Die Propaganda der Eliten
21 Okt 2014
Washingtons geheime Agenden
Profilbild von Paul Craig Roberts
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Man könnte meinen, dass nun sogar die Amerikaner die konstante Berieselung von Fehlalarmen erfasst hätten, die aus Washington tönen, um die Menschen zu täuschen, damit sie ihre verdeckten Ziele unterstützen. von Dr. Paul Craig Roberts Die Öffentlichkeit fiel auf die Lüge herein, dass die Taliban in Afghanistan Terroristen sind, die sich mit al Quaeda verbündeten. Die Amerikaner führten 13 Jahre lang einen Krieg, der Dick Cheneys Firma Halliburton bereicherte und andere private Interessen bediente, nur um mit einem weiteren Versagen Washingtons zu enden. Die Öffentlichkeit fiel auf die Lüge herein, dass Saddam Hussein im Irak „Massenvernichtungswaffen“ hat, die eine Bedrohung für Amerika darstellten und wenn die USA nicht im Irak einmarschierten, würden die Amerikaner eine „Pilzwolke über einer amerikanischen Stadt“ riskieren. Mit dem Aufkommen von ISIS ist dieser lange Krieg offensichtlich weit von einem Ende entfernt. Milliarden von Dollars mehr an Profit werden in die Kassen des US-Militär-Sicherheits-Komplex fließen, indem Washington diejenigen bekämpft, die die falschen Grenzen neu ziehen wollen, die die Briten und Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg errichtet haben, als sie Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reichs besetzten. Die amerikanische Öffentlichkeit fiel auf die Lügen herein, die über Gaddafi in Libyen erzählt wurden. Das vormals stabile und blühende Land liegt nun im Chaos. Die amerikanische Öffentlichkeit fiel auf die Lüge herein, dass der Iran nukleare Waffen besitzt oder dabei ist, welche zu bauen. Vom Westen sanktioniert und verunglimpft, verlagerte der Iran seine Orientierung nach Osten, indem er sich als einer der Hauptölproduzenten dem westlichen Einfluss entzog. Die Öffentlichkeit fiel auf die Lüge herein, dass Assad in Syrien „chemische Waffen gegen seine eigenen Leute“ einsetzte. Die Dschihadisten, die Washington schickte, um Assad zu stürzen, entpuppten sich, laut Washingtons Propaganda, als Gefahr für Amerika. Die größte Gefahr für die Welt ist Washingtons Beharren auf seine Hegemonie. Die Ideologie einer Hand voll Neokonservativen ist die Basis dieser Beharrlichkeit. Wir stehen einer Situation gegenüber, in der ein paar amerikanische neokonservative Psychopathen beanspruchen, das Schicksal von Ländern zu bestimmen. Viele glauben die Lügen Washingtons noch immer, aber vermehrt sieht die Welt Washington als die größte Gefahr für Frieden und Leben auf dieser Erde. Der Anspruch, dass Amerika „außergewöhnlich und unverzichtbar“ ist, wird benutzt, um Washingtons Recht anderen Länder zu diktieren, zu rechtfertigen. Die Opfer von Washingtons Bombardierungen sind ausnahmslos Zivilisten und die Toten werden mehr Rekruten für ISIS verursachen. Es gibt auch schon Aufforderungen an Washington wieder „Bodentruppen“ in den Irak zu schicken. Ansonsten ist die westliche Zivilisation dem Untergang geweiht und unsere Köpfe werden abgeschnitten. Die neu kreierte Propaganda einer „russischen Gefahr“ verlangt mehr ­NATO-Ausgaben und mehr Militärbasen an den russischen Grenzen. Eine „Schnell-Reaktions-Einheit“ wird aufgebaut, um auf eine nicht vorhandene Gefahr einer russischen Invasion in den baltischen Staaten, Polen und Europa zu reagieren. Für gewöhnlich braucht die amerikanische Öffentlichkeit ein Jahr, oder zwei, drei oder vier, um zu realisieren, dass sie durch Lügen und Propaganda getäuscht wurde, aber zu dieser Zeit hat die Öffentlichkeit bereits ein neues Paket an Lügen und Propaganda geschluckt und es geht immer um die „neueste Gefahr“. Die amerikanische Öffentlichkeit scheint nicht im Stande zu sein zu erkennen, dass die erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Gefahr ein Schwindel war; und so ist es auch die sechste und wird es die siebte, achte und neunte ebenso sein. Darüber hinaus führte keiner dieser amerikanischen Militär­schläge auf andere Länder zu einer besseren Situation, wie Vladimir Putin offen darlegte. Dennoch unterstützen die Öffentlichkeit und der Kongress jedes neue militärische Abenteuer, ungeachtet des Rekords an Betrug und Misserfolgen. Vielleicht würden Amerikaner weniger leichtgläubig und empfänglich sein für Staatspropaganda, wenn ihnen ihre wahre Geschichte gelehrt würde, anstelle von idealistischen Märchen. Ich empfahl „The Untold History of the United States“ von Oliver Stone und Peter Kuznick „A People’s History of the United States“ von Howard Zinn und nun empfehle ich „The Brothers, the story of the long rule of John Foster and Allen Dulles over the State Department and CIA and their demonization of reformist governments that they often succeeded in overthrowing“ von Stephen Kinzer. Kinzers Geschichte über die Verschwörungen der Dulles-Brüder sechs ausländische Regierungen zu stürzen, bietet Einblicke wie Washington heute arbeitet. 1953 stürzten die Dulles-Brüder den gewählten Anführer des Iran, Mossadegh und installierten den Shah, was folglich die amerikanisch-iranische Beziehung bis zum heutigen Tag vergiftet. Die Amerikaner könnten noch in einen kostspieligen und sinnlosen Krieg mit dem Iran geführt werden, weil die Dulles-Brüder die Beziehungen 1953 vergifteten. Die Dulles-Brüder stürzten den bekannten Präsidenten Arbenz von Guatemala, da seine Landreform die Interessen eines Klienten der Dulles-Brothers Anwaltskanzlei „Sullivan & Cromwell“, der United Fruit Company, schadeten. Die Brüder inszenierten eine unglaubliche Desinformationskampagne, in der Arbenz als gefährlicher Kommunist dargestellt wurde, der eine Gefahr für die westliche Zivilisation sei. Die Brüder warben Diktatoren wie Somoza von Nicaragua und Batista von Kuba gegen Arbenz an. Die CIA organisierte Luftschläge und eine Invasionstruppe. Aber es konnte nichts passieren, solange nicht die starke Unterstützung der Leute für Arbenz zerschlagen werden würde. Die Brüder arrangierten das mit Hilfe von Kardinal Spellman, der den Erzbischof Rossell y Arellano anwarb. „Ein pastoraler Brief wurde am 9. April 1954 in allen guatemaltekischen Kirchen gelesen.“ Ein Meisterstück der Propaganda. Der pastorale Brief stellte Arbenz als gefährlichen Kommunisten dar, der der Feind von allen Guatemalteken war. Falsche Radioberichte produzierten eine Falschdarstellung von Siegen der Freiheitskämpfer und Überläufern aus dem Militär. Arbenz bat die UN Leute zu schicken, um die Fakten aufzudecken, aber Washington verhinderte, dass das getan wurde. Amerikanische Journalisten unterstützten, mit Ausnahme von James Reston, die Lügen. Washington bedrohte und schmierte die obersten Militärkommandanten von Guatemala, die Arbenz zum Rücktritt zwangen. Der von der CIA ausgewählte und gut bezahlte „Befreier“ Col. Castillo Armas wurde als Arbenzs Nachfolger installiert. Kürzlich erlebten wir eine ähnliche Situation in der Ukraine. Präsident Eisenhower dankte der CIA, dass sie eine „kommunistische Ausgangsstelle in unserer Hemisphäre“ verhindert hat und Staatssekretär John Foster Dulles hielt eine nationale Fernseh- und Radioansprache, in der er erklärte, dass die Ereignisse in Guatemala „die teuflischen Absichten des Kreml enthüllen.“ Und das trotz der Tatsache, dass die einzige Macht von außen, die in Guatemala agierte, die Dulles-Brüder waren. Was tatsächlich geschah war, dass eine demokratische und reformistische Regierung gestürzt worden war, weil sie United Fruit Company für ihr brach liegendes Land entschädigte, um es zu nationalisieren, zu einem Wert, den die Firma als Steuerrückzahlungen anführte. Amerikas führende Anwaltskanzlei oder besser gesagt, Amerikas Außenpolitik-Macher Sullivan & Cromwell, hatten kein Interesse daran einer demokratischen Regierung zu erlauben, in den Interessen eines Klienten maßgebend zu sein, vor allem, wenn die Seniorpartner der Kanzlei die offene und verdeckte US-Außenpolitik kontrollierten. Die zwei Brüder, deren Familienmitglieder in die United Fruit Company investierten, setzten ganz einfach die Ressourcen der CIA, des State Department und der US-Medien ein, um ihre eigenen privaten Interessen zu schützen. Die außergewöhnliche Gutgläubigkeit der Amerikaner, die korrupten Medien und der indoktrinierte und impotente Kongress erlaubten es den Dulles-Brothers beim Sturz einer Demokratie Erfolg zu haben. Man darf nicht vergessen, dass dieses Verhalten der US-Regierung zugunsten privater Interessen vor 60 Jahren stattfand, lang vor den korrupten Clinton-, George W. Bush- und Obama-Regimes. Und ohne Zweifel auch schon früher. Das nächste angestrebte Opfer der Dulles-Brüder war Ho Chi Minh, ein nationalistischer Führer, der Amerika um Hilfe bat, Vietnam von der französischen Kolonialherrschaft zu befreien. Aber John Foster Dulles, ein selbstgerechter Anti-Kommunist, fehlbesetzte Ho als einen Kommunisten, der die Dominotheorie auf die westlichen Unschuldigen schnellen lassen wird. Nationalismus und Anti-Kolonialismus, erklärte Foster, wären lediglich ein Deckmantel für eine kommunistische Subversion. Paul Kattenburg, im Außenministerium zuständig für Vietnam, schlug vor, anstatt Krieg zu führen, sollten die USA Ho $500 Millionen als Wiederaufbauhilfe für das zerstörte Land, verursacht durch Krieg und französische Miss-Herrschaft, geben. Dies würde Ho von der Abhängigkeit von russischer und chinesischer Unterstützung befreien und nebenbei auch von deren Einfluss. Ho appellierte mehrere Male an Washington, aber die dämonische Inflexibilität der Dulles-Brüder verhinderte jegliche vernünftige Reaktion. Stattdessen trieb die Hysterie über die „Kommunistische Gefahr“, hochgeschaukelt durch die Dulles-Brüder, die Vereinigten Staaten in das lange, kostspielige Fiasko, das als Vietnamkrieg bekannt ist. Kattenburg schrieb später, dass es selbstmörderisch für die USA war „seine Augen und Ohren abzuschneiden, seine analytische Kapazität zu kastrieren, sich von der Wahrheit abzukapseln, aufgrund blinder Vorurteile“. Unglücklicherweise für Amerika und die Welt sind kastrierte analytische Kapazitäten Washingtons stärkste Seite. Die nächsten Ziele der Dulles-Brüder waren Präsident Sukarno von Indonesien, Premierminister Patrice Lumumba aus dem Kongo und Fidel Castro. Das Komplott gegen Castro war so ein desaströser Misserfolg, dass es Allen Dullen den Job kostete. Präsident Kennedy verlor das Vertrauen in die Behörde und erzählte seinem Bruder Bobby, dass er nach seiner Wiederwahl die CIA in tausend Stücke brechen würde. Als Präsident Kennedy Allen Dullen entließ, erkannte die CIA die Gefahr und schlug zuerst zu. Warren Nutter, mein Dissertations-Vorsitzender, später Assistenzsekretär der Verteidigung für Internationale Sicherheitsangelegenheiten, lehrte seinen Schülern, dass die Politik der US-Regierung, um das Vertrauen der Bürger aufrechtzuerhalten, was eine Demokratie verlangt, die Vorsteher bestärken muss und, dass die Politik den Bürgern offen kommuniziert werden muss. Verdeckte Absichten, wie die der Dulles-Brüder und der Clinton-, Bush- und Obama-Regimes müssen auf Geheimhaltung und Manipulation aufbauen und erwecken dadurch Misstrauen bei den Menschen. Auch wenn die Amerikaner zu gehirngewaschen sind, um das zu erkennen, viele ausländische Nationen sind das nicht. Die geheimen Agenden der US-Regierung haben die Amerikaner und viele Menschen in der ganzen Welt enorm viel gekostet. Im Grunde genommen haben die Dulles-Brüder mit ihren geheimen Zielen und der Anti-Kommunismus-Hysterie den Kalten Krieg geschaffen. Geheime Ziele brachten den Amerikanern zu lange, kostspielige und unnötige Kriege in Vietnam und im Mittleren Osten. Geheime CIA- und Militärpläne, die einen Regimechange in Kuba beabsichtigten, wurden von Präsident John F. Kennedy abgeblockt und endeten mit der Ermordung eines Präsidenten, der, mit all seinen Fehlern, den Kalten Krieg wahrscheinlich 20 Jahre eher beenden hätte können, bevor Ronald Reagan die Möglichkeit nutzte. Geheime Absichten und Ziele überwiegen schon so lange, dass die Amerikaner selbst nun korrumpiert sind. Wie heißt es so schön: „Der Fisch fault vom Kopf“. Die Fäulnis von Washington durchdringt nun das ganze Land.
Profilbild von Paul Craig Roberts

Paul Craig Roberts

US-amerikanischer Ökonom und Publizist u. ehem. Vize-Finanzminister unter Reagan sowie früherer Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.


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