Waffen und Nachschub
26 Sep 2015
von NATO-Territorium an ISIS-Truppen
Der Grenzübergang in der Nähe der türkischen Stadt Oncupinar, etwa 100 km westlich der syrischen Stadt Kobani, ist offenbar nur eine von vielen solcher Grenzübergänge, über den angeworbene ISIS-Kämpfer, Waffen und Material nach Syrien gelangen. Direkt unter den Augen von NATO-Truppen.
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Ein kürzlich erschienener Artikel in der TIME hatte den Titel: „ISIS Kämpfer töten 200 Zivilisten in syrischer Stadt,“ In dem Artikel heißt es dann weiter, dass:
Die Angriffe kamen, nachdem die Gruppe [ISIS] in den letzten zwei Wochen eine Reihe von Rückschlägen erlitten hatte, unter anderem den Verlust des syrischen Grenzortes Tal Abyad in der vergangenen Woche – einer der wichtigsten Transitpunkte für ausländische Kämpfer und Nachschub.

Tal Abyad, ein türkisch-syrischen Grenzübergang östlich von Kobani, ist somit der zweite, bestätigte Transitpunkt nach Syrien, der durch ISIS verwendet wird, um die laufende militärische Kampagne innerhalb Syriens zu versorgen.

Berichte bestätigen umfangreiche logistische Netzwerke, die durch Gebiete führen, die von der NATO und US-Verbündeten kontrolliert werden und die nach Syrien führen. Dies steht im Widerspruch zu der aktuell vorherrschenden Erklärung, dass es sich bei ISIS um eine „einheimische“ terroristische Organisation handele, die sich selbst finanziert und sich selbst trägt, in den Gebieten, die sie derzeit in Syrien und im Irak kontrolliert. Die westlichen Medien haben bisher wenig glaubhaft versucht zu argumentieren, dass die immensen globalen Operationen der ISIS, durch Lösegeldzahlungen und den Verkauf von Öl auf dem Schwarzmarkt möglich geworden seien.

Es ist klar, dass nicht nur diese Berichte unhaltbar sind, dass sie unwahr sind. Nein die westlichen Medien berichten zum Teil selbst genau, wie die ISIS es schafft ihre beeindruckende Kampfkraft aufrecht zu erhalten – nämlich mit Hilfe von Milliarden von Dollar an staatlich geförderter Hilfe, die mitten durch NATO Gebiet, direkt an die Frontlinien der ISIS-Strukturen fließt.

Würden die Lieferungen lediglich über die syrisch-irakische Grenze fließen, dann wäre es möglich, alles zu leugnen und zu argumentieren, dass die Regierungen der beiden Länder nicht in der Lage sind, beide Seiten der Grenze zu kontrollieren. Aber die Türkei, seit 1952 Mitglied der NATO und Gastgeber der U.S. Air Force Luftwaffenbasis in Incirlik, hat zweifelsohne die volle Kontrolle über seine eigenen Grenzen. Dies wiederum bedeutet, dass die Konvois, die für die ISIS bestimmt sind, nicht nur die Grenzen nach Syrien mit der scheinbaren Zustimmung der türkischen Grenztruppen passieren, sondern dass die LKW-Ladungen auf dem Territorium der Türkei selbst zusammengestellt werden.

Es werden keine Anstrengungen unternommen, den Fluss der Lieferungen an die Kräfte der ISIS durch das von der NATO kontrollierte Gebiet zu unterbinden. Die türkische Regierung leugnet offiziell sogar, dass die Lastwagen, die in der Reportage der Deutschen Welle auf Video aufgezeichnet wurden, überhaupt existieren. Dies beweist klar und deutlich eine NATO Komplizenschaft bei der Bewaffnung und Versorgung von ISIS und anderen Al-Quaida-Partnern Und dies zeigt in der Tat, dass eine klandestine Invasion Syriens von NATO-Gebiet aus stattfindet, so wie dies auch vom Territorium des US-Verbündeten Jordanien geschieht.

Für den Westen, der Empörung über die jüngsten Angriffe der ISIS beispielsweise in Frankreich und in Tunesien zur Schau stellt und gleichzeitig vorgibt, die primäre Macht zu sein, die sich militärisch gegen ISIS stellt, wäre es eine leichte Sache, die türkisch-syrische Grenze durch NATO-Truppen zu blockieren und zu gewährleisten, dass die Truppen der ISIS vollständig von den Lieferungen abgeschnitten werden. Lieferungen, welche ISIS-Kräfte benötigen um ihre Kampffähigkeit aufrecht zu erhalten. Dass die Grenzen absichtlich offen gehalten werden für die umfangreiche tägliche Flut von Lieferungen, für Waffen und Kämpfer, die unbehindert passieren dürfen, ist ein klarer Beweis dafür, dass die ISIS-Truppen absichtlich von Anfang als eine Art Stellvertreter-Macht aufgebaut wurden, als Proxies, um an der Heimatfront Angst und Unterstützung für die nicht endenden Kriege im Ausland zu schüren.

Ohne die Gefahr durch ISIS und ohne das Chaos, das dadurch im Nahen Osten und in der gesamten nordafrikanischen Region (MENA) geschaffen wird, wäre die Möglichkeit des Westens den Krieg gegen seine Feinde zu führen und seine exterritoriale Einmischung zu rechtfertigen, massiv eingeschränkt. Tatsächlich werden die ISIS Kräfte, die unter den Augen der NATO direkt bewaffnet und versorgt werden, durch US-Politiker als Vorwand benutzt zuvor ausgearbeitete Pläne umzusetzen um Syrien schrittweise zu erobern und mit US-Streitkräfte letztendlich vielleicht zu besetzen.

Das Brookings Institute, in dem diese Pläne entstanden, nutzte kürzlich den ISIS Angriff auf Kobani um für „Bodentruppen – boots on the ground“ in Syrien zu argumentieren. Der Angriff auf Kobani, wäre logistisch aber unmöglich gewesen, wenn es nicht tägliche Nachschub-Lieferungen nach Syrien gegeben hätte, die durch die USA und ihren NATO-Verbündeten Türkei ermöglicht wurden.

Um ISIS zu besiegen, müssen seine Versorgungslinien abgeschnitten werden – eine einfache Sache, leicht durchzuführen. Dies erfordert lediglich, dass türkische und andere NATO-Truppen logistische Netzwerke unterbrechen, die auf NATO-Territorium verlaufen. Stattdessen gehen das US-Außenministerium und US-betriebene NGOs sogar so weit, vereinzelte Versuche, die Grenze der Türkei zu Syrien stärker zu kontrollieren, zu verurteilen. Das Nachrichtenportal des US-Außenministeriums „Voice of America“ titelte z.B. in einem Artikel, „Crackdown an der türkischen Grenze gefährdet syrische Flüchtlinge“. Mman verwendet also den Vorwand von „Menschenrechten“ um die Türkei für das zu verurteilen, was an zaghaften Kontrollmaßnahmen versucht wird.

Die USA selbst, obwohl sie über eine Militärbasis in der Türkei verfügen, haben nicht danach gerufen strengere Grenzsicherheit zu implementieren, um den Fluss von ISIS Lieferungen zu blockieren. Stattdessen sind die USA so weit gegangen, die Bombardierung syrischen Gebiets voranzutreiben, in vorgetäuschten Bemühungen um die „ISIS zu bekämpfen“. Dies alles beweist, dass die Terrororganisation ISIS sowohl als Proxy, als auch ein Vorwand dient. Denn keine ernsthafte militärische Kampagne würde gegen einen Feind geführt werden. ohne dessen Versorgungslinien zu identifizieren und abzuschneiden, noch dazu dann, wenn diese Versorgungslinien sogar durch das eigene Territorium verlaufen.

Die breite Öffentlichkeit im Westen muss, wenn sie der ISIS und deren Gräueltaten tatsächlich ein Ende setzen will zumindest das einfordern, was der Westen tatsächlich aktiv tun könnte: Die Schließung der Grenzen der Türkei und Jordaniens, um damit die Nachschub-Lieferungen an ISIS-Kampfverbände zu unterbinden.

Quellen:

Tony Cartalucci, New Eastern Outlook (NEO), TIME Admits ISIS Bringing Arms, Fighters in From NATO Territory <http://journal-neo.org/2015/07/12/time-admits-isis-bringing-arms-fighters-in-from-nato-territory/> (original Text)

Tony Cartalucci, New Eastern Outlook (NEO), US To Begin Invasion of Syria <http://journal-neo.org/2015/06/26/us-to-begin-invasion-of-syria/>

Tony Cartalucci, New Eastern Outlook, Logistics 101: Where Does ISIS Get Its Guns? <http://journal-neo.org/2015/06/09/logistics-101-where-does-isis-get-its-guns/>

Deutsche Welle, ‚IS‘ supply channels through Turkey <http://www.dw.com/en/is-supply-channels-through-turkey/av-18091048>

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Tony Cartalucci

Der geopolitische Rechercheur und Autor lebt und arbeitet in Bangkok. Sein unabhängiger alternativer Nachrichten-Blog Land Destroyer Report behandelt geo- und weltpolitische Ereignisse aus südostasiatischer Sicht.


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