dass seine Medienberichterstattung nichts anderes als Propaganda war.
Das Unternehmen gab zu, syrische Medienaktivisten in einem einzigartigen „Newsroom-Prozess“ geschult zu haben, der dazu aufrief, Nachrichten zu „kuratieren“, indem „Geschichten und Inhalte gesammelt und organisiert wurden, die das Kern-Narrativ unterstützen und verstärken“. Im Jahr 2014 prahlte Albany damit, das Kommunikationsteam der Syrischen Nationalkoalition bei den Genfer Friedensgesprächen zu leiten [50].


Albany warnte auch davor, dass Enthüllungen über die Finanzierung durch westliche Regierungen diese Oppositionsmedien, die als Graswurzelbewegungen dargestellt wurden, diskreditieren könnten.


Als interne E-Mails durchsickerten, aus denen hervorging, dass die massive oppositionelle Medienplattform Basma Syrien [51] von den Vereinigten Staaten und Großbritannien finanziert wurde, schrieb Albany: „Die Marke Basma wurde kompromittiert, nachdem Informationen über die Ziele der Projektfinanzierung durchgesickert waren.“ [52]


Die geleakten Informationen in den Sozialen Medien „haben die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit der bestehenden Markenplattform beschädigt“, schrieb Albany. „Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind die Schlüsselwerte der geplanten Maßnahmen, und aus diesem Grund halten wir es für unerlässlich, einen neuen Anlauf zu starten, wenn die zu verbreitenden Inhalte Wirkung zeigen sollen“. Die Basma-Website wurde kurz darauf eingestellt. Diese Akten geben einen klaren Einblick in die Art und Weise, wie die syrische Opposition von westlichen Regierungen mit imperialistischen Plänen in Damaskus aufgebaut und mit schwindelerregenden Geldsummen über Wasser gehalten wurde, die aus den Taschen der britischen Steuerzahler flossen – oft zum Vorteil fanatischer Milizionäre, die mit Al-Qaida verbündet waren.


In einer Zeit, in der niederländische Staatsanwälte Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen die syrische Regierung vorbereiten [53], obwohl diese einen Angriff abgewehrt hat, erinnern die geleakten Papiere an die führende Rolle, die westliche Staaten und ihre kriegsgewinnlerischen Unternehmen bei der sorgfältig organisierten Zerstörung des Landes gespielt haben.

 

Dieser Text wurde zuerst am 23.09.2020 auf www.thegrayzone.com unter der URL <https://thegrayzone.com/2020/09/23/syria-leaks-uk-contractors-opposition-media/> veröffentlicht. Lizenz: Ben Norton, TheGrayzone.com, CC BY-NC-ND 4.0

 

Quellen:


[1] Middle East Eye, Ian Cobain, „EXCLUSIVE: UK government probing cyber-attack over Syria propaganda leaks“, am 28.09.2020, <https://www.middleeasteye.net/news/exclusive-uk-government-probing-cyber-attack-over-syria-propaganda-leaks>
[2] The Grayzone, Max Blumenthal, „How the White Helmets became international heroes while pushing US military intervention and regime change in Syria“, am 02.10.2016, <https://thegrayzone.com/2016/10/02/white-helmets-us-military-intervention-regime-change-syria/>
[3] The Grayzone, Aaron Mate, „White Helmets Whitewash: founder’s death, OPCW scandal lift mask on al-Qaeda’s ally in Syria“, am 26.11.2019, <https://thegrayzone.com/2019/11/26/white-helmets-whitewash-founders-death-opcw-scandal-lift-mask-on-al-qaedas-ally-in-syria/>
[4] The Grayzone, Gareth Porter, „How a Syrian White Helmets leader played Western media“, am 28.11.2016, <https://thegrayzone.com/2016/11/28/syrian-white-helmets-media/>
[5] Freenet Space, Matthew Doer, „Op. HMG Trojan Horse: From Integrity Initiative To Covert Ops Around The Globe. Part 1: Taming Syria I“, am 08.09.2020, <https://freenet.space/read-blog/275_op-hmg-trojan-horse-from-integrity-initiative-to-covert-ops-around-the-globe-par.html>
[6] The Guardian, Hannah Summers, „British aid scheme suspended amid allegations of payments to Syrian jihadis
This article is more than 2 ye“, am 04.12.2017, <https://www.theguardian.com/uk-news/2017/dec/04/british-aid-scheme-suspended-amid-allegations-of-payments-to-syrian-jihadis>
[7] The Grayzon, Max Blumenthal, „Inside the temple of covert propaganda: The Integrity Initiative and the UK’s scandalous information war“, am 17.12.2018, <https://thegrayzone.com/2018/12/17/inside-the-temple-of-covert-propaganda-the-integrity-initiative-and-the-uks-scandalous-information-war/>
[8] Middle East Eye, Ian Cobain und Alice Ross, „REVEALED: The British government’s covert propaganda campaign in Syria“, am 19.02.2020, <https://www.middleeasteye.net/news/revealed-british-government-covert-propaganda-campaign-syria>
[9] Middle East Eye, Ian Cobain, „EXCLUSIVE: UK government probing cyber-attack over Syria propaganda leaks“, am 28.09.2020, <https://www.middleeasteye.net/news/exclusive-uk-government-probing-cyber-attack-over-syria-propaganda-leaks>
[10] Pdf Archive, Foreign And Commonwealth Office, „ATTACHMENT 4 Statement of Requirements and Specification“, am 04.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/04/attachment-4---sors/>
[11] Pdf Archive, „Statement of Requirement Syrian Moderate Opposition Resilence (Mor) Strategic Communications Project“, am 10.07.2017, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/04/02-itt1836-sor-syria-resilience-stratcom-project-v10-final/>
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[22] Columbia Journalism Review, Stefania D‘Ignoti, „In Syria, where jobs are scarce, journalism becomes a means of survival“, am 27.03.2018, <https://www.cjr.org/analysis/syria-journalism-jobs.php>
[23] The New Arab, Omar Abbas, „For the sake of Syria, remember Naji Jerf“, am 27.01.2016. <https://english.alaraby.co.uk/english/comment/2016/1/27/for-the-sake-syria-remember-naji-jerf>
[24] Pdf Archive, ARK, „Part A - Methodology“, am 05.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/05/ark-support-to-grassroots-media-activism-in-syria/pdf-archive.com/2020/09/05/ark-support-to-grassroots-media-activism-in-syria/>
[25] Pdf Archive, ARK, „ARK F.Z.C. 2.2.6“, am 04.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/04/ark-226/>
[26] Facebook, <https://www.facebook.com/MoubaderSyria/>
[27] Twitter, <https://twitter.com/rfs_mediaoffice> Twitter-Account, inzwischen gesperrt
[28] The Grayzone, Rania Khalek, „US-backed parties have infiltrated Lebanon’s protests, pushing the country toward war amid economic collapse“, am 11.12.2019, <https://thegrayzone.com/author/rania-khalek/>
[29] The Grayzone, Rania Khalek, „British gov-funded outlet offered journalist $17,000 a month to make propaganda for Syrian rebels“, am 08.12.2016, <https://thegrayzone.com/2016/12/08/rfs-media-office-british-gov-funded-propaganda-syrian-rebels/>
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[38] The European Journal of International Law, Michelle Burgis-Kasthala, „Entrepreneurial Justice: Syria, the Commission for International Justice and Accountability and the Renewal of International Criminal Justice“, in 2020, <https://www.ejil.org/pdfs/30/4/3021.pdf>
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[41] Innovative Communication & Strategies, „2.1.7 & 2.1.8 If yes, please provide one example of a successful multi-donor project that your organisation has been involved in. You should outline why this project was successful. „, am 04.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/04/140917--incostrat--217-218---multidonor-release/>
[42] BBC, „Syria opposition: Allies must honour weapons ‚promises‘“, am 14.03.2014, <https://www.bbc.com/news/world-middle-east-26573833>
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Do you currently have access to networks inside Syria? Please confirm and provide details.“, am 4.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/05/140917-incostrat-2213-access-to-networksrelease/>
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[51] Web Archive, <http://web.archive.org/web/20130719071053/http://www.basmasyria.com/>
[52] Albany, „Support to Grassroots Media Activism in Syria“, am 05.09.2020, <https://www.pdf-archive.com/2020/09/05/20141125-syria-framework-grassroots-proposal/>
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Quellen

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Benjamin Norton

Journalist und Autor mit Schwerpunkt US Aussenpolitik, Naher Osten, Medienkritik, Wirtschafts- und Sozialrecht.


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