Zehn Geschichten zu
11 Sep 2015
9/11
Zehn kurze Geschichten, die Sie in den Leitmedien nicht finden werden. Es sind zehn Geschichten, die zeigen, wieso eine neue, unabhängige 9/11-Untersuchung nötig ist. Es sind zehn Geschichten, deren Wahrheitsgehalt Sie in zehn Minuten prüfen können.
Profilbild von Stefan Schaer
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Die Finanzierung der Anschläge Bei jedem planungsintensiven Verbrechen, steht für die Ermittler die Frage nach der Finanzierung im Vordergrund. Wer hat das Verbrechen bezahlt, über welche Kanäle ist das Geld geflossen usw.? Wer diese Fragen beantworten kann, landet direkt bei den Drahtziehern. Fragen, die auch im Fall von 9/11 von Bedeutung wären. Schauen wir deshalb, was die 911-Kommission in ihrem Bericht dazu zu sagen hat. Sie geht davon aus, dass zwischen 400’000 und 500’000 Dollar benötigt wurden, um all die Vorbereitungen zu finanzieren. Aber: „To date, the U.S. government has not been able to determine the origin of the money used for the 9/11 attacks.“ (Seite 172) Das ist schade, kann aber passieren. Sogar die beste Untersuchung könnte im Sand verlaufen. Nur: Wieso ist die Kommission den zahlreichen konkreten Hinweisen (unter vielen anderen: 1, 2, 3) zur Finanzierung der Hijacker nicht nachgegangen? Ganz einfach: „Ultimately the question is of little practical significance. Al Qaeda had many avenues of funding.“ (Seite 172) Ein gutes Beispiel dafür, dass die 911-Kommission den Fall gar nicht untersuchen wollte. Von Anfang an stand fest, dass einzig und allein Al Kaida hinter den Anschlägen steht. So dreht sich denn auch das ganze Kapitel „5.4 A Money Trail?“ des Kommissionsberichts einzig und allein um Finanzierungsmechanismen innerhalb Al Kaidas.
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Insidertrading Der dankbarste Fall für einen Ermittler ist, wenn im Vorfeld eines grossen Verbrechens an den Börsen auf die Auswirkungen des Verbrechens spekuliert wird. Der Ermittler braucht nur nachzuprüfen, wer wann was gekauft hat. Und schon landet er bei Leuten, die Vorwissen über das Verbrechen hatten und dementsprechend viel zur Aufklärung beitragen können. In den Tagen vor dem 11. September 2001 ist an den Börsen massiv auf den Wertverlust verschiedener Aktien von „beteiligten“ Firmen spekuliert worden. Das zeigen Medienberichte aus den Tagen unmittelbar nach den Anschlägen (unten vielen anderen 1, 2, 3, 4) und Analysen von Finanzexperten (1, 2), unter anderen von Marc Chesney (1) von der Universität Zürich. So lag zum Beispiel das Handelsvolumen auf Put-Optionen für United Airlines zirka 285-fach (nicht 285 Prozent), dasjenige für Marsh&McLennan 93-fach und dasjenige von American Airlines 60-fach über dem Durchschnitt. Was sagt die 911-Kommission in ihrem Bericht dazu? „There also have been many claims that al Qaeda financed itself through manipulation of the stock market based on its advance knowledge of the 9/11 attack. Exhaustive investigations by the Securities and Exchange Commission, FBI, and other agencies have uncovered no evidence that anyone with advance knowledge of the attacks profited through securities transactions. „ (Seite 171) Die Kommission stellt also fest, dass Al Kaida an der Börse kein Geld verdient hat. Bleibt die nicht unwesentliche Frage, wer denn für all die Spekulationen verantwortlich war? Die Antwort findet sich im Kommissionsbericht in Fussnote 130 zu Kapitel 5 (Seite 499): „Some unusual trading did in fact occur, but each such trade proved to have an innocuous explanation. For example, the volume of put options – investments that pay off only when a stock drops in price – surged in the parent companies of United Airlines on September 6 and American Airlines on September 10 – highly suspicious trading on its face. Yet, further investigation has revealed that the trading had no connection with 9/11. A single U.S.-based institutional investor with no conceivable ties to al Qaeda purchased 95 percent of the UAL puts on September 6 as part of a trading strategy that also included buying 115,000 shares of American on September 10. Similarly, much of the seemingly suspicious trading in American on September 10 was traced to a specific U.S.-based options trading newsletter, faxed to its subscribers on Sunday, September 9, which recommended these trades. (…) These investigators have found that the apparently suspicious consistently proved innocuous.“ Mit anderen Worten: Es gab tatsächlich „höchst verdächtiges“ Insidertrading. Aber weil die Spuren ausnahmslos zu Investoren in den USA und nicht zu Al Kaida führten, hatte der Insiderhandel keinen Zusammenhang mit 911…
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Der Koffer von Mohamed Atta Viele wundern sich, weshalb wenige Tage nach dem 11. September 2001 schon absolut klar war, wer hinter den Anschlägen steckt. Ein wichtiger Grund für die schnelle Aufklärung: Mohamed Attas Koffer. Atta, der sogenannte Anführer der Hijacker, fuhr am 10. September von Boston nach Portland und flog dann am frühen Morgen des 11. Septembers nach Boston zurück, wo er auf jene Maschine umstieg, die er wenig später laut offizieller Darstellung entführte. Dem Skeptiker stellt sich die Frage, wieso Atta das Risiko einging, den letzten und wichtigsten Flug seines Lebens zu verpassen, falls sich sein Anschlussflug verspätet hätte. Eine Frage, die bis heute ungeklärt ist. Die 911-Kommission entledigt sich des Problems in ihrem Bericht mit einem Satz auf Seite 451: „No physical, documentary, or analytical evidence provides a convincing explanation of why Atta and Omari drove to Portland, Maine, from Boston on the morning of September 10, only to return to Logan on Flight 5930 on the morning of September 11.“ So weit, so schlecht. Wichtig ist aber vor allem, dass das Gepäck, das Mohamed Atta in Portland eingecheckt hatte, zufälligerweise am Flughafen in Boston hängen blieb – ein absoluter Glücksfall für die Ermittler. Der Koffer enthielt nämlich: Attas Testament, eine Anleitung für Entführer (Kopien wurden auch im Auto eines Mitattentäters und in Shanksville, am Absturzort der vierten entführten Maschine gefunden), ein Flugcomputer, Anweisungen für einen Flugsimulator, Lehrvideos, wie man einen Boeing 747 und 757 fliegt, der Pass von Abdulaziz Al-Omari, der mit Atta in Portland und Boston an Board ging, eine Meldebescheinigung aus Hamburg-Harburg und Prüfungsergebnisse der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Die Feststellung sei erlaubt: Es ist aus der Sicht Mohamed Attas wenig sinnvoll, sein Testament mit in den Todesflug zu nehmen. Es ist wenig sinnvoll, die Anleitungen zum Fliegen einer Boeing, den Flugcomputer und die Simulatoranweisungen einzuckecken, statt sie mit an Bord zu nehmen. Und es ist unverständlich, wie Abdulaziz Al-Omari an Bord seiner Flüge gelangen konnte, wenn sein Pass in Attas Koffer war.
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Unterwegs mit Bush und Rumsfeld 11. September 2001, 9.05 Uhr. George W. Bush sitzt in Florida in einem Klassenzimmer und hört Kindern beim Lesen zu. Einer seiner Mitarbeiter, Stabschef Andrew Card, kommt herein und flüstert dem Präsidenten ins Ohr, dass ein zweites Flugzeug das World Trade Center in New York getroffen habe: „Amerika wird angegriffen.“ George W. Bush macht, was man in diesem Moment von einem US-Präsidenten am wenigsten erwartet: Er stellt keine Fragen, er zeigt weder Überraschung noch Angst ­– er bleibt einfach sitzen. Weitere 10 Minuten hört er den Geissengeschichten der Kinder zu, bevor er sich nach draussen begibt. Eine Szene, aufgenommen mit einer privaten Videokamera, ist seit Michael Moores Film „Fahrenheit 9/11“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Sie ist mehr als merkwürdig, denn: Weshalb wollte Bush nicht wissen, was vor sich geht? Als oberster Befehlshaber der US-Streitkräfte hätte er eigentlich so schnell als möglich ins Geschehen eingreifen müssen. Weshalb klärte Andrew Card seinen Präsidenten nicht unaufgefordert über die Vorgänge auf? Weshalb unterliess der Secret Service jede Reaktion, um den Präsidenten zu schützen? Schließlich hätte auch Bush ein Ziel der Terroristen sein können, sein Aufenthaltsort an diesem Morgen war bekannt, im fraglichen Zeitpunkt konnte noch niemand verlässliche Angaben dazu machen, wie viele Flugzeuge entführt worden waren. Fragen, denen die 911-Kommission ernsthaft hätte nachgehen müssen. Was sie nicht getan hat. Im offiziellen Bericht lesen wir zur Erklärung des merkwürdigen Verhaltens drei Sätze von Relevanz: „The President told us his instinct was to project calm, not to have the country see an excited reaction at a moment of crisis. (…) The President felt he should project strength and calm until he could better understand what was happening.“ (Seite 38) und: „The Secret Service told us they were anxious to move the President to a safer location, but did not think it imperative for him to run out the door.“ (Seite 39) Man muss kein misstrauischer Mensch sein, um sich zu fragen: Wem gegenüber wollte Bush Ruhe ausstrahlen – den Grundschülern? Und vor allem: Weshalb wussten Bush und der Secret Service, dass ihnen keine Gefahr drohte? Donald Rumsfeld an dem Tag Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verbrachte einen gemütlichen Morgen. Er frühstückte im Pentagon mit Kongressabgeordneten, interpretierte den ersten Flugzeugeinschlag ins WTC als Unfall, ging in sein Büro, erfuhr dort von seinen Assistenten vom zweiten Flugzeugeinschlag, ignorierte die Aufforderung, sich ins National Military Command Center (NMCC) zu begeben, blieb in seinem Büro, um Telefonate zu erledigen und einen auf 9.30 Uhr angesetzten Briefing-Termin mit einem CIA-Mitarbeiter wahrzunehmen. Als AA77 um 9.38 Uhr ins Pentagon donnerte, begab sich Rumsfeld nicht etwa endlich ins NMCC (das sich gleich am Ende des Flurs befindet), sondern spazierte zur zirka 8 Minuten entfernten Unfallstelle, half Sanitätern, liess sich fotografieren – und war für das verzweifelt nach ihm suchende NMCC unauffindbar. Erst kurz vor 10 Uhr kehrte Rumsfeld in sein Büro zurück, telefonierte mit Bush, begab sich zwischen 10 und 10.15 Uhr doch noch ins NMCC und war um 10.40 Uhr endlich über den Fall informiert. Mit anderen Worten: Der Verteidigungsminister der USA erfuhr laut offiziellen Angaben alles Nötige zur Lage erst 40 Minuten, nachdem die Ereignisse vorbei waren – und gut 1 Stunde und 40 Minuten, nachdem CNN mit der Live-Übertragung begonnen hatte. Das ist kein Witz, sondern der von Rumsfeld geschilderte und von der 911-Kommission fraglos akzeptierte Ablauf. Im Bericht (Seite 37) steht: „On the morning of September 11, Secretary Rumsfeld was having breakfast at the Pentagon with a group of members of Congress. He then returned to his office for his daily intelligence briefing. The Secretary was informed of the second strike in New York during the briefing; he resumed the briefing while awaiting more information. After the Pentagon was struck, Secretary Rumsfeld went to the parking lot to asist with the rescue efforts.“ Umso schlimmer ist Rumsfeld unglaubliches Verhalten, wenn man weiss, dass drei Monate vor dem 11. September 2001 die Dienstvorschriften für den Umgang mit entführten Passagiermaschinen auf den Kopf gestellt worden waren. Ab Juni 2001 lagen die Entscheidungsbefugnisse nicht mehr in den Händen der diensthabenden Offiziere, sondern allein beim Verteidigungsminister . Will heißen: Eigentlich hatte am 11. September 2001 nur Donald Rumsfeld die Kompetenz, Abfangjäger starten und Flugzeuge abschiessen zu lassen. Zu dumm, dass der Mann zur entscheidenden Zeit Wichtigeres zu tun hatte und nicht auffindbar war…
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Geschichte Nummer 5: Wargames – das totale Chaos Eines der großen Rätsel des 11. Septembers 2001 ist das Versagen der US-Luftwaffe. Wie ist es möglich, dass die ganze Welt ab zirka 8.50 Uhr live im Fernsehen verfolgen kann, was in New York und Washington vor sich geht, die US-Luftwaffe aber praktisch keine Reaktion zeigt, bis es zu spät ist? Eine wichtige Frage. Von Seiten vieler Skeptiker wird von einer sogenannten „Stand-Down-Order“ ausgegangen, also einem Befehl von höchster Stelle, der den Militärs das Einschreiten verboten hätte. Ein höchst unwahrscheinliches Szenario, die Zahl der Mitwisser wäre viel zu gross. Wesentlich erfolgsversprechender ist es, den Grund für die Nichtreaktion der Luftwaffe in den zahlreichen Übungen des US-Militärs zu suchen, die am 11. September stattfanden. Je nach Quelle wurden bis zu 8 verschiedene Wargames durchgeführt. So übte das US-Militär am Morgen des 11. September 2001 unter anderem den Umgang mit entführten Passagiermaschinen. Zu diesem Zweck wurden den diversen Flugüberwachungen im Land sogenannte „Inputs“ (falsche Radarpunkte) auf die Bildschirme gespielt (1, 2). Die Folge ist klar: Sowohl den zivilen Fluglotsen der FAA (Federal Aviation Administration) als auch den Militärs von NORAD (North American Aerospace Defense Command) und NEADS (Northeast Air Defense Sector) war es in den entscheidenden Minuten unmöglich, zu unterscheiden, was real und was eine Übung war. Rund 30 Stunden Funkverkehr zwischen FAA, NORAD und NEADS dokumentieren das Chaos (1, 2, 3, Ausschnitte hier), das in den entscheidenden Minuten im Luftraum der USA herrschte. Dazu zwei Beispiele, die zeigen, wie verloren die Fluglotsen tatsächlich waren. Um 8.43 Uhr, also 3 Minuten vor dem Einschlag von AA11 in den WTC-Nordturm, sagt NEADS-Major James Fox: „I’ve never seen so much real-world stuff happen during an exercise.“ „During an exercise“? – Fox ging also immer noch von einer Übung aus. Noch erstaunlicher ist ein Ausschnitt aus der Kommunikation zwischen NEADS-Sergeant Shelley Watson und einer zivilen Fluglotsin im New York Center um zirka 8.52 Uhr: WATSON: Yes, ma’am. Did you just hear the information regarding the World Trade Center? NEW YORK CENTER: No. WATSON: Being hit by an aircraft? NEW YORK CENTER: I’m sorry?! WATSON: Being hit by an aircraft. NEW YORK CENTER: You’re kidding. WATSON: It’s on the world news. Unglaublich, aber wahr: Die zivile Flugüberwachung im betroffenen New York hatte noch 6 Minuten nach dem Einschlag von AA11 in den WTC-Nordturm keine Ahnung, dass die Entführungen echt und nicht bloss Teil einer Übung waren. Fazit: Fluglotsen und Luftwaffe hatten gar nicht die Möglichkeit, rechtzeitig zu erkennen, was wirklich abging und entsprechend zu reagieren. Das alles interessierte die 911-­­ Kommission nicht, sie ignorierte den Fakt, dass so viele Übungen ausgerechnet am 11. September stattgefunden hatten (wer hatte die Übungen koordiniert?) und ging deshalb auch nicht auf die möglichen Auswirkungen der Übungen ein. Die einzige Bemerkung hinsichtlich der Wargames und ihrer Folgen findet sich im Bericht in Fussnote 116 zu Kapitel 1 auf Seite 458. Da steht: On 9/11, NORAD was scheduled to conduct a military exercise, Vigilant Guardian, which postulated a bomber attack from the former Soviet Union. We investigated whether military preparations for the large-scale exercise compromised the military’s response to the real-world terrorist attack on 9/11. According to General Eberhart, „it took about 30 seconds“ to make the adjustment to the real-world situation. Ein Statement, das jeder Grundlage entbehrt. Es ist sowohl bezüglich der Zahl der durchgeführten Übungen als auch bezüglich der Auswirkungen der Übungen auf die Reaktion der Luftwaffe eine glatte Lüge.
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Unfassbare Manöver Wie in Geschichte Nummer 5 dargelegt, herrschte am Morgen des 11. Septembers 2001 im Luftraum über den USA aufgrund zahlreicher Militärübungen das totale Chaos. Niemand wusste, was echt war und was nicht, selbst die Militärs von NORAD (North American Aerospace Defense Command) und NEADS (Northeast Air Defense Sector) waren in den entscheidenden Minuten überfordert. Einen weiteren triftigen Grund für das Versagen der US-Luftwaffe liefern die entführten Flugzeuge. Sie „verhielten“ sich mehr als merkwürdig. Es kann davon ausgegangen werden, dass ...alle vier Maschinen ihre Transponder ausschalteten (AA11, AA77, UA93) respektive doppelt änderten (UA175). Ohne Transponder ist eine Maschine nicht identifizierbar, sie ist ein Punkt auf dem Radar, ohne Kennung, ohne Angaben zu Höhe und Geschwindigkeit. ...alle vier Maschinen nach der Übernahme durch die Entführer minutenlang in Richtungen flogen, die ihren Zielen in New York und Washington entgegengesetzt waren. AA77 flog ganze 40 Minuten in die falsche Richtung, bis sie von den Radarschirmen verschwand bzw. gemäss offizieller Darstellung zurück in Richtung Washington drehte (siehe unten). ...keine der Maschinen einen Notfallcode aussendete (eine vierstellige Nummer, die innert Sekunden eingetippt werden kann). ...alle drei Maschinen, die ihre Ziele erreichten, bis wenige Minuten vor dem Einschlag auf keinem Militärradar zu sehen waren (siehe unten). ...alle drei Maschinen, die ihr Ziel erreichten, die mögliche Höchstgeschwindigkeit bei weitem überschritten (siehe unten). ...zweimal ELTs (automatische Absturzsignale) ausgesendet wurden, aber viel zu früh (siehe unten). ...entweder keine (der normalerweise unzerstörbaren) Flugschreiber und Voicerecorder gefunden wurden (New York) oder dass diese nichts Nützliches enthalten (Washington) bzw. bis heute nicht freigegeben worden sind (Shanksville). Drei Aspekte verdienen besondere Beachtung: 1. Keine Radardaten: Es würde zu weit führen, hier stundenlange, zum Teil widersprüchliche Lotsengespräche und Radardaten abzubilden. Nach heutigem Wissenstand kann davon ausgegangen werden, dass NORAD die drei Flugzeuge, die ihr Ziel trafen, am 11. September jeweils erst im letzten Moment auf den Radarschirmen hatte. Laut Bericht der 911-Kommission sah das am Beispiel von AA77 wie folgt aus: Die Boeing 757, gestartet in Washington, flog zuerst 30 Minuten westwärts. Um 8.51 Uhr brach der Funkkontakt ab, um 9 Uhr verschwand die Maschine an der Grenze zu Ohio vollständig von den Radarschirmen der Fluglotsen. Weil AA77 in den folgenden Minuten weder via Radar zu sehen noch über Funk zu erreichen war, galt die Maschine ab kurz nach 9 Uhr als notgelandet oder abgestürzt. NORAD-General Larry Arnold sagte in den Hearings der 911-Kommission: And I can tell you that I did not know, and I don’t believe anybody in the NORAD system, knew where that airplane was. Um 9.34 tauchte dann allerdings eine vorher unsichtbare Maschine südwestlich des Pentagons auf. Ohne Transponderkennung steuerte sie in einer 330-Grad-Kurve im steilen Sinkflug mirakulös ins Ziel. Im Fall von UA175 hatten die Lotsen lange gar keinen Grund, das Militär zu benachrichtigen. Bis 8.52 Uhr schien die Maschine trotz zweimaligem Transponderwechsel auf Kurs. Dann allerdings erschien auf den Lotsen-Schirmen plötzlich ein Flugzeug ohne Transponderkennung über Allentown, Pennsylvania, mit Kurs New York (1). Niemand wusste, ob das Flugzeug echt oder bloss ein „Input“ (siehe Geschichte Nummer 5) war. Was den zuständigen Lotsen veranlasste, um 8.53 Uhr verschiedene Maschinen in der Nähe des unbekannten Radarpunkts zu fragen: „Do you see that UA175 anywhere and do me a favor you see that target there on 3321 code at 335 climbing don’t know who he is but you got that USA 583 if you need to descent him down you can nobody we may have a hijack we have some problems over here right now. (…) yes, that may be real traffic nobody knows I can’t get a hold of UA175 at all right now and I don’t know where he went to.“ Um 9.03 Uhr traf dann ein zweites, in diesem Moment nicht identifiziertes Flugzeug den WTC-Südturm. Fazit: Gar keine bzw. keine ver­läss­lichen Radardaten + kein Funkkontakt = keine Ahnung. NORAD-General Larry ­Arnold sagte in den Hearings der 911-Kommission bezüglich der WTC-Flugzeuge: „We had no warning of that whatsoever. In fact, that airplane was called possibly hijacked later on, which as General McKinley referred to, as the fog and friction of war, actually caused further confusion, because we were not aware which aircraft actually crashed into the towers. We just knew that by now we had two airplanes that have crashed into the owers. We have two airplanes that are called hijacked.“ NORAD-Sprecher Colonel Alan Scott bestätigte dies und erklärte gleich noch, wie man die heutige gültige Darstellung „herstellte“ – man rekonstruierte die Flugrouten aufgrund von Hypothesen: „(…), by the way, much of this radar data for these primary targets was not seen that day. It was reconstructed days later by the 84th Radar Evaluation Squadron, and other agencies like it who are professionals at going back and looking at radar tapes and then given that they are loaded with knowledge after the fact, they can go and find things that perhaps were not visible during the event itself.“ 2. Falsche Absturzsignale: AA11 traf den WTC-Nordturm um 8.46 Uhr. Zirka zweieinhalb Minuten vorher gingen sogenannte ELT-Meldungen ein. ELT heisst Emergency Locator Transmitter und ist ein Signal, das im Fall eines Absturzes automatisch ausgelöst wird. Empfangen wurden die ELTs von den Piloten von US Airways 583 und von Delta Airlines 2433, die sich zum Zeitpunkt im Luftraum über New York befanden. Als AA11 dann tatsächlich in den WTC-Turm einschlug, wurde kein ELT mehr gesendet. UA175 traf den WTC-Südturm um 9.03 Uhr. Und auch bei diesem zweiten Absturz wurde aus dem Gebiet New Yorks ein ELT gesendet, diesmal mehr als vier Minuten zu früh. Empfangen wurde es wiederum von Flug US Airways 583. Und wiederum wurde zum Zeitpunkt des eigentlichen Einschlags kein ELT empfangen. Klar ist: ELT-Signale können auch ohne ersichtlichen Grund losgehen oder versagen, wenn ein Flugzeug abstürzt. Aber: Selbst Zufallstheoretiker werden feststellen, dass ELT-Signale aus der Region New York unmittelbar vor den Abstürzen in Kombination mit ausbleibenden ELT-Signalen bei den Abstürzen mehr als merkwürdig sind. Es stellen sich einige Fragen: Von wo genau sind die ELTs gesendet worden? Kamen die ELTs von AA11 und UA175? Wenn ja, weshalb wurden sie zu früh gesendet? Wurden die ELT-Transmitter im WTC-Schutt gefunden? Wieso sendeten weder UA93 noch AA77 ELTs aus? Fragen, die die 911-Kommission nicht interessiert haben. Sie liefert keine Erklärungen für die diversen ELT-Anomalien. 3. Überschrittene Höchstgeschwindigkeit: Eine der wichtigen offenen Fragen rund um 9/11 sind die Geschwindigkeiten, mit denen AA11 und UA175 ins WTC bzw. AA77 ins Pentagon rasten. Während das Tempo von AA11 „nur“ beträchtlich über der möglichen Höchstgeschwindigkeit für eine Boeing 767 lag, war UA175 massiv zu schnell. Sie hatte im Moment des Einschlags ein Tempo von 540 bis 580 Meilen (je nach Quelle 1, 2), obwohl die Höchstgeschwindigkeit in Reisehöhe (10’000 Meter) lediglich 480 Meilen pro Stunde, auf Meereshöhe sogar nur 380 Meilen beträgt. Die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit durch UA175 ist so gravierend (um nicht zu sagen unmöglich), dass Dwain Deets, langjähriger Leiter der NASA Dryden Flight Research facility, in einem Statement zuhanden des American Institute of Aeronautics and Astronautics festhielt: „Based on analysis of radar data, the National Transportation and Safety Board reported the groundspeed just before impact as 510 knots. This is well beyond the maximum operating velocity of 360 knots, and maximum dive velocity of 410 knots. The possibilities as I see them are: (1) this wasn’t a standard 767-200; (2) the radar data was compromised in some manner; (3) the NTSB analysis was erroneous; or (4) the 767 flew well beyond its flight envelope, was controllable, and managed to hit a relatively small target. Which organization has the greater responsibility for acknowledging the elephant in the room? The NTSB, NASA, Boeing, or the AIAA? Have engineers authored papers, but the AIAA or NASA won’t publish them? Or, does the ethical responsibility lie not with organizations, but with individual aeronautical engineers? Have engineers just looked the other way?“ Laut dem Bericht der 911-Kommission war AA77 mit ungefähr 530 Meilen pro Stunde unterwegs – also auch viel zu schnell –, als sie knapp über dem Boden ins Pentagon raste. Aufschlussreich ist dazu die Aussage von Danielle O’Brien, Fluglotsin am Dulles International Airport in Virginia: „The speed, the maneuverability, the way that he turned, we all thought in the radar room, all of us experienced air traffic controllers, that that was a military plane.“ Kurz: Auch bezüglich des Tempos der Flugzeuge gibt es Fragen über Fragen – und keine Erklärungen seitens der 911-Kommission. Sie würdigt die Speed-Diskussion im Untersuchungsbericht keines Worts.
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Die Raytheon Company Die Raytheon Company hatte am 11. September 2001 insofern großes Glück, als alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Büros im 91. Stockwerk des WTC-Südturms tätig waren, entkamen, bevor das Gebäude einstürzte. Trotzdem kann das Technologie-Unternehmen nicht behaupten, ungeschoren davon gekommen zu sein. In den entführten Flugzeugen befanden sich die Raytheon-Mitarbeiter Peter Gay, Kenneth Waldie, David Kovalcin, Herbert Homer und Stanley Hall. Sie haben richtig gelesen: „in den entführten Flugzeugen“. Wer denkt, die fünf Betroffenen seien auf einem Betriebsausflug alle zusammen ins gleiche Flugzeug gestiegen, der irrt. Gay, Waldie und Kovalcin befanden sich in Flug AA11, Homer in Flug UA175, Hall in Flug AA77 . Spannend wird die Geschichte, wenn man sie im Zusammenhang mit den zahlreichen Militärübungen (siehe Geschichte Nummer 5) und den vielen Anomalien rund um die vier entführten Flugzeuge betrachtet (siehe Geschichte Nummer 6). Denn: Alle fünf verstorbenen Raytheon-Mitarbeiter waren Experten für elektronische Kriegsführung und die Raytheon Company ist Weltmarktführer in Sachen ziviler und militärischer Fernsteuerung von Flugzeugen und einer der wichtigsten Vertragspartner des Pentagon und der US Air Force … Was sagt die 911-Kommission in ihrem Bericht zu diesem möglicherweise wichtigsten aller Zufälle? Sie ahnen es: kein Wort.
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Die „Beweise“ gegen Osama bin Laden Zu kaum einem Thema im ganzen Fall 9/11 gibt es so wenig überprüfbares Material wie bezüglich Osama bin Laden. Für seinen jüngsten Tod am 2. Mai 2011 in Pakistan haben wir ebenso keinen Beweis gesehen wie für die meisten seiner anderen Taten und Tode. Wir können den US-Behörden (und allen anderen Quellen) glauben oder es bleiben lassen. In den Tagen nach 9/11 distanzierte sich Bin Laden mehrfach von den Anschlägen. Dann lobte er die Anschläge, ohne die Verantwortung zu übernehmen. Überprüfbar sind diese Quellen leider nur beschränkt. Aber sie sind ebenso glaubhaft (oder nicht), wie die diversen Videos und Tonbänder, die in den nächsten Monaten und Jahren folgten und bin Ladens Schuld bewiesen. Drei unabhängige Quellen haben zum Beispiel das famose Geständnis-Video auf seine Echtheit überprüft. Das Resultat ist dreimal dasselbe: Die entscheidenden Passagen sind falsch übersetzt. Bleibt die Frage, wie Osama Bin Laden ohne den geringsten gerichtstauglichen Beweis als der grosse 911-Drahtzieher gelten kann? Zum einen sind da natürlich die „Geständnisse“ des Chalid Scheich Mohammed (siehe Geschichte Nummer 9), zum anderen … zum anderen … Tja, zum anderen wurde Osama bin Laden von der US-Justiz offiziell gar nie für 911 gesucht. Kein Witz. Auf der „Most Wanted Terrorists“-Liste des FBI werden Bin Laden nur die Bombenanschläge vom 7. August 1998 auf die US-Botschaften in Dar es Salaam, Tanzania, and Nairobi, Kenya, vorgeworfen. Kein Wort zu 9/11. Wie ist das möglich, wollte der Muckracker Report 2006 wissen. Rex Tomb, damaliger Pressesprecher des FBI, antwortete: „The reason why 9/11 is not men­tioned on Osama Bin Laden’s Most Wanted page is because the FBI has no hard evidence connecting Bin Laden to 9/11.“ Ein wahrlich erstaunliches Statement. Auf die Bitte des Journalisten um Erklärung sagte Tomb: „The FBI gathers evidence. Once evidence is gathered, it is turned over to the Department of Justice. The Department of Justice than decides whether it has enough evidence to present to a federal grand jury. In the case of the 1998 United States Embassies being bombed, Bin Laden has been formally indicted and charged by a grand jury. He has not been formally indicted and charged in connection with 9/11 because the FBI has no hard evidence connecting Bin Laden to 9/11.“ Starker Tobak. Klar, Rex Tomb und das FBI dementierten umgehend. Aber, Tombs ursprüngliches Statement steht – und auf bin Ladens Most-Wanted-Seite ist seit 2006 nur der Eintrag „deceased“ hinzugefügt worden … Angesichts der Faktenlage – Geständnisse unter Folter (siehe Geschichte Nummer 9) und falsch übersetzte Videos reichen einfach nicht für eine rechtsstaatliche Verurteilung – ist es verständlich, dass die USA Osama bin Laden versenkt und damit einen wichtigen Zeugen aus dem Verkehr gezogen haben.
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Geschichte Nummer 9: Die „Geständnisse“ des KSM Chalid Sheik Mohammed (kurz KSM) ist die zentrale Figur des 11. Septembers 2001. Er gilt als Mastermind hinter den Anschlägen, als Mann, der die Al Kaida-Aktion im Auftrag Osama bin Ladens geplant und organisiert hat. KSMs Aussagen und Geständnisse legen die Basis für die offizielle Geschichtsschreibung, den Bericht der 911-Kommission (siehe Geschichte Nummer 10). Voraussichtlich 2012 muss sich KSM für seine Taten verantworten – nicht wie von Barack Obama angekündigt vor einem zivilen Gericht in New York, sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor einem Militärtribunal in Guantanamo. Was ist von den Aussagen des Mannes zu halten, der sagt, er habe den 11. September von A bis Z geplant und organisiert? Was sind seine „Geständnisse“ wert? Der Reihe nach: Im Juni 2002 tauchte der Name Chalid Sheik Mohammed erstmals in der Öffentlichkeit auf. Verschiedene Pressedienste meldeten, laut einem hochrangigen US-Anti-Terror-Beamten sei KSM der Kopf hinter 9/11. Das veranlasste KSM nicht etwa dazu unterzutauchen, nein, er gewährte Al-Jazeera-Journalist Yosri Fouda ein Interview, in dem er bezüglich 9/11 die volle Verantwortung übernahm. Damit war alles klar. Auch heute noch gründet die offizielle Darstellung wesentlich auf dem Buch „Masterminds of Terror“, in dem Fouda das KSM-Interview verarbeitete. Zwei Monate nach dem Gespräch mit Fouda, am 1. März 2003, wurde KSM in Rawalpindi, Pakistan, festgenommen. Damit verschwand er – in geheime US-Gefängnisse und schließlich nach Guantanamo. Dort gab KSM so gut wie alles zu, was der internationale Terrorismus in den Jahren zuvor angerichtet hatte: Er gestand nicht nur erneut, 9/11 von A bis Z geplant zu haben, er übernahm auch gleich für 31 weitere (durchgeführte und geplante) Anschläge die Verantwortung – darunter den ersten Angriff auf das World Trade Center von 1993, den angeblich eigenhändigen Mord am US-Journalisten Daniel Pearl, die Anschläge von Bali 2002 und die Anschläge von Istanbul 2003. Er bekannte sich auch zu geplanten Attentaten auf die Ex-US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter, Pakistans Ex-Präsidenten Pervez Musharraf, auf Papst Johannes Paul II, das NATO-Hauptquartier in Brüssel, den Panama-Kanal und auf Londons Big Ben. Soweit die offizielle Darstellung. KSMs Aussagen – ein Traum für jeden Terrorermittler, könnte man meinen. Betonung auf „könnte“, denn … Yosri Fouda ist jeden Beweis schuldig geblieben, dass sein Interview mit KSM tatsächlich stattgefunden hat. Versprochene Video-Aufnahmen hat der Al Jazeera-Journalist bis heute nicht geliefert. Zudem herrscht Verwirrung über den Zeitpunkt des Interviews. Fouda hat seine diesbezüglichen Aussagen mehrmals korrigiert. Zuerst hatte er als Termin August 2002 angegeben. Dann sagte er, dass das Treffen bereits im April 2002 stattgefunden habe. Diese Version ist die bis heute gültige. Laut KSM selbst, das heisst, laut den Transkripten seiner Anhörung vor dem Militärtribunal in Guantánamo, hat das Treffen im Juni stattgefunden. Die Berichte darüber, ob und wann KSM tatsächlich verhaftet worden ist, könnten nicht widersprüchlicher sein (1, 2). Laut verschiedenen Quellen soll er bei der Verhaftung gar getötet worden sein. Seit seiner offiziellen Verhaftung am 1. März 2003 ist KSM komplett von der Bildfläche verschwunden – kein Anwalt, kein Angehöriger, kein Journalist und natürlich auch kein rechtsstaatliches Gericht hat ihn seither zu Gesicht bekommen hat. Einzig das Rote Kreuz durfte in Guantanamo mit ihm (oder dem Mann, den man als KSM bezeichnet) reden. KSM wurde in Guantanamo laut offiziellen Angaben bis heute 183 Waterboarding-Sessions unterzogen. Kein Wunder, dass am Wert seiner Aussagen gezweifelt wird und selbst amerikanische Geheimdienstler davon ausgehen, dass 90 Prozent seiner Aussagen „total fucking bullshit“ sind. Auch KSMs Kinder sollen gefoltert worden sein, um ihn zum Reden zu bewegen. Was sind KSMs Aussagen also wert? Rein juristisch gesehen: Nichts. Und darum geht es schließlich. Thomas Kean und Lee Hamilton, die Leiter der 911-Kommission, die KSM weder direkt noch auf den Videos seiner Vernehmungen sehen durften (siehe Geschichte Nummer 10), haben 2006 in ihrem Buch „Without Precedent“ geschrieben: „We had no way of evaluating the credibility of detainee information. (…) How could we tell if someone such as Chalid Sheik Mohammed was telling us the truth? (…) Where we could not, it was left to the reader to consider the credibility of the source – we had no opportunity to do so. (…)“ Klar, dass man einen Prozess gegen KSM, der auf solchen „Fakten“ basiert, nicht vor einem zivilen, öffentlichen Gericht gewinnen kann. Das angestrebte Todesurteil erreicht man nur hinter verschlossenen Türen.
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Die Kommission – „set up to fail“ Nach Naturkatastrophen, Politskandalen oder Terrorakten wird in den meisten zivilisierten Ländern dieser Welt eine (möglichst) unabhängige, parlamentarische Untersuchungskommission eingesetzt. Diesem selbstverständlichen Vorgang folgten kurz nach 9/11 auch diverse US-Senatoren und brachten eine Gesetzesvorlage zur Einsetzung einer 9/11-Kommission ins Parlament. Eine Formalität, sollte man meinen. Weit gefehlt. Die Bush-Administration wehrte sich nach Kräften. Vizepräsident Dick Cheney nahm sich den demokratischen Parlamentsführer Dom Daschle zur Brust und sagte ihm, eine 9/11-Untersuchung wäre eine … ...very dangerous and time-consuming diversion for those of us who are on the front lines of our response today. We’ve got our hands full. Cheney drohte Dasche gar damit, die Demokraten öffentlich der Unterwanderung des „war on terror“ zu beschuldigen, sollten sie weiter auf einer Untersuchung bestehen. Hätten die Hinterbliebenen der Opfer in der Folge nicht grossen Druck gemacht, wäre 9/11 gänzlich ununtersucht in die Geschichte eingegangen. Nach einigem Hin und Her willigte George W. Bush schließlich ein, eine beschränkte Untersuchung durchzuführen. Ganze 16 Monate wollte man der Kommission zuerst gewähren – viel zu wenig. Erstes Budget: 3 Millionen Dollar – eine lächerliche Summe, die schließlich noch auf insgesamt 15 Millionen aufgestockt wurde. Zum Vergleich: Für die Wahrheitsfindung in Bill Clintons Lewinsky-Affäre waren rund 40 Millionen Dollar investiert worden. Die „National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States“, wie die 9/11-Kommission schließlich mit vollem Namen hiess, bestand aus fünf Republikanern und fünf Demokraten, alle (indirekt) ausgewählt von US-Präsident George W. Bush und Tom Daschle. Die Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit der Kommissionsmitglieder inklusive der beiden Leiter, Thomas H. Kean und Lee H. Hamilton, war deshalb von Anfang an ein Thema und ist dementsprechend gut dokumentiert. Die wichtigste Person des Teams war aber der sogenannte Executive Director, Philip D. Zelikow. Er – nicht Kean oder Hamilton – leitete die täglichen Arbeiten der Kommission. Er – nicht Kean oder Hamilton – bestimmte, wer zum „Staff“ gehört, was untersucht wird, wer interviewt wird und was in den Bericht kommt. Er – nicht Kean oder Hamilton – schrieb den Bericht. Wer also ist dieser Philip D. Zelikow, der die Kommission unabhängig hätte führen sollen? Erstens ist Zelikow ein guter Bekannter der damaligen US-Aussenministerin Condoleezza Rice, mit der er 1995 das Buch „Germany Unified and Europe Transformed: A Study in Statecraft“ publiziert hatte. Und zweitens ist Zelikow jener Mann, der für die Bush-Administration 2002 die Doktrin der „präventiven Angriffskriege“ formuliert hatte. Die Ausgangslage war also denkbar schlecht, um das erklärte Ziel der Kommission – „to provide the fullest possible account of the events surrounding 9/11“ – zu erreichen: viel zu kleines Budget, viel zu wenig Zeit, abhängige Kommissionsmitglieder und ein Executive Direktor mit engsten Verbindungen ins Weiße Haus. Es überraschte deshalb die wenigsten, dass sich die Kommission von allem Anfang an schwer tat. Immer wieder wurde sie bei ihrer Arbeit behindert, immer wieder musste sie um Einsicht in wichtige Papiere kämpfen – selten mit, meist ohne Erfolg. Man tat sich so schwer, dass der Demokrat Max Cleland der New York Times zu Protokoll gab: It’s obvious that the White House wants to run out the clock here. It’s Halloween, and we’re still in negotiations with some assistant White House counsel about getting these documents – it’s disgusting. (…) As each day goes by, we learn that this government knew a whole lot more about these terrorists before Sept. 11 than it has ever admitted. Kurz darauf, im November 2003, trat Cleland aus der Kommission zurück. Salon.com sagte er: I’m not going to be part of looking at information only partially. I’m not going to be part of just coming to quick conclusions. I’m not going to be part of political pressure to do this or not do that. (…) It is a national scandal. Als der Bericht der 911-Kommission am 22. Juli 2004 erschien, hatten die meisten Medienleute schon wieder vergessen, wie sehr die Untersuchung blockiert und verfälscht worden war. Es gab haufenweise Lob für den Bericht, nur wenige kritisierten ihn. Immerhin, der Goodwill hielt bei vielen nicht allzu lange an. Dank Büchern wie „Omissions and Distortions“, in dem David Ray Griffin Punkt für Punkt aufzeigt, wo und wie die 911-Kommission gelogen, Fakten zurechtgebogen oder schlicht weggelassen hatte, wurde die Kritik lauter und lauter. Kean und Hamilton sahen sich schließlich gezwungen, in die Offensive zu gehen. In ihrem 2006 erschienen Buch „Without precedent“ rechtfertigten sie ihr Scheitern. Fazit (und Titel des ersten Kapitels): „Set up to fail. Approaching an impossible Task“. Die beiden Vorsitzenden gaben zu, auf Berichte aus dritter Hand angewiesen gewesen zu sein. Im Klartext: Alle wesentlichen Teile des Untersuchungsberichts beruhen auf über hundert Verhörprotokollen der CIA mit Gefangen, zu denen die Kommission keinen Zugang hatte. Über 200 Mal wird in Fussnoten des Berichts allein auf die unter Folter entstandenen Aussagen von Chalid Sheik Mohammed (siehe auch Geschichte Nummer 9) Bezug genommen. Kean und Hamilton stellten fest: We had no way of evaluating the credibility of detainee information. (…) How could we tell if someone such as Chalid Sheik Mohammed was telling us the truth? (…) Where we could not, it was left to the reader to consider the credibility of the source – we had no opportunity to do so. (…) Leider kann auch der Leser die Glaubwürdigkeit der Quellen nicht mehr überprüfen. Wie die New York Times 2007 berichtete, waren die Aufnahmen der Verhöre unrechtmässig vernichtet worden. Was Thomas Kean alles andere als kalt lies : The C.I.A. certainly knew of our interest in getting all the information we could on the detainees, and they never indicated to us there were any videotapes. Did they obstruct our inquiry? The answer is clearly yes. Whether that amounts to a crime, others will have to judge. Den vorläufigen Höhepunkt der Skandale rund um den Kommissionsbericht bildete 2008 das Buch „The Commission: The Uncensored History of the 9/11 Investigation“ von New York Times-Autor Philip Shenon. Shenon legte dar, wie eng Philip D. Zelikow tatsächlich mit dem Weißen Haus zusammengear­beitet hatte. Er zeigte auf, dass es einzig und allein darum gegangen war, niemanden zu beschuldigen. Und: Shenon enthüllte, dass Zelikow den Inhalt des Berichts schon fertig skizziert gehabt hatte (Kapitel, Unterkapitel, bis hin zu den Zwischentiteln), bevor die Kommissionsmitglieder überhaupt mit ihrer „unabhängigen, vollständigen“ 9/11-Untersuchung begannen …
Profilbild von Stefan Schaer

Stefan Schaer

ist selbstständiger Journalist und beschäftigt sich seit Jahren mit 9/11 – mit dem Tag an sich und seinen Konsequenzen.

http://www.stefan-schaer.ch/
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