Putin der Böse
31 Jan 2016
Wen verkaufen unsere Medien für blöd – Sie oder den FSB?
Der britische Richter Robert Owen veröffentlichte einen Untersuchungsbericht über den Tod des russischen Ex-Geheimdienstlers Litwinenko. Die Ermordung sei auch von Präsident Putin wahrscheinlich gutgeheißen worden.
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Putin 2007 (Foto: kremlin.ru, CC BY-SA 2.0)

Die Briten haben in einer Untersuchung festgestellt, dass der russische Agent Litwinenko 2006 vom FSB mit Billigung Putins umgebracht wurde. „Wahrscheinlich“. Es ist ganz wichtig, dass Putin höchstpersönlich reingezogen wird. Mehr als eine („wahrscheinliche“) Billigung konnte die Untersuchung auch nach neun Jahren nicht finden. Ziemlich billig, aber egal. Ein Vorwurf ist ein Vorwurf und mehr braucht es nicht in einer Demokratie, wenn es gegen jemanden geht, der seine Interessen nicht freiwillig aufgibt. Ein Thema, an dem man sich in vielen Artikeln russophob abarbeiten kann. SPON liefert zur Meldung gleich eine Erklärung, wie heimtükisch die Tatwaffe Polonium-210 ist. Danke dafür. Mehr braucht es nämlich nicht, um die brennende Frage zu stellen: Wen verkaufen unsere Medien für blöd – den russischen Geheimdienst FSB oder Sie, den Leser? Einer der beiden MUSS blöd sein. Sie werden gleich merken, warum. Polonium-210, so lehrt es uns SPON, sei nur gefährlich, wenn es in den Körper gelangt. Dort schädigt es mit seiner Strahlung die DNA und es kommt innerhalb von ein paar Tagen oder ein paar Wochen zum Tod – in Abhängigkeit von der verabreichten Dosis. Spielen wir das Spiel der Fünfjährigen. Mit etwa fünf Jahren lernen Kinder, sich in andere hinein zu versetzen. Versetzen wir uns also hinein in die FSB-Leute, die beschlossen haben, den Überläufer Litwinenko zu beseitigen. Dazu gibt es gute Gründe. Litwinenko ist nach Großbritanien geflüchtet und schwärzt von dort in der großen Öffentlichkeit die russische Regierung, den FSB und Präsident Putin an. Töten wir ihn. Wie? Vielleicht indem wir ihm eine Kugel verpassen? Nein, zu einfach. Dann ist er sofort tot und sagt nichts mehr. Vergiften wir ihn lieber. Aber nicht mit einem der hundert schnell tötenden Gifte, die da drüben in unserem Schrank liegen (wir sind bei einem der furchtbarsten Geheimdienste dieser Welt, wir haben solche Schränke). Dann ist er auch sofort tot und sagt nichts mehr. Nein, nehmen wir etwas Exotisches. Etwas Strahlendes! Etwas mit Atomen ist immer gut, das löst gleich Panik aus, wenn nur einmal darüber berichtet wird. Und genau das wollen wir schließlich, wenn wir still und heimlich eine Person beseitigen wollen, nicht wahr? Gut. Und jetzt wählen wir die Dosis so, dass Litwinenko nicht sofort und nicht nach drei Tagen stirbt. Das wäre ja langweilig. Wir wählen eine niedrige Dosis, damit er sich wochenlang quält. Damit er wochenlang von britischen TV-Kameras belagert wird und uns noch höchstpersönlich beschuldigt, ihn vergiftet zu haben. Das ist ein guter Plan. Haben Sie ehrlich mitgespielt und sich ehrlich in den FSB hineinversetzt? Wie hat es sich angefühlt? Unsere Medien wollen uns gerade glauben lassen, dass der FSB, tatsächlich einer der besseren Geheimdienste dieser Welt, sich für Polonium-210 in einer niedrigen Dosis entschieden hat, um einen medial präsenten Überläufer in Großbritanien zu beseitigen. Selbstverständlich wohlwissend, dass Polonium-210 selbst in hohen Dosen nicht sofort tötet. Und in einer Lage, wo der Überläufer ohnehin schon von den britischen Medien hofiert wird. Unsere Medien wollen Sie glauben lassen, dass der FSB in so einer Situation zu einem exotischen, langsam tötenden Gift greift. Unsere Medien wollen Sie glauben lassen, dass der FSB total blöd ist. […] Spielen wir unser Spiel weiter. Versetzen wir uns jetzt in den britischen Geheimdienst. Wir sollen für schlechte Publicity von Putin sorgen. Gut, das ist ein Dauerauftrag, aber jetzt soll ein kleines Feuerwerk her, das herausragt aus dem täglichen Einerlei der russlandfeindlichen Berichterstattung. Hängen wir Putin einen Mord an. Wir haben viele Agenten, die sich öffentlich an Putin abarbeiten. Töten wir einen von ihnen und behaupten, dass Putin es war. Und bauen daraus eine mediale Anti-Putin-Kampagne. Da, der Litwinenko ist gut. Er ist als Agent schon verbrannt. Alles, was er zu erzählen hatte, hat er uns schon erzählt. Nach Russland kann er nicht mehr zurück, um neue Informationen zu beschaffen. Sein Buch mit Anschuldigungen hat er schon geschrieben (und wir werden bei unserer Kampagne groß Werbung dafür machen). Er wird uns einen letzten Dienst erweisen. Er ist voll unter unserer Kontrolle, mitten in London. Töten wir ihn. Wie? Vielleicht indem wir ihm eine Kugel verpassen? Nein, zu einfach. Dann ist er sofort tot und sagt nichts mehr. Vergiften wir ihn lieber. Aber nicht mit einem der hundert schnell tötenden Gifte, die da drüben in unserem Schrank liegen (wir sind bei einem der furchtbarsten Geheimdienste dieser Welt, wir haben solche Schränke). Dann ist er auch sofort tot und sagt nichts mehr. Nein, nehmen wir etwas Exotisches. Etwas Strahlendes! Etwas mit Atomen ist immer gut, das löst gleich Panik aus, wenn nur einmal darüber berichtet wird. […] Und jetzt wählen wir die Dosis so, dass Litwinenko nicht sofort und nicht nach drei Tagen stirbt. Das wäre ja langweilig. Wir wählen eine niedrige Dosis, damit er sich wochenlang quält. Damit er wochenlang von unseren TV-Kameras belagert wird und noch höchstpersönlich Putin beschuldigt, ihn vergiftet zu haben. Das ist auch ein guter Plan. [Red.: gekürzt]

 

Quellen:

The Litvinenko Inquiry: <https://www.litvinenkoinquiry.org/files/Litvinenko-Inquiry-Report-web-version.pdf>

Tatwaffe Polonium-210: <http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/alexander-litwinenko-so-heimtueckisch-toetet-polonium-210-a-1073118.html>

Über den Untersuchungsbericht: <http://www.spiegel.de/politik/ausland/wladimir-putin-soll-mord-an-litwinenko-gebilligt-haben-a-1073121.html>

 

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