Druschba:
11 Aug 2016
Tag 4 und andere Katastrophen
DiesNachdem wir – wegen völliger Übermüdung – verschlafen und auch die Zeitumstellung verpasst haben, war der Anschluß an die Gruppe verloren. Also blieb nur die Möglichkeit, sich an den Bus zu hängen.
Profilbild von Andrea Drescher
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Hostal in Lithauen

Gedacht, getan, um 10.30 zum zentralen Hotel und da stand auch noch der Bus. Die, die es geschafft hatten sich zu sammeln, waren zum Flughafen gefahren.  Dank Whatsapp und kurzer telefonischer Info von Rainer erfuhren wir zumindest, dass dort alles gut gegangen und man weiter Richtung Riga unterwegs war.

Gegen 11.30 ging es dann als Schlepptau des Busses Richtung Lettland, über eine Grenze, die sich dank Schengen Raum als nicht vorhanden zeigte. Soweit so gut. Auf Empfehlung von … wem auch immer … ging es dann direkt  Richtung Grenze.  An der lettischen Grenze angekommen, begann gegen 18.30 Uhr das beliebte Spiel  „Grenzbeamte gegen Touristen“. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es sich dabei um eine besondere Schikane Richtung Friedensfahrt handelte. Es war wohl einfach der ganz, normale Wahnsinn, mit dem sich Menschen konfrontiert sehen, die Europa verlassen wollen. 2 Stunden und drei Kontrollpunkte später  standen wir im Niemandsland zwischen der EU und Russland. Start der zweiten Halbzeit „Touristen gegen Grenzbeamten“ – nur wurde auf der anderen Spielseite die Mannschaft ausgetauscht. Unfair. Aber immerhin,  23.45 durchquerten wir die vierte Schranke, zahlten unsere 300 Rubel Straßengebühr und waren endlich in Russland angekommen. Über das Verfahren, das wir in der Zwischenzeit genießen durften, äußere ich mich nicht öffentlich. Es soll ja nicht zu diplomatischen Verwicklungen kommen.

Kurzes Regenerieren an der Tankstelle, Lebensmitteleinkauf und ab ging es Richtung Pskow. Ganze 10 Minuten später standen wird. In einen Unfall mit Todesfolge verwickelt zu sein, wenn auch nur als Zeuge ist kein Vergnügen. Sowohl der Busfahrer als auch unserer Fahrzeugführer waren ziemlich geschockt, wobei wir noch das Glück hatten, dass unser Fahrer hat ausweichen können. Ein Glück, das dem Busfahrer nicht gegönnt war, so dass dieser stundenlang von den verschiedensten Polizeikräften und Experten vernommen wurde. Gut, dass letztlich jemand auf die Idee kam, dass man anhand der Visa-Belege nachweisen konnte, dass wir erst NACH der Benachrichtigung an die Polizei die Tankstelle an der Grenze verlassen hatten. Trotzdem wurden wir bis 4.50 festgehalten, der Aufbruch im strömenden Regen kam dann so überraschend, dass wir, die wir im Auto geschlafen hatten, fast nicht hinterher kamen. Dank Funkverbindung konnten wir den Bus aber zum Anhalten bewegen, so dass wir es gemeinsam bis Pskow schafften. 

Wir waren aber nicht die Einzigen, die nicht zum Schlafen kamen. Laut Whatsapp standen über 30 Fahrzeuge ewig lang an der Grenze zwischen Estland und Russland  - Gruppe D meldete gegen 5 Uhr, im Hotel angekommen zu sein.

In unserem Hostel wurden wir gegen 6 in Empfang genommen – der Junge hatte fast die ganze Nacht auf uns gewartet, so dass wir irgendwann dann doch schlafen konnten. Wie es heute weiter gehen wird, weiss ich nicht. Ob ich heute noch etwas posten werde, weiss ich nicht. Wie das Programm weiter geht, weiss ich nicht. Im Moment habe ich das starke Bedürfnis nach Ruhe. Einfach nur Ruhe.

Profilbild von Andrea Drescher

Andrea Drescher

Unternehmensberaterin & Informatikerin, Selbstversorgerin & Friedensaktivistin – je nachdem was gerade gebraucht wird. Seit 2016 bei Free21 als Schreiberling und Übersetzerin mit im Team.


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