Terror in Manchester:
22 Jun 2017
Terroristen als britische Hilfs­truppen?
Die Mysterien hinter dem Manchester-Attentat: Manchester-Attentäter Abedi und die mit ihm eng verbundene Libysch-Islamische Kampfgruppe (LIFG) brauchten sich in Großbritannien nicht zu verstecken. Als willkommene Terrorhelfer der Briten beim Regimewechsel in Libyen war Manchester für sie sicherer Hort.
Profilbild von Rainer Rupp
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(Foto: Peter Byrne/PA via AP)

Als sich britische Politiker und Sprecher des Sicherheitsapparats infolge des vom IS befohlenen oder inspirierten Anschlags in Manchester vom 25. Mai gegenüber der Öffentlichkeit so überrascht zeigten, war das pure Heuchelei. Denn der als Täter identifizierte, 22 Jahre alte, in Manchester wohnhafte Salman Abedi war den britischen Sicherheitsorganen schon lange als islamistischer Gewaltextremist bekannt.

 

Bis dato hatte er jedoch seine Lust am Töten Andersdenkender nur im Ausland ausgelebt, vor allem in Libyen und allem Anschein nach auch in Syrien, wo er sich in Al-Kaida- und IS-nahen Gruppierungen bewegt hatte.

 

Aber nicht nur Abedi oder die Tatsache, dass dieser als vielversprechender Terrorspross einer ebenso gesinnten islamistischen Familie entstammte, war den britischen Sicherheitsbehörden bekannt. Sie waren auch über die Existenz einer umtriebigen, terroristischen Gemeinschaft mitten in Manchester im Bilde.

 

Das hatte eine Gruppe von fünf investigativen Journalisten, die von der Tageszeitung The Telegraph auf den Fall angesetzt worden war, schon innerhalb von 24 Stunden nach dem verheerenden Bombenanschlag auf das Popkonzert in Manchester mit 22 toten Jugendlichen herausgefunden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die britischen Sicherheitsdienste nicht nur seit Jahrzehnten über die Terror-Gruppe Bescheid wussten, sondern auch immer wieder mit dieser zusammengearbeitet hatten, wenn es um die Durchführung von Terror-Operationen in Libyen und Syrien ging.

 

In dem Artikel des Telegraph [1] heißt es: „Abedi wohnte ganz in der Nähe einer Gruppe von Anti-Gaddafi-Dissidenten, die Mitglieder der (in Großbritannien) verbotenen Libysch-Islamischen Kampfgruppe (LIFG) [2] waren, nahe dem Viertel Whalley Range mitten in Manchester. Zu dieser Gruppe gehörte auch Abd al-Baset Azzouz, ein Vater von vier Kindern, der 2011 Manchester verlassen hatte, um ein terroristisches Netzwerk in Libyen anzuführen, das Ayman al-Zawahiri, Osama bin Ladens Nachfolger an der Spitze von Al-Kaida, betreut hatte.“

 

Sympathisanten bekannten sich offen zum Sammeln von Spenden für die LIFG

Zugleich habe sich der 48 Jahre alte Azzouz auch als „Experte im Bombenbauen“ hervorgetan. Bereits im Jahr 2014 berichtete The Telegraph, er sei der Anführer eines Al-Kaida-Netzwerks in Ost-Libyen, wo er 200 bis 300 so genannte Rebellen unter seiner Kontrolle habe.

 

Ein weiteres Mitglied der libyschen Terror-Gemeinde in Manchester, Salah Aboaoba, erklärte im Jahr 2011 gegenüber dem britischen Sender Channel 4 News ganz ohne Scheu, dass er während seiner jüngsten Ruhepause in Manchester für die LIFG Spenden gesammelt habe. Laut Aboaoba hatte er das Geld vor allem in der Didsbury-Moschee bekommen. Das ist die gleiche Moschee, die auch Abedi stets besucht hatte.

 

Tatsächlich ist die LIFG seit dem Jahr 2005 in Großbritannien offiziell als terroristische Gruppe verboten. Als solche steht sie auch auf der Liste der so genannten Proscribed Terrorist Groups Or Organisations [3] auf der Website der Regierung. Dennoch konnten die Mitglieder der LIFG ziemlich ungeniert in Manchester und anderswo im Land agieren.

 

Auf Seite 14 dieses gerade erwähnten, immer noch gültigen Regierungsdokuments, heißt es zur LIFG explizit: „Die LIFG ist Teil der breiteren, globalen islamistisch extremistischen Bewegung, die von Al-Kaida inspiriert ist. Die LIFG versucht [Text stammt aus der Zeit vor 2011; RT], das libysche Regime durch einen harten islamischen Staat zu ersetzen. Die Gruppe hat mehrere Operationen in Libyen durchgeführt, darunter im Jahr 1996 ein Mordversuch an Muammar Gaddafi.“

 

Ruhiges Hinterland für terroristische Auftragstäter

Fasst man all diese Informationen zusammen, dann kommt man zu dem verblüffenden Schluss, dass


eine umtriebige Gemeinschaft von islamischen Terroristen,


die Mitglieder einer von der britischen Regierung verbotenen Terrororganisation waren,


mit Wissen der staatlichen Sicherheitsdienste und sicherlich auch des Innenministeriums


inmitten einer unwissenden und dumm gehaltenen britischen Öffentlichkeit wachsen und gedeihen konnte.

 

Mitglieder dieser Gruppe konnten nachweislich ohne jegliche Eingriffe vonseiten der britischen Regierung, der Sicherheits- oder Geheimdienste regelmäßig ins Ausland reisen und an bewaffneten Konflikten und Terror-Aktionen teilnehmen. Anschließend ließen die Sicherheitsbehörden sie unbehelligt zur Erholung nach Hause zurückkehren, ohne dass sie etwa eingekerkert oder auch nur verstärkt überwacht worden wären.

 

Quellen:

[1] The Telegraph News, www.telegraph.co.uk, „Alles was wir über den Machester Selbstmord-Bombenattentäter Salman Abedi wissen“ <http://www.telegraph.co.uk/news/2017/05/26/everything-know-manchester-suicide-bomber-salman-abedi/>

[2] wikipedia, Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) <https://de.wikipedia.org/wiki/Libysche_Islamische_Kampfgruppe>

[3] Home Office, www.gov.uk, Vervotene Terrororganisationen <https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/612076/20170503_Proscription.pdf>

Dieser Text wurde zuerst am 03.06.2017, auf deutsch.rt.com unter der URL <https://deutsch.rt.com/meinung/51696-terroristen-als-britische-hilfstruppen-mysterien/> veröffentlicht. Lizenz: RT Deutsch

Profilbild von Rainer Rupp

Rainer Rupp

Rainer Wolfgang Rupp (* 21. September 1945 in Saarlouis) ist ein ehemaliger deutscher DDR-Agent (Deckname Topas), der für den Warschauer Pakt tätig war. Ab 1969 war Rupp für die HVA beim Hauptquartier der NATO in Brüssel tätig. 1977 kam er in die politische Abteilung des NATO-Wirtschaftsdirektorats. Anfangs operierte er unter dem Decknamen „Mosel“, ab 1979 als „Topas“.


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