Dieser Veteran des Iran-Krieges gibt Trump einen guten Rat:
12 Feb 2020
Spielen Sie nicht Dame mit den Großmeistern des Schachs!
Krieg ist nicht unser Metier, aber Verhandlungen und Diplomatie sind es. Krieg ist nicht unser Ziel. Frieden ist unsere Mission. Frieden ist unsere Lebensphilosophie, und Sie haben Recht, Diplomatie ist unsere Kunst.
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Foto: Pixabay, CC0

Sehr geehrter Präsident Trump,

in einem kürzlich erschienenen Tweet behaupteten Sie: „Die Iraner haben zwar nie einen Krieg gewonnen, aber auch noch nie eine Verhandlung verloren.“ Als Weltbürger und Veteran des Iran-Irak-Krieges 1980-1988 habe ich Erfahrungen mit den Schrecken  des Krieges gemacht, und ich habe einige Vorschläge und Antworten für Sie. Erstens würde ich Ihnen raten, die Worte „Gewinn“ und „gewinnen“ nicht zu verwenden, um  Krieg zu beschreiben, insbesondere aus der Sicht der USA. Die amerikanische Geschichte ist voll von bitteren Erfahrungen im Verlieren von Kriegen. Vietnam, Irak, Afghanistan, Syrien und sogar das Engagement im Jemen - keine dieser schrecklichen Interventionen hat jemals ihr Ziel erreicht.


Sie sollten erkennen, dass der erste Schritt in jedem Kampf darin besteht, den Gegner zu verstehen. Als erfahrener iranischer Kriegsveteran empfehle ich Ihnen dringend, die Kultur und Geschichte einer alten Zivilisation wie dem Iran zu studieren. Wir Iraner, die Sie als in einer „terroristischen Nation“ lebend bezeichnen, sind stolz darauf, dass wir in den letzten 250 Jahren nie einen Krieg begonnen haben. Wir sind stolz darauf, dass wir niemals andere Nationen okkupiert, uns eingemischt oder sie unterdrückt haben, weder in unserer Nachbarschaft noch als Reaktion auf unsere Feinde. Nichtsdestotrotz gibt es etwas Besonderes in der Hochkultur des Iran, das uns von Ihnen und Ihrem falkenhaften #Bteam - Bolton, Bin Salman und Bibi Netanyahu unterscheidet. Der Hauptunterschied ist die Sichtweise, die wir alle auf den Krieg haben. Für uns ist Krieg keine Option; wir entscheiden uns nie für einen Krieg; wir reagieren nur auf Krieg. 1915, während des Ersten Weltkrieges, versammelte Rais Ali Delvary, ein junger Mann aus einem kleinen Dorf in der Nähe des Persischen Golfs, eine Gruppe um sich, um das Land vor den britischen Invasoren zu verteidigen. Sie stoppten die Eindringlinge, die während des Krieges die Neutralität des Iran verletzt hatten. Die damalige Devise von Rais Ali ist bis heute gültig: „Wir sind nicht in diesem Krieg, um das Kapital und die Vermögenswerte der Invasoren zu gewinnen; wir sind in diesem Krieg, um unser Kapital und unsere Vermögenswerte vor Verlust zu bewahren.“ So definieren wir das Verlieren und Gewinnen in einem Krieg. Rais Ali und sein Volk gewannen diesen Krieg, wie es seine Jünger fast ein Jahrhundert später taten und wieder tun werden, wenn sie es müssen.

 

Herr Präsident, der Iran hat noch nie einen Krieg begonnen. Der Iran hat nie die Ressourcen anderer Nationen beschlagnahmt, um Reichtum und Nutzen für sich selbst zu erlangen, aber der Iran hat und wird natürlich seine Besitztümer, Ressourcen, sein Leben und seine Identität energisch verteidigen. Der Iran hat das in seiner viertausendjährigen Geschichte getan und wird es wieder tun, wenn es nötig ist. Rais Ali und sein Team machten es 1915. Die Menschen in meiner Generation taten es 1980-88, als die ganze Welt hinter dem irakischen Diktator Saddam Hussein stand und ihm während dieser schrecklichen acht Jahre Krieg half. Wir Iraner haben alles geopfert, um unsere Nation zu verteidigen. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit warf Saddam Hussein Bomben ab und setzte chemische Waffen gegen Zivilisten ein. Am Ende konnte er nicht einen Zentimeter unserer Heimat erobern. Wir Iraner wurden zu einer großen Einheit, um unsere Häuser und Familien zu verteidigen. Wir haben Hunderttausende kostbarer Leben verloren. Bis heute sind wir Iraner trotz unserer Unterschiede alle stolz auf diese acht Jahre, in denen wir unser Land verteidigt haben. So viele Menschenleben zu verlieren, war eine schreckliche Tragödie, und die Nation trauert immer noch um die in diesen acht Jahren verlorenen Menschen. Aber wir standen fest zusammen und retteten unsere Heimat. Der Iran ist immer noch der Iran; wir haben nicht einen Zentimeter des Terrains verloren. Herr Präsident, in unserem Lexikon ist derjenige, der einen Krieg beginnt, der einzige Verlierer. Derjenige, der plant, das Glück, das Leben und das Wohlergehen anderer zu stehlen, ist der wahre Verlierer.

 

Krieg ist nicht unsere Angelegenheit, aber Verhandlungen und Diplomatie sind es. Krieg ist nicht unser Ziel. Frieden ist unsere Mission. Frieden ist unsere Lebensphilosophie, und Sie haben Recht, Diplomatie ist unsere Kunst. Der Iran hat seine Meisterschaft in der Kunst der Diplomatie bewiesen. Diplomatie, Nachsicht und Geduld sind Talente, die nicht mit milliardenschweren Waffen erreicht werden können. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten in der Region, darunter der saudische Bin-Salman und der israelische Bibi Netanyahu, können das bezeugen. Sie haben viele Milliarden Dollar in Waffenverkäufe investiert, konnten aber den Iran nicht bezwingen. Passen Sie auf, Herr Präsident, dass Ihre Freunde im #Bteam Sie nicht in den gleichen Sumpf stürzen, den sie im Irak geschaffen haben. Aus Verzweiflung haben sie nun unserem Meister der Diplomatie, Außenminister Javad Zarif, die Hände gebunden, indem sie Sanktionen gegen ihn verhängt haben. Dabei sollten sie ihre Lektion inzwischen gelernt haben - sie können vielleicht die Hände unserer Meister-Schachspieler fesseln, aber wir werden andere Wege finden, die Bauern und Pferde zu bewegen. Und noch ein letztes Wort des Rates: Spielen Sie nicht Dame mit den Großmeistern des Schachs.



Mit freundlichen Grüßen

Habib Ahmad Zadeh

 

 

Der Artikel ist zuerst am 7. August 2019 auf Mintpress unter der URL <https://www.mintpressnews.com/iran-war-vet-advice-trump-dont-play-checkers-grandmasters-chess/261160/>, Lizenz: CC-BY-NC-SA 3.0 international

 

Profilbild von Habib Ahmad Zadeh

Habib Ahmad Zadeh

ist ein iranischer Schriftsteller. Der Iran-Irak-Krieg ist ein wichtiger Bestandteil seines Werkes, wobei seine Beobachtungen der menschlichen Existenz und der menschlichen Interaktionen in Kriegszeiten durch seine eigenen Kriegsdienste geprägt sind. Während des Krieges stieg er von einem jugendlichen, freiwilligen Basidschi-Milizionär zum Hauptmann der regulären iranischen Armee auf. (Quelle: Wikipedia.en)


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